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Botswana in 14 Tagen

Botswana war für uns ein unbekanntes Land. Selbst als wir vor fünf Jahren das erste Mal Namibia besuchten, kannten wir das Nachbarland kaum. Das änderte sich erst, als wir das erste Mal zu Besuch bei Volker und Gisela waren und Volker uns spannende Geschichten von seinen Afrikareisen erzählte und das alles mit exzellenten Bildern untermalte.

Vom Okawango Delta in Botswana war unter anderem die Rede, Tiefsand fahren zu Third Bridge, Xakanaxa, Khwai River und Savuti, Elefanten auf dem Campingplatz und Löwen, die neben dem Sandweg unter Büschen liegen. Dazu ein viel intensiverer Kontakt zur einheimischen Bevölkerung als in Namibia, weil es gerade im Norden Botswanas viel weniger von Weißen geleitete Farmen gibt mit angeschlossenen Lodges und Campingplätzen. Kurzum: In Botswana steckt viel mehr Afrika als in Namibia.

Die letzte Nacht auf der Trümper Farm am Flughafen von Windhoek war kalt wie keine vorher. Man merkt, dass der Winter in Namibia noch nicht ganz vorbei ist. Es ist früh am Morgen als wir uns auf den Weg zum Flughafenterminal machen. Wir, das ist das Namibia Team. Sebastian, Christian, Olga und ich. Die Stimmung ist gedrückt, da die Jungs und Olga nun nach zwei gemeinsamen Wochen zurück nach Deutschland fliegen werden und Claudia ankommt, um mit mir zwei Wochen durch den nördlichen Teil Botswanas zu reisen. Am liebsten würden wir alle zusammen immer weiter dieses freie, unbeschwerte Abenteuerleben in diesem Teil Afrikas genießen aber es geht eben nicht. Die Trennung fällt allen sehr schwer aber sie ist alternativlos.

Wir fahren vom Flughafen zuerst 40 Kilometer zurück nach Windhoek, kaufen Proviant in der Wernhill Shopping Mall und lassen in der Werkstatt von Asco Car Hire ein Dachzelt, das wir nun nicht mehr brauchen, demontieren, die Gasflaschen auffüllen und geben einen defekten Campingstuhl zurück. Dann sind wir bereit für die Fahrt zur Grenze nach Botswana.

Auf der gut befahrbaren Teerstraße B6 sind es 300 Kilometer bis zur Zelda Farm, wo wir übernachten wollen. Die Zelda Farm liegt 20 Kilometer vor der Grenze zu Botswana und ist eine dieser üblichen grünen Oasen in der Buschsavanne der Kalahari, wie wir sie schon sehr häufig erlebt und schätzen gelernt haben. Die Zelda Campingplätze sind großzügig gestaltet mit einem Stück grünen Rasen, das Haupthaus besitzt eine große Eingangshalle mit wuchtigen, vielleicht aus der Kolonialzeit stammenden Sitzmöbeln, es gibt flüssiges Internet und eine Bar für die Erfrischungen. Wir könnten eine der üblichen Game Drives mitmachen bei der man durch großzügige Wildgehege gefahren wird und bei der Fütterung von Leoparden, Geparden und Straußen zuschauen kann aber wir entscheiden uns für ein gut zubereitetes Abendessen in der Farm und gehen dann früh ins Dachzelt um auszuschlafen.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und fahren zur Grenzstation bei Buitepos/Namibia bzw. Mamuno/Botswana. Zuerst müssen wir auf der Namibiaseite das Ausreiseformular ausfüllen und uns abmelden, was von den Immigration Officer durch Abstempeln des Passes dokumentiert wird. Dann passieren wir die Grenze, fahren ein Stück durch Niemandsland und füllen im Immigration Office ein Einreiseformular für Botswana aus und bekommen ein Visum in den Pass gestempelt. Dann müssen wir unser Auto in das bereitliegende Logbuch eintragen und eine Straßenbenutzungsgebühr und eine Zusatzversicherung für Botswana abschließen. Dann geht der Schlagbaum hoch und wir dürfen nach Botswana einreisen.

