Viele Fotos und ein paar Worte https://www.Friedrich-Glasenapp.de von Friedrich Glasenapp Tue, 13 Nov 2018 10:02:53 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 Von Krakau nach Masuren https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/10/von-krakau-nach-masuren/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/10/von-krakau-nach-masuren/#respond Wed, 03 Oct 2018 19:57:09 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5690 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der letzte Abschnitt unserer Polenreise ist angebrochen. Wir fahren von Auschwitz in die heimliche Hauptstadt Polens, nach Krakau (Kraków) anschließend zu einem Abstecher in die Hohe Tatra (Tatry Wysokie) in den Ort Zakopane von dort aus ganz in den Norden Polens nach Masuren (Mazury) um in der Seenplatte Masurens den Urlaub in grüner Natur ausklingen zu lassen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Krakau ist die alte, bis 1592 Hauptstadt des Königreichs Polen und liegt im polnischen Regierungsbezirk (Woiwodschaft) Kleinpolen (Małopolska). Heute ist Krakau mit über 750.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens und ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Krakau ist mit seiner Geschichte, Altstadt und der Burganlage auf dem Wawelberg das emotionale Herz Polens.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir übernachten recht zentrumsnah im Hotel Lorenzo und fahren mit den Rädern in die Stadt. Über die Grunwaldzki Brücke queren wir die Weichsel (Wisla) und stellen die Räder unterhalb des Wawelbergs ab. Der erste Gang geht natürlich hoch zur Burg, dem Schloss und zur alten Wawel Kathedrale. In der Wawel Kathedrale befindet sich die Grablege fast aller polnischen Könige und mancher polnischen Nationalhelden. Auch der damalige polnische Präsident, Lech Kaczyński und seine Frau Maria finden hier neben dem Nationalhelden der Zweiten Polnischen Republik, Józef Piłsudski ihre letzte Ruhe. Die Kaczyńskis, zusammen mit 94 hochrangigen polnischen Staatsrepräsentanten waren auf dem Weg zu einer Gedenkfeier zur Erinnerung an die Ermordung polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst 1940 im russischen Katyn als ihr Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen Smolensk zerschellte und alle Insassen starben. Für Polen war dieses Unglück 2010 ein Schock und eine große Tragödie.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Von der Wawelburg gehen wir hinunter in die Altstadt und zum Marienplatz. Er ist ein großer, mittelalterlicher Platz eingerahmt von den beiden Kirchen St. Barbara und der Marienbasilika. Krakau ist im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden und die beeindruckende mittelalterliche Bausubstanz ist komplett erhalten geblieben. Der Weg zurück zu unseren Fahrrädern am Wawelberg führt durch den Parkgürtel Planty, der die Altstadt umfasst. Hier im Grüngürtel finden wir ein wenig Abstand von all den vielen Touristen, die Krakau besuchen und wir können die vielen Eindrücke bei einem Spaziergang im Grünen in Ruhe verarbeiten.

Krakau, genauer die Wawelburg war zur Okkupationszeit Polens durch die Deutschen der Sitz des Generalgouverneurs für die besetzten polnischen Gebiete, Hans Frank. Krakau hatte immer schon eine große jüdische Gemeinde. Von den damals etwa 250.000 Einwohnern waren etwa 65.000 Juden, die hauptsächlich im Stadtteil Kazimierz südöstlich der Altstadt zur Weichsel hin lebten. Sie wurden von der deutschen Besatzungsmacht in das Krakauer Ghetto auf der anderen, südlichen Seite der Weichsel in den Stadtteil Podgórze zwangsweise umgesiedelt und später in das berüchtigte KZ Płaszów vor den Toren Krakaus unter seinem sadistischen Kommandanten Amon Göth („Schlächter von Płaszów“) verschleppt. In diesem krakauer NS-Milieu gab es einen Lichtblick: Oskar Schindler. Hier in Krakau mit seiner bizarren Nazibesatzung verstand es Schindler auf geniale Art, für seine Deutsche Emailwarenfabrik immer wieder Juden vor der Vernichtung in Płaszów oder Auschwitz zu retten, indem er sie als Arbeitskräfte zur Produktion wichtiger Kriegsgüter anforderte und einstellte. Auf dieser wahren Geschichte basiert Steven Spielbergs beeindruckender Film „Schindlers Liste“. Yad Vashem in Israel ehrte Oskar Schindler und seine Frau durch die Verleihung des Titels „Gerechter unter den Völkern“ und 1965 erhielt Oskar Schindler das Bundesverdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Schindlers alte Emailfabrik steht noch heute im Stadtteil Podgórze (Fabryka Emalia Oskara Schindlera).

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter. Von Krakau in den Süden, in die Westkarpaten. Schon die Anfahrt ist mühsam. Viel Verkehr, Baustellen wegen Straßenneubauten Richtung Slowakei. Wir versuchen, alternative Strecken zu fahren, die unser Navi vorschlägt aber richtig flott geht es nicht voran. Als wir endlich Zakopane, die letzte polnische Stadt an der Grenze zur Slowakei erreichen, bricht der Verkehr endgültig zusammen. Zakopane liegt am Rande des Nationalparks Hohe Tatra mit der höchsten Erhebung der Karpaten (2655 Meter) in der Slowakei. Von Zakopane führen mehrere Seilbahnen hinauf in die alpine Bergwelt und viele, sehr viele Touristen nutzen diese Gelegenheit zum Wandern. Zakopane im Winter wie auch im Sommer scheint äußerst beliebt als Urlaubsort unter Polen zu sein. Wir begegneten fast nur Polen und darunter vielen Familien mit Kindern. Wo sie alle wohnen in diesem kleinen Bergort, uns ist es schleierhaft. Wir finden endlich etwas außerhalb einen erstaunlich leeren Campingplatz und fahren mit dem Bus zurück nach Zakopane. Wir finden die Basisstation der Seilbahn müssen uns aber durch Menschenmassen und ein Spalier an Kiosken eines umfangreichen Polenmarktes drängen. Wir sind bedient. Das Wetter in dieser alpinen Region ist auch nicht sehr stabil die nächsten Tage. Wir beschließen Zakopane am nächsten Morgen wieder zu verlassen und sofort nach Masuren zu fahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Es ist mühsam Polen mit dem Auto zu durchqueren. Polen ist das Land der Autos und Lastwagen. Die polnischen LKW Kolonnen, die wir in Deutschland auf der Autobahn A2 fahren sehen, sie fahren auch in Polen nur sind die Straßen viel schmaler. Und die Polen sind auch noch gerne mobil, fast jeder scheint ein privates Auto zu besitzen und es auch ausgiebig zu nutzen. Etwa 1.000 Kilometer sind es von Zakopane über Elbing (Elbląg) bis in die Masuren. Wir brauchen gut zwei Tage, übernachten einmal kurz vor Lodz (Łódź) auf einem der in Zentralpolen raren Campingplätze an einem See, das zweite Mal direkt an der Marienburg (Zamek w Malborku) und schließlich kommen wir in Masuren auf dem Campingplatz Seeblick in Ruska Wieś (deutsch Reussen) an. Wir sind jetzt im ehemaligen Ostpreußen, haben viel Landschaft vor uns und wir wollen in dieser wald- und seenreichen Landschaft paddeln und radfahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Masuren ist ein herrliches Erholungsgebiet mit zahlreichen Freizeitmöglichkeiten. Darunter natürlich Reiten in den masurischen Wäldern, z.Bsp. in Gałkowo gleich nebenan beim Salon Dönhoff auf dem Gestüt Ferenstein, Segeln auf den großen Seen, z.Bsp. dem großen Spirdingsee (Śniardwy) bei Nikolaiken (Mikołajki) oder eben Paddeln auf der Krutinna (Krutynia) und Radfahren auf allen Wegen. Für uns war klar: Wir sind auf der Krutynia mit vielen anderen, mehrheitlich Polen gepaddelt und Rad gefahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Krutynia ist ein traumhaftes Flüsschen, manchmal schmal, manchmal erweitert und in einen kleinen See sich auflösend. Wir hatten unser eigenes Boot (Klepper Aerius II Faltboot) zum Paddeln mitgenommen aber es ist kein Problem jederzeit ein Kajak bei einem der vielen Verleiher zu mieten inklusive sicherem Rücktransport mit dem Auto zum Ausgangspunkt. Die Krutynia bietet viele Einsatzstellen und auch viele Übernachtungsplätze, man kann eine Tagestour machen oder auch mehrere Tage unterwegs sein, ganz wie man es möchte. Campingplätze am Flüsschen verkaufen Lebensmittel oder es steht auch schon mal eine Würstchenbude am Parkplatz. Für alles ist gesorgt. Ein guter Tipp ist die Pension Kipnick. Eine nette, empfehlenswerte Pension mit Frühstück, Bootssteg und Zugang zur Krutynia. Von hier aus kann man seine Paddel- aber auch Radtour starten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Sehr empfehlen können wir das Dörfchen Gałkowo (deutsch Galkowen-Nikolaihorst). Es strahlt den Charme eines alten, verschlafenen, ostpreußischen Dorfes in den Masuren aus und ganz am Ende ist der Salon Gräfin Dönhoff. Die Geschichte dieses Anwesens, heute ein Restaurant und Hotel mit Tagungsraum ist sehr nett im Artikel Pferde, Wagen und Salon des Deutschlandfunks beschrieben. Eine Kutschfahrt durch die masurischen Wälder kann man sicher beim Gestüt Ferenstein erfragen, das ich oben schon erwähnte und das auf der anderen Seite des kleinen Weges liegt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Zum Abschluss seien noch zwei Orte erwähnt die eines Besuchs Wert sind. Zum einen das Philipponenkloster mit dem Namen „Heiliges Erlöser- und Dreifaltigkeitskloster“, das in der Nähe von Eckertsdorf (Wojnowo) am Dusssee (Jezioro Duś) von russisch-orthodoxen Altgläubigen in den 1830er Jahren errichtet wurde und das den Zweiten Weltkrieg und die Kommunistische Regierungszeit schadlos überstanden hat und die Feste Boyen, die die Preußen bei Lötzen (Giżycko) in den 1850er Jahren errichtet hatten. Der preußische Kriegsminister Hermann von Boyen konnte König Friedrich Wilhelm IV. dazu überreden, diese gewaltige Anlage in der Form eines sieben zackigen Sterns als Verteidigungsbollwerk gegen die Russen bauen zu lassen. Wirklich zum Einsatz kam sie nie.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auf der Rückfahrt schauten wir noch kurz auf der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana) vorbei und fuhren ganz durch bis an die russische Grenze, dann ging es über Usedom wieder nach Hause ins Rheinland zurück. Insgesamt haben wir viel gesehen, was unsere mittel- und osteuropäische Landschaften und die Geschichte betrifft. Wir haben in Schlesien einen Teil meiner Familiengeschichte aufgearbeitet und wir haben die Polen als nette Leute erlebt, deren Sprache und Schrift uns aber ewig fremd bleiben wird.


