Viele Fotos und ein paar Worte https://www.Friedrich-Glasenapp.de von Friedrich Glasenapp Fri, 04 Jan 2019 20:31:04 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.0.3 Island, Fahrt ins Hochland https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/11/island-fahrt-ins-hochland/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/11/island-fahrt-ins-hochland/#respond Fri, 23 Nov 2018 17:58:48 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5873 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Island ist die Insel aus Feuer und Eis, geprägt durch Gletscher und große Schneefelder und durch Erdspalten, erstarrte Lava und Vulkane. Nachdem wir in den ersten Tagen auf Island von der geteerten Ringstraße aus Abstecher zu den Gletschern des Vatnajökull unternommen haben, geht es jetzt ins Hinterland, Islands Highland.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Durch unsere zahlreichen Besuche im südlichen Afrika haben wir praktische Erfahrung im Befahren unbefestigter Straßen mit Mietautos. Man sollte immer prüfen ob der Autovermieter das Fahren auf unbefestigten Straßen überhaupt zuläßt oder ob bestimmte Gebiete sogar ausgeschlossen werden. Für Island sind Schotterpisten im Hochland untersagt, wenn man ein Auto mit konventionellem Antrieb oder Wohnmobile anmietet. Ist das geklärt, prüft man die Ausrüstung des Mietautos. Reicht der Treibstoff im Tank wenn Tankstellen rar sind, besonders wenn der Spritverbrauch auf Schotter viel höher ist? Ist das Equipment zum Wechseln eines defekten Reifens komplett und weiss man überhaupt, wie man einen Reifen bei dem Mietfahrzeug wechselt? Da haben wir Vorteile. Wir kennen den Toyota HiLux sehr gut, denn er ist in Afrika das meistvermietete 4×4 Auto und wir haben ihn dort schon häufig gefahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Trotzdem sind wir unsicher. Christian, mein jüngster Sohn und Mitfahrer, hat im Reiseführer eine Tour zur Lakispalte oder isländisch Lakagíga gelb markiert. Da müssen wir unbedingt hin war sein unerschütterliches Credo. Dass der Reiseführer von schwierig zu befahrender Schotterstraße sprach, nur zu empfehlen für erfahrene offroad Fahrer, machte uns schwankend, besonders aber die fünf ausgewiesenen Wasserfurten. Wir hatten zwar bislang recht gutes Wetter, nur an einem Tag am Nachmittag viel Regen aber keinen Sturm bei akzeptablen Temperaturen um die 10 bis 13 Grad am Tag. Doch das kann sich auf Island schnell ändern und kleine Flüsschen können mächtig anschwellen und unpassierbar werden. Ein guter Tipp ist, sich regelmäßig über das Islandwetter auf einem der gängigen Wetterportale und über den aktuellen Zustand der isländischen Straßen auf der Seite des Portals Icelandic Road and Coastal Administration zu informieren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir diskutieren die Möglichkeit, eine bezahlte Tagestour zur Lakagíga mit einen dieser Monstertrucks zu buchen. Im Internet werden wir schnell bei Guide to Island fündig. Hier werden Tagestouren für etwa 250€ pro Person angeboten. Ich schwanke aber Christian lehnt strikt ab. Zu teuer! Island ist generell für uns Euro Touristen ein sehr hochpreisiges Land. Ein Kaffee oder der Parkplatz können schon mal 7€ kosten, Diesel 1,80€ der Liter, einfache Campingplätze für uns 40€. Die Isländer stammen eben von den Wikingern ab und die gingen früher auf große Fahrt um die Nachbarvölker auszuplündern. Heute kommen die Touristen scharenweise aus den USA, Europa, Japan, China und anderen Ländern. Ganz freiwillig. 2017 waren es angeblich 2.5 Millionen bei 350.000 Isländern! Devisen geben sie freiwillig im Land ab. Die Isländer müssen nur die Hand aufhalten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir schauen auf die Wettervorhersage und die ist für die nächsten Tage gut. Unsere Entscheidung ist gefallen. Wir tanken den Toyota voll und fahren am nächsten Morgen ab ins Hochland. Von der Ringstraße biegt man zur Lakagíga in die Seitenstraße F206 ab. Wir sind erstaunt. Die Schotterstraße ist gut zu fahren und macht uns keine Probleme. An der ersten Flussfurt sind wir noch vorsichtig, steigen aus und schauen uns den Flussgrund und die Wassertiefe genau an und diskutieren, wo wir passieren wollen. Dann riskieren wir die Durchfahrt. Das Wasser geht zwar bis an die Türschweller und wir schieben eine weiße Bugwelle vor uns her aber der Toyota mit seiner Bodenfreiheit meistert die Furt perfekt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser erstes Ziel ist der Wasserfall Fagrifoss gleich neben der F206. Hier stürzt sich der Geirlandsá etwa 80 Meter tief in eine Erdspalte. Wir sind das erste Mal die einzigen Besucher einer isländischen Sehenswürdigkeit und sind überwältigt. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen laufen wir alle Aussichtspunkte ab und genießen die Stille, die uns umgibt. Es fällt uns schwer, diesen tollen Ort zu verlassen aber wir müssen wieder zurück auf die Schotterpiste F206 Richtung Lakagíga.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Island ist mit etwa 20 Millionen Jahren geologisch eine recht junge Insel. Sie liegt genau auf dem Mittelatlantischen Rücken. Der Mittelatlantische Rücken ist eine Spreizung des Meeresbodens des Nord- und Südatlantiks in dessen Folge sich die amerikanischen Kontinente von Europa und Afrika entfernen. Dabei wird viel Magma aus dem Erdinneren befördert und es bilden sich Spalten und Gebirgsaufwerfungen. Normalerweise findet dieser Prozess in einigen tausend Metern Tiefe am Grund des Atlantiks statt. Bei Island kommt, gemäß der gängigen Theorie, der Island-Plume ins Spiel. Ein Plume ist ein Strom von heißer, flüssiger Magma aus dem tiefen Erdmantel, der aufsteigt und gegen die Erdkruste drückt und diese nach oben wölbt sodass Island als Insel aus dem Meer austritt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Im Jahr 1783 riss die Erde auf einer Länge von 25 Kilometern dort auf, wo sich heute der Lakagíga Graben und die Kette der Laki Vulkane befindet. Aus 130 Kratern flossen knapp ein Jahr lang etwa 15km³ Lava aus und bedeckten und verwüsteten dabei eine Fläche von über 600km² (entspricht knapp der Fläche Hamburgs). Große Mengen Asche wurden hoch in die Atmosphäre geschleudert, zusammen mit vielen Millionen Tonnen Schwefeldioxid und fluorhaltigen Partikeln. Dieser Ausbruch war nicht nur verheerend für die meist im südlichen Island siedelnden Menschen sondern hatte massive Auswirkungen auf das Weltklima. Eine kleine Eiszeit mit Mißernten und kurzen Sommern mit Unwettern und schweren Regenfällen forderten besonders auf der Nordhalbkugel der Erde viele Opfer.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die F206 führt von der Ringstraße 34 Kilometer durch eine wilde Landschaft. Man fährt durch Hochebenen mit schwarzen Lavakissen und dicken, grüngelbem Moosbewuchs und durch weite Flusstäler. Es bieten sich uns immer wieder atemberaubende Ausblicke in die jetzt im Herbst braunrot gefärbte Landschaft. Am Ende der F206 fahren wir rechts in die 45 Kilometer lange Ringstraße F207, die uns in den westlichen Teil des Vatnajökull Nationalparks (isländisch Vatnajökulsþjóðgarður) führt. Unser Ziel ist der Laki Krater. Ihn kann man besteigen und man hat von hier oben weite Ausblicke nach Westen über die Reihe der Laki Krater hinweg und nach Osten bis zum Gletscherfeld des Vatnajökull.