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Chile, der Weg ins Altiplano

Wir haben uns dazu entschlossen am nächsten Tag weiter zu fahren. Rund um San Pedro de Atacama haben wir alles was wir uns vorgenommen haben besucht, angeschaut, erwandert und tief in uns aufgenommen. Es wird Zeit weiter zu ziehen.

Erst spät stehen wir auf und warten bis die intensive Wintersonne den Innenhof unseres Hostels Harickuntur in San Pedro erreicht und erwärmt. Das Hostel wird von einer einheimischen Familie, deren Gesichtszüge deutlich die Herkunft aus dem Hochland der Anden verraten, bewirtschaftet. Zwei kleine Kinder zwei und fünf Jahre versuchen neugierig Kontakt zu uns Touristen aufzunehmen. Mit Coby und Drago, den Europäern aus Australien, frühstücken wir zusammen am einzigen Tisch im Innenhof. Es fällt uns wie so häufig schwer aufzubrechen. Die angenehme Wärme der Sonne und die nette Unterhaltung über Gott und die Welt hält uns fest wie Magneten an einer Metallwand.

Gegen elf beladen wir endlich den Wagen, bezahlen die Übernachtungen, verabschieden uns von allen herzlich und fahren los. Unser Ziel ist das Altiplano, die Hochebene der Anden. Ähnlich wie bei der Kollision des Subkontinents Indien mit Eurasien mit der Entstehung Tibets hat die Kollision des südamerikanischen Kontinents mit der pazifischen Platte eine Hochebene in den südamerikanischen Kordilleren geschaffen. Ihr größter Teil liegt in Peru und Bolivien, ein kleiner Teil aber auch im äußersten Nordosten Chiles. Hierhin soll die Reise gehen.

Wir hatten uns vorgenommen in Calama etwa 150 Kilometer Nordwestlich von San Pedro zu Übernachten und eine Führung in einer der weltgrößten Kupferminen Chuquicamata, die vor den Toren der Stadt Calama liegt, mitzumachen. Überall in dieser Gegend Chiles sahen wir gigantische Staubwolken aufsteigen; ein weit sichtbares Zeugnis der vielfältigen Rohstoffgewinnung in der Atakama Chiles. In Chuquicamata wird das Kupfererz im Tagebau gebrochen, die Erzbrocken mechanisch zerkleinert und dann über verschiedene chemische und elekrolytische Prozesse reiner Kupfer und andere wertvolle metallische Rohstoffe gewonnen. Das ursprüngliche Städtchen Chuquicamata, das der Mine ihren Namen gab, mußte irgendwann dem sich ausbreitenden Tagebau weichen: Die Stadt wurde förmlich zugestaubt mit kontaminierten Stäuben und lag außerdem auf einem Kupferschatz, der nicht ungehoben bleiben konnte. Die Bewohner von Chuquicamata leben seit 2004 in einem eigenen, modernen Stadtteil der geschäftigen Industriestadt Calama etwa 20 Kilometer von der Mine entfernt. Viele Einwohner haben ein gutes Ein- und damit Auskommen von und mit der Kupfermine.

All dies erinnert den Rheinländer an den Braunkohletagebau westlich von Köln, wo die Rheinbraun, ein Tochterunternehmen der RWE, den Braunkohleabbau hauptsächlich zur Energiegewinnung betreibt und wo viele Gemeinden weichen mußten um an die Schätze unter der Erde zu kommen.

Die Kupfermine Chuquicamata wurde von den Gebrüdern Guggenheim 1912 erschlossen, ging 1923 an den amerikanischen Rohstoffkonzern Anaconda über und wurde in der Regierungszeit von Salvador Allende 1971 mit einer Reihe anderer chilenischer Minen verstaatlicht. Nach dem brutalen und für viele Chilenen auch heute noch traumatischen Militärputsch Augusto Pinochets mit tatkräftiger Unterstützung durch die Geheimdienste der USA am 11. September 1973 wurden die Verstaatlichungen der Allende Regierung wieder rückabgewickelt – nur die Kupfermine Chuquicamata blieb in chilenischem Staatsbesitz und gehört heute dem Staatsunternehmen Coldelco.

