Viele Fotos und ein paar Worte https://www.Friedrich-Glasenapp.de von Friedrich Glasenapp Tue, 18 Jun 2019 14:21:10 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2.2 Ein Wochenende in Rotterdam https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2019/06/ein-wochenende-in-rotterdam/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2019/06/ein-wochenende-in-rotterdam/#respond Fri, 07 Jun 2019 19:22:52 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=6309 See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de]

Mitglieder des Ford-Foto-Clubs, Köln hatten die Idee, doch einmal eine Städtefahrt nach Rotterdam zu machen. Freitag hin und Sonntag wieder zurück. Mit der Bahn. Das war der Plan und wir waren dabei.

Warum Rotterdam? Andreas war schon einmal dort, konnte tolle Fotos moderner Archtektur und innovativer Stadtgestaltung mit Hafen und Erasmus Brücke und Euromast-Aussichtsturm zeigen. Alles schien ideal für ein geselliges Fotowochenende zu sein.

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Mit dem Zug ist Rotterdam einfach zu erreichen. Ab Köln Hbf um 17:46 Uhr Gleis 5 mit ICE 122, der nach Amsterdam fährt. Umsteigen in Utrecht in einen Regionalzug nach Rotterdam und um 20:01 Uhr pünktlich am Freitag Abend kamen wir an.

Zu Fuss gingen wir vom zentral gelegenen Hauptbahnhof Richtung Hafen zu unserem vorgebuchten Hotel Emma am Nieuwe Binnenweg.

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Das Hotel Emma hat einen Vorteil: Es liegt zentral im Zentrum Rotterdams. Der Nachteil: Auf der anderen Seite des Nieuwe Binnenweg laden Bars und Restaurants mit Aussenbewirtung zum Verweilen und geselligen Beisammensein ein. Der Lärmpegel ist abends und nachts hoch; es posen junge Leute mit ihren Motorrädern und exklusiven Sportwagen lautstark auf und ab. Hätte das Hotel keine modernen Lärmschutzfenster an der Vorderseite verbaut, ein erholsames Übernachten wäre unmöglich.

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Rotterdam ist mit etwa 650.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Niederlande. Sie liegt im verzweigten Rheindelta am Seitenarm Nieuwe Maas mit direkter Verbindung zur Nordsee. Gegründet wurde die Stadt Anfang des 14. Jahrhunderts. Es entwickelte sich schnell ein international bedeutender Handelshafen, der die englische Wirtschaftsregion um London mit dem Wirtschaftsraum am Rhein verband. Heute ist Rotterdam nicht nur eine quirlige, niederländische Großstadt sonder ökonomisch auch der weitaus größte Hafen Europas und einer der bedeutendsten der Welt.

Sieht man es der Stadt heute auch nicht mehr an so wurde Rotterdam doch im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Erst durch Luftangriffe der Deutschen Wehrmacht, dann durch die Alliierten, die den Widerstand der Wehrmacht in den besetzten Niederlande unbedingt schnell brechen wollten. Zurück blieben am Ende nur Ruinen.

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Der Wiederaufbau der Stadt in den 40/50er Jahren orientierte sich weniger an alten Vorbildern von vor dem Krieg sondern folgte den wirtschaftlichen Bedürfnissen einer modernen, bedeutenden Hafen- und Handelsstadt. Es entstanden breite Straßenzüge und Hochhäuser, wie es viele Stadtplaner nach dem Krieg in Europa planten. Dabei entwickelte Rotterdam eine geradezu verspielte Formenvielfalt; man orientierte sich nicht unbedingt an rechten Winkeln und Quadern sondern wagte auch, schräge Außenwände und überhängende Blöcke zu konstruieren und zu errichten. Der Besucher fühlt sich in dieser Stadt nicht in Hochhausschluchten erdrückt sondern wird durch die Vielfalt der modernen aber durchaus funktionalen, dem Bauhausstil verbundenen Architektur gefordert. Immer wieder muß man die gewagten Geometrien geistig ordnen und staunt am Ende, dass man so überhaupt bauen kann.

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Am Samstag, nach dem Frühstück, schwärmte die Gruppe der Fotofreunde mit ihren modernen und modernsten Kameras und dem schweren Zubehör hinaus in die Stadt. Ging es noch gemeinsam zu den Markthallen so zerbröselte die Gruppe langsam mehr und mehr in Einzelgängern auf der Jagd nach dem besten (Foto)Schuss.

Über die Metrostation Rotterdam Blaak ging es für uns zu den bekannten Kubus-Häusern aus den 80er Jahren, zum Leuvehaven und weiter hinüber zur Erasmusbrücke. Dort, unterhalb der Brücke am Willemsplein, buchen wir eine Hafenrundfahrt und lassen uns in 1½ Stunden durch den Stadthafen schippern.

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Danach steht uns der Sinn eher nach Grachten, Kanälen, kleinen Barkassen und den typischen, holländischen Wohnhäusern wie man sie viel in Amsterdam sieht. Aber auch das hat die Stadt Rotterdam zu bieten. Am Delfshaven ist noch fast alles wie früher, einschließlich einer Windmühle an der Hafenmohle. Hier hat, wie durch ein Wunder, der Krieg einen kleinen Ortsteil verschont und Stadtplaner haben dieses Kleinod nicht grundsaniert.

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Ist man schon einmal im Delfshaven so sollte man zurück zum Euromast gehen oder mit der Straßenbahn fahren und sich für ein paar Euro im Fahrstuhl 100 Meter hoch zur Aussichtsplattform liften lassen. Der Ausblick über die Stadt im Osten und die Hafenanlagen im Westen ist gewaltig und sollte auf keinen Fall fehlen. Man könnte sonst in dieser quirligen Stadt den Überblick verlieren – im wahrsten Sinne des Wortes.


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In den Osterferien auf Korsika https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2019/05/in-den-osterferien-auf-korsika/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2019/05/in-den-osterferien-auf-korsika/#respond Mon, 20 May 2019 06:23:08 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=6133 See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de]

Abflug Köln-Bonn 21:00Uhr, Ankunft Bastia 22:50Uhr. In weniger als zwei Stunden erreicht man in einem modernen Germanwings Airbus A319 vom Rheinland die französische Mittelmeerinsel Korsika.

Die Hafenstadt Bastia liegt im Nordosten der Insel und der Flughafen im Süden 20 Kilometer außerhalb der Stadt. Wir passieren nach der Landung den Zoll, holen unseren bei ADA gebuchten, kleinen Renault Twingo ab und folgen unserem Navi-Gerät, das uns sicher in das in Deutschland gebuchte Hotel Port Toga im Zentrum Bastias lotst.

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Am nächsten Morgen, beim Frühstück erkennen wir die zentrale Lage unserer Unterkunft. Der mit farbigen Gemälden nett dekorierte Frühstücksraum im Obergeschoss mit umlaufenden Fenstern und sonniger Dachterrasse bietet einen weiten Ausblick auf Bastias großen Fährhafen, die umliegenden Berge und die Altstadt im Süden.

Wir wollen uns am ersten Tag auf Korsika vom Auto aus erst einmal die korsische Landschaft anschauen. Also quälen wir uns mit dem Twingo die steile und enge Ausfahrt aus der Tiefgarage des Hotels hinauf ins Freie und biegen auf der D80 Richtung Norden ab, zum Cap Corse.

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Korsika ist mit etwa 8.600 km² die viertgrößte Insel im Mittelmeer und mit etwa 330.000 Korsen eine, für europäische Verhältnisse eher dünn besiedelte Region. Man kann die Insel von Macinaggio ganz im Norden bis Bonifacio im Süden an einem Tag mit dem Auto queren. Korsika misst schließlich nur etwa 185 Kilometer längs und etwa 85 Kilometer quer.

Korsika ist eigentlich ein Gebirgsmassiv, das hoch aus dem Mittelmeer ragt, mit 50 Berggipfeln, die die zweitausender Höhenmarke überragen, wobei der Monte Cinto im Nordwesten mit 2.706 Metern die höchste Erhebung der Insel ist. Eigentlich ist die Insel eine von Schiefer und Granit im Westen geprägte Gebirgslandschaft mit Steilküsten im Nordwesten, vielen sandigen Badestränden mit türkisgrünem Meer im Südwesten und Osten. Nur der Osten der Insel ist dabei flach und kann landwirtschaftlich genutzt werden.