Botswana ist von der Fläche her etwa 1½ mal so groß wie Deutschland, es leben dort aber nur gut 2 Millionen Menschen davon etwa 2% Weisse (zum Vergleich in Namibia sind es 5%). Das Land liegt in der zentralen Kalahari ohne Zugang zum Meer. Geschichtlich blieb Botswana eine Kolonialisierung wie es sie andere afrikanische Regionen erfahren mussten, erspart. Es gehörte nach der Kongokonferenz 1894 in Berlin, als die europäischen Mächte Afrika in Interessensgebiete aufteilten, zum Einflussgebiet Großbritaniens, das jedoch wenig Interesse an Botswana zeigte. Das Land war arm und ohne Aussicht auf eine für die Kolonialmacht profitable Bewirtschaftung. Also überließ man es weitestgehend den dort herrschenden Stammesfürsten, richtete in Botswana ein britisches Protektorat ein und schloss Schutzverträge mit den mächtigsten Stammesfürsten. Konflikte gab es jedoch um Botswana immer wieder mit der Burenrepublik im Süden und dem späteren Apartheitstaat Südafrika. Erst 1966 erlangte die Republik Botswana ihre Souveränität von Großbritanien und 1967, nur ein Jahr später, wurden in der Kalahari ertragreiche Diamantenfelder entdeckt, die das Land zu einem der Reichsten Afrikas machte – aber davon ist bei der Landbevölkerung, soweit wir das beurteilen konnten, nicht viel angekommen.

Die Hauptstraße A2, die von der Grenze bis zur Hauptstadt Gaborone im Süden Botswanas führt, ist geteert und gut befahrbar – trotzdem ist aufmerksames fahren geboten. Anders als in Namibia halten viele einheimische Batswana kleine Viehherden und lassen sie auf dem Seitenstreifen der Hauptstraße die spärlich wachsenden Pflanzen abgrasen. Fährt man mit dem Auto, muss man sehr gut aufpassen, dass man weder Esel noch Rinder oder Ziegen übersieht, die sich vom graugelben Sand der Kalahari nur schwer farblich absetzen. Unsere Fahrt führt weiter, erst auf der A2, dann über Ghanzi, einem kleinen Verwaltungsstädtchen, auf der A8 bis zum Hinweisschild ´Grassland Bushman Lodge´. Hier biegen wir rechts ab.

Schon die Anfahrt zur Grassland Bushman Lodge war für uns eine echte Herausforderung. Es ging das erste Mal durch Tiefsand. 60 Kilometer schlingert der Toyota HiLux in den tiefen Spurrillen hin und her. Teilweise fahren wir nur 20 KM/h, um nicht die Gewalt über das Fahrzeug zu verlieren und nicht in einen der Zäune zu fahren oder gegen den Stamm eines Kalaharibaums zu prallen. 16 Viehgatter müssen wir öffnen und wieder sorgfältig schließen. Wir sind hier mitten in der Kalahari Savanne, es ist staubig und sehr heiß. Kein Fahrzeug kommt uns entgegen oder will überholen. Nur kleine Hinweisschilder, die an Weggabelungen unauffällig stehen und leicht zu übersehen sind und unser Garmin Navi zeigen uns den richtigen Weg und geben uns die Hoffnung, irgendwann bei der Lodge anzukommen. Zwei Stunden später ist sie dann plötzlich da. Unauffällig sind die mit Natursteinen und Grasdach gebauten Häuschen in diesem eintönigen Nichts. Nur die schattige Empfangshalle mit üppiger Bar, der Swimmingpool und der satt grüne Rasen mitten in der Ödnis deutet auf ein entspanntes Leben für wohlhabende Touristen hin.