Angekommen in Calama suchten wir sofort ein Hotel, Hostel oder eine Cabaña – alles vergebens. Überall standen schon die roten Pickups der Minengesellschaft. Alle Unterkünfte sind in der Woche ausgebucht berichtete man uns. Man muß vorher unbedingt reservieren! Die Minengesellschaften beschäftigen viele Menschen, die hier in dieser unwirtlichen Wüstenumgebung nur werktags hart arbeiten und dann für das Wochenende zurück in ihre Heimatorte fahren. Gleiches haben wir später auch in Antofagasta erlebt. Antofagasta ist eine große Hafenstadt an der Pazifikküste über die alle Güter zum Betreiben der Minen in der Atakama abgewickelt werden. Außerdem werden von diesem Hafen aus auch die gewonnen Rohstoffe in alle Welt verschifft. Zusätzlich sind rund um die Stadt Servicefirmen in den feinen Wüstensand gestampft worden, die als logistische Basen für die Minengesellschaften dienen. Firmen, die uns besonders ins Auge fielen waren Volvo Trucks, Komatsu und Liebherr sowie MAN. Auch sie beschäftigen viele Spezialisten, die nur in der Woche Unterkünfte in der nahen Stadt Antofagasta belegen.

Schade, wir mußten den Plan, Chuquicamata zu besichtigen mit größtem Bedauern aufgeben. Chile Besucher der Atakama, die durch Calama kommen, sei dringend ans Herz gelegt, hier einen Stopp einzulegen, Unterkünfte frühzeitig zu buchen und die Chance wahrzunehmen einen solch gigantischen Tagebau zu besichtigen. Vielleicht hat man dann eine ganz andere Beziehung zu den kupfernen Regenrinnen am eigenen Eigenheim und grübelt nach ob das Kupfermaterial nicht doch eventuell aus dem gigantischen Loch in der fernen Atakama Wüste kommt.

Unsere Reise ging weiter nach Iquique, der nächstgrößeren Stadt am Pazifik, über 300 Kilometer nördlich von Calama. Die Straßen hier im Norden Chiles sind schmaler, nicht so gut in Stand gehalten wie im Süden, trotzdem geteert aber manchmal in recht verschliessenem Zustand. An mehreren Stellen wird die Straße vollkommen neu gebaut. Dies bedeutet dann schon mal nervenzehrende Umleitungen auf schlechten Schotterpisten über 20, 30 Kilometer. Manchmal bedeutet es aber auch kilometerlange einspurige Verkehrsführungen mit längeren Wartezeiten in langen LKW Schlangen am Stopp Zeichen der Streckenführung. Viel Geduld ist also gefragt.

In Iquique kamen wir erst abends bei Dämmerung an. Die Stadt erstreckt sich längs eines schmalen Küstenstreifens an einer riesigen, sandigen Bucht des Pazifik. Bedrängt wird sie von hohen Sanddünen im Landesinneren, die man langsam mit vielen Serpentinen hinunter fährt um in die Stadt zu kommen.

Iquique, dem man sich von oben nähert, kann sehr gut dazu dienen, den Aufbau der chilenischen Städte im Norden zu beschreiben. Zuerst ist man erschrocken: Wie sollen wir hier in diesem urbanen Chaos unseren Weg sicher finden. Bretter- und Wellblechbuden, ungeteerte Straßen, Dreck, verwilderte Hunde, Schrottplätze oder sind es doch Werkstätten? Man weiss es nicht auf Anhieb zu sagen. Alles fliegt an uns vorbei, unwirtlich und nicht einladend. Die Hauptstraße weist den Weg weiter ins Zentrum. Häuser mit festen Mauern oder einer soliden Holzkonstruktion überwiegen, Hochhäuser mischen sich ein. Was bleibt ist die oberirdische Chaosverkabelung. Sind es Strom- oder Datenleitungen? Von Mast zu Mast hängen die schwarzen Drähte, hoch oder manchmal ganz tief sodass man fast mit dem Kopf anstößt. Wo die Verkabelung hingeht? Man weiss es nicht, man kann es nicht entwirren. Wahrscheinlich kann es keiner. Ganz wirr geht es an Kreuzungen zu wenn aus vier Richtungen Kabel über Kabel auf einen Masten zu laufen und sich wieder entfernen. Vielleicht hängt aber hier an den vielen Masten das verdrahtete Wunder, das uns in jedem Hotel, Hostel oder Cabaña freies, gut funktionierendes Internet wie selbstverständlich und kostenlos beschert? Wir wissen es nicht.