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Für Wanderer ist Korsika ein Juwel. Viele ausgewiesene Wanderwege durchziehen die Insel längs und quer und jeder Besucher sollte auf jeden Fall Wanderschuhe im Reisegepäck mitnehmen. Der berühmteste und in Frankreich anspruchsvollste Wanderweg ist der GR20 auf Korika. Man sollte schwindelfrei und körperlich fit sein will man den GR20 in 15 Tagesetappen in den Sommermonaten erwandern. Man wird eine karge Hochgebirgslandschaft aus schroffem Granit mit vielen Bergseen erleben, geprägt durch starke Vergletscherung in der letzten Eiszeit. Wer den GR20 in Teilen oder ganz wandern möchte findet genaue GPS Trackinformationen auf der Webseite von fernwege.de und eine gute Beschreibung mit Bildern auf gps-tour.info.

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Cap Corse ist der nördlichste Zipfel der Insel. Von Bastia aus kann man mit dem Auto die Ostküste entlang Richtung Norden bis Macinaggio fahren und dann die westliche Küstenstraße zurück nach Bastia. Für die etwa 150 Kilometer sollte man, mit vielen Stops und Pausen einen Tag einplanen. Wir erfreuen uns an dem angehmen, mediterranen Klima und der gut 20° Lufttemperatur, den kleinen Küstendörfern mit Fischereihafen und der blühenden, farbigen Frühlingslandschaft und dem betörenden Duft des gelben Ginsters, der fast allgegenwärtig ist. Die westliche Küstenstraße ist schmal und extrem kurvenreich und heute am Sonntag ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer, die möglichst am Limit durch die Kurven heizen. Aber wir haben Zeit, fahren vorsichtig und besuchen jeden Aussichtspunkt um die tolle Küstenlandschaft zu genießen.

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Zurück im Port Toga Hotel in Bastia schlendern wir zum alten Hafen der Stadt, der mitten im Stadtzentrum liegt. Lagen hier früher Fischerboote und Lastschiffe an der Mole so sind es heute reiche Freizeitkapitäne, die mit Motor- und Segelbooten den Hafen füllen. Wir suchen uns ein nettes Restaurant am Hafen und lassen den ersten Korsikatag bei Fischsuppe und Calamrisringen ausklingen.

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Am nächsten Morgen genießen wir noch einmal das Hotelfrühstück und den tollen Ausblick von der Dachterrasse des Hotels auf die Stadt Bastia, dann bezahlen wir die Hotelrechnung, packen den Twingo und quälen ihn die steile Ausfahrt hoch aus der Tiefgarage des Hotels auf Straßenniveau. Heute wollen wir die Insel von Ost nach West durchqueren, von Bastia nach Ajaccio. Zuerst fahren wir die T11 wieder Richtung Flughafen, dann biegen wir im Örtchen Casamozza rechts ab und fahren auf die T20 immer den Schildern Ajaccio nach.

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Zuerst geht es durch eine grüne Hügellandschaft leicht bergauf. Zusammen mit der einspurigen Bahntrasse zwischen Bastia und Ajaccio folgt die Straße dem Ufer des Golo Flusses. Nach etwa 40 Kilometern erreichen wir die Ruine der Brücke von Novu (Ponte Novu). An dieser Brücke, ursprünglich von den Genuesen erbaut, endete am 9. Mai 1769 die Republik Korsika nach nur 14 Jahren in der Schlacht am Ponte Novu und seitdem ist Korsika Teil Frankreichs. Davor hatten Griechen und Römer Handelsposten auf der Insel und im Mittelalter bemächtigten sich die benachbarten italienischen Handelsstädte Korsikas. Zuerst Pisa und dann Genua. Die Republik Genua betrachtete Korsika als Kolonie oder Protektorat in strategisch bedeutender Lage vor ihrem Hafen. Man gründete Städte an der Küste und kooperierte mit korsischen Familienclans im Innern der Insel. Als der Reichtum, die Wirtschaftskraft und die Bedeutung Genuas zu Anfang der Neuzeit langsam nachließen wurde es für die Stadt immer schwerer, Söldner anzuwerben und zu bezahlen und die über 150 Wachtürme (Genuesentürme, Tour Génoise) an der Küste zur Abwehr feindlicher Schiffe und Piraten zu unterhalten. Man verpfändete Korsika erst an Banken und im 18. Jahrhundert an Frankreich, das den Inselschutz komplett übernehmen sollte bis man die ausgehandelten Schutzgelder bezahlen konnte, was aber nie geschah sodass Frankreich sich berechtigt fühlte, Korsika 1768 einfach in sein Königreich einzugliedern und das ist bis heute so geblieben.

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Wir fahren weiter, passieren Corte, die ehemalige Hauptstadt der Republik Korsika, heute Universitätsstädtchen und Ausgangspunkt vieler Wanderungen ins korsische Gebirge und fahren zum 1163 Meter hohen Bergpass Col de Vizzavona. Von hier an geht es im Tal der Gravona bergab bis wir am späten Nachmittag Ajaccio erreichen. Wir fahren durch das Städtchen, die Küstenstraße entlang, bis wir das Hotel Stella Di Mare erreichen, in dem wir in Bastia über eines der online Buchungsportale ein Zimmer gebucht hatten.

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Das Stella Di Mare ist ein typisches Urlaubsresort wie es entlang der Nordküste Ajaccios vielfach zu finden ist. Kleine Wohneinheiten und zentrale Gebäude wie Restaurant, Frühstückslobby, zentraler Platz mit Liegen, Kiosk und ein tiefblauer Swimmingpool direkt mit Blick auf das Meer. Vor dem Resort, an der Küstenstraße hält der Bus der Linie 5, der Gäste in etwa 20 Minuten für einen Euro nach Ajaccio fährt oder in die andere Richtung zum Genuesenturm Tour Génoise de la Parata mit tollen Wandermöglichkeiten an der Küste entlang.

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Am nächsten Tag soll es regnen. Wir verlängern unser Zimmer im Stella Di Mare um eine Nacht und planen einen Ausflug ins südlich von Ajaccio gelegene Prunelli Tal. Wir fahren mit unserem kleinen Twingo durch Ajaccio auf der T40 Richtung Süden, am Flughafen vorbei und dann links ab in die D3 Richtung Bastelica. Die D3 führt bergauf immer parallel zum Prunelli Fluss, der in das Granitgebirge in vielen Millionen Jahren eine enge Schlucht gegraben hat. Die Straße ist eng, kurvenreich und hat steile Flanken. Man muß vorsichtig und immer weit rechts fahren um auch große Reisebusse passieren zu lassen. Wir fahren durch kleine, korsische Dörfer wie Ocana, Bastelica und Cauro und sehen auf den Tolla Stausee (Lac de Tolla) hinunter, der Ajaccio mit Trinkwasser versorgt. In Bastelica endet die D3. Von hier aus geht es nur zu Fuss am Prunelli weiter hinauf bis zu seiner Quelle am 2.255 Meter hohen Punta alla Vetta.

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Zurück in Ajaccio schlendern wir durch das Städtchen. Ajaccio ist Hauptstadt der Region Korsika und mit etwa 70.000 Einwohnern größte Stadt Korsikas (Bastia ist mit 45.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Insel). Napoleon Bonaparte ist in Ajaccio auf Korsika am 15. August 1769 geboren worden. Sein Geburtshaus in der Rue Saint-Charles kann besichtigt werden und beherbergt in der Altstadt ein kleines Museum. Überhaupt kann man Napoleon in Ajaccio und auf ganz Korsika kaum entkommen. Überall gibt es Straßennahmen, Büsten und große, heroische Denkmäler wie zum Beispiel das Napoleon Monument am Ende des Cours de Général Leclerc in Ajaccio.

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Ajaccio hat einen langen, sichelförmigen Strand, einen Hafen für große Fähren und Kreuzfahrtschiffe und einen kleineren für Sport- und Fischerboote unterhalb der alten Zitadelle. Wie Bastia ist Ajaccio ein wichtiger Anlegehafen für Fähren nach Frankreich und Italien und wird immer von Kreuzfahrtschiffen angefahren, die auf einem Mittelmeerturn sind. Wie Bastia auch wird Ajaccio vom Individualverkehr beherrscht. Man fährt als Korse Auto, Vespa oder Motorrad und verstopft damit schon im April die schmalen Straßen der Stadt, die an den Seiten auch noch die geparkte Blechlawine aufnehmen müssen. Radwege gibt es praktisch nicht und damit kaum Pedelecs oder e-Roller wie in großen Metropolen auf dem Kontinent. Zur Urlaubszeit im Sommer, sagt unser Reiseführer, bricht der Verkehr in Ajaccio häufig komplett zusammen, wenn es Korsen und Touristen gleichzeitig durch die Stadt drängt.