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Unsere etwa 5.100 Kilometer lange Tour quer durch Ostdeutschland, den Süden Polens, Masuren und über Hamburg zurück nach Köln in 33 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Auschwitz https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/10/auschwitz/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/10/auschwitz/#respond Tue, 02 Oct 2018 20:26:55 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5688 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Autobahn A4 führt von Breslau (Wrocław) über Kattowitz (Kattowice) nach Krakau (Kraków). Kurz hinter der Industriestadt Kattowitz stehen Hinweisschilder nach Oświęcim. Der deutsche Name dieses Ortes ist Auschwitz.

Ein Besuch in der Gedenkstätte KZ Auschwitz ist Pflicht für jeden Deutschen, der den Süden Polens besucht. Jedes Jahr fahren zu diesem Ort der Vernichtung und des unbeschreiblichen Leids Millionen Menschen aus allen Ländern der Erde. Uns fiel es sehr schwer diesen Ort deutscher Verbrechen zu besuchen. Als Deutsche fühlten wir uns in direkter Verantwortung für das Grauen, das an diesem Ort von Nazi-Deutschen organisiert und in den 1940er Jahren ausgeführt wurde. Wir unterhielten uns nur leise auf Deutsch weil wir meinten, die Mitbesucher könnten uns strafend anschauen aber eher schwiegen wir, um das was wir hier sahen in uns selber aufzuarbeiten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Nationalsozialisten mit ihrem Anführer Hitler hatten früh Andersdenkende, Intellektuelle und Juden erst diffamiert und dann offen verfolgt. Als dann Hitler mit seiner Wehrmacht 1939 Polen überfiel und den Zweiten Weltkrieg auslöste fielen alle verbliebenen Skrupel und die systematische, industrielle Vernichtung von Menschen, die zufällig in ein negatives Raster fielen, nahm ihren Lauf.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Zuerst gründeten und unterhielten die Nazis, genauer die SS, in den besetzten Gebieten wie im Deutschen Reich üblich Konzentrationslager als Arbeitslager. In Auschwitz wurden dazu 1940 bestehende polnische Kasernen zum KZ Auschwitz I umgebaut. Man hielt hier polnische Intellektuelle, Widerstandskämpfer und andere Menschen fest, die sich in irgendeiner Weise gegen die Besatzungsmacht auffällig benommen hatten. Die Menschen wurden an Aussenlager zur Zwangsarbeit (Vernichtung durch Arbeit) geschickt oder direkt im Lager auf verschiedene, bestialische Weise getötet. Heute ist das KZ Auschwitz I ein Museum, das sehr eindrucksvoll die Nazi Verbrechen in Ausschwitz dokumentiert. Besonders beeindruckend sind die Photogalerien der Häftlinge in gestreifter Häftlingskleidung an vielen Wänden, die einen immer wieder fragend und anklagend anzuschauen scheinen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Als die Nazi Wehrmacht 1940 große Teile Europas besetzt hatte und besonders als Hitler die Sowjetunion im Juni 1941 überfiel sah sich die SS unter Himmler bei der Judenvernichtung am Ziel. Himmler ließ Standorte für die systematische, industrielle Massenvernichtung von Juden und anderer, für die Nazis minderwertiger Menschen suchen und ausbauen. Auschwitz lag verkehrsgünstig. Auschwitz hatte einen Gleisanschluß an Eisenbahnverbindungen nach Österreich und in den Balkan, Breslau und Berlin und nach Warschau und den Osten. Im Dorf Birkenau, 3 Kilometer westlich des Stammlagers, baute man 1941 das Vernichtungslager Auschwitz II oder Auschwitz-Birkenau. Das kleine polnische Dorf Birkenau (Brzezinka) wurde zerstört und an seiner Stelle Baracken, ein Gleisanschluss mit Selektionsrampe, Krematorien mit unterirdischen Gaskammern und Einzäunungen mit Wachtürmen errichtet.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Vernichtungsmaschine in Auschwitz-Birkenau lief wie geschmiert. Sie verschlang insgesamt 1,1 bis 1,5 Millionen Juden aus ganz Europa, Polen, Roma und Sinti und viele andere Menschen. Alte und Junge, Männer, Frauen und Kinder. Zuerst war diese Höllenmaschine gut organisiert. Alle Ankömmlinge wurden registriert und auf Karteikarten mit Photo archiviert, später wurde man den Massen die ins Vernichtungslager geschickt wurden nicht mehr Herr und man vergaste die Menschen ohne Registrierung gleich nach der Ankunft mit Zyklon B Gas in den Gaskammern, die auf Hochtouren liefen. Anschließend wurden die Leichen in Krematorien verbrannt. Die vier Gaskammern mit angeschlossenen Krematorien sprengte die SS noch bevor die Rote Armee Auschwitz einnehmen konnte. Dann machte man sich aus dem Staub nicht ohne noch tausende Häftlinge auf einem Todesmarsch gen Westen mitzunehmen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Was wir uns bei der Besichtigung dieser riesigen Vernichtungsmaschine in Auschwitz-Birkenau immer wieder fragten: Wieviel Menschen wussten von dieser Tötungsmaschine oder konnten es ahnen? Wieviele Firmen in Deutschland bekamen aus Auschwitz Haare, Zahngold oder andere persönliche Sachen der Ermordeten, wieviele Menschen waren Teil dieser Verwertungskette? Wieviel Reichsbahnbedienstete waren in den Massentransport der Menschen in Viehwaggons eingebunden, haben Weichen gestellt und Signale? Man schätzt, dass etwa 8.000 SS-Leute in den Lagern Dienst taten. Warum haben nur wenige um Versetzung gebeten obwohl die Nazis solche Fälle geräuschlos abwickelten und diesen Gesuchen nachkamen, damit nichts nach draußen drang?

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Nach dem Krieg wurde eine strafrechtliche Aufarbeitung der Verbrechen des Nazi Regimes in der Bundesrepublik Deutschland auf allen Ebenen torpediert. Die Justiz war damals durchsetzt mit Altnazis und politisch fehlte der Wille. Man hatte im Ost-West Konflikt schon wieder andere Sorgen. Nur Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main und selbst Jude und Verfolgter des Nazi Regimes gelang es Anfang der 60er Jahre, die Justiz zum berühmten Auschwitz Prozeß „Strafsache gegen Mulka u. a.“ zu bewegen und Anklage gegen Mitglieder der SS Wachmannschaft von Auschwitz zu erheben. Die letztlich ausgesprochenen Strafen waren lächerlich gering wenn man vergleicht wie unsere Justiz heute mit Angeklagten umgeht, die beschuldigt werden, einer terroristischen Vereinigung anzugehören.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Zum Schluß sei noch kurz erzählt was aus dem Kommandanten von Auschwitz, Rudolph Höß geworden ist. Er war maßgeblich am Aufbau von Auschwitz-Birkenau beteiligt und an der Perfektionierung der Menschenvernichtung in Gaskammern und er war Kommandant von Auschwitz. In einem Bericht des NDR unter dem Titel: „Er hat das Schwein von Auschwitz geschnappt“ kann man nachlesen, dass Höß sich auf einem Hof in Schleswig-Holstein, getrennt von seiner Frau und den 5 Kindern und unter falschem Namen, nach dem Krieg versteckt hatte und der britische Militärangehörige Hanns Alexander ihn aufspürte. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Höß wurde als Zeuge im Kriegsverbrecherprozeß in Nürnberg vernommen und danach an Polen ausgeliefert. Hier wurde ihm der Prozeß gemacht und er wurde zum Tode verurteilt. Er selbst berief sich immer darauf, nur Befehle ausgeführt zu haben für die er nicht die Verantwortung trägt – wie es viele andere auch taten. Höß wurde am 16. April 1947 in Auschwitz, am Galgen des Stammlagers, an dem er so viele KZ Insassen aufhängen ließ, und mit letztem Blick auf die Lagerbaracken, erhängt.