Es empfängt uns der Manager der Anlage, ein kräftiger, weisser Holländer. Wir buchen zwei Übernachtungen auf dem Campingplatz, der einige Kilometer entfernt im Busch liegt. Wir fragen nach einer Bushman Tour, für die auf der Webseite der Lodge geworben wird. Er sagt, er schaut was er machen kann und verspricht Val am nächsten Tag um 6 Uhr abends am Campingplatz vorbei zu schicken. Außerdem könnten wir ausnahmsweise, da derzeit keine Gäste in den Lodges gebucht haben, den Pool und die Liegewiese benutzen. Nun sind wir neugierig geworden und fragen ihn was eine Übernachtung in einer Lodge kostet. 350 US$ sagt er, von uns würde er aber nur 250 US$ verlangen. Pro Person und Nacht natürlich. Wir sind beeindruckt, lehnen aber dankend ab. Uns reicht ein Plätzchen in der großen Kalahari auf dem Dach eines Toyota HiLux mit Donkey Dusche für ca. 30€ pro Person vollkommen aus.

Wir verbringen den nächsten Tag vollkommen entspannt am Pool, auf der Liegewiese oder an der Bar der Lodge im Schatten. Es ist sehr heiß und die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Gegen Abend fahren wir zurück zum Campingplatz und warten auf Val. Val heißt eigentlich Valentin Grüner. Er ist Deutscher und managed das Modisa Wildlife Project. Das Modisa Wildlife Project ist praktisch der Lodge angeschlossen, gehört zum gleichen, reichen Besitzer, Willie de Graaff. Er stammt aus einer alten weissen Farmerfamilie und hat riesige Teile seines umliegenden Landes zum Schutzgebiet für Wildtiere der Kalahari erklärt. Das Management dieses Farmlands für Wildtiere hat er Valentin Grüner übertragen, der mit Volunteers aus aller Welt und einigen Bushman dieses Projekt am Leben erhält. Die Volunteers müssen insbesondere die weitläufigen Aussenzäune in Stand halten und Findeltiere mit der Flasche groß ziehen und unterstützen mit ihrer finanziellen Gebühr von ca. 800 US$ pro Woche das Projekt finanziell. Valentin leitet Modisa schon seit über sieben Jahren, lebte früher in Kanada und Namibia, hat aber hier im Busch sein Lebensglück gefunden. Er hat Löwen groß gezogen, die Klicksprache der Bushman vom Stamme der San gelernt, schläft nur bescheiden im Zelt und will nicht wieder zurück in die Wohlstandsgesellschaft wie wir sie kennen.

Val bringt vier Volunteers mit, die zusammen mit uns auf eine Gruppe Bushman der San treffen sollen. Die Bushman werden uns alte, überlieferte Überlebensrieten zeigen. Irgendwo sollen sie aus dem Busch auftauchen meint Val aber wir sehen niemanden. Val läuft nervös hin und her, ruft in einer eigenartigen Klicksprache und plötzlich, wie aus dem Nichts erscheint im Busch eine Gruppe San. Die San sind eine Volksgruppe, die seit vielen tausend Jahren im Süden Afrikas als Jäger und Sammler lebt. Waren es früher einmal 300-400.000 Menschen so wurden die San von weissen Kolonisten gejagt, getötet und versklavt. Heute besteht das Volk der San, die insbesondere in Botswana, Namibia und Südafrika leben noch aus etwa 100.000 Menschen. Die San sind von relativ kleinem Wuchs von bis zu 1,60m Körpergröße, wirken zierlich und haben eine helle, schokoladenbraune Hautfarbe. Der Älteste der kleinen Gruppe unterhält sich in ihrer Klicksprache mit Val, der übersetzt, dass man uns zeigen wird, wie in der Kalahariwüste bestimmte Pflanzen als Wasserspender genutzt werden können. Schnell hat der San die Pflanze gefunden, gräbt mit den Händen ihre Wurzeln aus und hebt eine kürbisgroße Frucht in die Höhe, schneidet sie an und gibt jedem einen Schluck der heraustropfenden Flüssigkeit zu trinken. Na gut, denke ich, jemand der fast verdurstet wird dieses Getränk ja köstlich finden aber für mich ist das nix. Es ist einfach zu bitter und schmeckt erdig-fad. Ähnlich ist es mit einer aus dem sandigen Wüstenboden ausgegrabenen, nahrhaften Pflanzenwurzel. Auch sie mag zwar sehr nahrhaft sein, schmeckt aber nicht. Wir bekommen den Bau einer kleinen Vogelfalle gezeigt und natürlich braucht man danach ein Feuerchen, um das tote Tier gut zuzubereiten. Durch geschicktes Reiben zweier Hölzer beginnt es nach einer Weile tatsächlich zu qualmen und die Bushmänner schaffen es, aus dem Nichts ein Feuer zu entzünden. Nun fordern sie uns auf, es auch einmal zu versuchen. Wir scheitern kläglich. Schon das Reiben eines Stabes zwischen den Handflächen erfordert Geschick, das wir nicht haben. Das Fazit ist ganz klar: In der Kalahari, nur auf uns gestellt, könnten wir nicht überleben.