Das Zentrum Iquiques wird bestimmt durch den netten, langen Strand mit vereinzelten Wellensurfern, dem Bella Vista Hotelturm und der einladend angelegten Strandpromenade sowie dem kleinen Fischereihafen am Rande der Bucht. Die zentrale Avenue ‚General Baquedano‘ ist Fußgängerzone und hat mit den alten, aus dem 19. Jahrhundert stammenden Häuschen, die Cafes und Restaurants aber auch Universitätsverwaltungen beherbergen ihren eigenen Charme. Sie mündet auf der einen Seite in den zentralen Plaza Pratt ein mit diversen Straßencafes und lädt hier herzlich zum besinnlichen Verweilen ein. Wir haben Iquique genossen und eine Rückkehr auf der Rückfahrt fest eingeplant.

Dreizig Kilometer östlich von Iquique an der Ruta 5 liegt Santa Lucia und Humberstone. Beides sind Salpeterminen, gegründet etwa um 1870 und in Funktion bis vor etwa 50 Jahren. Heute sind sie verlassen und rosten vor sich hin. Sie dienen als Museum und sind ein Weltkulturerbe der UNESCO. Es ist ein Pflichtprogramm sie zu besuchen!

Biegt man von der Rute 5 Richtung Iquique ab so liegt Santa Lucia gleich linke Hand wie ein eisernes, verrostetes Gerippe eines Dinosauriers in der kargen, trostlosen Wüstenlandschaft. Man geht vom Parkplatz zuerst in das Administrationsgebäude und kann sehen wie kärglich die technischen Leiter und Ingenieure damals gleich neben der Mine gewohnt haben. Geht man weiter so betritt man das eigentliche Werk mit seinen Haupt- und Hilfsanlagen. Hier arbeiteten früher tausende von Menschen und kampierten unter erbärmlichsten Bedingungen. Salpeter war vor etwa 150 Jahren der Rohstoff, dessen Nachfrage in Europa fast grenzenlos war. Salpeter enthält Nitrat und dient als Dünger dazu, die landwirtschaftlichen Erträge drastisch zu steigern. Außerdem nutzte man Salpeter zur Herstellung von Sprengstoff und Schießpulver. Beides, Dünger und Schießpulver wurde in Europa mit der industriellen Entwicklung und dem starken Bevölkerungswachstum und den erstarkenden Nationalstaaten im 19. Jahrhundert immer stärker nachgefragt. Chile Salpeter erlangte Weltruhm! Jäh brach dieser Boom zusammen als in Deutschland, das während des 1. Weltkrieges von Salpeterlieferungen aus Chile abgeschnitten war, das Haber-Bosch Verfahren zur künstlichen Gewinnung von Salpeter erfunden wurde. Viele Salpeterminen in Chile mußten ihre Belegschaft drastisch reduzieren oder schließen. Überall, besonders zwischen Antofagasta im Süden und Iquique im Norden findet man viele Hinweisschilder zu Geisteranlagen an der Ruta 5. Genau 100 Kilometer vor Antofagasta liegt linker Hand eine wahre Monsteranlage. Sie hat gigantische Ausmaße mit Industrieanlagen und Wohnbaracken. Man kann sie besichtigen und wird in ihr stundenlang laufen können ohne dass man einen anderen Besucher trifft. Es sollte ein Erlebnis sein.

