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Ein Kurzbesuch in Bangkok

Thailand stand ursprünglich als Strandurlaub auf unserem Reiseplan um uns mental von Nepal auf Neuseeland umzustellen. Aber es kam dann doch anders.

Über Skype und e-Mails aus der Heimat erfuhren wir Horrormeldungen: Thailand ist fast komplett überschwemmt. Der Monsunregen war 2011 im Norden des Landes so ergiebig wie seit 50 Jahren nicht mehr. Fabriken mußten geschlossen werden, Teile Bangkoks stehen unter Wasser und der Flughafen mußte seinen Betrieb ganz oder teilweise einstellen.

Zuerst hatten wir diese Hiobsmeldungen fatalistisch hingenommen: Warten wir ab, es dauert ja noch ein paar Tage bis wir nach Bangkok fliegen. Der Tag des Abflugs kam aber näher und näher und aus der Heimat wurden die Warnungen immer eindringlicher. Jetzt wurde sogar vor diversen Krankheiten wie Malaria und dem Dengue Fieber in Bangkok gewarnt und auch gefährliche Tiere könnten mit der Flut in südlichere Teile des Landes migriert sein. Trinkwasser soll knapp sein und die Versorgungslage ist sowieso kritisch.

Eine Woche vor dem Abflug lernten wir durch Zufall ein Ehepaar mit der kleinen, 5-jährigen Melodie kennen, die direkt aus Bangkok nach Kathmandu eingeflogen waren. Der Mann ist Israeli, sie Deutsche mit deutschem Pass, geboren in Südafrika, wobei sie nie in Deutschland gelebt hat. Die Familie lebt auf einer Nachbarinsel von Koh Samui, auf Koh Phangan und stellt dort individuell gestalteten Schmuck her, den sie in einem kleinen Laden vor Ort und über das Internet verkaufen. Einmal im Jahr kommen sie nach Kathmandu um von indischen Händlern Halbedelsteine aus dem Himalaya für ihre jährliche Schmuckanfertigung anzukaufen. Das Ehepaar ist richtig globalisiert ein Heimatbegriff wie man ihn eigentlich zu verwenden pflegt ist ihnen fremd. Der Ehemann spricht Hebräisch und Englisch, die Ehefrau Deutsch und Englisch, die Familiensprache ist Englisch, eine Sprache, die beide nicht als ihre Muttersprache bezeichnen. Melodie lernt Deutsch, Englisch, Hebräisch und im Kindergarten und später in der Schule Thailändisch, das wie das Hebräische nicht lateinische Schriftzeichen verwendet. Welch eine Herausforderung in dieser neuen Zeit.

Wir erfuhren, dass die Stadt Bangkok nicht überschwemmt ist sondern nur einige Randbezirke im Nord-Westen. Der internationale Flughafen Suvarnabhumi arbeitet normal, nur der Inlandsflughafen Don Mueang ist überschwemmt und geschlossen. Auch Wasserknappheit in den Stadtteilen Bangkoks in denen Touristen verkehren gibt es nicht. Trinkwasser ist nur teurer als normal. Es gibt auch keine Versorgungsprobleme und von gehäuftem Auftreten von Malaria und Dengue Fieber war ihnen auch nichts bekannt.

Wir stellten uns schon beruhigt auf eine Reise nach KoH Samui ein, träumten vom Sandstrand und herrlicher Sonne, weit ab vom Gehupe und dem chaotischen Autoverkehr Kathmandus – da kam der entscheidende Punkt: Der Monsunregen verlagert sich von Norden nach Süden. Der November, unserem geplanten Reisemonat, ist der feuchteste und regenreichste Monat des Jahres in dieser Region. Man muß mit schwül heißen Tagen und recht viel Regen rechnen, deshalb nimmt sich das israelisch-deutsche Ehepaar mit ihrer kleinen Melodie auch eine einmonatige Auszeit von Thailand, fliegt nach Nepal, tätigt dort Geschäfte und erholt sich in einem netten, ruhigen Hotel in Pokhara von allem Stress des vergangenen Jahres. Ist der Regen vorbei fliegen alle wieder zurück, vollgepackt mit dem Rohmaterial für die Schmuckproduktion des nächsten Jahres.

Wir hatten also verstanden: Nicht nach Thailands Touristenstränden im Süden im November. Also buchten wir um. Aus 10 Tagen Thailand und 2 Tagen Malaysia wurden 2 Tage Bangkok, die wir brauchten um unsere Anschlussflüge zu organisieren. Wir wollten so schnell wie möglich weiter nach Neuseeland, ruhige Strände genießen, grün bewaldete Landschaften sollten unsere Seele beruhigen und asiatische Megastädte wollten wir strikt meiden.

Bangkok hatte also bei uns keine Chance. Zwei Besuchstage sind zu kurz und ist man mental nicht bereit sich der neuen Kultur und Lebensweise zu öffnen, dann wird man sie auch nicht positiv in sich aufnehmen können.