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren mit dem Auto weiter, laufen Fußwege duch erstarrte Lavaströme, steigen den Kegel eines erloschenen Vulkans hinauf und schauen in die mit Wasser gefüllte Kaldera. Wir gehen durch tief aufgerissene Erdspalten in die Laki Spalte hinein und sind beeindruckt von dem Durcheinander aus erstarrter Lava und riesigen Felsbrocken, die den Weg versperren und die man umklettern muß. Wir können das Chaos erahnen, das 1783/84 hier geherrscht haben muß und das in der Folge so viel Leid über die damals lebenden Menschen gebracht haben muß.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter, kommen an einem einfachen Campingplatz im Vatnajökulsþjóðgarður vorbei, gelangen wieder zurück auf die F206 und fahren am späten Nachmittag die 34 Kilometer zurück zum Campingplatz in Kirkjubæjarklaustur an der Ringstraße. Wir wissen nun, dass wir mit unserem Auto die isländischen, für Allradfahrzeuge zugelassenen Hochlandstraßen gut fahren können und dass Flussfurten kein Problem sind. Wir sind auf den Geschmack gekommen. Im Hochland zu fahren ist schon abenteuerlich und eine kleine Herausforderung. Das Wetter soll auch in den nächsten zwei Tagen stabil bleiben und so schmieden wir Abends neue Pläne. Wir wollen zurück zur Westküste und wählen die Hochlandpiste F208. Sie geht von der Ringstraße ab zur Eldgjá Spalte, dem Wasserfall Ófærufoss, zum Landmannalaugar und erreicht schließlich die geteerte Straße 32, die dann zum sogenannten Golden Circle weiter führt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am frühen Morgen machen wir uns auf, die 120 Kilometer Hochlandpiste an einem Tag zu schaffen. Das erste Zwischenziel ist der Ófærufoss, ein toller Wasserfall, bei dem sich der Norðari-Ófærá aus einer Hochebene in die Erdspalte Eldgjá in zwei Stufen stürzt. Die Eldgjá Erdspalte ist in den Jahren 939/40 ausgebrochen. Es muß damals eine noch verheerendere Eruption als die der Laki Spalte gewesen sein und sie muß große Teile des damals gerade spärlich besiedelten Islands vernichtet haben. Direkte Aufzeichnungen oder Überlieferungen dieser Katastrophe gibt es nicht, nur Geologen konnten den genauen Zeitpunkt datieren und den Verlauf erklären.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter auf der F208 ins Gebiet Landmannalaugar mit gleichnamigem Campingplatz am Rande des Friðland að Fjallabaki Naturreservats. Hier gibt es nicht nur eine rudimentäre Übernachtungsmöglichkeit sondern auch heiße Quellen und einen heißen Badepool im Freien, in dem man sich legen und entspannen kann. Der Campingplatz von Landmannalaugar ist Ausgangspunkt für mehrtägige Wanderungen in das Vulkangebiet im Friðland að Fjallabaki Naturreservat bis zum gefährlichsten und größten Vulkan Islands, dem Hekla im Westen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Golden Circle, auf den wir jetzt fast zwangsläufig stoßen, ist eine Rundstrecke, die bei jedem Islandtouristen sicher auf der Agenda steht, denn sie ist mit dem normalen Auto von Reykjavik aus an einem Tag gut zu schaffen. Wir besuchen den Gullfoss Wasserfall, das Thermalfeld des Geysir und Strokkur und das nationale Monument Þingvellir am Nordufer des Þingvallavatn Sees. Überall wo wir halten ist viel Betrieb. Volle Parkplätze und Scharen an Besuchern aus allen reichen Ländern dieser Erde. Wir reihen uns also auch ein in die Schlange der Touristen und sind besonders vom Gullfoss begeistert. Hier stürzt sich der wasserreiche Hvítá Fluss auf breiter Front in eine tiefe Erdspalte. Das Geysir und Stokkur Gebiet mit einigen heißen Quellen kann man besuchen, muß es vielleicht nicht, ehe man weiter zum Þingvellir fährt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Þingvellir ist ein nationales, isländisches Monument, das sich im breiten Graben einer Grabenbruchzone der nordamerikanischen und europäischen Kontinentalplatte befindet. Hier wurde seit 930, also kurz nach der Besiedlung der Insel durch norwegische Wikinger, zweimal im Jahr die traditionelle Versammlung der Freien Männer Islands abgehalten um gesetzgeberische und gerichtliche Angelegenheiten zu regeln. Þingvellir gilt als ältestes Parlament der Welt außerhalb Griechenlands und des Römischen Reiches. An diesem Ort wurde um 1.000 nach Christus von den Isländern die Annahme des Christentums beschlossen und am 17. Juni 1944 die Unabhängigkeit von Dänemark und die Republik Island ausgerufen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bei verhangenem Himmel und Dauerregen machen wir einen Abstecher auf die Halbinsel Snæfellsnes nördlich von Reykjavik und fahren dann wieder Richtung Osten, ins Landesinnere. Durch Zufall stoßen wir auf den Wasserfall Hraunfossar. Jetzt im Herbst, wo die Sträucher sich rötlich verfärbt haben, ist dieser Wasserfall ein großes Erlebnis. Die weiße Gischt und die Farbe der Vegetation; das sieht einfach großartig aus! Wir müssen jetzt etwas auf die Zeit achten. Die 10 Tage auf Island sind fast rum. und wir wollen noch in Reykjavik vorbei schauen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir können es trotzdem nicht lassen und fahren zum Landjökull Gletscherfeld hoch, um noch ein letztes Mal auf Gletschereis zu stehen. Dann entdecken wir im Reiseführer bei der Ortschaft Hveragerði am Rande des örtlichen Geothermalpark, dass dort heiße Quellen sprudeln und man ein entspannendes Thermalbad nehmen kann. Die letzte Nacht war besonders kalt und unsere so hochgeschätzte Webasto Standheizung im Camper funktionierte wieder mal nicht. Es ist also eine gute Idee ein warmes Entspannungsbad im Freien zu nehmen und dann nach Reykjavik zu fahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Reykjavik ist die Hauptstadt Islands und die nördlichste Hauptstadt auf der Welt. Für unsere Verhältnisse ist Reykjavik mit seinen etwa 125.000 Einwohnern eine kleinere Großstadt, die etwa so viele Bewohner hat wie Koblenz, allerdings auf bedeutend größerer Fläche. Von der schweren Wirtschaftskrise von 2008, die Island fast in den Bankrott getrieben hat, merkt man in Reykjavik wie auch im übrigen Land nichts mehr. Überall stehen Baukräne und an vielen Stellen wird neu gebaut oder renoviert. Wir finden einen günstigen Parkplatz im Zentrum der Stadt und besuchen den ehemaligen Hafen und das isländische Parlament, die avangardistische Philharmonie und die 1945 gebaute, evangelisch-lutherische Kirche Hallgrímskirkja. Am späten Nachmittag fahren wir wieder raus zum Campingplatz in Grindavík, zu dem Ort an dem wir unser 10 Tage Islandabenteuer begonnen haben. Rückblickend können wir gar nicht glauben, was wir in dieser kurzen Zeit alles erlebt haben.
