Viele Fotos und ein paar Worte https://www.Friedrich-Glasenapp.de von Friedrich Glasenapp Sat, 14 Jul 2018 18:13:05 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.7 In Namibias Süden https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2017/11/in-namibias-sueden/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2017/11/in-namibias-sueden/#comments Wed, 29 Nov 2017 11:47:23 +0000 http://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=4644 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Herbstferien sind da und für uns die Gelegenheit, der Heimat für ein paar Tage zu entfliehen. In ein Land mit viel landschaftlicher Weite, viel Sonne, eher Hitze als Kälte, etwas Abenteuer und Einsamkeit und einer Menge netter Menschen. Dies Traumland haben wir schon längst gefunden. Es ist: Namibia.

Wir können uns aber nicht entscheiden und schieben die Buchungen für die Herbstferien immer wieder auf. Nach Namibia, für zwei Wochen! Lohnt sich der Aufwand für eine solch kurze Zeit eigentlich? Nachdem wir in Norwegen einen verregneten Sommerurlaub erleben mussten war die Entscheidung aber dann im September doch klar: Wir fahren im Oktober nach Namibia.

Zwei Flüge sind schnell ergattert und im Internet gebucht. Wir fliegen vom Flughafen Köln/Bonn im Direktflug mit Eurowings nach Windhoek. Seit kurzem hat Eurowings die Langstreckenroute nach Namibias Hauptstadt im Programm und für uns liegt Köln/Bonn fast direkt vor der Haustür. Zweimal die Woche schickt die zum Lufthansa Konzern gehörende Tochter einen Airbus A330-200 mit bis zu 310 Passagieren nach Namibia. Montag und Donnerstag startet die Maschine zu einem 10½ stündigen Nachtflug und erreicht morgens bei Sonnenaufgang den internationalen Hosea Kutako Flughafen von Windhoek.

War das Buchen des Flugs kein Problem so gestaltete sich das Leihen eines geländegängigen Fahrzeugs als schwierig. Wir schrieben alle uns bekannten Autoverleiher in Windhoek an, bekamen aber nur Absagen. Der Oktober ist in Namibia nicht der große Urlaubsmonat und viele Verleiher haben ihre Fahrzeugflotte reduziert. Ich schalte die Vermittlungsagentur Drive South Africa Car hire ein und sie sagen mir einen Toyota Hilux 4×4 mit Dachzelt und Campingausrüstung zu. Wir waren erst einmal erleichtert. Drive South Africa vermittelt von Kapstadt aus Fahrzeuge im südlichen Afrika. Meist arbeiten sie mit der Firma Bushlore zusammen, die von Pretoria aus ’self-drive Safaris‘ planen und organisieren aber auch Geländefahrzeuge zur Miete anbieten. Sie fahren ihre in Süd-Afrika zugelassenen Autos rechtzeitig zum vereinbarten Ort. In Windhoek hat Bushlore ein kleines Büro mit Depot und Garage in der (endlos langen) Bach-, Ecke Pursell Straße. Hier werden die abschließenden Vertragsdetails erledigt und man erhält eine eingehende Einweisung in die Technik des Fahrzeugs und lernt die umfangreiche Campingausrüstung kennen.

Unsere Reise konnte also beginnen. Der Eurowings Nachtflug von Montag auf Dienstag war leidlich zu ertragen. Wir hatten für 50€ Aufpreis besseren Sitzkomfort gebucht und das zahlte sich aus. Die Einreiseformalitäten am Flughafen von Windhoek waren schnell erledigt, Euros am Flughafen in Namibische Dollar getauscht und Quentin von der Firma Bushlore wartete schon, um uns die etwa 40 Kilometer vom Flughafen zur Verleihstation im Zentrum Windhoeks zu fahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Hier im Bushlore Depot standen einige, fast neue Toyota Hilux, bereit zur Abfahrt – aber nicht für uns. Wir bekamen den ältesten und verbeultesten Toyota. Jahrgang 2015 sagten die Fahrzeugpapiere aber 180.000 Kilometer standen auf dem Kilometerzähler. Ziemlich abgefahrene Cooper Reifen und ausgiebig benutzte aber reichhaltige Campingausrüstung stellten wir fest. Uns war es egal. Wir waren glücklich, ein Auto zu bekommen, das namibiatauglich ist und für die nächsten Tage und Nächte unser zuhause sein wird. Afrika ist schließlich nicht Europa.