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Unsere etwa 5.100 Kilometer lange Tour quer durch Ostdeutschland, den Süden Polens, Masuren und über Hamburg zurück nach Köln in 33 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Das Hirschberger Tal und Breslau https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/09/das-hirschberger-tal-und-breslau/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/09/das-hirschberger-tal-und-breslau/#respond Wed, 26 Sep 2018 15:49:08 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5676 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Das Hirschberger Tal (Kotlina Jeleniogórska) liegt nur etwa 100 Kilometer südwestlich von Breslau (Wrocław) und nur 90 Kilometer von Görlitz entfernt. Im 19. Jahrhundert, als Schlesien zu Preußen gehörte, war dieses den meisten von uns Deutschen heute unbekannte Tal der Ort, an dem die preußische Oberschicht ihre Sommerresidenzen mit großzügigen Parkanlagen hatte. Die sanfthügelige, schlesische Landschaft mit viel Wald und weiten Getreidefeldern begeisterte damals mit dem Panorama des Riesengebirges im Süden den preußischen Geld- und Hochadel. Berlin war auch nicht weit und es war die Zeit der schnellen Eisenbahnverbindungen also wurde in diesem kleinen Tal Prachtschloß an Prachtschloß gebaut.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Meine Mutter ist geborene Schlesierin. Sie wurde 1925 in Breslau geboren und lebte dort bis sie mit Mutter und Schwester im Alter von 19 Jahren am 20. Januar 1945 aus der Festung Breslau auf Anordnung des Stadtkommandanten fliehen mußte. Ihr Vater, mein Großvater, hatte eine leitende Position bei der damals noch renomierten Deutschen Bank in Breslau inne und hatte den sicheren Abtransport aller Bankdokumente in den Westen, nach Jena, zu organisieren. Er mußte also in der Stadt bleiben. Natürlich war die Flucht für meine Mutter, wie für viele ihrer Generation, ein Trauma, das sie ihr Leben lang nicht überwinden konnte. In Erzählungen berichtete sie vom Leben in Breslau und auch von Ausflügen ins Hirschberger Tal, das Riesengebirge und die Schneekoppe und sie kannte die Stabkirche Wang.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser erster Besuch im Hirschberger Tal galt dieser alten, norwegischen Stabkirche. Sie ist etwas abseits gelegen im Erholungsort Krummhübel (Karpacz). Der Weg hinauf vom Parkplatz zur Kirche ist gesäumt von vielen Souvenierläden doch endlich steht man vor der kleinen Holzkirche und wähnt sich in Norwegen und tatsächlich ist diese Kirche eine alte norwegische Holzkirche. Etwa um 1840 sollte die 600 Jahre alte Stabkirche aus Wang in Norwegen abgerissen werden. Der norwegische Maler Jan Christian Dahl wollte sie erhalten und wandte sich an potentielle Interessenten. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV., der bereits seinen Sommersitz im Hirschberg Tal hatte, griff zu. Er liess die alte Kirche zerlegen und nach Schlesien bringen, marode Teile originalgetreu ersetzen und in Krummhübel die Stabkirche originalgetreu aufbauen. Auch ein kleiner, deutscher Friedhof ist erhalten geblieben mit den originalen Grabsteinen aus alter preußischer Zeit.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Das Hirschberger Tal ist förmlich gespickt mit großen und kleineren Sommerresidenzen aus der Zeit des Biedermeier im 19. Jahrhundert. Die Preußenkönige, angefangen mit Friedrich Wilhelm III., erwarben hier ihre Sommerresidenz, dann auch noch gegebenenfalls errichteten sie ein Witwenschloß mit dem damals in Mode gekommenen Englischen Garten als großzügigen Park zum Reiten und sich Erholen. Es folgte der preußische Hochadel, verdiente Militärs und schließlich auch der Geldadel. Jeder baute oder kaufte ein Schloss mit Park, wie er es sich gerade leisten konnte. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg verfielen die Schlösser. Zuerst wurden einige geplündert und fast zerstört, dann konnten die angesiedelten Polen mit den aufwändig zu unterhaltenden Bauwerken und Parkanlagen nichts anfangen. Sie hatten auch schließlich andere Sorgen. Erst die Wende nach 1990 und die Anerkennung der gegenseitigen Grenzen und die Aufnahme Polens in die EU bewirkte, dass deutsche Nachkommmen ehemaliger Schlossbesitzer ihre Liebe für die Schlösser wieder entdeckten und mit zum Teil erheblichen deutschen Fördermitteln Schlösser restaurierten. Aber auch reiche Polen oder Hotelketten erwarben Schlösser um sie als Hotels der gehobenen Kategorie zu vermarkten. Heute hat jeder Besucher freien Zugang zu den Schlössern, Gärten und Parks.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben insgesamt acht Schlösser besucht. Manchmal fährt man durch ein polnisches Dorf und sieht ein kleines Schild mit dem Piktogramm eines Denkmals und als Schriftzug das polnische Wort Zamek für Schloss. Folgt man den Schildern landet man meist direkt am Parkplatz vor einem Schloss. Man steigt aus, schaut sich das Schloss und den Park in Ruhe an und geht anschließend zum Schlossrestaurant und wählt auf der Speisekarte ein leckeres und auch noch preiswertes polnisches Menü. Ist ein Zimmer frei sollte man auch übernachten. Man fühlt sich wie der König von Preußen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir besuchten die Schlösser Lomnitz und Schildau, Erdmannsdorf und Stonsdorf, Spiz, Fischbach und Buchwald. Da ist zuerst das Schloss Lomnitz oder besser gesagt das Große Schloss mit Gutshof und gleich daneben das Kleine Schloss als Witwenschloss. Heute wieder komplett in Stand gesetzt von Nachfahren der letzten deutschen Besitzer und als Hotel geführt. Das in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Schloss Schildau erwarb der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. für seine Tochter Luise von Preußen und ließ es umfänglich umbauen. Im Jahr 1995 kaufte eine polnisch-italienische Firma die Immobilie und baute sie zu einem Viersternehotel aus. Das Schloss und der große Englische Park sind frei zugänglich.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Im Jahr 1822 kaufte Wilhelm von Preußen, ein Bruder des Preußischen Königs, Schloss Fischbach (siehe Artikelbild). Er hielt sich mit seiner Familie häufig in Fischbach auf. König Friedrich Wilhelm III. besuchte Schloss Fischbach und seinen Bruder häufig wenn er im Hirschberger Tal weilte und pflegte auch engen Kontakt zu Generalfeldmarschall August Neidhardt von Gneisenau, einem Veteranen der Napoleonischen Kriege. Er residierte auf Schloss Erdmannsdorf. Es wundert nicht, dass bei dieser Prominenz der Geldadel nicht weit ist. Schloss Buchwald gehörte dem in Hameln geborenen Grafen von Reden. Er entwickelte maßgeblich den Bergbau und die Eisenverhüttung in Oberschlesien. Das Schloss Stonsdorf im gleichnamigen Ort Stonsdorf, nach dem der Stonsdorfer Kräuterlikör benannt ist, gehörte bis 1947 der Familie des Grafen von Reuss, heute ist das Anwesen ein Top Hotel. Bemerkenswert ist der Park, der zum Schloss gehört mit seinen im Park wunderbar integrierten kleinen Seen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Hat man nach Besichtigung all der Schlossanlagen noch etwas Zeit, so empfehlen wir den Wanderweg zum Sokoli, auf deutsch Forstberg. Man erwandert auf der Kuppe des Forstbergs einen Aussichtspunkt mit tollem Blick in das Hirschberger Tal bis zum Riesengebirge und der Schneekoppe im Süden. Der etwa 640 Meter hohe Forstberg liegt nur wenige Kilometer nordöstlich von Schloss Fischbach und ist vom Schlosspark aus sogar zu sehen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser Reiseführer gibt uns noch einen Tipp: Eine Wanderung am Szczeliniec Wielki zu deutsch die Grosse Heuscheuer im Glatzer Land. Wir verlassen also das Hirschberger Tal, queren die Grenze nach Tschechien fahren ein Stück im früheren Sudetenland nach Osten und bei Náchod geht es wieder zurück nach Polen, ins frühere Glatzer Land. Kurz hinter der Ortschaft Karlów sind wir am Ziel. Zur 920 Meter hohen Grossen Heuscheuer, einem erodierten Tafelberg aus Sandstein, schlängelt sich ein Wanderweg hinauf auf eine Aussichtsplattform mit kleiner Restauration und sehr schönem Ausblick in das Glatzer Land bis zu den Sudeten im Süden. Der empfohlene Rückweg, den man bezahlen muß, führt durch eine sehr enge Schlucht erst abwärts, dann wieder hinauf zu einer Aussichtsplattform im Sandstein ehe man wieder absteigt und zum Ausgangspunkt zurück kommt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser letztes Besuchsziel in Schlesien ist die Hauptstadt Niederschlesiens, früher Breslau genannt, heute Wrocław. Bis 1945 war Breslau die Heimat meiner Mutter. Mein Großvater kam aus Niedersachsen, machte eine Banklehre bei der Deutschen Bank in Goslar und bewarb sich dann auf einen Posten bei der Deutschen Bank in Breslau. Das muß so kurz vor dem Ersten Weltkrieg gewesen sein. Damals war Niederschlesien eine wirtschaftlich aufstrebende Region. Breslau hatte 1910 schon 500.000 Einwohner, soviel wie Köln. 1939 im letzten Jahr vor dem Krieg zählte Breslau 630.000 Einwohner – das entspricht ziemlich genau der Bewohnerzahl von Wrocław heute. Damals wie heute eine Großstadt.