Wir wollen die Insel nicht nur mit dem Auto auf Straßen erkunden sondern auch in der schönen Landschaft wandern. Unser Reiseführer (Marcus X. Schmid, Korsika im Michael Müller Verlag) schlägt 8 Tageswanderungen vor, die immer etwa 3-4 Stunden dauern. Wir suchen drei Touren aus: Durch den Wald von Chiavari, entlang der Küstenpfade bei Campomoro und von Bonifacio zum Leuchtturm von Pertusato.

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Die erste Wanderung beginnt 20 Kilometer südlich von Ajaccio und führt in 300-400 Metern Höhe in den Wald von Chiavari. Man wandert durch die korsische Macchia, dem typischen korsischen Buschwald, der große Teile der Hügel- und Bergwelt der Insel bedeckt. Zu dieser Jahreszeit im April wandern wir durch blühende, duftende Landschaften aus Lavendel, Ginster, Zistrose und Baumheide, die viele Falter und summende Insekten anziehen. Wir streifen durch Kork- und Steineichenwälder und werden manchmal fast von der üppigen Buschvegetation verschlungen. Es ist ein netter, nicht anstrengender vierstündiger Spaziergang mit einigen schönen Aussichtspunkten hinab in die Bucht von Ajaccio und die gleichnamige Stadt.

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Unsere zweite Wanderung beginnt weiter südlich im Örtchen Campomoro am Golf von Valinco. Wir finden noch gerade einen freien Parkplatz für unseren Twingo, packen den Tagesrucksack, schnüren die Wanderstiefel und los gehts durch den Ort und eine kleine Villensiedlung und dann durch den dichten, korsischen Buschwald zum Genuesenturm von Campomoro (Tour de Campomoro). Dieser stattliche, sorgfältig renovierte Genuesenturm von 1586 steht an exponierter Stelle an der Küste und erlaubt einen weiten, freien Blick auf das offene, türkisblaue Mittelmeer. Vom Turm aus führt der Rundwanderweg an der Felsküste entlang mit bizarr erodiertem Granit zu einer kleinen, sandigen Badebucht ehe man wieder in die Buschlandschaft des Macchia eintaucht und zum Ausgangspunkt zurück gelangt.

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Unser letztes Ziel und südlichster Punkt der Reise ist die wunderschöne Hafenstadt Bonifacio. Die Altstadt mit einer Festungsmauer liegt hoch oben auf Felsklippen, gebaut am Abgrund. Weiter gen Süden geht es nur mit dem Boot. Sardinien, in 15 Kilometer Entfernung, scheint zum Greifen nahe. Wir parken das Auto auf dem großen Parkplatz am Hafen in der Unterstadt und steigen die Steintreppen hoch zur Klippe. Hier führt ein Wanderweg entlang, der immer wieder zu Aussichtspunkten mit tollem Ausblick auf die Oberstadt von Bonifacio bietet.

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Der etwa 10 Kilometer lange Weg entlang der Kalksteinklippen ist einfach zu gehen und ist eher ein gemütlicher Spaziergang. Die Landschaft wirkt wie ein gut komponiertes Gemälde: Der pastell-blaue Himmel, die weißen Kreidefelsen mit grünbraunem Buschwerk und unten das klare, türkisgrüne Meer und in der Ferne die mittelalterlichen Häuser der Altstadt von Bonifacio. Toll, einfach toll.

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Der Rest unserer Reise ist schnell erzählt. Wir übernachten die letzte Nacht auf Korsika in einem dieser vielen Resorts südlich von Porto Vecchio, im Santa Giulia Palace. Da unser Rückflug erst um 23:30Uhr in Bastia startet haben wir genug Zeit, vorher auf der Rückfahrt einen Abstecher über eine der schönsten Passstraßen Korsikas, der D268 von Porto Vecchio über Zonza nach Sari-Solenzara zu machen. Oben auf dem Gebirgspass, dem Col de Bavella in 1268 Meter Höhe parken wir den Twingo auf dem großen, fast leeren Parkplatz. Diese fotogene Gebirgslandschaft mit schönem Ausblick auf das Bavella Massiv zieht uns noch einmal in ihren Bann und wir träumen wehmütig davon, unsere Wandersachen zu packen und doch – wenigsten ein kleines Stück – des hier kreuzenden GR20 zu laufen. Nur bis zur nächsten Kurve, das würde ja schon reichen …


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Unsere etwa 1.100 Kilometer lange Tour auf Korsika als gpx-Track befindet sich zum Download hier:
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Reise in Namibias Norden https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/12/reise-in-namibias-norden/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/12/reise-in-namibias-norden/#comments Fri, 07 Dec 2018 16:27:58 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5984 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unsere Namibiareise beginnt wie immer mit einem Eurowings Nachtflug von Köln über München nach Windhoek, dem einzigen internationalen Flughafen Namibias, benannt nach Hosea Kutako.

Hosea Kutako war ein in Namibia bekannter Anführer der Herero. Er setzte sich Zeit seines Lebens und besonders während der Besetzung Namibias durch das südafrikanische Apartheitsregime für die Belange seines Landes und dessen Völker ein. Er war, neben dem ersten Präsidenten Namibias, Sam Nujoma, dessen Bild man in vielen Amtsstuben Namibias hängen sieht, einer der Mitbegründer der Befreiungsbewegung Swapo. Hosea Kutako starb 1970 im hohen Alter von 100 Jahren. Die Unabhängigkeit seines Landes im Jahr 1990 konnte er nicht mehr erleben aber ihm zu Ehren wurde der wichtigste Flughafen Namibias 1990 nach ihm benannt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wie immer lassen wir uns am Flughafen von einem Fahrer des Autoverleihers, diesmal Value Car Rental, abholen und zur Verleihstation im Zentrum Windhoeks fahren. Die Ausgabe der Value Car Rental Fahrzeuge findet in der Station des Verleihers ASCO Car Hire statt. Wir fragen nach wie ASCO und Value Car Rental zusammenhängen und werden über das interessante Geschäftsmodell aufgeklärt: ASCO verleiht neue und neuwertige Fahrzeuge, Value Car Rental  übernimmt die älteren bis alten Autos und verleiht sie weiter an anspruchslosere Touristen zu niedrigerem Preis. Wir sehen das gleich in der Auslieferungshalle. Neue Toyota Hilux und noch edlere Landcruiser Fahrzeuge werden angeboten mit neuen Reifen, unverbeult, sauber und edel hergerichtet mit ASCO Aufkleber. Daneben die Value Car Rental Autos und auch unser Toyota Hilux. Zerbeult, Reifen schon sehr abgenudelt, die Windschutzscheibe voller Steineinschäge und innen die Polster verschlissen. Trotzdem, der Toyota startet ohne Probleme und der Motor läuft geschmeidig und ruhig. Das Fahrzeug wird uns, bis auf die fast schon obligatorische Reifenpanne, nicht im Stich lassen.

Wir akzeptieren das Auto also so wie es ist, bestehen aber darauf, keinen eventuellen Schaden der malträtierten Windschutzscheibe zu tragen und Reifenschäden nur im Verhältnis Restprofil zu Neuprofil. Außerdem achten wir darauf, dass alle Karosserieschäden genau protokolliert werden. Ansonsten sind wir eben in Afrika und ein Neufahrzeug ist nicht unbedingt nötig. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Vom Hof des Autoverleihers fahren wir die Mandume Ndemufayo Street Richtung Norden, um in der Wernhill Shopping Mall groß einzukaufen. Anschließend verlassen wir Windhoek auf der C24 Richtung Südwesten. Nach etwa 40 Kilometern wechselt der Straßenbelag von Teer zu Schotter. Gegen fünf Uhr Abends erreichen wir unser Ziel, die Hakos Farm. Auf der Hakos Farm haben wir 2017 die letzte Nacht unserer damaligen Namibia Reise verbracht. Der zum Farmhaus etwas abgelegene Zeltplatz bietet einen tollen Ausblick hinüber auf die Gamsberge und 2017 erlebten wir, wie dort ein Unwetter aufzog mit Blitz, Donner und dicken, schwarzen Regenwolken. Diesmal wurden wir mit einem spektakulären Sonnenuntergang in sattem Orange verwöhnt.