Wir fahren als erstes zur Maerua Windhoek Mall und kaufen in großem Stil Lebensmittel. Dann geht es auf der geteerten Hauptstraße B1 aus Windhoek heraus immer weiter Richtung Süden. Unser Ziel ist die ca. 300 Kilometer entfernt gelegene Kalahari Anib Lodge (email für Buchungen: anib@gondwana-collection.com), wo wir einen der drei Campingplätze schon in Deutschland gebucht hatten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir haben jetzt das erste Mal das Gefühl, wieder im südlichen Afrika angekommen zu sein. Die weite, flache Buschsavanne Kalahari, die im Nichts plötzlich auftauchenden Farmen mit Bar, Lodges, Swimmingpool und abgelegenen Campingplätzen für die Touristen, die Sonne, die angenehmen Temperaturen, das ist es, was wir suchen.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Das Ziel ist der Quiver Tree Forest etwas nordöstlich von Keetmanshoop. Eine Farm hat sich hier auf Touristen spezialisiert, Lodges mit Swimmingpool gebaut und ein kleines Wildgehege mit Straußen, Geparden und anderen einheimischen Tieren errichtet. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am Rande der Farm, in unmittelbarer Nähe des Campingplatzes, kann man ein zum Nationalen Denkmal ernanntes Gebiet, den Quiver Tree Forest oder Köcherbaum Wald besuchen. Etwa 300 Köcherbäume stehen hier in einem steinigen, hügeligen und eingezäunten Gebiet. Köcherbäume sind in den südlichen, felsigen Gebieten Namibias und Süd-Afrikas heimisch und man sieht die Pflanzen immer wieder abseits der Straßen. Sie sind genügsame Gewächse, die häufig vereinzelt stehen aber auch manchmal in kleinen Gruppen. Ihren Namen tragen sie, weil die Eingeborenen aus diesen Pflanzen früher Waffen, Speere und Köcher für die Jagd hergestellt haben. Eine wahre Attraktion werden die Bäume zum Sonnenauf- oder Untergang. Ihre Silhouette gegen den afrikanischen Abendhimmel ist immer wieder ein beliebtes und lohnendes Motiv für ein gelungenes Urlaubsfoto.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Ein paar Kilometer östlich liegt der Giants Playground, der Spielplatz der Riesen. Am Eingang kann man sein Fahrzeug abstellen und den ausgeschilderten Rundweg wandern. Der Weg schlängelt sich durch bizarre, hoch aufgetürmte rötlich-schwarze Dolerit Türme. Ihr Ursprung reicht weit zurück in eine Zeit, als es im südlichen Afrika geologisch ungemütlich zuging. Es war, als der südliche Superkontinent Gondwana, der aus Süd-Amerika, Afrika, Australien, Antarktis, Madagaskar und Indien bestand, vor etwa 150 Millionen Jahren zerbrach und sich die heutigen Kontinente bildeten. Die Erdkruste wurde gedehnt und durch Risse schoss Magma aus dem Erdinnern in Spalten ein. Die heiße Lava erkaltete und kristallisierte langsam unter hohem Druck in der Erdkruste zu hartem Dolerit, der im Laufe der Zeit durch Wind und Wasser, Hitze und Kälte frei erodiert wurde. Heute wirkt die Gegend unwirklich und in unserer Phantasie wie ein verwunschener, einsamer Spielplatz für Riesen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser Weg führt uns gen Süden, weiter zum Fish River Canyon. Vorher übernachten wir im Canyon Roadhouse. Das Roadhouse am Eingang zum Fish River Canyon ist auch eine Farm, die sich dem Tourismus geöffnet hat. Den obligatorischen Swimmingpool findet man genauso wie nette Unterkünfte in einer tollen Landschaft. Das Roadhouse hat allerdings seinen besonderen Charme durch die vielen, draußen ausgestellten, leicht verwitterten Oldtimer. Auch ein alter Hanomag Traktor aus Hannover mit deutschem Typenschild haben wir entdeckt, der neben dem Roadhouse sein letztes, ruhiges Plätzchen findet. Geht man zur Anmeldung in die Empfangshalle, so taucht man ein in einen Raum voller liebevoll und nett dekorierter Antiquitäten aus der Zeit der ersten Siedler. Man nehme sich im Roadhouse, drinnen und draußen, viel Zeit zum Gucken und Staunen und gehe Abends im Roadhouse Restaurant fein Essen und trinke einen guten südafrikanischen Wein.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Morgen fahren wir weiter zum Fish River Canyon. Der Fish River Canyon ist der zweitgößte Canyon der Welt, nur der Grand Canyon in den USA ist noch größer und mächtiger. Wie beim Grand Canyon nähert man sich dem Canyon des Fish River auf einer weiten Ebene. Man erkennt das Naturwunder erst, wenn man direkt davor steht. Anders als beim Grand Canyon ist es hier fast menschenleer. Kein Visitor Centre mit Souvenirladen, keine Touristenmassen, keine geteerten Straßen. Wir sind fast allein an diesem Weltwunder. Wir fahren den Aussichtspunkt an und informieren uns an den aufgestellten Schautafeln über die Geschichte und Geologie des Canyons. Der Fish River ist der längste Fluss Namibias, entspringt im östlichen Naukluft Gebirge und mündet nach 650 Kilometern im Oranje, dem südlichen Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika. Der eigentliche Canyon des Fish River ist 180 Kilometer lang und endet bei Ai-Ais; er ist bis zu 550 Meter tief und 27 Kilometer breit. Heutzutage führt der Fluss kaum Wasser, in der Trockenzeit ist er bis auf einzelne Tümpel fast ausgetrocknet.