Trotzdem: Schon am Flughafen nach der Landung fällt sofort auf, dass Thailand ein ganz anderes wirtschaftliches Kaliber ist als Nepal. Man spürt am neuen internationalen Flughafen im Osten der Stadt und den vielspurigen Einfallstraßen vom Flughafen nach Bangkoks Zentrum, dass Thailand eine potente Wirtschaftsnation ist. Alles ist ausgebaut und nach westlichen Standards organisiert. Große Werbeflächen säumen die breiten Ausfallstraßen von Bangkoks Zentrum in die Außenbezirke. Nur manchmal, beim genauen Hinschauen zeigt sich eine asiatische Wesensverwandtschaft mit Nepals Hauptstadt Kathmandu: Kathmandus „strukturierte“ Verkabelungen, das heißt Kabel die für Aussenstehende sinnlos und chaotisch in 3 Meter Höhe neben den Straßen hängend oder straff geführt von Mast zu Mast oder von einer Häuserwand zur anderen und bis zum nächsten Knotenpunkt verlegt sind und dann wieder irgendwohin in dicken oder dünnen Strängen oder auch einzeln verlaufen, auch das findet man in Bangkok. Ist Bangkok außerhalb des traditionellen Zentrums geprägt von stillosen, funktionalen, quaderförmigen Büro-, Verwaltungs-, oder Geschäftsbauten mit ihrer grauen oder spiegelnd verglasten Front so blinkt doch ab und zu einmal Klein-Kathmundu durch. Ein kleines Häuschen quetscht sich zwischen die moderne Architektur, etwas heruntergekommen, grauer Wellblech auf dem Dach. Hier müssen die letzten Thailänder, die Ureinwohner der Stadt ausgehalten haben, dachten wir sofort liebevoll. Macht weiter so, haltet durch!

Bangkok ist nicht in zwei Tagen zu erleben wie etwa Dubai, das war uns klar und wir haben es auch gar nicht versucht. Bangkok ist einfach zu groß, durch die eigene Sprache mit eigener Schrift ist die Orientierung schwierig. Nicht alles ist ins Englische übersetzt. Im Chinesenviertel wird Englisch durch das Chinesische verdrängt, dann wird es erst richtig ein Problem. Wir verließen uns auf die Hochbahn, die wichtige Stadtteile miteinander verbindet und Taxis. Trotzdem: Welche der Stadtteile der Megastadt sind überhaupt für Ausländer interessant und wo liegen sie? Hat man keinen einheimischen Führer oder ein sachkundiges Reisebuch zur Hand ist Bangkok in zwei Tagen nicht machbar. Also ließen wir uns einfach von unseren Wünschen leiten.

Durch unseren längeren Besuch in Nepal zog es uns am ersten Tag instinktiv hin zur westlichen Konsumkultur. Wir schlenderten ausgiebig durch die nett dekorierten Boutiquen und Fachgeschäfte eines der vielen größeren Einkaufspassagen von Bangkok. Fasziniert schauten wir den thailändischen Köchen zu, die vor den Augen der Kunden die thailändischen Delikatessen zubereiteten. So strich die Zeit einfach dahin.

Am zweiten Tag besuchten wir den „Großen Palast“ am Ostufer des durch Bangkok fließenden Chao Phraya. 1782 entschied König Rama I den zuvor von den Birmanen zerstörten alten Königspalast des siamesischen Reiches an diesem Ort neu entstehen zu lassen. Der ursprüngliche „Große Palast“ wurde ständig erweitert, umgebaut, vergrößert und ist heute eine große Palastanlage, deren Besichtigung sich sehr lohnt. Die Anlage des „Großen Palastes“ ist ein Refugium der Ruhe in dieser quirligen Großstadt. Man kann den ganzen Tag hier verbringen und die sorgfältig restaurierten Bauwerke bestaunen.

Für mich war es schwierig Bilder von Bangkok aufzunehmen. Es blieb zu wenig Zeit um die Stadt zu verstehen und Motive zu finden, die man gerne mit der Kamera festhalten möchte. Einzig vom „Großen Palast“ gibt es Fotos, da mich die fast schon barock wirkenden Verzierungen der Paläste und die Blattgoldgemälde im Inneren in ihren Bann gezogen hatten. Außenaufnahmen sind sehr schwierig, da ich einen adäquaten Standort für gelungene Aufnahmen nicht finden konnte. Die Paläste stehen einfach zu eng zusammen.

Von den heftigen Überschwemmungen haben wir in Bangkok nichts gesehen. Einzig viele Gebäude waren mit Sandsäcken gegen eindringendes Wasser gesichert, sodass man in Geschäfte und in unser Hotel nur über eine Schicht Sandsäcke eintreten konnte. Der durch Bangkok fließende Chao Phraya hatte Hochwasser bis an die Deichkrone und der sonst so rege reguläre Schiffsverkehr auf dem Fluß war eingestellt. Erst beim Flug von Bangkok nach Malaysia sahen wir aus tausen Metern Höhe das ganze Überschwemmungsdesaster. Das umliegende Land war komplett mit Wasser bedeckt, nur Straßen und Häuser ragten aus der gelblichen Wasserwüste heraus. Von hier oben aus gesehen verstanden wir welch Desaster dieser Monsunregen 2011 für dieses aufstrebende asiatisch Land ist.


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  1. Herbert Gans (FFC)’s Avatar

    Hallo Ihr Weltreisenden!
    Freut mich, wieder von Euch „zu hören und zu sehen“! Gut, dass Ihr wenigstens die Königspaläste ohne Hochwasser sehen konntet. Wünsche in Neuseeland einen schönen sommerlichen Aufenthalt!

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  2. Hans-Joachim’s Avatar

    hallo Friederich, ich war schon ganz gespannt auf die Fortsetzung deiner Berichte für die Zeit nach Nepal. die Tempel in Bangkok wirken ja noch bunter als die in Kathmandu.
    Ich werde eure Reise sehr interessiert weiterverfolgen.
    Hans-Joachim

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