Die Hasko Farm ist etwas besonderes, denn hier sind astronomische Instrumente zur Himmelsbeobachtung installiert. Wir können Friedhelm, der mit zur Besitzerfamilie gehört, überreden uns nach eingetretener Dunkelheit eine kurze Einführung in den südlichen Nachthimmel zu geben. Er erklärt und zeigt die Tierkreiszeichen, die sichtbaren Planeten Venus, Mars und Saturn und das Kreuz des Südens. Höhepunkt war zum Schluß der Blick durch ein fest im Vorgarten installiertes 3.000mm Teleskop. Zum ersten Mal konnten wir die rote Scheibe des Merkur sehen, den Saturn mit den Ringen und den Mond mit imposanten Kratern.

Wir sind begeistert und haben von Friedhelm viel gelernt. Bevor wir zurück zu unserem Auto und dem Dachzelt gehen, gibt er uns noch den Tipp mit, dass Wittmann Travel  für Fotografen spezielle Astrofotoreisen nach Namibia anbietet und sie auf der Hakos Farm die Teleskope für spektakuläre Himmelsaufnahmen benutzen. Es wird, so erfahren wir weiter, der komplette Workflow erklärt, also erst eine Einführung in die Astronomie und die optischen Instrumente der Hakos Farm gegeben, dann die Einstellungen an der eigenen Kamera und später der Entwicklungsprozess selbst geschossener Bilder in Programmen wie Lightroom erläutert. Das alles zur rechten Zeit am richtigen Ort, im Winter, bei Neumond also kompletter Dunkelheit in Namibia. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung Westen. An der Blutkuppe, etwa 100 Kilometer  vor Swakopmund, machen wir halt und richten uns für die Nacht auf einem der traumhaft gelegenen Campingplätze ein. Wir besteigen den Granitfelsen der Blutkuppe am Abend und genießen von hier oben den tollen Blick in die Weite der Namib-Naukluft Wüste. Als wir zurück am Auto sind erkennen wir sofort, dass der Reifen hinten rechts platt ist. Gerade mal zwei Tage nach Übernahme des Fahrzeugs. Es hilft nichts. Wir packen das bordeigene Werkzeug aus und machen uns an die Arbeit. Bei jedem Urlaub in Namibia haben wir mindestens einen Reifenschaden und wir haben daher Übung beim Radwechseln. Alles geht flott von der Hand und das Auto ist schnell wieder fahrklar bevor die Sonne endgültig untergegeangen ist und es richtig dunkel wird.

Am nächsten Morgen geht unsere Fahrt weiter Richtung Swakopmund, wo wir als erstes die Unterkunft Alte Brücke ansteuern. Wir haben Glück und ergattern ohne Reservierung einen der begehrten Campingplätze. Sofort an der Rezeption erkundigen wir uns nach einer zuverlässigen Werkstatt, um den Reifen flicken zu lassen. Wir bekommen den Tipp, zu Dunlop Tyres 2000 zu fahren. Swakopmund ist nicht groß und die Werkstatt haben wir schnell gefunden. Der Reifen wird demontiert, aufgepumpt und schnell ist die schadhafte Stelle im Wasserbad gefunden. Gott sei Dank es ist nur ein Nagel in der Lauffläche – also kein Totalschaden. Der Reifen wird für umgerechnet etwa 10€ geflickt und wieder hinten rechts montiert. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Zurück zur Alten Brücke bauen wir unser Dachzelt für die Nacht auf und schlendern am Strand entlang ins Zentrum. Auf der alten Landungsbrücke oder englisch Jetty gehen wir hinaus aufs Meer. Früher war die Landungsbrücke für die weissen Siedler aus Deutschland lebenswichtig, um alle Güter vom Meer an Land bringen zu können. Heute ist sie nur eine touristische Attraktion. Sie ist fast menschenleer, nur ein Mann steht ganz links vorne an der Reling. Wir gehen durch bis zum Kopfende, machen ein paar Fotos und schlendern zurück. Ich will ein Foto  der Strandpromenade schiessen und beuge mich über die linke Reling und sehe plötzlich einen Mann im Wasser treiben.

Es ist wie im Fernsehen, beim „Tatort“, und ich kann es gar nicht glauben, dass unter mir ein Mann bäuchlinks im Wasser treibt. Er bewegt sich leicht in der Dünung, Arme und Beine pendeln am Körper aber das Gesicht ist permanent unter Wasser. Langsam wird mir klar, dass dem Mann nicht mehr zu helfen ist. Ich rufe meine Frau und kurz beraten wir was zu tun ist. Sie macht mit dem Smartphone ein Foto des Toten, dann laufen wir zum Kiosk am Strand und bitten die Polizei zu rufen. Die junge Frau zögert erst, ruft ihren Chef an und dann doch die Polizei. Nach kurzer Zeit kommt Bewegung in die Sache. Polizei fährt auf und eine Rettungsmannschaft zieht ein Boot aus dem Bootsschuppen an der Landungsbrücke. Wir werden kurz befragt, schildern den Hergang und zeigen das Bild des Toten im Wasser. Wir gehen mit der Polizei und einigen anderen auf die Landungsbrücke zu der Stelle, wo wir den Toten gesehen haben – aber kein menschlicher Körper ist im Wasser zu finden. Vielleicht hat die Strömung ihn so stark abgetrieben oder er ist unter Wasser getaucht. Wir wissen es nicht. Die Polizei veranlasst, dass ein Boot ins Wasser gelassen wird. Es sucht die Fläche zwischen Landungsbrücke und Strand genau ab aber es bleibt dabei: Der Tote bleibt verschwunden.

Wir beide werden nun getrennt voneinander vernommen, meine Frau im Cafe oberhalb der Landungsbrücke, ich im Polizeiauto. Der Kommissar schreibt alles sorgfältig mit: Dass wir auf der Jetty fast allein waren, nur vorne links ein junger Mann an der Reling stand. Als wir zurück gingen war der Mann weg und ich hatte durch Zufall einen jungen Mann schwarzer Hautfarbe, sorgfätig und vollständig bekleidet bäuchlings im Wasser schwimmen gesehen. Wir waren schnell der Meinung, dass wir dem Mann nicht helfen konnten und dies ein Fall für die Polizei ist. Naja, der Rest war dann bekannt. Wir übermitteln noch das Smartphone Bild des Toten über Whatsapp auf das Telefon eines der beiden Polizisten. Dann können wir gehen, nicht ohne unsere Adresse in Swakopmund zu hinterlassen. Erst Wochen später in Deutschland bekommen wir eine Whatsapp Message von einem der Polizisten. Er teilt uns mit, dass eine männliche Leiche am Strand von Swakopmund gefunden worden ist, die mit der Person auf unserem Foto identisch ist.