Spontane Tageswanderungen hinunter zum Flussbett sind nicht gestattet. Man benötigt immer eine Genehmigung des Namibia Wildlife Resorts. Mehrtageswanderungen vom Aussichtspunkt hinter Hobas runter zum Fluss und dann 90 Kilometer weiter flussabwärts bis zum Canyonausgang bei Ai-Ais werden nur in der Trockenzeit von Mai bis Mitte September genehmigt. Genauere Information für Interessierte findet man im Stingy Nomads Reiseblog.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir bleiben oben, wandern ein Stück an der Canyonkante entlang, um uns dies Weltspektakel aus unterschiedlichen Blickwinkeln genauer anzuschauen und fahren dann mit dem Auto den Schotterweg an der Canyonkante entlang flussabwärts. Immer wieder halten wir an, steigen aus und blicken in die Tiefe. An einer besonders schönen Stelle packen wir Tisch und Stühle aus und picknicken im Schatten des Autos. Kaffee trinken wir direkt am Canyonrand mit Blick auf dieses großartige Naturspektakel. Irgendwann, wenn man so in den Canyon hinunter schaut, kommt die Frage: Wie ist der Fish River Canyon eigentlich entstanden?

Auf jeden Fall nicht so wie der Grand Canyon in den USA. Dieser entstand durch eine Hebung als Folge der Subduktion der Pazifikplatte unter die Kontinentalplatte Nordamerikas und anschließender Erosion des Colorados mit seinen Nebenflüssen in das Deckgestein. Die gängige Theorie beim Fish River Canyon geht von Spaltenbrüchen im Gebiet des Fish Rivers zur Zeit des Auseinderbrechens des Südkontinents Gondwana aus in die sich der Fluß eingegraben hat. Gondwana lag damals vor etwa 150 Millionen Jahren weiter südlich und Namibia nah am Südpol. Riesige Eisgletscher bedeckten das Gebiet des Fish River und schürften Gräben, wo das Deckgestein Schwächen zeigte. Als sich Afrika von Südamerika löste driftete die afrikanische Platte Richtung Norden. Die Gletscher schmolzen, das Land hob sich und der Fish River schwoll zu einem mächtigen Fluß an, der sich tief in das harte Gestein eingrub. An der Sohle legte er uralte Gesteinsschichten frei, die weit zurück bis ins Erdaltertum datiert werden können.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter zum Canyonausgang in Ai-Ais und übernachten auf dem dortigen Campingplatz. Am nächsten Morgen machen wir uns auf zum Oranje Fluss, fahren die C13 Schotterstraße entlang Richtung Westen bis wir den Grenzübergang von Namibia nach Südafrika in Sendelingsdrift erreichen. Auf der namibischen Seite müssen wir durch das Einreisebüro und unsere Ausreise stempeln lassen, dann ruft der Beamte per Funk auf der anderen Seite des Oranje die Fähre herbei. Die Fähre ist klein, gerade mal ein oder zwei Autos passen drauf. Sie hängt an einem Führungsseil und wird angetrieben von zwei Aussenbordmotoren. Schnell sind wir auf der südafrikanischen Seite des Oranje und haben die Einreiseformalitäten erledigt. Dann noch im benachbarten South Africa National Park Büro in Sendelingsdrift das Permit zum Besuch mit Übernachtung im Richtersveld Nationalpark besorgen und auf geht es zum 4×4 Abenteuer.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Richtersveld Nationalpark ist der wilde, lebensfeindliche und einsame Nationalpark in Südafrika. Hier herrscht extremes Wüstenklima und die Landschaft wirkt auf den Besucher wie eine rote Steinwüste. In den Park einfahren darf man nur mit einem 4×4 geländegängigen Fahrzeug mit genügend Wasser und Lebensmitteln an Bord. Es geht durch ausgetrocknete Flusstäler, Passstraßen hinauf und wieder hinunter ins nächste Tal. Die Wege sind gut zu erkennen aber übersät mit Steinen, die das Weiterkommen zu einem Geschicklichkeitstraining für Geländewagenfahrer macht. Sehr nett gelegen sind die wenigen Übernachtungsplätze. Großzügig angelegt am Oranje. Dass man hier vollkommen allein und auf sich selbst gestellt ist versteht sich fast von selbst. Wir genießen die zwei Tage in der Wildnis. Es ist ein echtes Outdoor Abenteuer, das sich uns bietet in einer Landschaft, wo wir denken: So ähnlich muss man sich auf dem Planeten Mars fühlen, wenn man dort eine Spritztour mit einem Weltraumrover machen könnte.