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Unsere etwa 2.200 Kilometer lange Tour durch das südliche Island in 10 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Island auf dem südlichen Ring https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/11/island-auf-dem-suedlichen-ring/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/11/island-auf-dem-suedlichen-ring/#respond Sun, 18 Nov 2018 19:02:56 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5696 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Island verspricht auf jeder Multimedia Show ein großartiges Erlebnis zu werden. Herausragende Landschaften, unberechenbares, nordisches Wetter, Gletscher und abenteuerliche Hochlandfahrten mit einem Allradfahrzeug in unwegsames Gelände mit tiefen Flussfurten und spektakuläre Wasserfällen. All das bekommt man bei einem Island Vortrag geboten. Wir, mein jüngster Sohn und ich, haben beschlossen, eine kurze aber intensive Stipvisite im Herbst 2018 auf diese entlegene Insel im Nordmeer zu wagen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Schon 2017 wollte mein jüngster Sohn Christian mit mir nach Island. Auf Vater und Sohn Tour. Er hatte sich einen Island Reiseführer gekauft und viele, must-go Sehenswürdigkeiten gelb markiert. Mit einem Mietauto und Bodenzelt wollte er mit mir die Ringstraße und den Golden Circle im Westen Islands befahren. Im Herbst. Mir schauderte. Ich sah uns schon im Zelt liegen, frieren, dem prasselnden, endlosen Regenschauern lauschen und darüber diskutieren wie wir aus den warmen, trockenen Schlafsäcken ins Auto flüchten können. Nein, im Bodenzelt im September in Island, das ist nichts für mich. Also haben wir die geplante Islandfahrt erst einmal verschoben aber diesen Herbst war es dann soweit.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bei einer Internetrecherche zu Reiseagenturen, die Individualreisen nach Island aber auch Grönland und andere nordische Länder anbieten, stieß ich auf das Berliner Reisebüro Island Reisen. Ich buchte dort zwei Direktflüge mit Icelandair von Hamburg zum isländischen, internationalen Flughafen Kevlavik im Südwesten der Insel und einen Allradcamper, einen Toyota HiLux mit Camperaufsatz. Toyota HiLux Autos kennen wir von unseren Reisen ins südliche Afrika. Sie sind richtige Arbeitstiere, robust, zuverlässig und geländetauglich und damit sicher auch fürs isländische Hochland geeignet. Also buchten wir für zehn Tage, vom 8. bis 18. September, zwei Islandflüge und den Toyota.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Flug von Hamburg nach Island ist relativ kurz. In gut drei Stunden hat ein modernes Flugzeug die etwa 2.000 Kilometer über die Nordsee geschafft. Island gehört zwar nicht zur Europäischen Union aber zum Schengen Raum. Das macht die Einreise für EU Bürger sehr einfach. Der Flughafen Kevlavik ist überschaubar. Schnell haben wir einige Euros in isländische Kronen gewechselt und stellen uns beim Bílaleiga Akureyrar/Europcar Schalter an, um nach dem Mietauto zu fragen. Nach etwas Wartezeit ging es mit einem Minibus weiter ins Europcar Depot für Campervans aller Größen ein paar Kilometer außerhalb des Flughafens. Wir erledigten dort alle Formalitäten und ließen uns das fast neue Fahrzeug und die Campingausrüstung erklären. Das hydraulisch hebbare Camperdach fanden wir chic und notwendig, die eingebaute Standheizung hielten wir für überflüssig, ein nettes Gimmick vielleicht. Aber das sollte sich ändern.

Island liegt knapp südlich des nördlichen Polarkreises zwischen Europa und Nordamerika. Die Insel ist flächenmäßig etwa so groß wie die frühere DDR aber es leben auf der Insel nur etwa 350.000 Isländer. Island ist ein wohlhabendes Land. Das Pro-Kopf Einkommen liegt deutlich höher als in Deutschland trotz der großen Finanzkrise, in die das Land durch einheimische Banken 2008 gestürzt wurde und die fast in einer Staatspleite endete. Durch eine schmerzliche Austeritätspolitik und viel Werbung zum Anlocken zahlungskräftiger Touristen konnte die existenzbedrohende Finanzkrise in den letzten Jahren überwunden werden.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Und Island ist eines der landschaftlich schönsten und attraktivsten Länder, die wir gesehen haben. Auf dieser doch recht kleinen Insel gibt es ein riesiges Eisfeld, den Vatnajökull. Dieser Gletscher bedeckt 8% der Fläche Islands und ist der größte Europas. Im Süden der Insel reicht er bis hinunter zum Meer und ist ein toruistischer Höhepunkt jeder Islandreise. Dann stößt man im ganzen Land auf erstarrte schwarze oder rote Lava, die von dicken, grünen Mooskissen überwachsen ist. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Lava resultiert aus gewaltigen geologischen Katastrophen bei denen aus aufbrechenden Erdspalten Erdmagma ausfließt und Vulkane riesige Aschewolken ausspeien. Die immense geologische Aktivität und das nordatlantische Regenwetter läßt Flüsse anschwellen und spektakuläre Wasserfälle entstehen. Mischt sich das kalte Flußwasser mit natürlichen, thermischen Quellen kann man ein angenehm temperiertes Thermalbad in freier Natur genießen. Fährt man die geteerte, 1.400 Kilometer lange Ringstraße um die Insel, wird der Urlaub im Sommer eine entspannte Urlaubsreise, will man etwas Abenteuer, dann muß man ein Allradfahrzeug mieten und ins isländische Hochland hinauf. Hier findet man Einsamkeit und Schotterpisten mit spektakulären Ausblicken in die wilde isländische Landschaft. Genau danach stand auch uns der Sinn.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die erste Nacht in Island verbringen wir auf dem Campingplatz Grindavík und kaufen am nächsten Morgen im gut sortierten Supermarkt Krónan in Reykjanesbæ ein. Dann fahren wir auf die Ringstraße, Richtung Osten. Wir fahren am Eyafjallajökull vorbei, einem Vulkan mit Eispanzer, der 2010 ausbrach und mit seiner Aschewolke den europäischen Luftverkehr erheblich beeinträchtigte und weiter am Gletscherfeld Mýrdalsjökull und dem Städtchen Vík í Mýrdal vorbei. Kurz hinter Vík í Mýrdal biegen wir links ab und folgen auf der Schotterstraße den Hinweisschildern Camping þakgil. Dies sind die ersten 16 Kilometer auf schwarzen, isländischen Hochlandstraßen die uns zu einem abgeschiedenen Campingplatz führen. Nimmt man sich etwas Zeit, dann kann man von hier aus schöne Wanderungen bis an den Fuß des Mýrdal Gletschers machen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren allerdings am nächsten Morgen wieder zurück auf die Ringstraße und nach etlichen Kilometern rechts in die Nebenstraße 218 zum Dyrhólaey Leuchtturm. Dieser Leuchtturm steht auf einer Klippe in exponierter Stellung hoch über dem Meer. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf den schwarzen Strand von Kirkjufjara. Für manche Island Enthusiasten ist dieser pechschwarze Strand der schönste Strand der Welt, sagt jedenfalls unser Reiseführer. Zusammen mit der jetzt im September herbstlich braun gefärbten Vegetation könnte man dem durchaus zustimmen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Weiter geht es auf der Ringstraße. Wir besuchen die tiefe und beeindruckende Fjaðrárgljúfur Schlucht. Hier hat sich der Fluss Fjaðrá tief in das vulkanische Gestein gegraben und einen beeindruckenden, bis zu 100 Meter tiefen Canyon gegraben. Ein schöner Wanderweg führt zu atemberaubenden Aussichtspunkten. Um die Abfahrt von der Ringstraße zur Fjaðrárgljúfur Schlucht nicht zu verpassen achte man auf entsprechende Hinweisschilder.