Uns will die Sache mit dem Toten nicht aus dem Kopf, und wir gehen den Strand entlang und halten intensiv Ausschau nach dem jungen Mann im Wasser – aber ohne Erfolg. Am alten Leuchtturm wenden wir uns dem Zentrum zu, schauen im Lederwarengeschäft der Familie Sibold vorbei um ein paar Souvenirs zu kaufen und dann geht es zurück zum Auto. Diesen ereignisreichen Tag beenden wir im vorzüglichen Restaurant der „Alten Brücke“. Das Einschlafen fällt uns nach so einem Tag schwer. Immer wieder gleichen wir unsere Erinnerungen ab und wir fragen uns was wir anders hätten machen können und spekulieren darüber, wie der Mann wohl zu Tode kam. Aber es fällt uns keine Lösung ein. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir verlassen das recht kühle Swakopmund und fahren die B2 in nordöstlicher Richtung, biegen einmal links in die staubige Pad D1918 und dann rechts in die D3716 ein und sind nach vielleicht 150 Kilometern an der Spitzkoppe. Die Spitzkoppe ist ein Granitfelsen, der aus der Ebene der Namib herausragt. Vor ganz langer Zeit ist flüssiges Magma aus dem Erdinneren aufgestiegen und hat sich in der Erdkruste zu Granit verfestigt. Als das umgebende, weichere Deckgestein in Jahrmillionen wegerodierte blieb dieser Granitpfropfen weit sichtbar als Landmarke stehen. Die Große Spitzkoppe ähnelt in ihrer Form dem Matterhorn der Schweiz sodass sie von Weissen auch häufig als das afrikanische Matterhorn bezeichnet wird.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Große Spitzkoppe ist eigentlich ein eingezäunter Naturpark, der von den Dorfbewohnern des gleichnamigen Dorfes ‚Große Spitzkoppe‘ verwaltet wird. Liebevoll wurden tolle, ganz individuelle Campingplätze zwischen riesigen Granitblöcken angelegt. Es ist sehr heiß mit Temperaturen an die 40° und intensiver, brennender Sonne am wolkenlosen, blauen Himmel.  Wir sind in unseren Außenaktivitäten tagsüber sehr eingeschränkt und suchen Schatten unter Bäumen oder in Steinhöhlen. Erst gegen Abend trauen wir uns hinaus und klettern auf den riesigen Granitkugeln herum und genießen die Aussicht in die umliegende afrikanische Ebene. Gegen Abend zünden wir ein Feuer in unserer Campingplatz Feuerstelle an und lassen den Tag umringt von Granit stilvoll ausklingen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Für den nächsten Tag haben wir einen einheimischen Führer gebucht, um private Pads des Parks zu befahren und auch um uns Felszeichnungen anzusehen. Unser junger Führer heißt einfach Franz. Sein Name ist auf seinem rechten Arm eintätowiert. Er spricht sehr gut Englisch und so kommen wir ins Gespräch. Wir lernen viel über die Wildtiere, die Teil der Parkfauna sind. Die Tiere, Zebras und Antilopen, werden mit Wasser und Futter versorgt, denn sie sind, wie die Touristen, von einem Zaun von der weiten Welt dort draußen abgeschnitten. Als er erfährt, dass meine Frau in Deutschland Lehrerin ist, überredet er uns, in seine ehemalige Dorfschule im Dorf vor dem Spitzkoppepark zu kommen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Morgen holen wir Franz am Parkeingang ab und fahren weiter in sein Dorf ‚Große Spitzkoppe‘. Gleich am Eingang des Ortes befindet sich die Schule. Sie ist eingezäunt. Auf einem kargen Platz befinden sich in zwei Reihen lange, einstockige Schulgebäude mit Unterrichtsräumen. Die Schule hat im südlichen Teil eine angeschlossene Kantine und Schlafräume für Schüler; denn es werden hier nicht nur Kinder des Dorfes unterrichtet. Viele Schüler kommen aus umliegenden Dörfern und werden in der Schule verpflegt und untergebracht.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir lernen die Schulleiterin Esther Naris kennen. Sie erklärt uns, dass hier, an der Katora Primary School 15 Lehrer 400 Schüler im Alter von 5 bis 14 Jahren sieben Stunden am Tag unterrichten. Sie lädt uns ein, an ihrem Unterricht teilzunehmen. Sie wirkt auf uns energisch und erfahren, den Kindern zugewandt. Der Klassenraum ist baulich etwas heruntergekommen aber überall an den Wänden stellen Schüler ihre Arbeiten aus und so wirkt die Klasse lebendig, freundlich und persönlich. Auch meine Frau wird ermuntert etwas Unterricht aus dem Ärmel zu schütteln. Die Kinder und ihre Lehrerin sind begeistert.

Natürlich wissen wir, dass stillschweigend von uns erwartet wird, dass wir Geld für die Schule spenden und das tun wir auch in der Hoffnung, dass die namibischen Dollars auch der Schule und den Schülern zugute kommen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unsere Fahrt geht am nächsten Morgen weiter. von der Spitzkoppe fahren wir etwas wehmütig ab zum Brandberg Massif. Im Campingplatz der White Lady Lodge im ausgetrockneten Flussbett des Ugab übernachten wir, vorher legen wir uns aber natürlich noch an den Swimmingpool der Lodge und trinken ein oder auch zwei kühle Windhoek Beer. Wir fahren am nächsten Tag zum Eingang zur White Lady Felsmalerei im Tal des Tsiseb Flusses am Brandberg. Hier muß man eine Führerin buchen, und mit ihr wandern wir zur heute streng geschützten White Lady Felsmalerei. Für ein paar namibische Dollar mehr zeigt sie uns noch einen der seltenen Wüstenelefanten, von denen es am Brandberg Massif noch einige wenige gibt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Eigentlich wollten wir auf dieser Namibia Reise weit hoch in den Norden des Landes, ins Kaokoland. Aber wir haben schon zu viel Zeit ‚vertrödelt‘. Auch trauen wir unserem Auto diese harte, einsame Rüttelstrecke in die nordwestlichste Ecke Namibias nicht wirklich zu und ganz allein ohne Satellitentelefon – das wollten wir dann doch nicht. Also fahren wir vom Brandberg über Palmwag nur bis zur Ongongo Quelle beim Ort Warmquelle. Hier ist es schon sehr abgelegen und richtig Afrika. Die Zufahrt zum Ongongo Campingplatz ist nicht einfach zu finden und die steile Abfahrt ins steinige Flussbett erfordert etwas Geschick.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben Glück und treffen gerade noch kurz vor ihrer Abfahrt Angelika und Gerhard. Beide haben eine permanente Aufenthaltsgenehmigung für Namibia, leben teilweise in Namibia und teilweise in Deutschland, in der Nähe von Neuwied. Sie empfehlen uns, auf der Rückfahrt an der Eagle Rock Guest-Farm vorbeizuschauen und von dort aus nach Windhoek und zum Flughafen zu fahren. Das klingt attraktiv. Die Farm liegt nur etwa 35 Kilometer westlich von Windhoek und das Angebot, die letzte Nacht auf einer Namibia Guestfarm zu verbringen und noch ein bischen mit Angelika und Gerhard zu reden, die dort auf der Farm eine Wohnung gemietet haben, kann man gar nicht ausschlagen.

Wir bleiben einen Tag am Ongongo und fahren dann zurück in Richtung Windhoek. An einem Tag schaffen wir es bis kurz vor das Waterberg Massiv. Wir übernachten auf dem Campingplatz der Guestfarm Hohenfels, dann die nächste Nacht am Waterberg und fahren anschließend zur Eagle Rock Guest-Farm.

Die Eagle Rock Guest-Farm ist, wie die meisten Farmen in Namibia, ein Paradies in dieser Steppenlandschaft. Ein stilvolles Farmhaus und seitlich die Unterkünfte der Gäste, ein netter Garten, ein Swimmingpool und ein gigantischer Ausblick in das Khomas Hochland im Westen von Windhoek. Das Farmhaus scheint fast nur aus einem großen Saal mit langem Tisch für viele Gäste zu bestehen und bei unserem letzten abendlichen Dinner fühlen wir uns auch ein bischen wie die Könige von Namibia .