Die Humberstone Ruine liegt direkt an der Ruta 5 an der Abzweigung nach Iquique rechter Hand. Der Engländer Humberstone, der die Mine erschloss, versuchte nicht nur eine Industrieanlage aufzubauen sondern auch ein kleines Dorf für die Angestellten und Arbeiter der Fabrikanlagen und deren Familien mit zu planen und zu bauen. Die Industrieanlage selbst mußte vollkommen autark arbeiten, eine eigene Instandsetzung mit vielen Werkzeugmaschinen, eine eigene Energieerzeugung und eigene Transportkapazitäten mit Schienen und Dampflokomotiven unterhalten. Dazu mußten die Arbeiter, Angestellten und ihre Familien versorgt werden. Eine Schule und ein Theater ja sogar einen Tennisplatz gab es. Und alles in der trostlosen Atakama Wüste. Wahrlich ein Platz zum Staunen!

Die Fahrt geht weiter nach Norden. Das Ziel ist Arica, eine Stadt einige Kilometer südlich der peruanischen Grenze. Zur Stadt des ewigen Frühlings – wie es in unserem Reiseführer heißt. Der Stadtkern wird überragt von einem hohen, schroffen Felsen auf dem eine riesige stolze chilenische Fahne im Wind flattert, bewacht durch symbolische Kanonen der deutschen Waffenschmiede Friedr. Krupp, Essen aus den Jahren 1912 und 1914. Von hier aus hat man einen tollen Überblick über die unten liegende chilenische Stadt. Der Stadtkern mündet in einen Hafen direkt unterhalb des Felsens, südlich am Pazifikufer sieht man eine nette Strandpromenade mit Restaurants und Cafes weiter entfernt eine große Fischfabrik, die Fischmehl herstellt. Im Norden vielleicht 3 Kilometer vom Stadtkern entfernt zieht sich ein weiter Badestrand mit Hochhaushotels, Appartements und palmengesäumten Strandpromenaden entlang der Küste. Hier fahren wir hin und übernachten im Star Apart Hotel in einem komfortablen Appartement mit mehreren Schlafzimmern und einer kleinen, abgenutzten aber intakten Küche.

In Arica halten wir uns nur kurz auf; auf der Rückfahrt vom Altiplano möchten wir uns später in Arica ein paar Tage am Strand vom Höhenstress und der Nachtkälte erholen. Jetzt fahren wir zum Supermarkt Santa Isabel, kaufen kräftig Lebensmittel ein, organisieren zwei zwanzig Liter Ersatzkanister für Benzin und bereiten uns auf die Fahrt am nächsten Tag in die chilenische Hochebene der Anden vor.

Unser Ziel ist der Parque National Lauca. Er ist in einer anstrengenden, vierstündigen Autofahrt von Arica aus zu erreichen indem man das grüne, fruchtbare Tal des Rio Lluta steil in vielen Serpentinen hinauf fährt. Das kleine, einfache Dörfchen Putre am Eingang des Parks in 3.400 Metern Höhe bietet Übernachtungen in kleinen Hostels und auch einfache Restaurants und ein kleiner Laden sind hier vertreten. Eine Tankstelle gibt es nicht. Wir übernachten im Hotel Chakana. Dieses Hotel ist eine Ansammlung kleiner weisser Häuschen jeweils mit Wohnraum und privater Dusche und WC. Und es gibt ein kleines elektrisches Heizgerät. In dieser Höhe ein echter Komfortschatz. Wir fühlen uns die paar Tage, die wir hier verbringen sehr wohl. Am Tage kann man herrlich die Sonne auf einer Bank vor ’seinem‘ gemieteten Eigenheim genießen, morgens und abends geht man gerne ins Gemeinschaftshaus zum Frühstücken oder einfach um sich mit anderen Gästen zu unterhalten. Am ersten Tag haben wir gegen Symptome einer leichten Höhenkrankheit zu kämpfen. Der plötzliche Aufstieg von Meerehöhe auf 3.400 Meter setzt dem Körper hart zu. Uns plagen Kopfschmerzen und ein leichter Schwindel. Die erste Nacht war hart ohne erholsamen Tiefschlaf. Aber all das bessert sich schon am nächsten Tag und besonders die Kopfschmerzen verschwinden nach ein, zwei Tagen gänzlich. Kleine, unfreiwillige Experimente haben uns den krassen Luftdruckunterschied dieser Höhe relativ zur Meerehöhe erleben lassen: Beim Öffnen einer Ketchupflasche entlud sich der Überdruck in der Flasche explosionsartig und sprenkelte alle umliegenden Gäste dunkelrot. Sehr peinlich aber alle nahmen es mit Humor. In Putre geleerte, fest verschlossene Reservetanks aus Plastik waren in Arica unansehnlich zusammengepresst. Der äußere Druck war zu mächtig für das Hartplastik.