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Landschaft wird nun immer grandioser. Wir nähern uns dem Vatnajökull, sehen in der Ferne Gletscher in den Bergen hängen. Wir durchfahren eine weite Ebene und überqueren auf einer langen Brücke den Skeiðará Fluss, der in einem weiten Delta auf tiefschwarzer Lava einen Seitenarm des Vatnajökull ins Meer entwässert. Wir sind so fasziniert von dieser Landschaft, dass wir gar nicht bemerken, wie sich der Himmel zuzieht, dichte Nimbostratus Wolken aufziehen und sich Regen ankündigt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bei einsetzendem Dauerregen erwandern wir in Regensachen im Skaftafell Nationalpark den Svartifoss Wasserfall, der sich über eine Felskante dem Meer entgegen stürzt. Die Basaltsäulen in der Felswand sind einzigartig. Sie scheinen den Wasserfall förmlich wie Orgelpfeifen einzurahmen. Der Wanderweg zum Svartifoss führt in dichtem Buschbestand steil bergauf. An einigen Stellen tritt man ins Freie und hat einen tollen Ausblick in die Ebene aufs Meer und erhascht auch einen flüchtigen Blick auf den Eispanzer des Vatnajökull.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben in den ersten Tagen auf Island gelernt, dass man viel Zeit braucht, um sich die vielen Sehenswürdigkeiten, die neben der Straße liegen, anzuschauen. Die Ringstraße als Ganzes in 10 Tagen zu fahren haben wir aufgegeben. Für uns nicht so attraktiv und auch nicht zu schaffen. Unseren Plan ändern wir: Im kleinen Ort Höfn (auf deutsch: Hafen) umdrehen, dann zurück fahren und in den sogenannten Golden Circle im Großraum Reykjavik einbiegen. Aber erst mal übernachten wir auf dem einzigen Campingplatz von Höfn und ergänzen im örtlichen Supermarkt unsere Lebensmittelvorräte.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die 150 Kilometer lange Strecke auf der Ringstraße vom Svartifoss bis Höfn bietet viele spektakuläre landschaftliche Höhepunkte. Hier kommt das Gletscherfeld des Vatnajökull bis fast hinunter ans Meer. Es gibt viele, kurze Schotterwege, die direkt an die Kante abgehender Gletscher führen, die man in beeindruckender Größe vor sich sieht und die man auf eigenes Risiko begehen kann. Agenturen bieten Skimobil- oder sogar Bustouren auf dem Gletschereis an oder man kann ohne Motorisierung mit Führer, Steigeisen und Eispickel auf einem der Gletscher weite Touren unternehmen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir besuchten den Hoffulsjökull bei Höfn abends und am nächsten Morgen (siehe Artikelbild). Einzigartig! Wir bogen ab in die F985 und fuhren mit Blick auf den Vatnajökull bis hinauf zur Joklasel Endstation wo Gletschertouren weit hinauf auf den Vatnajökull angeboten werden. Wir parkten auf dem großen Parkplatz des Gletschersees Jökulsárlón direkt an der Ringstraße. Der See wird gespeist vom Breiðamerkurjökull Gletscher. Große Eisberge kalben in den Gletschersee und treiben hinaus ins offene Meer. Nicht verpassen darf man die Abfahrt zum Fjallsárlón. Auch hier schwimmen große Eisberge im Gletschersee, der vom Vatnajökull gespeist wird.

Wir sind schwer beeindruckt von Islands landschaftlicher Schönheit. Dabei haben wir erst einen Teil gesehen. Uns zieht es ins isländische Hochland. Uns erwartet eine wilde Lavalandschaft, Gletscher, Wasserfälle und Flussfurten. Fortsetzung folgt im nächsten Artikel.

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Unsere etwa 2.200 Kilometer lange Tour durch das südliche Island in 10 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Von Krakau nach Masuren https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/10/von-krakau-nach-masuren/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/10/von-krakau-nach-masuren/#respond Wed, 03 Oct 2018 19:57:09 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5690 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der letzte Abschnitt unserer Polenreise ist angebrochen. Wir fahren von Auschwitz in die heimliche Hauptstadt Polens, nach Krakau (Kraków) anschließend zu einem Abstecher in die Hohe Tatra (Tatry Wysokie) in den Ort Zakopane von dort aus ganz in den Norden Polens nach Masuren (Mazury) um in der Seenplatte Masurens den Urlaub in grüner Natur ausklingen zu lassen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Krakau ist die alte, bis 1592 Hauptstadt des Königreichs Polen und liegt im polnischen Regierungsbezirk (Woiwodschaft) Kleinpolen (Małopolska). Heute ist Krakau mit über 750.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens und ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Krakau ist mit seiner Geschichte, Altstadt und der Burganlage auf dem Wawelberg das emotionale Herz Polens.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir übernachten recht zentrumsnah im Hotel Lorenzo und fahren mit den Rädern in die Stadt. Über die Grunwaldzki Brücke queren wir die Weichsel (Wisla) und stellen die Räder unterhalb des Wawelbergs ab. Der erste Gang geht natürlich hoch zur Burg, dem Schloss und zur alten Wawel Kathedrale. In der Wawel Kathedrale befindet sich die Grablege fast aller polnischen Könige und mancher polnischen Nationalhelden. Auch der damalige polnische Präsident, Lech Kaczyński und seine Frau Maria finden hier neben dem Nationalhelden der Zweiten Polnischen Republik, Józef Piłsudski ihre letzte Ruhe. Die Kaczyńskis, zusammen mit 94 hochrangigen polnischen Staatsrepräsentanten waren auf dem Weg zu einer Gedenkfeier zur Erinnerung an die Ermordung polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst 1940 im russischen Katyn als ihr Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen Smolensk zerschellte und alle Insassen starben. Für Polen war dieses Unglück 2010 ein Schock und eine große Tragödie.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Von der Wawelburg gehen wir hinunter in die Altstadt und zum Marienplatz. Er ist ein großer, mittelalterlicher Platz eingerahmt von den beiden Kirchen St. Barbara und der Marienbasilika. Krakau ist im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden und die beeindruckende mittelalterliche Bausubstanz ist komplett erhalten geblieben. Der Weg zurück zu unseren Fahrrädern am Wawelberg führt durch den Parkgürtel Planty, der die Altstadt umfasst. Hier im Grüngürtel finden wir ein wenig Abstand von all den vielen Touristen, die Krakau besuchen und wir können die vielen Eindrücke bei einem Spaziergang im Grünen in Ruhe verarbeiten.

Krakau, genauer die Wawelburg war zur Okkupationszeit Polens durch die Deutschen der Sitz des Generalgouverneurs für die besetzten polnischen Gebiete, Hans Frank. Krakau hatte immer schon eine große jüdische Gemeinde. Von den damals etwa 250.000 Einwohnern waren etwa 65.000 Juden, die hauptsächlich im Stadtteil Kazimierz südöstlich der Altstadt zur Weichsel hin lebten. Sie wurden von der deutschen Besatzungsmacht in das Krakauer Ghetto auf der anderen, südlichen Seite der Weichsel in den Stadtteil Podgórze zwangsweise umgesiedelt und später in das berüchtigte KZ Płaszów vor den Toren Krakaus unter seinem sadistischen Kommandanten Amon Göth („Schlächter von Płaszów“) verschleppt. In diesem krakauer NS-Milieu gab es einen Lichtblick: Oskar Schindler. Hier in Krakau mit seiner bizarren Nazibesatzung verstand es Schindler auf geniale Art, für seine Deutsche Emailwarenfabrik immer wieder Juden vor der Vernichtung in Płaszów oder Auschwitz zu retten, indem er sie als Arbeitskräfte zur Produktion wichtiger Kriegsgüter anforderte und einstellte. Auf dieser wahren Geschichte basiert Steven Spielbergs beeindruckender Film „Schindlers Liste“. Yad Vashem in Israel ehrte Oskar Schindler und seine Frau durch die Verleihung des Titels „Gerechter unter den Völkern“ und 1965 erhielt Oskar Schindler das Bundesverdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Schindlers alte Emailfabrik steht noch heute im Stadtteil Podgórze (Fabryka Emalia Oskara Schindlera).