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Unsere etwa 2.200 Kilometer lange Tour durch Namibia als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Island, Fahrt ins Hochland https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/11/island-fahrt-ins-hochland/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/11/island-fahrt-ins-hochland/#respond Fri, 23 Nov 2018 17:58:48 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5873 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Island ist die Insel aus Feuer und Eis, geprägt durch Gletscher und große Schneefelder und durch Erdspalten, erstarrte Lava und Vulkane. Nachdem wir in den ersten Tagen auf Island von der geteerten Ringstraße aus Abstecher zu den Gletschern des Vatnajökull unternommen haben, geht es jetzt ins Hinterland, Islands Highland.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Durch unsere zahlreichen Besuche im südlichen Afrika haben wir praktische Erfahrung im Befahren unbefestigter Straßen mit Mietautos. Man sollte immer prüfen ob der Autovermieter das Fahren auf unbefestigten Straßen überhaupt zuläßt oder ob bestimmte Gebiete sogar ausgeschlossen werden. Für Island sind Schotterpisten im Hochland untersagt, wenn man ein Auto mit konventionellem Antrieb oder Wohnmobile anmietet. Ist das geklärt, prüft man die Ausrüstung des Mietautos. Reicht der Treibstoff im Tank wenn Tankstellen rar sind, besonders wenn der Spritverbrauch auf Schotter viel höher ist? Ist das Equipment zum Wechseln eines defekten Reifens komplett und weiss man überhaupt, wie man einen Reifen bei dem Mietfahrzeug wechselt? Da haben wir Vorteile. Wir kennen den Toyota HiLux sehr gut, denn er ist in Afrika das meistvermietete 4×4 Auto und wir haben ihn dort schon häufig gefahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Trotzdem sind wir unsicher. Christian, mein jüngster Sohn und Mitfahrer, hat im Reiseführer eine Tour zur Lakispalte oder isländisch Lakagíga gelb markiert. Da müssen wir unbedingt hin war sein unerschütterliches Credo. Dass der Reiseführer von schwierig zu befahrender Schotterstraße sprach, nur zu empfehlen für erfahrene offroad Fahrer, machte uns schwankend, besonders aber die fünf ausgewiesenen Wasserfurten. Wir hatten zwar bislang recht gutes Wetter, nur an einem Tag am Nachmittag viel Regen aber keinen Sturm bei akzeptablen Temperaturen um die 10 bis 13 Grad am Tag. Doch das kann sich auf Island schnell ändern und kleine Flüsschen können mächtig anschwellen und unpassierbar werden. Ein guter Tipp ist, sich regelmäßig über das Islandwetter auf einem der gängigen Wetterportale und über den aktuellen Zustand der isländischen Straßen auf der Seite des Portals Icelandic Road and Coastal Administration zu informieren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir diskutieren die Möglichkeit, eine bezahlte Tagestour zur Lakagíga mit einen dieser Monstertrucks zu buchen. Im Internet werden wir schnell bei Guide to Island fündig. Hier werden Tagestouren für etwa 250€ pro Person angeboten. Ich schwanke aber Christian lehnt strikt ab. Zu teuer! Island ist generell für uns Euro Touristen ein sehr hochpreisiges Land. Ein Kaffee oder der Parkplatz können schon mal 7€ kosten, Diesel 1,80€ der Liter, einfache Campingplätze für uns 40€. Die Isländer stammen eben von den Wikingern ab und die gingen früher auf große Fahrt um die Nachbarvölker auszuplündern. Heute kommen die Touristen scharenweise aus den USA, Europa, Japan, China und anderen Ländern. Ganz freiwillig. 2017 waren es angeblich 2.5 Millionen bei 350.000 Isländern! Devisen geben sie freiwillig im Land ab. Die Isländer müssen nur die Hand aufhalten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir schauen auf die Wettervorhersage und die ist für die nächsten Tage gut. Unsere Entscheidung ist gefallen. Wir tanken den Toyota voll und fahren am nächsten Morgen ab ins Hochland. Von der Ringstraße biegt man zur Lakagíga in die Seitenstraße F206 ab. Wir sind erstaunt. Die Schotterstraße ist gut zu fahren und macht uns keine Probleme. An der ersten Flussfurt sind wir noch vorsichtig, steigen aus und schauen uns den Flussgrund und die Wassertiefe genau an und diskutieren, wo wir passieren wollen. Dann riskieren wir die Durchfahrt. Das Wasser geht zwar bis an die Türschweller und wir schieben eine weiße Bugwelle vor uns her aber der Toyota mit seiner Bodenfreiheit meistert die Furt perfekt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser erstes Ziel ist der Wasserfall Fagrifoss gleich neben der F206. Hier stürzt sich der Geirlandsá etwa 80 Meter tief in eine Erdspalte. Wir sind das erste Mal die einzigen Besucher einer isländischen Sehenswürdigkeit und sind überwältigt. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen laufen wir alle Aussichtspunkte ab und genießen die Stille, die uns umgibt. Es fällt uns schwer, diesen tollen Ort zu verlassen aber wir müssen wieder zurück auf die Schotterpiste F206 Richtung Lakagíga.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Island ist mit etwa 20 Millionen Jahren geologisch eine recht junge Insel. Sie liegt genau auf dem Mittelatlantischen Rücken. Der Mittelatlantische Rücken ist eine Spreizung des Meeresbodens des Nord- und Südatlantiks in dessen Folge sich die amerikanischen Kontinente von Europa und Afrika entfernen. Dabei wird viel Magma aus dem Erdinneren befördert und es bilden sich Spalten und Gebirgsaufwerfungen. Normalerweise findet dieser Prozess in einigen tausend Metern Tiefe am Grund des Atlantiks statt. Bei Island kommt, gemäß der gängigen Theorie, der Island-Plume ins Spiel. Ein Plume ist ein Strom von heißer, flüssiger Magma aus dem tiefen Erdmantel, der aufsteigt und gegen die Erdkruste drückt und diese nach oben wölbt sodass Island als Insel aus dem Meer austritt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Im Jahr 1783 riss die Erde auf einer Länge von 25 Kilometern dort auf, wo sich heute der Lakagíga Graben und die Kette der Laki Vulkane befindet. Aus 130 Kratern flossen knapp ein Jahr lang etwa 15km³ Lava aus und bedeckten und verwüsteten dabei eine Fläche von über 600km² (entspricht knapp der Fläche Hamburgs). Große Mengen Asche wurden hoch in die Atmosphäre geschleudert, zusammen mit vielen Millionen Tonnen Schwefeldioxid und fluorhaltigen Partikeln. Dieser Ausbruch war nicht nur verheerend für die meist im südlichen Island siedelnden Menschen sondern hatte massive Auswirkungen auf das Weltklima. Eine kleine Eiszeit mit Mißernten und kurzen Sommern mit Unwettern und schweren Regenfällen forderten besonders auf der Nordhalbkugel der Erde viele Opfer.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die F206 führt von der Ringstraße 34 Kilometer durch eine wilde Landschaft. Man fährt durch Hochebenen mit schwarzen Lavakissen und dicken, grüngelbem Moosbewuchs und durch weite Flusstäler. Es bieten sich uns immer wieder atemberaubende Ausblicke in die jetzt im Herbst braunrot gefärbte Landschaft. Am Ende der F206 fahren wir rechts in die 45 Kilometer lange Ringstraße F207, die uns in den westlichen Teil des Vatnajökull Nationalparks (isländisch Vatnajökulsþjóðgarður) führt. Unser Ziel ist der Laki Krater. Ihn kann man besteigen und man hat von hier oben weite Ausblicke nach Westen über die Reihe der Laki Krater hinweg und nach Osten bis zum Gletscherfeld des Vatnajökull.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren mit dem Auto weiter, laufen Fußwege duch erstarrte Lavaströme, steigen den Kegel eines erloschenen Vulkans hinauf und schauen in die mit Wasser gefüllte Kaldera. Wir gehen durch tief aufgerissene Erdspalten in die Laki Spalte hinein und sind beeindruckt von dem Durcheinander aus erstarrter Lava und riesigen Felsbrocken, die den Weg versperren und die man umklettern muß. Wir können das Chaos erahnen, das 1783/84 hier geherrscht haben muß und das in der Folge so viel Leid über die damals lebenden Menschen gebracht haben muß.