Am nächsten Morgen brechen wir auf, öffnen und schließen die 16 Tiergatter auf der Sandpiste entlang der vielen Zäune und fahren zurück zur geteerten Hauptstraße in Richtung Maun.

Maun liegt am südlichen Rand des großen Okawango Deltas. Vom Süden Angolas bringt der Okawango in der Regenzeit enorme Wassermengen in die Kalahari. In einem gewaltigen Delta verdunstet das Wasser und es bleiben nur wenige wasserführende Flussarme und viele Wasserpools in der Trockenzeit übrig. Eine einzigartige afrikanische Tierwelt muß sich diesen ständigen periodischen Änderungen ihres Biotops anpassen. In der Trockenzeit wird man viele Tiere auf engem Raum an den Wasserstellen beobachten können, während in der Regenzeit große Tierherden in der weiten, ergrünten Landschaft stehen. Das Städtchen Maun ist Ausgangspunkt aller touristischen Aktivitäten in dieser Gegend. Von hier aus kann man spektakuläre Flüge über das Delta machen oder auch mehrtägige Safaris aller Preisklassen. Wir werden aber keine dieser verlockenden Angebote wahrnehmen sondern mit unserem Toyota HiLux nach Norden weiterfahren und uns dem Abenteuer Afrika auf Sandpisten hingeben. Maun dient uns nur als Verpflegungsstelle. Im großen, örtlichen Spar Supermarkt ergänzen wir unsere Lebensmittelvorräte und füllen die Dieseltanks. Zwischen Maun und Kasane am äußersten nordöstlichen Ende Botswanas an der Grenze zu Zimbabwe und Sambia gibt es weder Lebensmittelläden noch Tankstellen. Auf über 400 Kilometer Tiefsandpiste sind wir vollkommen auf uns allein gestellt. Die Sandpisten, die wir ab jetzt fahren werden, beanspruchen das Fahrzeug und den Fahrer enorm und man muss mit sehr hohem Spritverbrauch rechnen. Deshalb werfe man ständig ein wachsames Auge auf die Tankanzeige ob der Kraftstoff auch wirklich ausreicht. Besonders, wenn man viele Seitenpisten fahren möchte.

Maun ist aber auch die letzte Chance, fehlende Übernachtungen in einem der großen Natinalparks Moremi im Westen und Chobe im Norden zu buchen. Dazu fährt man am besten zum Booking Office des Department of Wildlife & National Parks (siehe Wegepunkte im Anhang). Will man nämlich mehr als einen Tag in einem der Nationalparks verbringen, benötigt man an den Parkeingängen ein Permit, das man nur bekommt, wenn man Übernachtungen nachweisen kann. Im Büro des DWNP in Maun ist man sehr behilflich. Man kennt alle Firmen, die Konzessionen für Campingplätze haben und kann den Besucher gezielt zu den Büros dieser Agenturen in Maun schicken. Eine Webseite, die gute Tipps zum Buchen von Campsites in den Nationalparks Botswanas gibt, findet man hier.

Wir fahren aus Maun hinaus in Richtung Norden und überqueren den Thamalakane Fluss. Es geht noch etwa 20 Kilometer weiter auf einer Teerstraße, dann wechselt der Straßenbelag plötzlich und wir fahren in den nächsten Tagen nur noch auf Schotter oder im Tiefsand. Unser Ziel ist der Campingplatz der Mankwe Bush Lodge. Ihn hatten wir schon von Deutschland aus gebucht. Er liegt an der Strecke, die wir weiter in nördlicher Richtung zum Savuti im Chobe Nationalpark fahren wollen und er liegt auch an der östlichen Grenze des Moremi Nationalparks, dem Kern des Okavango Deltas.