Meine Mutter trauerte immer den Jugend- und Kindheitsjahren in Breslau nach. Sie erzählte von der Wohnung in der Goethestraße 118, dem privaten Oberlyzeum von Zawadzky für Mädchen in der Gutenbergstraße über das es ein nettes Manuskript auf der Seite des Deutschlandfunks unter dem Titel Breslau-Wrocław. Und zurück gibt. Die Schule wurde von den Nazis später in Dietrich-Eckart Schule umbenannt. Namensgeber war ein früher Mentor Adol Hitlers.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Mein Großvater stieg schnell zum Bankdirektor an der Deutschen Bank in Breslau auf und konnte sich im Jahr 1937 ein Haus in Breslaus Villenvorort Bischofswalde (Biskupin) in der Gustav-Langner Straße 6 (heute Artura Grottgera) kaufen. Dieses Haus aus dem Jahre 1912 steht noch heute und ist, wie man auf dem Bild sieht, top renoviert und befindet sich wohl in besten Händen. Der Hauskauf wurde damals, so erzählt es meine Mutter, im Schweidnitzer Keller (Piwnica Świdnicka, derzeit leider geschlossen) unter dem alt-ehrwürdigen Rathaus am Ring (Rynek) feucht-fröhlich und angemessen gefeiert.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auch den damaligen Sitz der Deutschen Bank in der Albrechtstr 33/34 (Wita Stwosza) konnten wir finden. Auch dieses Haus hat den Krieg überstanden. Die Deutsche Bank übernahm die Mehrheit des Aktienkapitals des Schlesischen Bankvereins im Jahr 1897, einer Regionalbank in Schlesien und auch das in der Albrechtstraße 1899 eröffnete Bankhaus. Man sieht noch über dem Eingang die Jahreszahl 1899 und ganz oben das Wappen des Schlesischen Bankvereins. Hier hat mein Großvater gearbeitet, fuhr täglich von Bischofswalde ins Zentrum zur Bank mit der Straßenbahn und schritt durch das mächtige Eingangsportal – welch ein Gedanke.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir suchen in Breslau die Goethestraße und Gutenbergstraße doch beide sind vom Krieg ausradiert. Meine Mutter sagte immer: „Der Russe kam vom Süden und nicht vom Norden wie man allgemein vermutete“. Fährt man zum Hindenburgplatz (Powstańców Śląskich) kann man den Sky Tower im Fahrstuhl hinauffahren und sich einen Überblick über die Stadt verschaffen. Man sieht im Norden die Altstadt mit dem Rathaus und die Dominsel, rechts, also im Osten die Jahrhunderthalle und den Scheitnig Park und man kann wohl auch Bischofswalde erahnen. Schaut man sich das Stadtviertel direkt unter dem Turm an so bemerkt man sofort den architektonischen Bruch. Im Süden wirkt die Stadt wie abgeräumt und wieder erbaut mit quaderförmigen Wohnblöcken. Der Russe kam eben vom Süden, genau genommen Südwesten. Wie meine Mutter es sagte.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bis kurz vor Ende des Krieges blieb Breslau von Zerstörungen komplett verschont. Das Leben ging weiter wie in Friedenszeiten – so berichtete es auch meine Mutter. Breslau war außerhalb der Reichweite der alliierten Bomberstaffeln, massive Bomardements wie in den westdeutschen Städten blieben der Stadt erspart – bis Januar 1945. Hitler wollte die Rote Armee an der Oderlinie unbedingt aufhalten und erklärte unter anderem Breslau zur Festung. Damit war die Stadt dem Untergang geweiht. Am 20. Januar 1945 rief der Gauleiter Breslaus, Karl Hanke die nicht wehrtaugliche Zivilbevölkerung auf, die Stadt zu verlassen. Sofort brach das Chaos aus. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt voller Flüchtlinge und eine Evakuiierung war nicht organisiert. Hunderttausende verließen im strengen Winter 1945 die Stadt zu Fuß, viele kehrten verzweifelt zurück. Mein Großvater hatte über die Bank gute und hilfreiche Kontakte und konnte seine Familie mit der Reichsbahn gerade noch ausreisen lassen. Ihr Ziel war der Geburtsort meines Großvaters in Niedersachsen, den sie auch unbeschadet erreicht haben. Der Festungsirrsinn von Breslau führte zu massiver Zerstörung der Stadt. Häuserkämpfe radierten Straßenzüge aus und Ostern 1945 bombardierte die Rote Armee das Stadtzentrum massiv. 70% der Bausubstanz der Stadt war verloren. Zu guter Letzt ließen die Nazi Generäle eine ein Kilometer lange Landebahn in den Stadtteil Grünewald sprengen. Dazu wurde die Kaiserstraße auf 300 Meter verbreitert. Als der Nazi Spuk am 6. Mai 1945 vorbei war hausten noch etwa 200.000 Menschen in den Trümmern. Es folgte in den folgenden Monaten und Jahren die Vertreibung der Deutschen und die Ansiedlung von Polen aus der Ukraine, besonders aus dem Gebiet um Lemberg (Lwiw).

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Stadt Breslau stand 1945 kurz vor der Auslöschung. Viele verbliebene Deutsche flohen in den Westen oder wurden vertrieben, Polen kamen in die zertrümmerte Stadt. Niemand wußte, wem die Stadt einmal zugehören sollte. Polen oder doch wieder Deutschland? Baumaterial wurde aus Breslau abtransportiert und nach Warschau gebracht zum Wiederaufbau der polnischen Hauptstadt. Und doch ist Breslau der kompletten Vernichtung entkommen und die Polen haben es in den folgenden Jahrzehnten fantastisch und mit viel Liebe wieder aufgebaut. Heute hat Wrocław seinen historischen Stadtkern in der Altstadt und der Sand- und Dominsel zurück. Alles erstrahlt in sorgfältig restauriertem Glanz und die alten, geschichtlichen Wurzeln der Stadt sind für jeden Besucher erlebbar als hätte es die Zerstörung nicht gegeben. Breslau ist in Wrocław aber Wrocław ist nicht Breslau.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben auf dem Campingplatz am alten Olympiastadion übernachtet und sind mit den Rädern ins Zentrum gefahren. Wir haben uns am Scheitniger Park die Jahrhunderthalle angeschaut, waren auf der Dominsel und ganz häufig am Ring, dem Alten Rathaus der Stadt und in mehreren der toll restaurierten Kirchen. Es gibt in Wrocław viel aufzuspüren, alte Palais, die Universität, das alte Königsschloss und der alte Hauptbahnhof im Tudor Baustil. Sogar das Kurfürstenhaus mit seinen aufwändigen Fassadenmalereien erstrahlt in alter Pracht. Geht man zur Mittagszeit bei herrlichem Sonnenschein in eines der einladenden Restaurants am Ring in Sichtweite des alten Rathauses, dann kann man sicher sein, dass man hier in Polen freundlich und höflich bedient wird und ein schlesisches oder polnisches Menü serviert bekommt, das in der Qualität zu dieser bezaubernden Stadt an der Oder passt.