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter, kommen an einem einfachen Campingplatz im Vatnajökulsþjóðgarður vorbei, gelangen wieder zurück auf die F206 und fahren am späten Nachmittag die 34 Kilometer zurück zum Campingplatz in Kirkjubæjarklaustur an der Ringstraße. Wir wissen nun, dass wir mit unserem Auto die isländischen, für Allradfahrzeuge zugelassenen Hochlandstraßen gut fahren können und dass Flussfurten kein Problem sind. Wir sind auf den Geschmack gekommen. Im Hochland zu fahren ist schon abenteuerlich und eine kleine Herausforderung. Das Wetter soll auch in den nächsten zwei Tagen stabil bleiben und so schmieden wir Abends neue Pläne. Wir wollen zurück zur Westküste und wählen die Hochlandpiste F208. Sie geht von der Ringstraße ab zur Eldgjá Spalte, dem Wasserfall Ófærufoss, zum Landmannalaugar und erreicht schließlich die geteerte Straße 32, die dann zum sogenannten Golden Circle weiter führt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am frühen Morgen machen wir uns auf, die 120 Kilometer Hochlandpiste an einem Tag zu schaffen. Das erste Zwischenziel ist der Ófærufoss, ein toller Wasserfall, bei dem sich der Norðari-Ófærá aus einer Hochebene in die Erdspalte Eldgjá in zwei Stufen stürzt. Die Eldgjá Erdspalte ist in den Jahren 939/40 ausgebrochen. Es muß damals eine noch verheerendere Eruption als die der Laki Spalte gewesen sein und sie muß große Teile des damals gerade spärlich besiedelten Islands vernichtet haben. Direkte Aufzeichnungen oder Überlieferungen dieser Katastrophe gibt es nicht, nur Geologen konnten den genauen Zeitpunkt datieren und den Verlauf erklären.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter auf der F208 ins Gebiet Landmannalaugar mit gleichnamigem Campingplatz am Rande des Friðland að Fjallabaki Naturreservats. Hier gibt es nicht nur eine rudimentäre Übernachtungsmöglichkeit sondern auch heiße Quellen und einen heißen Badepool im Freien, in dem man sich legen und entspannen kann. Der Campingplatz von Landmannalaugar ist Ausgangspunkt für mehrtägige Wanderungen in das Vulkangebiet im Friðland að Fjallabaki Naturreservat bis zum gefährlichsten und größten Vulkan Islands, dem Hekla im Westen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Golden Circle, auf den wir jetzt fast zwangsläufig stoßen, ist eine Rundstrecke, die bei jedem Islandtouristen sicher auf der Agenda steht, denn sie ist mit dem normalen Auto von Reykjavik aus an einem Tag gut zu schaffen. Wir besuchen den Gullfoss Wasserfall, das Thermalfeld des Geysir und Strokkur und das nationale Monument Þingvellir am Nordufer des Þingvallavatn Sees. Überall wo wir halten ist viel Betrieb. Volle Parkplätze und Scharen an Besuchern aus allen reichen Ländern dieser Erde. Wir reihen uns also auch ein in die Schlange der Touristen und sind besonders vom Gullfoss begeistert. Hier stürzt sich der wasserreiche Hvítá Fluss auf breiter Front in eine tiefe Erdspalte. Das Geysir und Stokkur Gebiet mit einigen heißen Quellen kann man besuchen, muß es vielleicht nicht, ehe man weiter zum Þingvellir fährt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Þingvellir ist ein nationales, isländisches Monument, das sich im breiten Graben einer Grabenbruchzone der nordamerikanischen und europäischen Kontinentalplatte befindet. Hier wurde seit 930, also kurz nach der Besiedlung der Insel durch norwegische Wikinger, zweimal im Jahr die traditionelle Versammlung der Freien Männer Islands abgehalten um gesetzgeberische und gerichtliche Angelegenheiten zu regeln. Þingvellir gilt als ältestes Parlament der Welt außerhalb Griechenlands und des Römischen Reiches. An diesem Ort wurde um 1.000 nach Christus von den Isländern die Annahme des Christentums beschlossen und am 17. Juni 1944 die Unabhängigkeit von Dänemark und die Republik Island ausgerufen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bei verhangenem Himmel und Dauerregen machen wir einen Abstecher auf die Halbinsel Snæfellsnes nördlich von Reykjavik und fahren dann wieder Richtung Osten, ins Landesinnere. Durch Zufall stoßen wir auf den Wasserfall Hraunfossar. Jetzt im Herbst, wo die Sträucher sich rötlich verfärbt haben, ist dieser Wasserfall ein großes Erlebnis. Die weiße Gischt und die Farbe der Vegetation; das sieht einfach großartig aus! Wir müssen jetzt etwas auf die Zeit achten. Die 10 Tage auf Island sind fast rum. und wir wollen noch in Reykjavik vorbei schauen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir können es trotzdem nicht lassen und fahren zum Landjökull Gletscherfeld hoch, um noch ein letztes Mal auf Gletschereis zu stehen. Dann entdecken wir im Reiseführer bei der Ortschaft Hveragerði am Rande des örtlichen Geothermalpark, dass dort heiße Quellen sprudeln und man ein entspannendes Thermalbad nehmen kann. Die letzte Nacht war besonders kalt und unsere so hochgeschätzte Webasto Standheizung im Camper funktionierte wieder mal nicht. Es ist also eine gute Idee ein warmes Entspannungsbad im Freien zu nehmen und dann nach Reykjavik zu fahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Reykjavik ist die Hauptstadt Islands und die nördlichste Hauptstadt auf der Welt. Für unsere Verhältnisse ist Reykjavik mit seinen etwa 125.000 Einwohnern eine kleinere Großstadt, die etwa so viele Bewohner hat wie Koblenz, allerdings auf bedeutend größerer Fläche. Von der schweren Wirtschaftskrise von 2008, die Island fast in den Bankrott getrieben hat, merkt man in Reykjavik wie auch im übrigen Land nichts mehr. Überall stehen Baukräne und an vielen Stellen wird neu gebaut oder renoviert. Wir finden einen günstigen Parkplatz im Zentrum der Stadt und besuchen den ehemaligen Hafen und das isländische Parlament, die avangardistische Philharmonie und die 1945 gebaute, evangelisch-lutherische Kirche Hallgrímskirkja. Am späten Nachmittag fahren wir wieder raus zum Campingplatz in Grindavík, zu dem Ort an dem wir unser 10 Tage Islandabenteuer begonnen haben. Rückblickend können wir gar nicht glauben, was wir in dieser kurzen Zeit alles erlebt haben.
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Unsere etwa 2.200 Kilometer lange Tour durch das südliche Island in 10 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Island auf dem südlichen Ring https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/11/island-auf-dem-suedlichen-ring/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/11/island-auf-dem-suedlichen-ring/#respond Sun, 18 Nov 2018 19:02:56 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5696 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Island verspricht auf jeder Multimedia Show ein großartiges Erlebnis zu werden. Herausragende Landschaften, unberechenbares, nordisches Wetter, Gletscher und abenteuerliche Hochlandfahrten mit einem Allradfahrzeug in unwegsames Gelände mit tiefen Flussfurten und spektakuläre Wasserfällen. All das bekommt man bei einem Island Vortrag geboten. Wir, mein jüngster Sohn und ich, haben beschlossen, eine kurze aber intensive Stipvisite im Herbst 2018 auf diese entlegene Insel im Nordmeer zu wagen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Schon 2017 wollte mein jüngster Sohn Christian mit mir nach Island. Auf Vater und Sohn Tour. Er hatte sich einen Island Reiseführer gekauft und viele, must-go Sehenswürdigkeiten gelb markiert. Mit einem Mietauto und Bodenzelt wollte er mit mir die Ringstraße und den Golden Circle im Westen Islands befahren. Im Herbst. Mir schauderte. Ich sah uns schon im Zelt liegen, frieren, dem prasselnden, endlosen Regenschauern lauschen und darüber diskutieren wie wir aus den warmen, trockenen Schlafsäcken ins Auto flüchten können. Nein, im Bodenzelt im September in Island, das ist nichts für mich. Also haben wir die geplante Islandfahrt erst einmal verschoben aber diesen Herbst war es dann soweit.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bei einer Internetrecherche zu Reiseagenturen, die Individualreisen nach Island aber auch Grönland und andere nordische Länder anbieten, stieß ich auf das Berliner Reisebüro Island Reisen. Ich buchte dort zwei Direktflüge mit Icelandair von Hamburg zum isländischen, internationalen Flughafen Kevlavik im Südwesten der Insel und einen Allradcamper, einen Toyota HiLux mit Camperaufsatz. Toyota HiLux Autos kennen wir von unseren Reisen ins südliche Afrika. Sie sind richtige Arbeitstiere, robust, zuverlässig und geländetauglich und damit sicher auch fürs isländische Hochland geeignet. Also buchten wir für zehn Tage, vom 8. bis 18. September, zwei Islandflüge und den Toyota.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Flug von Hamburg nach Island ist relativ kurz. In gut drei Stunden hat ein modernes Flugzeug die etwa 2.000 Kilometer über die Nordsee geschafft. Island gehört zwar nicht zur Europäischen Union aber zum Schengen Raum. Das macht die Einreise für EU Bürger sehr einfach. Der Flughafen Kevlavik ist überschaubar. Schnell haben wir einige Euros in isländische Kronen gewechselt und stellen uns beim Bílaleiga Akureyrar/Europcar Schalter an, um nach dem Mietauto zu fragen. Nach etwas Wartezeit ging es mit einem Minibus weiter ins Europcar Depot für Campervans aller Größen ein paar Kilometer außerhalb des Flughafens. Wir erledigten dort alle Formalitäten und ließen uns das fast neue Fahrzeug und die Campingausrüstung erklären. Das hydraulisch hebbare Camperdach fanden wir chic und notwendig, die eingebaute Standheizung hielten wir für überflüssig, ein nettes Gimmick vielleicht. Aber das sollte sich ändern.