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter. Von Krakau in den Süden, in die Westkarpaten. Schon die Anfahrt ist mühsam. Viel Verkehr, Baustellen wegen Straßenneubauten Richtung Slowakei. Wir versuchen, alternative Strecken zu fahren, die unser Navi vorschlägt aber richtig flott geht es nicht voran. Als wir endlich Zakopane, die letzte polnische Stadt an der Grenze zur Slowakei erreichen, bricht der Verkehr endgültig zusammen. Zakopane liegt am Rande des Nationalparks Hohe Tatra mit der höchsten Erhebung der Karpaten (2655 Meter) in der Slowakei. Von Zakopane führen mehrere Seilbahnen hinauf in die alpine Bergwelt und viele, sehr viele Touristen nutzen diese Gelegenheit zum Wandern. Zakopane im Winter wie auch im Sommer scheint äußerst beliebt als Urlaubsort unter Polen zu sein. Wir begegneten fast nur Polen und darunter vielen Familien mit Kindern. Wo sie alle wohnen in diesem kleinen Bergort, uns ist es schleierhaft. Wir finden endlich etwas außerhalb einen erstaunlich leeren Campingplatz und fahren mit dem Bus zurück nach Zakopane. Wir finden die Basisstation der Seilbahn müssen uns aber durch Menschenmassen und ein Spalier an Kiosken eines umfangreichen Polenmarktes drängen. Wir sind bedient. Das Wetter in dieser alpinen Region ist auch nicht sehr stabil die nächsten Tage. Wir beschließen Zakopane am nächsten Morgen wieder zu verlassen und sofort nach Masuren zu fahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Es ist mühsam Polen mit dem Auto zu durchqueren. Polen ist das Land der Autos und Lastwagen. Die polnischen LKW Kolonnen, die wir in Deutschland auf der Autobahn A2 fahren sehen, sie fahren auch in Polen nur sind die Straßen viel schmaler. Und die Polen sind auch noch gerne mobil, fast jeder scheint ein privates Auto zu besitzen und es auch ausgiebig zu nutzen. Etwa 1.000 Kilometer sind es von Zakopane über Elbing (Elbląg) bis in die Masuren. Wir brauchen gut zwei Tage, übernachten einmal kurz vor Lodz (Łódź) auf einem der in Zentralpolen raren Campingplätze an einem See, das zweite Mal direkt an der Marienburg (Zamek w Malborku) und schließlich kommen wir in Masuren auf dem Campingplatz Seeblick in Ruska Wieś (deutsch Reussen) an. Wir sind jetzt im ehemaligen Ostpreußen, haben viel Landschaft vor uns und wir wollen in dieser wald- und seenreichen Landschaft paddeln und radfahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Masuren ist ein herrliches Erholungsgebiet mit zahlreichen Freizeitmöglichkeiten. Darunter natürlich Reiten in den masurischen Wäldern, z.Bsp. in Gałkowo gleich nebenan beim Salon Dönhoff auf dem Gestüt Ferenstein, Segeln auf den großen Seen, z.Bsp. dem großen Spirdingsee (Śniardwy) bei Nikolaiken (Mikołajki) oder eben Paddeln auf der Krutinna (Krutynia) und Radfahren auf allen Wegen. Für uns war klar: Wir sind auf der Krutynia mit vielen anderen, mehrheitlich Polen gepaddelt und Rad gefahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Krutynia ist ein traumhaftes Flüsschen, manchmal schmal, manchmal erweitert und in einen kleinen See sich auflösend. Wir hatten unser eigenes Boot (Klepper Aerius II Faltboot) zum Paddeln mitgenommen aber es ist kein Problem jederzeit ein Kajak bei einem der vielen Verleiher zu mieten inklusive sicherem Rücktransport mit dem Auto zum Ausgangspunkt. Die Krutynia bietet viele Einsatzstellen und auch viele Übernachtungsplätze, man kann eine Tagestour machen oder auch mehrere Tage unterwegs sein, ganz wie man es möchte. Campingplätze am Flüsschen verkaufen Lebensmittel oder es steht auch schon mal eine Würstchenbude am Parkplatz. Für alles ist gesorgt. Ein guter Tipp ist die Pension Kipnick. Eine nette, empfehlenswerte Pension mit Frühstück, Bootssteg und Zugang zur Krutynia. Von hier aus kann man seine Paddel- aber auch Radtour starten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Sehr empfehlen können wir das Dörfchen Gałkowo (deutsch Galkowen-Nikolaihorst). Es strahlt den Charme eines alten, verschlafenen, ostpreußischen Dorfes in den Masuren aus und ganz am Ende ist der Salon Gräfin Dönhoff. Die Geschichte dieses Anwesens, heute ein Restaurant und Hotel mit Tagungsraum ist sehr nett im Artikel Pferde, Wagen und Salon des Deutschlandfunks beschrieben. Eine Kutschfahrt durch die masurischen Wälder kann man sicher beim Gestüt Ferenstein erfragen, das ich oben schon erwähnte und das auf der anderen Seite des kleinen Weges liegt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Zum Abschluss seien noch zwei Orte erwähnt die eines Besuchs Wert sind. Zum einen das Philipponenkloster mit dem Namen „Heiliges Erlöser- und Dreifaltigkeitskloster“, das in der Nähe von Eckertsdorf (Wojnowo) am Dusssee (Jezioro Duś) von russisch-orthodoxen Altgläubigen in den 1830er Jahren errichtet wurde und das den Zweiten Weltkrieg und die Kommunistische Regierungszeit schadlos überstanden hat und die Feste Boyen, die die Preußen bei Lötzen (Giżycko) in den 1850er Jahren errichtet hatten. Der preußische Kriegsminister Hermann von Boyen konnte König Friedrich Wilhelm IV. dazu überreden, diese gewaltige Anlage in der Form eines sieben zackigen Sterns als Verteidigungsbollwerk gegen die Russen bauen zu lassen. Wirklich zum Einsatz kam sie nie.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auf der Rückfahrt schauten wir noch kurz auf der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana) vorbei und fuhren ganz durch bis an die russische Grenze, dann ging es über Usedom wieder nach Hause ins Rheinland zurück. Insgesamt haben wir viel gesehen, was unsere mittel- und osteuropäische Landschaften und die Geschichte betrifft. Wir haben in Schlesien einen Teil meiner Familiengeschichte aufgearbeitet und wir haben die Polen als nette Leute erlebt, deren Sprache und Schrift uns aber ewig fremd bleiben wird.


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Unsere etwa 5.100 Kilometer lange Tour quer durch Ostdeutschland, den Süden Polens, Masuren und über Hamburg zurück nach Köln in 33 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Auschwitz https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/10/auschwitz/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/10/auschwitz/#respond Tue, 02 Oct 2018 20:26:55 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5688 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Autobahn A4 führt von Breslau (Wrocław) über Kattowitz (Kattowice) nach Krakau (Kraków). Kurz hinter der Industriestadt Kattowitz stehen Hinweisschilder nach Oświęcim. Der deutsche Name dieses Ortes ist Auschwitz.