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Unsere etwa 5.100 Kilometer lange Tour quer durch Ostdeutschland, den Süden Polens, Masuren und über Hamburg zurück nach Köln in 33 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Vom Hainich nach Görlitz https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/09/vom-hainich-nach-goerlitz/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2018/09/vom-hainich-nach-goerlitz/#respond Mon, 24 Sep 2018 18:06:10 +0000 https://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=5674 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Es ist Sommer 2018 und es ist bei uns ein Supersommer. Unseren Urlaub in den Sommerferien wollen wir daher in Mitteleuropa verbringen. Keine weite Flugreise, keine neue Zeit- oder Klimazone. Wir fahren mit dem Dachzelt auf dem Auto nach Polen. Von Köln zum Hainich Nationalpark in Nord-Thüringen, in Görlitz an der Neiße gehts über die Grenze nach Polen, genauer nach Schlesien oder Śląsk, ins Hirschberger Tal (Kotlina Jeleniogórska), Breslau (Wrocław), nach Auschwitz (Oświęcim), danach Krakau (Kraków)und am Ende in die Masuren (Mazury) zum Paddeln und Erholen. Aber fangen wir von vorne an.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Von Köln aus wählen wir den schnellsten Weg: Auf der Autobahn A4 fahren wir bis Olpe, dann weiter auf der Sauerlandlinie A45 bis Wetzlar, bei Gießen auf die A5 und schließlich folgen wir wieder der A4 bis Eisenach. Die breiten Autobahnen auf unserem Weg schlängeln sich durch eines der zusammenhängendsten Waldgebiete in Deutschland, dem südlichen Rothaargebirge. Es geht bei Bad Hersfeld über die Fulda und weiter zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, die wir aber kaum bemerken, nur ein großes Schild macht auf die früher bedeutende innerdeutsche Grenzstation Herleshausen aufmerksam.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser erstes Ziel, der Nationalpark Hainich liegt in Thüringen nördlich von Eisenach und man kann den dicht bewaldeten Höhenrücken des Thüringer Waldes von der vorbeiführenden A4 gut erkennen. Wir fahren im Nordosten, am Rande des Hainich im kleinen Ort Weberstedt den Campingplatz Am Tor zum Hainich an. Der Campingplatz ist sauber und gepflegt, ruhig und nicht überfüllt also sehr zu empfehlen; er ist außerdem wirklich ein Tor zum Hainich. Von hier aus kann man schöne Wander- und Radtouren in den Nationalpark starten; lange Tagestouren oder auch nur einen kurzen Abendspaziergang.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Hainich ist Teil des im deutsch-deutschen Einigungsvertrags festgelegten Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Seine einzigartige Bedeutung liegt in alten, naturbelassenen Buchenwäldern auf dem kalkhaltigen Boden des Ausläufers des Thüringer Waldes. Der Hainich beherbergt viele einzigartige Tiere und Pflanzen und man findet an vielen Stellen dicke, hoch gewachsene Buchen und uralte, knorrige Eichen wie z.Bsp. die 600-800 Jahre alte Betteleiche.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Hainich ist heute einer der wenigen deutschen Nationalparks und wurde 2011 in die Liste des UNESCO Weltnaturerbes aufgenommen. Die Parkverwaltung hat sich liebevoll bemüht, ihren Nationalpark den Besuchern interessant und ideenreich zu präsentieren. An vielen Stellen im Wald befinden sich Tafeln mit Textstellen aus Grimms Märchen, die ja häufig von dunklen, finsteren Gruselwäldern erzählen; an anderen Stellen werden ökologische und historische Zusammenhänge dem Besucher erklärt. Höhepunkt ist ein Baumwipfelpfad, der in Kronenhöhe zu verschiedenen Treffpunkten führt und dort schöne Ausblicke weit in das Thüringer Becken im Norden erlaubt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Was mich am Hainich besonders nachhaltig beeindruckt hat ist, dass mir ganz nebenbei ein tieferes Verständnis für die Wälder, die wir in Mitteleuropa haben, vermittelt wurde. Würde der Mensch nicht eingreifen so hätten wir dichte Buchenwälder in unserer Heimat. Aber schon seit der ersten menschlichen Besiedlung nutzte man den Wald zum Bauen, Feuern aber auch als Nahrungsspender für Nutztiere. Die Wälder im Mittelalter und der Neuzeit wurden durch intensive Nutzung immer stärker zurückgedrängt und die Laubbäume durch schnell wachsende Nadelbäume ersetzt. Erst in unserer Zeit, besonders auch durch den Klimawandel, dehnen sich die bewaldeten Flächen wieder aus und man schätzt die ursprünglichen Laubwälder als robusteres Ökosystem.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Von unserem Campingplatz aus machen wir Radtouren durch den Hainich oder gehen im Wald spazieren. Abends fahren wir in die nahe gelegenen Städte Mühlhausen und Bad Langensalza. Einen Tag reservieren wir für einen Besuch der Wartburg, die auf einem Bergvorsprung des Thüringer Waldes hoch über Eisenach thront. Alle Städte, die wir hier im Osten besuchten, sind nach der Wende aufwändig und sorgfältig restauriert worden und man fühlt sich in der mittelalterlichen Fachwerkarchitektur wie in eine andere deutsche Epoche zurück versetzt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Mühlhausen ist die Stadt Thoams Münzers, eines Zeitgenossen Martin Luthers. Wie Luther war Münzer ein Priester und später ein theologischer Reformator, wie es viele zu Anfang des 16. Jahrhunderts gab. Während Luther die weltliche Ordnung nicht antasten sondern nur den Glauben reformieren wollte, stellte Münzer auch die herrschende Ordnung in Frage. Er wurde Führer und Leitfigur der um 1520 ausbrechenden Bauernkriege in Thüringen und nach der verlorenen Schlacht bei Frankenhausen von den Fürsten gefangen gesetzt, gefoltert, enthauptet und sein Kopf aufgespießt und zur Schau gestellt. Thomas Münzer war Pfarrer an der Marienkirche in Mühlhausen. Ein anderer prominenter Gast in Mühlhausen war 200 Jahre später der Komponist Johann Sebastian Bach. Von 1707 bis 1708 hatte er eine Anstellung als Organist in Mühlhausen und heiratete hier seine Frau Maria Barbara Bach.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auch die Wartburg ist ein nationales Denkmal ersten Ranges, besonders für jeden Angehörigen des evangelisch-lutherischen Glaubens. Sie ist eng mit dem Wormser Reichstag 1521 und Luthers Ausspruch ‚Hier stehe ich und kann nicht anders!‘ bei der Verteidigung seiner Bibelinterpretation vor dem Deutschen Kaiser und päpstlichen Vertretern, seiner Abreise und Entführung durch Reiter des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise und seinem Aufenthalt als Junker Jörg auf der Wartburg verbunden. Während seines Aufenthalts auf der Wartburg übersetzte er das Neue Testament ins Deutsche und hatte so großen Einfluss auf die Gestaltung der Deutschen Sprache und die Verbreitung des evangelisch-lutherischen Glaubens.

Im 19. Jahrhundert besann man sich immer mehr der geschichtlichen und kulturellen deutschen Vergangenheit. Auf der Wartburg fanden bedeutende nationale Versammlungen der studentischen Burschenschaften zur Erinnerung an Luthers Aufenthalt auf der Burg und an die nahe Völkerschlacht bei Leibzig statt. Der Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, Carl Alexander ließ die Burg im 19. Jahrhundert aufwändig restaurieren und so umbauen wie wir sie heute sehen. Seit 1999 ist die Wartburg UNESCO Weltkulturerbe und wird heute von vielen Touristen aus aller Welt besucht.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Uns zieht es weiter Richtung Osten. Wir fahren auf der A4 an Dresden vorbei und in Bautzen verlassen wir die Autobahn und fahren Richtung Bad Muskau. Bad Muskau ist eigentlich ein unbedeutendes Grenzstädtchen an der Neiße mit etwa 4.000 Einwohnern wenn dort im Schloss Muskau nicht der Fürst Hermann von Pückler-Muskau am 30. Oktober 1785 geboren worden wäre. Fürst Pückler-Muskau war ein sehr gebildeter Herr. Er reiste viel durch die Welt, war ein damals geschätzter Schriftsteller, Generalleutnant der preußischen Armee und sehr angesehenes, charmantes Mitglied der adligen Gesellschaft seiner Zeit. Insbesondere war Fürst Pückler-Muskau im 19. Jahrhundert ein sehr bedeutender Landschaftsgärtner. Er reiste viel nach England und kam dort mit der englischen Landschaftskunst, dem Englischen Garten in Kontakt. Fürst Pückler-Muskau gestaltete sein Schloss in Muskau und umliegende Anwesen um im Stile eines Englischen Gartens. Er musste dazu Unmengen Mutterboden von weither anliefern lassen und Methoden entwickeln, um auch größere Bäume erfolgreich zu verpflanzen. Entstanden ist ein einmaliger Englischer Garten in Deutschland, der Vorbild für viele Gartenanlagen dieser Art in seiner Zeit wurde. Seine Ideen von Sichtachsen und Landschaftsgestaltung werden wir z. Bsp. auch noch in den schlesischen Sommerresidenzen der preußischen Oberschicht und des Königshauses im Hirschberger Tal im heutigen Polen antreffen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Fürst Pücklers Schloss und Park wurde 1945 nach der Grenzziehung an der Oder-Neiße plötzlich und abrupt geteilt. Das Schloss lag auf deutschem, der größte Teil des Parks auf polnischer Seite. Schwere Kriegsschäden am Schloss und im Park mußten beseitigt werden, was Jahrzehnte dauerte. Nach der Wende arbeiteten deutsche und polnische Denkmalschützer eng zusammen und man restaurierte das Schloss, baute die alten Neißebrücken wieder auf und setzte den mitlerweile verwilderten Englischen Landschaftspark wieder in Stand. Am 2. Juli 2004 wurde der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau als gemeinsames, deutsch-polnisches Projekt in die UNESCO Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Der Zugang zum Park auf beiden Seiten der Grenze ist frei. Man kann spazieren gehen oder besser noch radfahren oder sich auch auf eine Bank irgendwo im Park setzen und den freien Blick auf das wunderbare Schloss auf der anderen Neißeseite genießen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Im Osten des Fürst Pückler Parks, auf polnischer Seite, schließen sich die ehemaligen Alaun- und Braunkohlebergwerke an. Sie sind heute ein Naturschutzgebiet mit weitläufigen Radwegen. Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Kalium-Aluminium Sulfate und andere Mineralien sowie Braunkohle in kleinen Bergwerken abgebaut. Heute ist alles eine renaturierte Seenlandschaft mit schön angelegten Wander- und Fahrradwegen.