Island liegt knapp südlich des nördlichen Polarkreises zwischen Europa und Nordamerika. Die Insel ist flächenmäßig etwa so groß wie die frühere DDR aber es leben auf der Insel nur etwa 350.000 Isländer. Island ist ein wohlhabendes Land. Das Pro-Kopf Einkommen liegt deutlich höher als in Deutschland trotz der großen Finanzkrise, in die das Land durch einheimische Banken 2008 gestürzt wurde und die fast in einer Staatspleite endete. Durch eine schmerzliche Austeritätspolitik und viel Werbung zum Anlocken zahlungskräftiger Touristen konnte die existenzbedrohende Finanzkrise in den letzten Jahren überwunden werden.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Und Island ist eines der landschaftlich schönsten und attraktivsten Länder, die wir gesehen haben. Auf dieser doch recht kleinen Insel gibt es ein riesiges Eisfeld, den Vatnajökull. Dieser Gletscher bedeckt 8% der Fläche Islands und ist der größte Europas. Im Süden der Insel reicht er bis hinunter zum Meer und ist ein toruistischer Höhepunkt jeder Islandreise. Dann stößt man im ganzen Land auf erstarrte schwarze oder rote Lava, die von dicken, grünen Mooskissen überwachsen ist. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Lava resultiert aus gewaltigen geologischen Katastrophen bei denen aus aufbrechenden Erdspalten Erdmagma ausfließt und Vulkane riesige Aschewolken ausspeien. Die immense geologische Aktivität und das nordatlantische Regenwetter läßt Flüsse anschwellen und spektakuläre Wasserfälle entstehen. Mischt sich das kalte Flußwasser mit natürlichen, thermischen Quellen kann man ein angenehm temperiertes Thermalbad in freier Natur genießen. Fährt man die geteerte, 1.400 Kilometer lange Ringstraße um die Insel, wird der Urlaub im Sommer eine entspannte Urlaubsreise, will man etwas Abenteuer, dann muß man ein Allradfahrzeug mieten und ins isländische Hochland hinauf. Hier findet man Einsamkeit und Schotterpisten mit spektakulären Ausblicken in die wilde isländische Landschaft. Genau danach stand auch uns der Sinn.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die erste Nacht in Island verbringen wir auf dem Campingplatz Grindavík und kaufen am nächsten Morgen im gut sortierten Supermarkt Krónan in Reykjanesbæ ein. Dann fahren wir auf die Ringstraße, Richtung Osten. Wir fahren am Eyafjallajökull vorbei, einem Vulkan mit Eispanzer, der 2010 ausbrach und mit seiner Aschewolke den europäischen Luftverkehr erheblich beeinträchtigte und weiter am Gletscherfeld Mýrdalsjökull und dem Städtchen Vík í Mýrdal vorbei. Kurz hinter Vík í Mýrdal biegen wir links ab und folgen auf der Schotterstraße den Hinweisschildern Camping þakgil. Dies sind die ersten 16 Kilometer auf schwarzen, isländischen Hochlandstraßen die uns zu einem abgeschiedenen Campingplatz führen. Nimmt man sich etwas Zeit, dann kann man von hier aus schöne Wanderungen bis an den Fuß des Mýrdal Gletschers machen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren allerdings am nächsten Morgen wieder zurück auf die Ringstraße und nach etlichen Kilometern rechts in die Nebenstraße 218 zum Dyrhólaey Leuchtturm. Dieser Leuchtturm steht auf einer Klippe in exponierter Stellung hoch über dem Meer. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf den schwarzen Strand von Kirkjufjara. Für manche Island Enthusiasten ist dieser pechschwarze Strand der schönste Strand der Welt, sagt jedenfalls unser Reiseführer. Zusammen mit der jetzt im September herbstlich braun gefärbten Vegetation könnte man dem durchaus zustimmen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Weiter geht es auf der Ringstraße. Wir besuchen die tiefe und beeindruckende Fjaðrárgljúfur Schlucht. Hier hat sich der Fluss Fjaðrá tief in das vulkanische Gestein gegraben und einen beeindruckenden, bis zu 100 Meter tiefen Canyon gegraben. Ein schöner Wanderweg führt zu atemberaubenden Aussichtspunkten. Um die Abfahrt von der Ringstraße zur Fjaðrárgljúfur Schlucht nicht zu verpassen achte man auf entsprechende Hinweisschilder.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Landschaft wird nun immer grandioser. Wir nähern uns dem Vatnajökull, sehen in der Ferne Gletscher in den Bergen hängen. Wir durchfahren eine weite Ebene und überqueren auf einer langen Brücke den Skeiðará Fluss, der in einem weiten Delta auf tiefschwarzer Lava einen Seitenarm des Vatnajökull ins Meer entwässert. Wir sind so fasziniert von dieser Landschaft, dass wir gar nicht bemerken, wie sich der Himmel zuzieht, dichte Nimbostratus Wolken aufziehen und sich Regen ankündigt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bei einsetzendem Dauerregen erwandern wir in Regensachen im Skaftafell Nationalpark den Svartifoss Wasserfall, der sich über eine Felskante dem Meer entgegen stürzt. Die Basaltsäulen in der Felswand sind einzigartig. Sie scheinen den Wasserfall förmlich wie Orgelpfeifen einzurahmen. Der Wanderweg zum Svartifoss führt in dichtem Buschbestand steil bergauf. An einigen Stellen tritt man ins Freie und hat einen tollen Ausblick in die Ebene aufs Meer und erhascht auch einen flüchtigen Blick auf den Eispanzer des Vatnajökull.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben in den ersten Tagen auf Island gelernt, dass man viel Zeit braucht, um sich die vielen Sehenswürdigkeiten, die neben der Straße liegen, anzuschauen. Die Ringstraße als Ganzes in 10 Tagen zu fahren haben wir aufgegeben. Für uns nicht so attraktiv und auch nicht zu schaffen. Unseren Plan ändern wir: Im kleinen Ort Höfn (auf deutsch: Hafen) umdrehen, dann zurück fahren und in den sogenannten Golden Circle im Großraum Reykjavik einbiegen. Aber erst mal übernachten wir auf dem einzigen Campingplatz von Höfn und ergänzen im örtlichen Supermarkt unsere Lebensmittelvorräte.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die 150 Kilometer lange Strecke auf der Ringstraße vom Svartifoss bis Höfn bietet viele spektakuläre landschaftliche Höhepunkte. Hier kommt das Gletscherfeld des Vatnajökull bis fast hinunter ans Meer. Es gibt viele, kurze Schotterwege, die direkt an die Kante abgehender Gletscher führen, die man in beeindruckender Größe vor sich sieht und die man auf eigenes Risiko begehen kann. Agenturen bieten Skimobil- oder sogar Bustouren auf dem Gletschereis an oder man kann ohne Motorisierung mit Führer, Steigeisen und Eispickel auf einem der Gletscher weite Touren unternehmen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir besuchten den Hoffulsjökull bei Höfn abends und am nächsten Morgen (siehe Artikelbild). Einzigartig! Wir bogen ab in die F985 und fuhren mit Blick auf den Vatnajökull bis hinauf zur Joklasel Endstation wo Gletschertouren weit hinauf auf den Vatnajökull angeboten werden. Wir parkten auf dem großen Parkplatz des Gletschersees Jökulsárlón direkt an der Ringstraße. Der See wird gespeist vom Breiðamerkurjökull Gletscher. Große Eisberge kalben in den Gletschersee und treiben hinaus ins offene Meer. Nicht verpassen darf man die Abfahrt zum Fjallsárlón. Auch hier schwimmen große Eisberge im Gletschersee, der vom Vatnajökull gespeist wird.

Wir sind schwer beeindruckt von Islands landschaftlicher Schönheit. Dabei haben wir erst einen Teil gesehen. Uns zieht es ins isländische Hochland. Uns erwartet eine wilde Lavalandschaft, Gletscher, Wasserfälle und Flussfurten. Fortsetzung folgt im nächsten Artikel.

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Unsere etwa 2.200 Kilometer lange Tour durch das südliche Island in 10 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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