Ein Besuch in der Gedenkstätte KZ Auschwitz ist Pflicht für jeden Deutschen, der den Süden Polens besucht. Jedes Jahr fahren zu diesem Ort der Vernichtung und des unbeschreiblichen Leids Millionen Menschen aus allen Ländern der Erde. Uns fiel es sehr schwer diesen Ort deutscher Verbrechen zu besuchen. Als Deutsche fühlten wir uns in direkter Verantwortung für das Grauen, das an diesem Ort von Nazi-Deutschen organisiert und in den 1940er Jahren ausgeführt wurde. Wir unterhielten uns nur leise auf Deutsch weil wir meinten, die Mitbesucher könnten uns strafend anschauen aber eher schwiegen wir, um das was wir hier sahen in uns selber aufzuarbeiten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Nationalsozialisten mit ihrem Anführer Hitler hatten früh Andersdenkende, Intellektuelle und Juden erst diffamiert und dann offen verfolgt. Als dann Hitler mit seiner Wehrmacht 1939 Polen überfiel und den Zweiten Weltkrieg auslöste fielen alle verbliebenen Skrupel und die systematische, industrielle Vernichtung von Menschen, die zufällig in ein negatives Raster fielen, nahm ihren Lauf.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Zuerst gründeten und unterhielten die Nazis, genauer die SS, in den besetzten Gebieten wie im Deutschen Reich üblich Konzentrationslager als Arbeitslager. In Auschwitz wurden dazu 1940 bestehende polnische Kasernen zum KZ Auschwitz I umgebaut. Man hielt hier polnische Intellektuelle, Widerstandskämpfer und andere Menschen fest, die sich in irgendeiner Weise gegen die Besatzungsmacht auffällig benommen hatten. Die Menschen wurden an Aussenlager zur Zwangsarbeit (Vernichtung durch Arbeit) geschickt oder direkt im Lager auf verschiedene, bestialische Weise getötet. Heute ist das KZ Auschwitz I ein Museum, das sehr eindrucksvoll die Nazi Verbrechen in Ausschwitz dokumentiert. Besonders beeindruckend sind die Photogalerien der Häftlinge in gestreifter Häftlingskleidung an vielen Wänden, die einen immer wieder fragend und anklagend anzuschauen scheinen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Als die Nazi Wehrmacht 1940 große Teile Europas besetzt hatte und besonders als Hitler die Sowjetunion im Juni 1941 überfiel sah sich die SS unter Himmler bei der Judenvernichtung am Ziel. Himmler ließ Standorte für die systematische, industrielle Massenvernichtung von Juden und anderer, für die Nazis minderwertiger Menschen suchen und ausbauen. Auschwitz lag verkehrsgünstig. Auschwitz hatte einen Gleisanschluß an Eisenbahnverbindungen nach Österreich und in den Balkan, Breslau und Berlin und nach Warschau und den Osten. Im Dorf Birkenau, 3 Kilometer westlich des Stammlagers, baute man 1941 das Vernichtungslager Auschwitz II oder Auschwitz-Birkenau. Das kleine polnische Dorf Birkenau (Brzezinka) wurde zerstört und an seiner Stelle Baracken, ein Gleisanschluss mit Selektionsrampe, Krematorien mit unterirdischen Gaskammern und Einzäunungen mit Wachtürmen errichtet.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Vernichtungsmaschine in Auschwitz-Birkenau lief wie geschmiert. Sie verschlang insgesamt 1,1 bis 1,5 Millionen Juden aus ganz Europa, Polen, Roma und Sinti und viele andere Menschen. Alte und Junge, Männer, Frauen und Kinder. Zuerst war diese Höllenmaschine gut organisiert. Alle Ankömmlinge wurden registriert und auf Karteikarten mit Photo archiviert, später wurde man den Massen die ins Vernichtungslager geschickt wurden nicht mehr Herr und man vergaste die Menschen ohne Registrierung gleich nach der Ankunft mit Zyklon B Gas in den Gaskammern, die auf Hochtouren liefen. Anschließend wurden die Leichen in Krematorien verbrannt. Die vier Gaskammern mit angeschlossenen Krematorien sprengte die SS noch bevor die Rote Armee Auschwitz einnehmen konnte. Dann machte man sich aus dem Staub nicht ohne noch tausende Häftlinge auf einem Todesmarsch gen Westen mitzunehmen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Was wir uns bei der Besichtigung dieser riesigen Vernichtungsmaschine in Auschwitz-Birkenau immer wieder fragten: Wieviel Menschen wussten von dieser Tötungsmaschine oder konnten es ahnen? Wieviele Firmen in Deutschland bekamen aus Auschwitz Haare, Zahngold oder andere persönliche Sachen der Ermordeten, wieviele Menschen waren Teil dieser Verwertungskette? Wieviel Reichsbahnbedienstete waren in den Massentransport der Menschen in Viehwaggons eingebunden, haben Weichen gestellt und Signale? Man schätzt, dass etwa 8.000 SS-Leute in den Lagern Dienst taten. Warum haben nur wenige um Versetzung gebeten obwohl die Nazis solche Fälle geräuschlos abwickelten und diesen Gesuchen nachkamen, damit nichts nach draußen drang?

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Nach dem Krieg wurde eine strafrechtliche Aufarbeitung der Verbrechen des Nazi Regimes in der Bundesrepublik Deutschland auf allen Ebenen torpediert. Die Justiz war damals durchsetzt mit Altnazis und politisch fehlte der Wille. Man hatte im Ost-West Konflikt schon wieder andere Sorgen. Nur Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main und selbst Jude und Verfolgter des Nazi Regimes gelang es Anfang der 60er Jahre, die Justiz zum berühmten Auschwitz Prozeß „Strafsache gegen Mulka u. a.“ zu bewegen und Anklage gegen Mitglieder der SS Wachmannschaft von Auschwitz zu erheben. Die letztlich ausgesprochenen Strafen waren lächerlich gering wenn man vergleicht wie unsere Justiz heute mit Angeklagten umgeht, die beschuldigt werden, einer terroristischen Vereinigung anzugehören.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Zum Schluß sei noch kurz erzählt was aus dem Kommandanten von Auschwitz, Rudolph Höß geworden ist. Er war maßgeblich am Aufbau von Auschwitz-Birkenau beteiligt und an der Perfektionierung der Menschenvernichtung in Gaskammern und er war Kommandant von Auschwitz. In einem Bericht des NDR unter dem Titel: „Er hat das Schwein von Auschwitz geschnappt“ kann man nachlesen, dass Höß sich auf einem Hof in Schleswig-Holstein, getrennt von seiner Frau und den 5 Kindern und unter falschem Namen, nach dem Krieg versteckt hatte und der britische Militärangehörige Hanns Alexander ihn aufspürte. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Höß wurde als Zeuge im Kriegsverbrecherprozeß in Nürnberg vernommen und danach an Polen ausgeliefert. Hier wurde ihm der Prozeß gemacht und er wurde zum Tode verurteilt. Er selbst berief sich immer darauf, nur Befehle ausgeführt zu haben für die er nicht die Verantwortung trägt – wie es viele andere auch taten. Höß wurde am 16. April 1947 in Auschwitz, am Galgen des Stammlagers, an dem er so viele KZ Insassen aufhängen ließ, und mit letztem Blick auf die Lagerbaracken, erhängt.