Der erste Ausflug führte von Putre zum Lago Chungara mit Blick auf den über 6.000 Meter hohen Vulkan Parinacota mit seiner perfekten Kegelspitze. Der Lago Chungara liegt auf 4.570 Meter Höhe kurz vor der Grenze zu Bolivien und gilt als einer der höchstgelegenen Seen der Erde. Über die Passstrasse von Arica nach La Paz, der Hauptstadt Boliviens, quälen sich viele bolivianische Lastwagen zur Versorgung der bolivianischen Hauptstadt. Wir sehen Tankfahrzeuge in Massen, Containerlaster und Baufahrzeuge. Dazwischen gibt es Baustellen wo die Chilenen diese stark beanspruchte Straße ausbessern oder erneuern. Bis zum Salpeterkrieg Ende des 19. Jahrhunderts, den Chile mit britischer Unterstützung gewann, hatte Bolivien in Antofagasta einen eigenen Hafen. Heute muß das sehr arme südamerikanische Land alle Waren über den Landweg aus fremden Häfen wie z.Bsp. Arica beziehen. Unsere Erfahrungen mit Stempel- und Prüforgien an südamerikanischen Landesgrenzen ließen uns daher auch nicht weiter staunen als wir die lange LKW Schlange zur Einreise nach Chile auf dem Grenzpass sahen. Ein bischen Europäische Union würde den Ländern Südamerikas ganz gut tun.

Südlich an den ‚Parque National Lauc‘ schließt sich das Reserva Nacional Las Vicuñas mit dem ‚Salar de Surire‘ an. Dieser Park ist eine Hochebene, die auf über 4.500 Metern liegt, überragt von vielen weissbedeckten Andenvulkanen, die zum Teil aktiv sind und kleine Rauchwölkchen in den blauen Himmel stoßen. Der Weg, den wir von Putre aus einschlagen ist eine rumpelige Schotterstraße, die von vielen, schweren Lastwagen befahren wird, die Salz oder Borax, das aus einem Salztagebau direkt am ‚Salar de Suire‘ abgebaut wird, zu Tal nach Arica zur weiteren Verwertung transportieren. Auf der Fahrt auf der Schotterpiste schlucken wir viel Staub, es ist diese feine vulkanische Asche, die überall auf diesen Hochebenen in der Atakama zu finden ist. Als wir abends nach über 300 Kilometern Aschenstraße in Putre zurück sind ist alles rötlichgrau eingestaubt. Die Haare und der ganze Körper, der Fahrzeuginnenraum ist wie fein eingepudert und im Kofferraum liegt eine Staubschicht aus. Zwischen den Zähnen knirscht es permanent – das ist eben der Preis einer solchen offroad Tour.