In Bad Muskau hatten wir Schwierigkeiten eine Campingübernachtung zu finden. Wir empfehlen den Wohnmobilstellplatz Bad Muskau in der Bautzener Straße 39.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unsere Reise führt weiter, die kleine Lausitzer Neiße hinauf bis nach Görlitz. Hier entscheiden wir uns, ein Hotelzimmer zu nehmen, das wir in einem der Internet-Buchungsportale zentrumsnah finden. Es ist die Alte Herberge/Villa Ephraim. Diese alte Jugendstilvilla ist innen aber auch außen beeindruckend gestaltet und man versteht, dass hier 1945 noch der Stadtkommandant der Wehrmacht und dann nach der Kapitulation die sowjetische Besatzungskommandantur einzogen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Görlitz wurde nach der Wende exzellent restauriert. Eigentlich sollte die Altstadt in den 1980er Jahren komplett abgerissen werden so heruntergekommen waren die Bauwerke zu DDR Zeiten. Das Vorhaben scheiterte aber am Widerstand der Bewohner. Görlitz lag abseits vom Kriegsgeschehen zum Ende des Zweiten Weltkriegs und blieb damit in seiner mittelalterlichen Stadtarchitektur ganz erhalten. Die Altstadt ist geprägt von großen ineineinder fließenden Plätzen mit dem Untermarkt als Prunkstück der Stadt. Vom Untermarkt, an dem auch das alte, historische Rathaus liegt führt die Peterstraße zur Peterskirche von 1492 und die Neißstraße runter zur Neiße. Der Grenzfluß Neiße trennt heute das ehemals östliche Görlitz, heute polnische Zgorzelec vom westlichen, deutschen Görlitz. Eine kontrollierte Grenze zwischen beiden EU-Ländern gibt es nicht mehr, trotzdem ist es krass wie plötzlich die Sprache und alle Beschriftungen in das für uns unverständliche Polnisch wechseln.

Wir haben uns in Görlitz wohl gefühlt. Nette, preiswerte Restaurants mit guter Qualität, der diesjährige Schlesische Tippelmarkt (Töpfermarkt) mit vielen regionalen Töpferangeboten fand gerade statt und das herrliche Wetter trugen dazu bei. Nun sind wir aber gespannt, was uns in Polen erwartet.


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Unsere etwa 5.100 Kilometer lange Tour quer durch Ostdeutschland, den Süden Polens, Masuren und über Hamburg zurück nach Köln in 33 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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In Namibias Süden https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2017/11/in-namibias-sueden/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2017/11/in-namibias-sueden/#comments Wed, 29 Nov 2017 11:47:23 +0000 http://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=4644 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Herbstferien sind da und für uns die Gelegenheit, der Heimat für ein paar Tage zu entfliehen. In ein Land mit viel landschaftlicher Weite, viel Sonne, eher Hitze als Kälte, etwas Abenteuer und Einsamkeit und einer Menge netter Menschen. Dies Traumland haben wir schon längst gefunden. Es ist: Namibia.

Wir können uns aber nicht entscheiden und schieben die Buchungen für die Herbstferien immer wieder auf. Nach Namibia, für zwei Wochen! Lohnt sich der Aufwand für eine solch kurze Zeit eigentlich? Nachdem wir in Norwegen einen verregneten Sommerurlaub erleben mussten war die Entscheidung aber dann im September doch klar: Wir fahren im Oktober nach Namibia.

Zwei Flüge sind schnell ergattert und im Internet gebucht. Wir fliegen vom Flughafen Köln/Bonn im Direktflug mit Eurowings nach Windhoek. Seit kurzem hat Eurowings die Langstreckenroute nach Namibias Hauptstadt im Programm und für uns liegt Köln/Bonn fast direkt vor der Haustür. Zweimal die Woche schickt die zum Lufthansa Konzern gehörende Tochter einen Airbus A330-200 mit bis zu 310 Passagieren nach Namibia. Montag und Donnerstag startet die Maschine zu einem 10½ stündigen Nachtflug und erreicht morgens bei Sonnenaufgang den internationalen Hosea Kutako Flughafen von Windhoek.

War das Buchen des Flugs kein Problem so gestaltete sich das Leihen eines geländegängigen Fahrzeugs als schwierig. Wir schrieben alle uns bekannten Autoverleiher in Windhoek an, bekamen aber nur Absagen. Der Oktober ist in Namibia nicht der große Urlaubsmonat und viele Verleiher haben ihre Fahrzeugflotte reduziert. Ich schalte die Vermittlungsagentur Drive South Africa Car hire ein und sie sagen mir einen Toyota Hilux 4×4 mit Dachzelt und Campingausrüstung zu. Wir waren erst einmal erleichtert. Drive South Africa vermittelt von Kapstadt aus Fahrzeuge im südlichen Afrika. Meist arbeiten sie mit der Firma Bushlore zusammen, die von Pretoria aus ’self-drive Safaris‘ planen und organisieren aber auch Geländefahrzeuge zur Miete anbieten. Sie fahren ihre in Süd-Afrika zugelassenen Autos rechtzeitig zum vereinbarten Ort. In Windhoek hat Bushlore ein kleines Büro mit Depot und Garage in der (endlos langen) Bach-, Ecke Pursell Straße. Hier werden die abschließenden Vertragsdetails erledigt und man erhält eine eingehende Einweisung in die Technik des Fahrzeugs und lernt die umfangreiche Campingausrüstung kennen.

Unsere Reise konnte also beginnen. Der Eurowings Nachtflug von Montag auf Dienstag war leidlich zu ertragen. Wir hatten für 50€ Aufpreis besseren Sitzkomfort gebucht und das zahlte sich aus. Die Einreiseformalitäten am Flughafen von Windhoek waren schnell erledigt, Euros am Flughafen in Namibische Dollar getauscht und Quentin von der Firma Bushlore wartete schon, um uns die etwa 40 Kilometer vom Flughafen zur Verleihstation im Zentrum Windhoeks zu fahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Hier im Bushlore Depot standen einige, fast neue Toyota Hilux, bereit zur Abfahrt – aber nicht für uns. Wir bekamen den ältesten und verbeultesten Toyota. Jahrgang 2015 sagten die Fahrzeugpapiere aber 180.000 Kilometer standen auf dem Kilometerzähler. Ziemlich abgefahrene Cooper Reifen und ausgiebig benutzte aber reichhaltige Campingausrüstung stellten wir fest. Uns war es egal. Wir waren glücklich, ein Auto zu bekommen, das namibiatauglich ist und für die nächsten Tage und Nächte unser zuhause sein wird. Afrika ist schließlich nicht Europa.