In der Mankwe Bush Lodge buchen wir eine Safari Tour mit einem jungen Einheimischen, der sich Junior nennt. Morgens um 9 Uhr geht es los, um 3 am Nachmittag sind wir wieder zurück. Zum Khwai River, einem der vielen Nebenflüsse im Okawango Delta, wird es mit dem offenen Safarijeep stromauf gehen bis zu den Hippo Pools. Die Fahrt ist staubig, sandig und sehr rau. Junior kennt sich aus in der Gegend und kann viel über die Tiere erzählen. Er weiss, dass Elefanten 18 Stunden am Tag fressen müssen, da sie schlechte Nahrungsverwerter sind, er kennt alle Antilopenarten auf der Strecke und weist auf Tiere hin, die wir klar übersehen hätten. So gelingt es uns, einen Leoparden in freier Wildbahn zu entdecken und viele bunte afrikanische Vögel, die wir nie vorher gesehen hatten.

Am nächsten Tag geht es weiter. Unser Ziel ist das Savuti Camp im Chobe Nationalpark. Nachdem wir das Eingangsgate zum Nationalpark in Mababe passiert haben, müssen wir uns entscheiden: Entweder wir fahren durch die sandige Savannenpiste Sandridge oder durch die Savuti Marsh. Unser Tagesziel, das Savuti Camp ist ein Campingplatz am Savuti Kanal, einem Nebenfluss des Kwando. Der Kwando (oder Cuando) ist ein über 1.500 Kilometer langer Fluss, der in Angola entspringt, im Caprivi Zipfel zum Grenzfluss zwischen Namibia und Botswana wird, seinen Namen wechselt in Linyanti und später als Chobe River oberhalb der Viktoria Fälle in den Sambesi mündet. Der Savuti Kanal ist meistens, bis auf einige Wasserstellen, trocken. Kommt das Wasser in der Regenzeit durch das ganze Flusssystem bis hierher, so ergießt es sich in die Savuti Marsh (Savuti Sumpf), einer riesigen Ebene im nördlichen Teil der Kalahari. Wir entscheiden uns, die Savuti Marsh Route zu fahren. Es ist trocken und heiß und so rechnen wir nur mit viel Sand und festem Lehm auf der Piste aber sicherheitshalber erkundigen wir uns doch am Mababe Gate über den Zustand der Strecke.

Das Savuti Campsite ist bekannt dafür, dass Wildtiere furchtlos durch das Camp streifen. Auch wir erleben Elefanten, die über den Platz stapfen, direkt neben unserem Auto stehen bleiben und mit dem Rüssel die Windschutzscheibe entlangtasten um zu erfahren ob hier irgendwo Wasser gebunkert ist. Wir flüchten in das Auto und hören wie ein Stoßzahn an der Seitenscheibe entlangstreift. Doch der Elefant ist nicht an uns interessiert und trottet nach einer Weile langsam und gemächlich weiter.

Nachts hören wir Löwen brüllen, Elefanten trompeten und Hyänen heulen. Als wir am nächsten Tag an der Wasserstelle am Camp vorbei fuhren sahen wir, dass eine Löwenfamilie in der Nacht ein Gnu gerissen hat und nun die Beute verspeist. Wie so oft kann man die Wildtiere auch hier aus nächster Nähe beobachten solange man im Auto bleibt, den Moror abstellt und sich ganz ruhig verhält. Kein Löwe hat sich für uns interessiert.

Savuti bietet viele ambitionierte offroad Strecken sowohl in die weite Senke der Savuti Marsh als auch in eine Sanddünenlandschaft, die von einem ehemaligen Binnensee übriggeblieben ist. Außerdem gibt es nur ein paar Kilometer weiter Felsenhügel, die man besteigen kann und die einen fantastischen Rundblick in die flache Savanne erlauben und an etlichen glatten Felswänden sieht man prähistorische Felsmalerein, die man ganz aus der Nähe besichtigen darf.