Der ‚Salar de Surire‘ ist ein großer Salzsee. Die eine Seite gehört der Minenfirma, dort wird mit Raupenfahrzeugen das Salz zusammengeschoben, auf LKWs verladen und abtransportiert. Die andere Seite ist naturbelassen. Hier sieht man hunderte, vielleicht tausende Flamingos in angemessenem Abstand auf dem wasseroffenen Salzsee und eine Menge Vicuñas, ein naher Verwandter der Lamas. Das faszinierende an dieser Landschaft ist die intensive Sonne in dieser trockenen Atmosphäre, die weite Ebene mit dem rotgrauen Aschesand und dem Salzsee, der Farben von strahlend weiss bis dunkel grün erzeugt und natürlich die weissen Andengipfel, die das Landschaftsbild erst richtig einrahmen – und die absolute Stille, die wir hier erleben ohne von anderen Touristen gestört zu werden muß man auch erwähnen.

Interessante Menschen die wir getroffen haben: Eine deutsche Familie, die in Neuseeland lebt. Joerg und Andrea aus Franken mit ihren 3 Söhnen und ihrer 18-jährigen Tochter. Sie erfüllten sich vor über zehn Jahren ihren Lebenstraum eines ökologischen Landlebens mit weitgehendem Verzicht auf den extensiven Konsum, den wir uns angewöhnt haben. Sie fuhren mit ihren damals drei Kindern im Zelt nach Neuseeland, suchten und kauften Farmland und bauten auf dem eigenen 100ha großen Besitz ein Haus und versorgen sich weitestgehend mit den Gütern, die sich auf der Farm erzeugen lassen. Die Kinder unterrichten sie selbst, haben aber den Bildungsanspruch einer gut bürgerlichen, deutschen Familie: Die Kinder sollen in die Lage versetzt werden in Deutschland ein Hochschulstudium aufzunehmen. Bei der Tochter haben sie dies Ziel schon erreicht. Joerg ist Spezialist für Wasseraufbereitung und arbeitet von Zeit zu Zeit wochenweise für Minengesellschaften um deren Wasseraufbereutungsanlagen in Betrieb zu nehmen oder zu optimieren. So verschlug es ihn diesmal nach Calama in die große Kupfermine. Technologisch, so sagt Joerg, ist das für ihn kein Problem den gestellten Anforderungen der Auftraggeber zu genügen: Überall wird deutsche Technik umfassend eingesetzt und mit dieser kennt er sich bestens aus. Wir bewundern diese Familie, die ihren Lebenstraum erfüllt hat und dabei aber trotzdem dem modernen Leben so zugewandt geblieben ist.


Am Schluß des Artikels gibt es unseren Fahrweg für diesen Streckenabschnitt wie üblich als GPS Track File hier zum Download:

  Chile GPX Track Weiter ins Altiplano (270,9 KiB, 626 hits)

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  1. Brooks Tyler’s Avatar

    Eine Attraktion in dieser Gegend ist sicher die blühende Wüste. Hier verwandelt sich der Landstrich zwischen Copiapo und La Serena in ein Blumenmeer. Dieses Ereignis tritt ein, wenn es im Frühling (September) genug Regen gibt. Die letzten Jahre, in denen sich das grau in bunt verwandelt hat, waren 1987, 1991, 1997 und 2000. Sonst liegen die Städte nördlich von La Serena in einzelnen Oasen. Die nördlichste ist Copiapo, eine alte Minenstadt, in der das Beeindruckendste die Kirchen sind. Auf halber Strecke zwischen Copiapo und La Serena liegt Vallenar. Diese Stadt hat nicht sonderlich viel zu bieten und wird meistens nachts durchquert, wenn man auf dem Weg in den Norden oder Süden ist. Zu erwähnen bleibt, dass sich ein Abstecher an die Küste auf der ganzen Strecke lohnt. Hier findet man kleine Fischerdörfer, in denen der Tourismus noch keine grosse Rolle spielt. Weiter im Süden liegt La Serena aber immer noch fast 500 km nördlich von Santiago. Es ist eine der Städte, in der der koloniale Stil noch am ehesten erkennbar ist. Die Strände sind schön, insbesondere seitdem die Gegend um Viña del mar das Top Reiseziel für die Einwohner von Santiago geworden ist, sind sie auch nicht mehr überfüllt.

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