Wir fahren als erstes zur Maerua Windhoek Mall und kaufen in großem Stil Lebensmittel. Dann geht es auf der geteerten Hauptstraße B1 aus Windhoek heraus immer weiter Richtung Süden. Unser Ziel ist die ca. 300 Kilometer entfernt gelegene Kalahari Anib Lodge (email für Buchungen: anib@gondwana-collection.com), wo wir einen der drei Campingplätze schon in Deutschland gebucht hatten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben jetzt das erste Mal das Gefühl, wieder im südlichen Afrika angekommen zu sein. Die weite, flache Buschsavanne Kalahari, die im Nichts plötzlich auftauchenden Farmen mit Bar, Lodges, Swimmingpool und abgelegenen Campingplätzen für die Touristen, die Sonne, die angenehmen Temperaturen, das ist es, was wir suchen.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Das Ziel ist der Quiver Tree Forest etwas nordöstlich von Keetmanshoop. Eine Farm hat sich hier auf Touristen spezialisiert, Lodges mit Swimmingpool gebaut und ein kleines Wildgehege mit Straußen, Geparden und anderen einheimischen Tieren errichtet. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am Rande der Farm, in unmittelbarer Nähe des Campingplatzes, kann man ein zum Nationalen Denkmal ernanntes Gebiet, den Quiver Tree Forest oder Köcherbaum Wald besuchen. Etwa 300 Köcherbäume stehen hier in einem steinigen, hügeligen und eingezäunten Gebiet. Köcherbäume sind in den südlichen, felsigen Gebieten Namibias und Süd-Afrikas heimisch und man sieht die Pflanzen immer wieder abseits der Straßen. Sie sind genügsame Gewächse, die häufig vereinzelt stehen aber auch manchmal in kleinen Gruppen. Ihren Namen tragen sie, weil die Eingeborenen aus diesen Pflanzen früher Waffen, Speere und Köcher für die Jagd hergestellt haben. Eine wahre Attraktion werden die Bäume zum Sonnenauf- oder Untergang. Ihre Silhouette gegen den afrikanischen Abendhimmel ist immer wieder ein beliebtes und lohnendes Motiv für ein gelungenes Urlaubsfoto.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Ein paar Kilometer östlich liegt der Giants Playground, der Spielplatz der Riesen. Am Eingang kann man sein Fahrzeug abstellen und den ausgeschilderten Rundweg wandern. Der Weg schlängelt sich durch bizarre, hoch aufgetürmte rötlich-schwarze Dolerit Türme. Ihr Ursprung reicht weit zurück in eine Zeit, als es im südlichen Afrika geologisch ungemütlich zuging. Es war, als der südliche Superkontinent Gondwana, der aus Süd-Amerika, Afrika, Australien, Antarktis, Madagaskar und Indien bestand, vor etwa 150 Millionen Jahren zerbrach und sich die heutigen Kontinente bildeten. Die Erdkruste wurde gedehnt und durch Risse schoss Magma aus dem Erdinnern in Spalten ein. Die heiße Lava erkaltete und kristallisierte langsam unter hohem Druck in der Erdkruste zu hartem Dolerit, der im Laufe der Zeit durch Wind und Wasser, Hitze und Kälte frei erodiert wurde. Heute wirkt die Gegend unwirklich und in unserer Phantasie wie ein verwunschener, einsamer Spielplatz für Riesen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser Weg führt uns gen Süden, weiter zum Fish River Canyon. Vorher übernachten wir im Canyon Roadhouse. Das Roadhouse am Eingang zum Fish River Canyon ist auch eine Farm, die sich dem Tourismus geöffnet hat. Den obligatorischen Swimmingpool findet man genauso wie nette Unterkünfte in einer tollen Landschaft. Das Roadhouse hat allerdings seinen besonderen Charme durch die vielen, draußen ausgestellten, leicht verwitterten Oldtimer. Auch ein alter Hanomag Traktor aus Hannover mit deutschem Typenschild haben wir entdeckt, der neben dem Roadhouse sein letztes, ruhiges Plätzchen findet. Geht man zur Anmeldung in die Empfangshalle, so taucht man ein in einen Raum voller liebevoll und nett dekorierter Antiquitäten aus der Zeit der ersten Siedler. Man nehme sich im Roadhouse, drinnen und draußen, viel Zeit zum Gucken und Staunen und gehe Abends im Roadhouse Restaurant fein Essen und trinke einen guten südafrikanischen Wein.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Morgen fahren wir weiter zum Fish River Canyon. Der Fish River Canyon ist der zweitgößte Canyon der Welt, nur der Grand Canyon in den USA ist noch größer und mächtiger. Wie beim Grand Canyon nähert man sich dem Canyon des Fish River auf einer weiten Ebene. Man erkennt das Naturwunder erst, wenn man direkt davor steht. Anders als beim Grand Canyon ist es hier fast menschenleer. Kein Visitor Centre mit Souvenirladen, keine Touristenmassen, keine geteerten Straßen. Wir sind fast allein an diesem Weltwunder. Wir fahren den Aussichtspunkt an und informieren uns an den aufgestellten Schautafeln über die Geschichte und Geologie des Canyons. Der Fish River ist der längste Fluss Namibias, entspringt im östlichen Naukluft Gebirge und mündet nach 650 Kilometern im Oranje, dem südlichen Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika. Der eigentliche Canyon des Fish River ist 180 Kilometer lang und endet bei Ai-Ais; er ist bis zu 550 Meter tief und 27 Kilometer breit. Heutzutage führt der Fluss kaum Wasser, in der Trockenzeit ist er bis auf einzelne Tümpel fast ausgetrocknet.

Spontane Tageswanderungen hinunter zum Flussbett sind nicht gestattet. Man benötigt immer eine Genehmigung des Namibia Wildlife Resorts. Mehrtageswanderungen vom Aussichtspunkt hinter Hobas runter zum Fluss und dann 90 Kilometer weiter flussabwärts bis zum Canyonausgang bei Ai-Ais werden nur in der Trockenzeit von Mai bis Mitte September genehmigt. Genauere Information für Interessierte findet man im Stingy Nomads Reiseblog.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir bleiben oben, wandern ein Stück an der Canyonkante entlang, um uns dies Weltspektakel aus unterschiedlichen Blickwinkeln genauer anzuschauen und fahren dann mit dem Auto den Schotterweg an der Canyonkante entlang flussabwärts. Immer wieder halten wir an, steigen aus und blicken in die Tiefe. An einer besonders schönen Stelle packen wir Tisch und Stühle aus und picknicken im Schatten des Autos. Kaffee trinken wir direkt am Canyonrand mit Blick auf dieses großartige Naturspektakel. Irgendwann, wenn man so in den Canyon hinunter schaut, kommt die Frage: Wie ist der Fish River Canyon eigentlich entstanden?

Auf jeden Fall nicht so wie der Grand Canyon in den USA. Dieser entstand durch eine Hebung als Folge der Subduktion der Pazifikplatte unter die Kontinentalplatte Nordamerikas und anschließender Erosion des Colorados mit seinen Nebenflüssen in das Deckgestein. Die gängige Theorie beim Fish River Canyon geht von Spaltenbrüchen im Gebiet des Fish Rivers zur Zeit des Auseinderbrechens des Südkontinents Gondwana aus in die sich der Fluß eingegraben hat. Gondwana lag damals vor etwa 150 Millionen Jahren weiter südlich und Namibia nah am Südpol. Riesige Eisgletscher bedeckten das Gebiet des Fish River und schürften Gräben, wo das Deckgestein Schwächen zeigte. Als sich Afrika von Südamerika löste driftete die afrikanische Platte Richtung Norden. Die Gletscher schmolzen, das Land hob sich und der Fish River schwoll zu einem mächtigen Fluß an, der sich tief in das harte Gestein eingrub. An der Sohle legte er uralte Gesteinsschichten frei, die weit zurück bis ins Erdaltertum datiert werden können.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter zum Canyonausgang in Ai-Ais und übernachten auf dem dortigen Campingplatz. Am nächsten Morgen machen wir uns auf zum Oranje Fluss, fahren die C13 Schotterstraße entlang Richtung Westen bis wir den Grenzübergang von Namibia nach Südafrika in Sendelingsdrift erreichen. Auf der namibischen Seite müssen wir durch das Einreisebüro und unsere Ausreise stempeln lassen, dann ruft der Beamte per Funk auf der anderen Seite des Oranje die Fähre herbei. Die Fähre ist klein, gerade mal ein oder zwei Autos passen drauf. Sie hängt an einem Führungsseil und wird angetrieben von zwei Aussenbordmotoren. Schnell sind wir auf der südafrikanischen Seite des Oranje und haben die Einreiseformalitäten erledigt. Dann noch im benachbarten South Africa National Park Büro in Sendelingsdrift das Permit zum Besuch mit Übernachtung im Richtersveld Nationalpark besorgen und auf geht es zum 4×4 Abenteuer.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Richtersveld Nationalpark ist der wilde, lebensfeindliche und einsame Nationalpark in Südafrika. Hier herrscht extremes Wüstenklima und die Landschaft wirkt auf den Besucher wie eine rote Steinwüste. In den Park einfahren darf man nur mit einem 4×4 geländegängigen Fahrzeug mit genügend Wasser und Lebensmitteln an Bord. Es geht durch ausgetrocknete Flusstäler, Passstraßen hinauf und wieder hinunter ins nächste Tal. Die Wege sind gut zu erkennen aber übersät mit Steinen, die das Weiterkommen zu einem Geschicklichkeitstraining für Geländewagenfahrer macht. Sehr nett gelegen sind die wenigen Übernachtungsplätze. Großzügig angelegt am Oranje. Dass man hier vollkommen allein und auf sich selbst gestellt ist versteht sich fast von selbst. Wir genießen die zwei Tage in der Wildnis. Es ist ein echtes Outdoor Abenteuer, das sich uns bietet in einer Landschaft, wo wir denken: So ähnlich muss man sich auf dem Planeten Mars fühlen, wenn man dort eine Spritztour mit einem Weltraumrover machen könnte.