Wir verlassen Savuti und fahren die schwierige Tiefsandpiste in Richtung Kasane ganz im Nordosten Botswanas. Am Ghoha North Gate verlassen wir erst einmal den Chobe Nationalpark und dazu müssen wir uns aus dem Parkregister austragen. An diesem Checkpoint spricht uns Sambo an. Er arbeitet in der Ghoha Savuti Lodge in der Nähe, hat zur Zeit ein paar Tage frei und bat uns, ihn nach Kasane mitzunehmen. Wir erklären ihm, dass wir heute wohl nicht ganz bis Kasane fahren werden aber für ihn ist es einfach wichtig, ein ganzes Stück seinem Ziel näher zu kommen. Also nehmen wir ihn mit. Sambo ist ein professioneller Safari Fahrer dieser Gegend. Er leitet uns gleich auf eine Nebenstrecke, weil er meint die läßt sich besser fahren und gibt mir viele Tipps wie man besser im Tiefsand fährt. Trotzdem passiert es mir beim Hinauffahren auf eine Sanddüne, dass ich mich festfahre. Sofort graben sich die Räder in den lockeren Sand und das Fahrzeug liegt auf. In der Hitze müssen wir mit einer Schaufel das Fahrzeug ausgraben – eine sehr schweisstreibende Arbeit. In einem Low-Gear Gang kommen wir endlich nach einigen vergeblichen Versuchen frei. Knapp 100 Kilometer weiter wechselt der Straßenbelag plötzlich zu Teer und am Ngoma Gate fahren wir wieder in den Chobe Nationalpark ein. Hier verläßt uns auch Sambo, denn er will auf der gut ausgebauten, geteerten, fast schnurgeraden Straße nach Kasane eine neue Mitfahrgelegenheit finden und nicht mit uns hinunter zum Chobe Riverside fahren.

Der Chobe River ist Grenzfluss zwischen Botswana im Süden und Namibia im Norden. Botswana hat das weite Ufer des Chobe zum Nationalpark erklärt. Es ist, im Vergleich zur trockenen Savanne, die wir bislang durchfahren haben, eine grüne Oase mit vielen afrikanischen Wildtieren. Man kann entlang des Riverside fahren, also direkt entlang des Fussufers oder aber abseits auf Sanddünen oberhalb der Uferböschung. Wir fahren viele kleine Pisten im Uferbereich und können eine Unmenge Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Egal ob man im Chobe Riverside eine Safari von Kasane aus bucht oder mit dem eigenen Fahrzeug durch den Nationalpark fährt: Es ist ein unvergeßliches Erlebnis!

Hier sehen wir Flusspferde (Hippos), Löwen bei der Jagd, Geier und Marabus, die einen toten Elefanten ausweiden. Elefanten in großen Familiengruppen trifft man reichlich, genauso wie Zebras, Antilopen und Wasserbüffel. Wir übernachten direkt am Chobe River im Ihaha Camp. Erst nach intensiven Diskussionen an der Rezeption des Campingplatzes ist es uns gelungen, zusammen mit Karin und Karl einen Platz zu ergattern, auf dem wir zu viert stehen konnten. Karin und Karl, zwei Österreicher, sind auf Weltreise. Sie haben den Kilimanscharo bestiegen, wollen noch in Ruanda zu den Berggorillas und in Peru zur Inkastadt Machu Picchu. Zusammen mit einer Pavianfamilie, auf die wir immer ein wachsames Auge werfen, verbringen wir den schönen Sonnenuntergang im Westen und erleben, wie der Vollmond im Osten aufgeht und die Landschaft in ein fahles Dämmerlicht hüllt.

Unsere Fahrt geht am nächsten Morgen weiter Richtung Kasane. Kasane ist eine botswanische Grenzstadt zu Zimbabwe. Lange LKW Schlangen mit Handelsgütern insbesondere aus Südafrika warten an der Grenze auf eine Passage mit der Kazungula Fähre über den Sambesi Fluss, um ihre Waren weiter bis in die Länder Zentralafrikas zu liefern. Wir schlängeln uns vorbei an den parkenden Schwerfahrzeugen, denn unser Ziel ist das Senyati Safari Camp ein paar Kilometer weiter südlich.