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Unsere etwa 5.100 Kilometer lange Tour quer durch Ostdeutschland, den Süden Polens, Masuren und über Hamburg zurück nach Köln in 33 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Das Hirschberger Tal und Breslau https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/09/das-hirschberger-tal-und-breslau/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/09/das-hirschberger-tal-und-breslau/#respond Wed, 26 Sep 2018 15:49:08 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5676 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Das Hirschberger Tal (Kotlina Jeleniogórska) liegt nur etwa 100 Kilometer südwestlich von Breslau (Wrocław) und nur 90 Kilometer von Görlitz entfernt. Im 19. Jahrhundert, als Schlesien zu Preußen gehörte, war dieses den meisten von uns Deutschen heute unbekannte Tal der Ort, an dem die preußische Oberschicht ihre Sommerresidenzen mit großzügigen Parkanlagen hatte. Die sanfthügelige, schlesische Landschaft mit viel Wald und weiten Getreidefeldern begeisterte damals mit dem Panorama des Riesengebirges im Süden den preußischen Geld- und Hochadel. Berlin war auch nicht weit und es war die Zeit der schnellen Eisenbahnverbindungen also wurde in diesem kleinen Tal Prachtschloß an Prachtschloß gebaut.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Meine Mutter ist geborene Schlesierin. Sie wurde 1925 in Breslau geboren und lebte dort bis sie mit Mutter und Schwester im Alter von 19 Jahren am 20. Januar 1945 aus der Festung Breslau auf Anordnung des Stadtkommandanten fliehen mußte. Ihr Vater, mein Großvater, hatte eine leitende Position bei der damals noch renomierten Deutschen Bank in Breslau inne und hatte den sicheren Abtransport aller Bankdokumente in den Westen, nach Jena, zu organisieren. Er mußte also in der Stadt bleiben. Natürlich war die Flucht für meine Mutter, wie für viele ihrer Generation, ein Trauma, das sie ihr Leben lang nicht überwinden konnte. In Erzählungen berichtete sie vom Leben in Breslau und auch von Ausflügen ins Hirschberger Tal, das Riesengebirge und die Schneekoppe und sie kannte die Stabkirche Wang.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser erster Besuch im Hirschberger Tal galt dieser alten, norwegischen Stabkirche. Sie ist etwas abseits gelegen im Erholungsort Krummhübel (Karpacz). Der Weg hinauf vom Parkplatz zur Kirche ist gesäumt von vielen Souvenierläden doch endlich steht man vor der kleinen Holzkirche und wähnt sich in Norwegen und tatsächlich ist diese Kirche eine alte norwegische Holzkirche. Etwa um 1840 sollte die 600 Jahre alte Stabkirche aus Wang in Norwegen abgerissen werden. Der norwegische Maler Jan Christian Dahl wollte sie erhalten und wandte sich an potentielle Interessenten. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV., der bereits seinen Sommersitz im Hirschberg Tal hatte, griff zu. Er liess die alte Kirche zerlegen und nach Schlesien bringen, marode Teile originalgetreu ersetzen und in Krummhübel die Stabkirche originalgetreu aufbauen. Auch ein kleiner, deutscher Friedhof ist erhalten geblieben mit den originalen Grabsteinen aus alter preußischer Zeit.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Das Hirschberger Tal ist förmlich gespickt mit großen und kleineren Sommerresidenzen aus der Zeit des Biedermeier im 19. Jahrhundert. Die Preußenkönige, angefangen mit Friedrich Wilhelm III., erwarben hier ihre Sommerresidenz, dann auch noch gegebenenfalls errichteten sie ein Witwenschloß mit dem damals in Mode gekommenen Englischen Garten als großzügigen Park zum Reiten und sich Erholen. Es folgte der preußische Hochadel, verdiente Militärs und schließlich auch der Geldadel. Jeder baute oder kaufte ein Schloss mit Park, wie er es sich gerade leisten konnte. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg verfielen die Schlösser. Zuerst wurden einige geplündert und fast zerstört, dann konnten die angesiedelten Polen mit den aufwändig zu unterhaltenden Bauwerken und Parkanlagen nichts anfangen. Sie hatten auch schließlich andere Sorgen. Erst die Wende nach 1990 und die Anerkennung der gegenseitigen Grenzen und die Aufnahme Polens in die EU bewirkte, dass deutsche Nachkommmen ehemaliger Schlossbesitzer ihre Liebe für die Schlösser wieder entdeckten und mit zum Teil erheblichen deutschen Fördermitteln Schlösser restaurierten. Aber auch reiche Polen oder Hotelketten erwarben Schlösser um sie als Hotels der gehobenen Kategorie zu vermarkten. Heute hat jeder Besucher freien Zugang zu den Schlössern, Gärten und Parks.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben insgesamt acht Schlösser besucht. Manchmal fährt man durch ein polnisches Dorf und sieht ein kleines Schild mit dem Piktogramm eines Denkmals und als Schriftzug das polnische Wort Zamek für Schloss. Folgt man den Schildern landet man meist direkt am Parkplatz vor einem Schloss. Man steigt aus, schaut sich das Schloss und den Park in Ruhe an und geht anschließend zum Schlossrestaurant und wählt auf der Speisekarte ein leckeres und auch noch preiswertes polnisches Menü. Ist ein Zimmer frei sollte man auch übernachten. Man fühlt sich wie der König von Preußen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir besuchten die Schlösser Lomnitz und Schildau, Erdmannsdorf und Stonsdorf, Spiz, Fischbach und Buchwald. Da ist zuerst das Schloss Lomnitz oder besser gesagt das Große Schloss mit Gutshof und gleich daneben das Kleine Schloss als Witwenschloss. Heute wieder komplett in Stand gesetzt von Nachfahren der letzten deutschen Besitzer und als Hotel geführt. Das in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Schloss Schildau erwarb der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. für seine Tochter Luise von Preußen und ließ es umfänglich umbauen. Im Jahr 1995 kaufte eine polnisch-italienische Firma die Immobilie und baute sie zu einem Viersternehotel aus. Das Schloss und der große Englische Park sind frei zugänglich.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Im Jahr 1822 kaufte Wilhelm von Preußen, ein Bruder des Preußischen Königs, Schloss Fischbach (siehe Artikelbild). Er hielt sich mit seiner Familie häufig in Fischbach auf. König Friedrich Wilhelm III. besuchte Schloss Fischbach und seinen Bruder häufig wenn er im Hirschberger Tal weilte und pflegte auch engen Kontakt zu Generalfeldmarschall August Neidhardt von Gneisenau, einem Veteranen der Napoleonischen Kriege. Er residierte auf Schloss Erdmannsdorf. Es wundert nicht, dass bei dieser Prominenz der Geldadel nicht weit ist. Schloss Buchwald gehörte dem in Hameln geborenen Grafen von Reden. Er entwickelte maßgeblich den Bergbau und die Eisenverhüttung in Oberschlesien. Das Schloss Stonsdorf im gleichnamigen Ort Stonsdorf, nach dem der Stonsdorfer Kräuterlikör benannt ist, gehörte bis 1947 der Familie des Grafen von Reuss, heute ist das Anwesen ein Top Hotel. Bemerkenswert ist der Park, der zum Schloss gehört mit seinen im Park wunderbar integrierten kleinen Seen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Hat man nach Besichtigung all der Schlossanlagen noch etwas Zeit, so empfehlen wir den Wanderweg zum Sokoli, auf deutsch Forstberg. Man erwandert auf der Kuppe des Forstbergs einen Aussichtspunkt mit tollem Blick in das Hirschberger Tal bis zum Riesengebirge und der Schneekoppe im Süden. Der etwa 640 Meter hohe Forstberg liegt nur wenige Kilometer nordöstlich von Schloss Fischbach und ist vom Schlosspark aus sogar zu sehen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser Reiseführer gibt uns noch einen Tipp: Eine Wanderung am Szczeliniec Wielki zu deutsch die Grosse Heuscheuer im Glatzer Land. Wir verlassen also das Hirschberger Tal, queren die Grenze nach Tschechien fahren ein Stück im früheren Sudetenland nach Osten und bei Náchod geht es wieder zurück nach Polen, ins frühere Glatzer Land. Kurz hinter der Ortschaft Karlów sind wir am Ziel. Zur 920 Meter hohen Grossen Heuscheuer, einem erodierten Tafelberg aus Sandstein, schlängelt sich ein Wanderweg hinauf auf eine Aussichtsplattform mit kleiner Restauration und sehr schönem Ausblick in das Glatzer Land bis zu den Sudeten im Süden. Der empfohlene Rückweg, den man bezahlen muß, führt durch eine sehr enge Schlucht erst abwärts, dann wieder hinauf zu einer Aussichtsplattform im Sandstein ehe man wieder absteigt und zum Ausgangspunkt zurück kommt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser letztes Besuchsziel in Schlesien ist die Hauptstadt Niederschlesiens, früher Breslau genannt, heute Wrocław. Bis 1945 war Breslau die Heimat meiner Mutter. Mein Großvater kam aus Niedersachsen, machte eine Banklehre bei der Deutschen Bank in Goslar und bewarb sich dann auf einen Posten bei der Deutschen Bank in Breslau. Das muß so kurz vor dem Ersten Weltkrieg gewesen sein. Damals war Niederschlesien eine wirtschaftlich aufstrebende Region. Breslau hatte 1910 schon 500.000 Einwohner, soviel wie Köln. 1939 im letzten Jahr vor dem Krieg zählte Breslau 630.000 Einwohner – das entspricht ziemlich genau der Bewohnerzahl von Wrocław heute. Damals wie heute eine Großstadt.