Unsere Reise geht weiter in Namibia. Der C13 folgen wir Richtung Norden bis zur Ortschaft Aus. Gegen Abend ziehen von Westen kommend weiße Cumulus Wolken am blauen Himmel auf. Sie werden immer dichter und dunkler und im Südosten wird der Himmel schwarz und es blitzt und donnert. Das haben wir in Namibia noch nicht erlebt, dass sich der blaue Himmel verdunkelt und heftiger Regen einsetzt. Es ist jetzt Anfang November und die kleine Regenzeit hat begonnen. Sie wird uns die restlichen Urlaubstage jeden Abend mit bangem Blick zum Himmel schauen lassen. Alle, Menschen, Tiere und Pflanzen warten auf Regen – nur wir als Touristen eher nicht.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der kleine Ort Aus liegt strategisch günstig an der Wegekreuzung der B4 von Keetmanshoop nach Lüderitz sowie der C13, die ins Bergbaugebiet von Rosh Pina im Süden führt. Aus war ein Knotenpunkt der einst so wichtigen Bahnstrecke von Lüderitz mit seinem Seehafen über Keetmanshoop bis in die Hauptstadt Windhoek. Gegründet wurde Aus von der deutschen Schutztruppe als Stützpunkt; im Ersten Weltkrieg betrieb Südafrika in Aus ein Konzentrationslager, um deutsche Kriegsgefangene hier zu internieren. Heute ist es ein kleiner, verschlafener Ort, durch den alle Touristen, die an die Küste nach Lüderitz fahren möchten, hindurch müssen. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] So kommt es, dass fast jeder Namibia Besucher irgendwann einmal die luxuriöse Lodge oder den angeschlossenen Campingplatz von Klein-Aus Vista kennen lernt. Es ist ratsam, einen der Campingplätze oder ein Zimmer in Klein-Aus Vista frühzeitig von Deutschland aus zu buchen. Wir haben es nicht getan und müssen nun mit dem Eigentümer über Übernachtungsalternativen auf der Farm diskutieren und erlangen schließlich die Erlaubnis, etwas abseits zu stehen, im sogenannten Overflow Bereich. Es ist schon spät und wir bauen schnell unser Dachzelt auf, denn vom Sanitärhaus am Campingplatz von Klein-Aus Vista startet ein kurzer Wanderweg, der hoch auf einen Bergsattel führt und einen fantastischen Blick gen Westen in das weite Nachbartal bietet. Sehr zu empfehlen zum Sonnenuntergang. Taschenlampe für den sicheren Rückweg nicht vergessen!

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Morgen brechen wir früh Richtung Westen, nach Lüderitz auf. Die Nationalstraße B4 führt in weiten Teilen schnurgerade durch die südliche Namib Wüste immer parallel zur eingleisigen Bahnstrecke Keetmanshoop, Lüderitz. Diese Lüderitzbahn wurde 1905/6 gebaut mit Anschluß in Seeheim an die Bahnstrecke nach Keetmanshoop und Windhoek. Die Lüderitzbahn diente der besseren Anbindung des südlichen Hinterlands von Deutsch-Südwest an den Hafen von Lüderitz. Das war damals nötig, da die 150 Kilometer von Lüderitz bis Aus durch die wasserlose Namib führte und für deutsche Siedler mit Hausrat und Vieh schwer zu durchqueren war. In den letzten Jahrzehnten wurde die Bahntrasse aufwändig saniert. Trotzdem fährt auf ihr heute kein Zug. Sie ist im Güterverkehr nicht wettbewerbsfähig im Vergleich zur parallel verlaufenden Teerstraße B4 und an den Tourismus hat vermutlich noch niemand gedacht.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Lüderitz ist heute eine Industriestadt mit Fischereihafen und Fischindustrie. Wir sind weniger an der Stadt Lüderitz interessiert sondern möchten die Geisterstadt Kolmanskuppe, 15 Kilometer vor Lüderitz, besuchen. In der Umgebung von Kolmanskuppe wurden 1908 zufällig die ersten Diamanten der südlichen Namib gefunden und es setzte ein regelrechter Run ein. Diamantenschürfer aber auch Techniker und andere Dienstleister kamen mit ihren Familien und es entstand mitten in der abweisenden Wüste eine Siedlung: Kolmanskuppe. Bis zu 400 Personen lebten hier zur Blütezeit; es entstand eine kleine, rein deutsche Stadt mit allem was man so braucht: Schule und Krankenhaus, Kneipe mit Kegelbahn und Theater und ein Swimminpool auf dem Berg. Kolonialwarenhändler, Schlachter und Bäcker. Kirche mit Pfarrhaus und ein Bahnanschluss zur Lüderitzbahn. Die Diamanten in der Umgebung waren in den 1930er Jahren alle eingesammelt und die Schürfer zogen weiter in den Süden und mit ihnen ihre Familien. Es wurde einsam um Kolmanskuppe. Irgendwann in den 1950er Jahren wurde Kolmanskuppe gänzlich aufgegeben. Die Häuser verfielen langsam, und der Namibwind wehte rötlichen Sand in die Stuben. Heute ist Kolmanskuppe eine kleine Geisterstadt und ein Freiland Museum, das man besichtigen kann. Die Siedlung gibt einen guten Einblick in die Pionierzeit der Diamantensucher und das harte Leben der damaligen Zeit. Im ehemaligen Kolonialwarenladen liegen Dokumente von Zeitzeugen aus, die in Kolmanskuppe lebten und ihre Zeit dort beschrieben haben. Alles in Deutsch und sehr interessant, zum Teil auch ergreifend.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir sind klar auf dem Rückweg. In drei Tagen, abends geht unser Eurowings Flieger zurück nach Deutschland. Von Aus brechen wir auf und fahren auf der C13 gen Norden. Nach 60 Kilometern biegen wir links in die Schotterstraße D707, landschaftlich eine Traumstraße Namibias. Wir fahren entlang der Großen Randstufe und sehen links die Sanddünen der Namib Wüste und rechts die Tirasberge. Wir biegen nach weiteren 65 Kilometern rechts ab und folgen dem Hinweisschild: ‚Ranch Koiimasis‚. Auf Koiimasis übernachten wir auf einem der abseits gelegenen Campingplätze, genießen aber vorher noch einen herrlichen Sonnenuntergang und das Zusammenspiel von roter Wüste und grauen, mächtigen Gewitterwolken.

Am nächsten Tag geht es weiter über den Ort Maltahöhe nach Büllsport und dort fahren wir in den Namib-Naukluft Nationalpark ein um gleich hinter dem Parkeingang auf dem Campingplatz zu übernachten. Wir machen eine kurze Wanderung entlang des Flussbetts des Naukluft Flusses und hier erwischt uns endlich der Regen, der sonst immer an uns vorbei gezogen ist, sodass wir umkehren und uns ins trockene Dachzelt verkriechen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Uns war bei der Übernahme unseres Mietautos schon klar, dass es arg benutzt war und die Reifen schon bessere Tage gesehen hatten. Auf allen Wegen sind wir vorsichtig und mit angemessener Geschwindigkeit gefahren, denn unser Ziel ist es natürlich, das Auto dem Vermieter unbeschädigt zurück zu geben. Trotzdem ließ es sich nicht verhindern: 150 Kilometer vor Windhoek, beim Durchfahren eines trockenen Flussbetts zerriss es den hinteren, linken Reifen. Also mußten wir den Reifen wechseln. Wir suchten alle erforderlichen Werkzeuge im Auto zusammen, lösten die sechs Radmuttern am defekten Rad und montierten den High Jack genannten riesigen outdoor Wagenheber. Dann wurde das Auto vorsichtig hoch gehebelt, bis die beiden Reifen der linken Seite frei in der Luft hingen. Nun mußten wir den Wagen auf Böcke setzen, den High Jack entfernen, das Rad wechseln, den High Jack wieder ansetzen, das Auto ein Stück hoch hebeln, Böcke wieder entfernen, High Jack ablassen und abbauen, Radmuttern festziehen und Luftdruck korrigieren. Alles bei Temperaturen von über 30 Grad. Nach etwa einer Stunde schweißtreibender Arbeit war es geschafft. Wir konnten alles wieder einräumen und weiter ging es zur Hakos Gästefarm.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auf der Hakos Gästefarm verbringen wir die letzte Nacht unseres Namibiaurlaubs. Wie uns die (deutsche) Eigentümerin der Farm bei einer Tasse Kaffee und Kuchen nett erklärte, hat sich diese Farm auf Touristen spezialisiert, die nachts Himmelsbeobachtungen machen möchten. Große Fernrohre sind uns schon im Eingangsflur der Farm aufgefallen. Wir erfahren von der Frau an diesem Nachmittag viel über ihre weitverzweigte Familie in Deutschland und hier in Namibia. Sie erklärt uns wie schwierig die Tierhaltung in diesem trockenen Land ist und dass ihr Vater zeitweise die Farm aufgeben mußte. Wir hören gespannt zu. Irgendwann kommen ihre Kinder aus Windhoek zurück und sie zeigt uns noch den Weg zum abgelegenen Campingplatz und wir machen uns auf zu unserer letzten Nacht im Dachzelt unter Namibias grenzenlosem Himmel.

Vom Campingplatz der Farm hat man einen weiten Blick über die hügelige Landschaft und erkennt am Horizont den kleinen und großen, 2.500 Meter hohen Gamsberg. Von Südwesten zieht ein heftiges Gewitter auf, das sich rund um die Gamsberge entlädt mit heftigen Blitzen und Donner. Wir sind froh, dass es bei uns trocken bleibt und wir nur Zuschauer dieses Himmelsspektakels sind.

Eurowings meint es gut mit uns. Der geplante Flug Freitagabend fällt wegen technischer Probleme aus. Eine Ersatzmaschine kommt erst Samstagmorgen in Windhoek an und wird gegen 9 Uhr zum Rückflug starten. Wir dürfen eine Nacht auf Eurowings Kosten im noblen Hilton-Windhoek übernachten und werden ins erstklassige Hiltonrestaurant eingeladen. Das fanden wir sehr anständig von Eurowings und es war, dank Eurowings, ein ungeplanter, netter Abschluss einer rundum gelungenen Namibiareise.


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Unsere etwa 2.500 Kilometer lange Tour durch den Süden Namibias in 11 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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