An der Rezeption lernten wir Anne und Walter aus München kennen. Sie hatten gerade verzweifelt versucht, einen Übernachtungsplatz im Camp zu ergattern. Aber sie hatten Pech: Eine Gruppe Franzosen auf organisierter Tour durch Botswana hatte mit 15 Motorhomes das Camp fast komplett ausgebucht. Glücklicherweise hatten wir schon aus Deutschland reserviert und unseren Platz sicher. Spontan boten wir unsere Hilfe an und Anne und Walter wurden für zwei Nächte sozusagen unsere Untermieter. Afrika-, ähnlich wie Skandinavienfahrer, sind Überzeugungstäter. Sie wollen nicht den komfortablen Trip, nur irgendwo in der Sonne am Pool liegen, um sich zu bräunen und vielleicht mal auf organisierter Verkaufstour in die nächste Stadt fahren. Nein, Afrikafahrer kennen das Land, genießen Hitze und Staub – und haben viel zu erzählen. Wir hatten Glück denn auch Anne und Walter sind eingefleischte Abenteurer mit viel Afrikaerfahrung. Walter liebte es ausserdem zu kochen. Auch mit wenigen Zutaten zauberte er für vier Personen leckere Wildsteaks zum Dinner und er hatte auch gleich den passenden Rotwein dabei. So wurde es ein sehr angenehmer Abend, an dem wir viel über Afrika, den Oman und Australien erfuhren uns aber auch über persönliche Dinge des Lebens austauschten. Ähnlich wie vorher Karin und Karl reisen die zwei Münchner mit einem bescheidenen Ford Ecosport, gemietet in Johannesburg, durch das Land und übernachten in einem kleinen Bodenzelt. Das hielten wir für gewagt. In der Nacht hörte man Elefanten laut trompeten und durch das Camp stapfen. Nicht auszudenken, wenn ein solches Tier ein kleines Bodenzelt übersieht.

Das Senyati Camp ist ein guter Ausgangspunkt für Tagesfahrten zu den Victoria Fällen in Zimbabwe. Wir fahren am nächsten Morgen um 7 Uhr mit all den 30 Franzosen in drei Toyota Bussen von Ben Mogotsi’s 'wild cars & guides' (e-mail carsandguides@gmail.com) vom Campingplatz zur Grenze, lassen die Pässe Aus- und wieder Einstempeln und dann geht es noch weitere 75 Kilometer bis zum Eingang des Nationalparks. An dieser Stelle fällt der Sambesi senkrecht in eine 110 Meter tiefe aber nur ca. 50 Meter breite Erdspalte. Die Gischt der enormen, abstürzenden Wasserwand ist schon bei der Anfahrt kilometerweit zu sehen. Auf der Zimbabwe Seite sieht man über die Schlucht hinweg direkt auf die stürzende Wasserwand, die schon in Sambia liegt. Ein angenehm zu gehender Weg führt an der Abbruchkante entlang mit vielen, spektakulären Ausblicken auf den in die Tiefe stürzenden Sambesi.

Uns bleibt genug Zeit auch noch das 'Victoria Falls Hotel' ganz in der Nähe zu besuchen. Dieses Hotel wurde zur Hochzeit des Britischen Empire 1904 erbaut und strahlt auch heute noch etwas von imperialer Größe aus. Das Hotel verfügt über einen Bahnhof gleich vis-à-vis. King George VI, Vater von Queen Elisabeth II, entstieg hier begleitet von seiner Familie dem königlichen Eisenbahnzug und residierte in den späten 1940er Jahren mehrmals im Victoria Falls Hotel.

Wir brauchen unbedingt eine Pause. Der lange Fussmarsch und die enorme Hitze setzen uns zu. Wir gehen durch die Empfangshalle des Hotels, an den Wänden große Bilder der ehemaligen königlich, britischen Herrscherfamilie unter Georg VI und setzen uns in die Bar und genießen ein volles, kaltes Bier und warten auf die Ben Mogotosi’s Busse, um zurück ins Senyati Camp gefahren zu werden.