Meine Mutter trauerte immer den Jugend- und Kindheitsjahren in Breslau nach. Sie erzählte von der Wohnung in der Goethestraße 118, dem privaten Oberlyzeum von Zawadzky für Mädchen in der Gutenbergstraße über das es ein nettes Manuskript auf der Seite des Deutschlandfunks unter dem Titel Breslau-Wrocław. Und zurück gibt. Die Schule wurde von den Nazis später in Dietrich-Eckart Schule umbenannt. Namensgeber war ein früher Mentor Adol Hitlers.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Mein Großvater stieg schnell zum Bankdirektor an der Deutschen Bank in Breslau auf und konnte sich im Jahr 1937 ein Haus in Breslaus Villenvorort Bischofswalde (Biskupin) in der Gustav-Langner Straße 6 (heute Artura Grottgera) kaufen. Dieses Haus aus dem Jahre 1912 steht noch heute und ist, wie man auf dem Bild sieht, top renoviert und befindet sich wohl in besten Händen. Der Hauskauf wurde damals, so erzählt es meine Mutter, im Schweidnitzer Keller (Piwnica Świdnicka, derzeit leider geschlossen) unter dem alt-ehrwürdigen Rathaus am Ring (Rynek) feucht-fröhlich und angemessen gefeiert.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auch den damaligen Sitz der Deutschen Bank in der Albrechtstr 33/34 (Wita Stwosza) konnten wir finden. Auch dieses Haus hat den Krieg überstanden. Die Deutsche Bank übernahm die Mehrheit des Aktienkapitals des Schlesischen Bankvereins im Jahr 1897, einer Regionalbank in Schlesien und auch das in der Albrechtstraße 1899 eröffnete Bankhaus. Man sieht noch über dem Eingang die Jahreszahl 1899 und ganz oben das Wappen des Schlesischen Bankvereins. Hier hat mein Großvater gearbeitet, fuhr täglich von Bischofswalde ins Zentrum zur Bank mit der Straßenbahn und schritt durch das mächtige Eingangsportal – welch ein Gedanke.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir suchen in Breslau die Goethestraße und Gutenbergstraße doch beide sind vom Krieg ausradiert. Meine Mutter sagte immer: „Der Russe kam vom Süden und nicht vom Norden wie man allgemein vermutete“. Fährt man zum Hindenburgplatz (Powstańców Śląskich) kann man den Sky Tower im Fahrstuhl hinauffahren und sich einen Überblick über die Stadt verschaffen. Man sieht im Norden die Altstadt mit dem Rathaus und die Dominsel, rechts, also im Osten die Jahrhunderthalle und den Scheitnig Park und man kann wohl auch Bischofswalde erahnen. Schaut man sich das Stadtviertel direkt unter dem Turm an so bemerkt man sofort den architektonischen Bruch. Im Süden wirkt die Stadt wie abgeräumt und wieder erbaut mit quaderförmigen Wohnblöcken. Der Russe kam eben vom Süden, genau genommen Südwesten. Wie meine Mutter es sagte.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bis kurz vor Ende des Krieges blieb Breslau von Zerstörungen komplett verschont. Das Leben ging weiter wie in Friedenszeiten – so berichtete es auch meine Mutter. Breslau war außerhalb der Reichweite der alliierten Bomberstaffeln, massive Bomardements wie in den westdeutschen Städten blieben der Stadt erspart – bis Januar 1945. Hitler wollte die Rote Armee an der Oderlinie unbedingt aufhalten und erklärte unter anderem Breslau zur Festung. Damit war die Stadt dem Untergang geweiht. Am 20. Januar 1945 rief der Gauleiter Breslaus, Karl Hanke die nicht wehrtaugliche Zivilbevölkerung auf, die Stadt zu verlassen. Sofort brach das Chaos aus. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt voller Flüchtlinge und eine Evakuiierung war nicht organisiert. Hunderttausende verließen im strengen Winter 1945 die Stadt zu Fuß, viele kehrten verzweifelt zurück. Mein Großvater hatte über die Bank gute und hilfreiche Kontakte und konnte seine Familie mit der Reichsbahn gerade noch ausreisen lassen. Ihr Ziel war der Geburtsort meines Großvaters in Niedersachsen, den sie auch unbeschadet erreicht haben. Der Festungsirrsinn von Breslau führte zu massiver Zerstörung der Stadt. Häuserkämpfe radierten Straßenzüge aus und Ostern 1945 bombardierte die Rote Armee das Stadtzentrum massiv. 70% der Bausubstanz der Stadt war verloren. Zu guter Letzt ließen die Nazi Generäle eine ein Kilometer lange Landebahn in den Stadtteil Grünewald sprengen. Dazu wurde die Kaiserstraße auf 300 Meter verbreitert. Als der Nazi Spuk am 6. Mai 1945 vorbei war hausten noch etwa 200.000 Menschen in den Trümmern. Es folgte in den folgenden Monaten und Jahren die Vertreibung der Deutschen und die Ansiedlung von Polen aus der Ukraine, besonders aus dem Gebiet um Lemberg (Lwiw).

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Stadt Breslau stand 1945 kurz vor der Auslöschung. Viele verbliebene Deutsche flohen in den Westen oder wurden vertrieben, Polen kamen in die zertrümmerte Stadt. Niemand wußte, wem die Stadt einmal zugehören sollte. Polen oder doch wieder Deutschland? Baumaterial wurde aus Breslau abtransportiert und nach Warschau gebracht zum Wiederaufbau der polnischen Hauptstadt. Und doch ist Breslau der kompletten Vernichtung entkommen und die Polen haben es in den folgenden Jahrzehnten fantastisch und mit viel Liebe wieder aufgebaut. Heute hat Wrocław seinen historischen Stadtkern in der Altstadt und der Sand- und Dominsel zurück. Alles erstrahlt in sorgfältig restauriertem Glanz und die alten, geschichtlichen Wurzeln der Stadt sind für jeden Besucher erlebbar als hätte es die Zerstörung nicht gegeben. Breslau ist in Wrocław aber Wrocław ist nicht Breslau.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben auf dem Campingplatz am alten Olympiastadion übernachtet und sind mit den Rädern ins Zentrum gefahren. Wir haben uns am Scheitniger Park die Jahrhunderthalle angeschaut, waren auf der Dominsel und ganz häufig am Ring, dem Alten Rathaus der Stadt und in mehreren der toll restaurierten Kirchen. Es gibt in Wrocław viel aufzuspüren, alte Palais, die Universität, das alte Königsschloss und der alte Hauptbahnhof im Tudor Baustil. Sogar das Kurfürstenhaus mit seinen aufwändigen Fassadenmalereien erstrahlt in alter Pracht. Geht man zur Mittagszeit bei herrlichem Sonnenschein in eines der einladenden Restaurants am Ring in Sichtweite des alten Rathauses, dann kann man sicher sein, dass man hier in Polen freundlich und höflich bedient wird und ein schlesisches oder polnisches Menü serviert bekommt, das in der Qualität zu dieser bezaubernden Stadt an der Oder passt.


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