Am nächsten Morgen brechen wir vom Senyati Camp auf. Wir sind auf der Rückfahrt und fahren über Kasane, queren auf der Ngoma Brücke den Chobe und die Grenze nach Namibia und dann geht es den Caprivi Zipfel gen Westen. Nach 300 Kilometern und vier Stunden Autofahrt überqueren wir den Okawango Fluss, fahren eine Weile an seinem westlichen Ufer entlang und passieren wieder die Grenze und sind zurück in Botswana. Unser Ziel sind die Tsodilo Hills.

Mystische, über 400 Millionen Jahre alte Felshügel in isolierter Lage mitten in der Buschsavanne der nördlichen Kalahari, das sind die Tsodilo Hills. Wir erreichen sie als wir auf der A35 von Norden kommend etwa 50 Kilometer hinter der Grenze zu Namibia nach Westen abbiegen und auf einer breiten, gut befahrbaren Schotterstraße noch einmal gut 35 Kilometer bis zum Eingangstor des Parks fahren. Die Tsodilo Hills sind ein UNESCO Weltkulturerbe und bieten dem Besucher neben einsamen Wanderwegen über 4.000 Felszeichnungen, die von prähistorischen Bewohnern an den Felswänden angefertigt wurden. Wir Übernachten auf dem einsamen, weitläufigen Campingplatz und fahren am nächsten Tag zum Besucherzentrum und buchen dort einen Führer, der uns fachkundig zu vielen Felsmalereien führt.

Khanae ist 64 Jahre alt und Bushman vom Stamme der San. Er lebt heute mit seiner weitläufigen Familie in ein paar Hütten im Dörfchen Basarwa ganz in der Nähe. Er führt uns zwischen den Felsen zu vielen Felsmalereien, erklärt ihre Bedeutung und ihre Maltechnik. Wir erfahren, dass seine Großeltern noch in diesen heiligen Felshügeln lebten und die Tiere der umgebenden Savanne jagden um die Familien zu ernähren. Wir sehen mit Khanaes Hilfe an vielen Felswänden rot ausgemalte Tiere der afrikanischen Wildnis aber auch Menschen in zeremoniellen Ritualen. Es ist sehr beeindruckend was wir zu sehen bekommen und was uns Khanae über sein Volk und seine Vorfahren erzählt. Zum Abschluss dürfen wir Khanae in seinem Dorf besuchen. Klar, es ist auch eine kleine Verkaufsveranstaltung in seinem Dorf aber das stört uns nicht. Wir brauchen sowieso noch ein paar Souvenirs für die Lieben zu Hause und hier werden wir fündig.

Wir erleben eine letzte, unruhige Nach in Botswana. Ein Buschfeuer in der Nähe wird immer wieder durch den starken Wind angefacht und bereitet uns Sorgen. Der Himmel Richtung Westen ist hellrot erleuchtet aber der Wind scheint günstig zu wehen und das Feuer sollte sich von uns weg bewegen.

Der Rest unserer Reise ist schnell erzählt. Wir fahren zurück auf die geteerte A35, folgen ihr bis Ghanzi und dann weiter bis zur Grenze nach Namibia. Wir passieren dabei Veterinär Checkpoints, wo uns tierische Produkte abgenommen und vernichtet werden. Dies dient der Sicherheit der Rinderfarmen im Süden wird uns gesagt. Es soll die Verbreitung von Tierseuchen verhindern, die von Wildtieren auf Nutztiere übertragen werden können. Kurz hinter der Grenze übernachten wir noch einmal in der Zelda Farm und am nächsten Tag auf einem Camping Platz der Ondekaremba Farm in der Nähe des Internationalen Flughafens von Windhoek. Im Restaurant der Farm gehen wir Abends zum Dinner. Nette Leute treffen wir auch hier. Ilka und Ulrich und worum drehten sich die Gespräche beim Essen – natürlich Afrika.



Unsere etwa 2.000 Kilometer lange Tour durch Botswana als gpx-Track findet sich zum Download hier:

  TrackBOT (586,2 KiB, 4 hits)


und einige Wegepunkte, die wir im Artikel erwähnt haben, finden sich im gpx Format hier:

  Wegepunkte_Botswana_2016 (2,3 KiB, 2 hits)


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