Unsere Reise geht weiter in Namibia. Der C13 folgen wir Richtung Norden bis zur Ortschaft Aus. Gegen Abend ziehen von Westen kommend weiße Cumulus Wolken am blauen Himmel auf. Sie werden immer dichter und dunkler und im Südosten wird der Himmel schwarz und es blitzt und donnert. Das haben wir in Namibia noch nicht erlebt, dass sich der blaue Himmel verdunkelt und heftiger Regen einsetzt. Es ist jetzt Anfang November und die kleine Regenzeit hat begonnen. Sie wird uns die restlichen Urlaubstage jeden Abend mit bangem Blick zum Himmel schauen lassen. Alle, Menschen, Tiere und Pflanzen warten auf Regen – nur wir als Touristen eher nicht.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der kleine Ort Aus liegt strategisch günstig an der Wegekreuzung der B4 von Keetmanshoop nach Lüderitz sowie der C13, die ins Bergbaugebiet von Rosh Pina im Süden führt. Aus war ein Knotenpunkt der einst so wichtigen Bahnstrecke von Lüderitz mit seinem Seehafen über Keetmanshoop bis in die Hauptstadt Windhoek. Gegründet wurde Aus von der deutschen Schutztruppe als Stützpunkt; im Ersten Weltkrieg betrieb Südafrika in Aus ein Konzentrationslager, um deutsche Kriegsgefangene hier zu internieren. Heute ist es ein kleiner, verschlafener Ort, durch den alle Touristen, die an die Küste nach Lüderitz fahren möchten, hindurch müssen. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] So kommt es, dass fast jeder Namibia Besucher irgendwann einmal die luxuriöse Lodge oder den angeschlossenen Campingplatz von Klein-Aus Vista kennen lernt. Es ist ratsam, einen der Campingplätze oder ein Zimmer in Klein-Aus Vista frühzeitig von Deutschland aus zu buchen. Wir haben es nicht getan und müssen nun mit dem Eigentümer über Übernachtungsalternativen auf der Farm diskutieren und erlangen schließlich die Erlaubnis, etwas abseits zu stehen, im sogenannten Overflow Bereich. Es ist schon spät und wir bauen schnell unser Dachzelt auf, denn vom Sanitärhaus am Campingplatz von Klein-Aus Vista startet ein kurzer Wanderweg, der hoch auf einen Bergsattel führt und einen fantastischen Blick gen Westen in das weite Nachbartal bietet. Sehr zu empfehlen zum Sonnenuntergang. Taschenlampe für den sicheren Rückweg nicht vergessen!

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Morgen brechen wir früh Richtung Westen, nach Lüderitz auf. Die Nationalstraße B4 führt in weiten Teilen schnurgerade durch die südliche Namib Wüste immer parallel zur eingleisigen Bahnstrecke Keetmanshoop, Lüderitz. Diese Lüderitzbahn wurde 1905/6 gebaut mit Anschluß in Seeheim an die Bahnstrecke nach Keetmanshoop und Windhoek. Die Lüderitzbahn diente der besseren Anbindung des südlichen Hinterlands von Deutsch-Südwest an den Hafen von Lüderitz. Das war damals nötig, da die 150 Kilometer von Lüderitz bis Aus durch die wasserlose Namib führte und für deutsche Siedler mit Hausrat und Vieh schwer zu durchqueren war. In den letzten Jahrzehnten wurde die Bahntrasse aufwändig saniert. Trotzdem fährt auf ihr heute kein Zug. Sie ist im Güterverkehr nicht wettbewerbsfähig im Vergleich zur parallel verlaufenden Teerstraße B4 und an den Tourismus hat vermutlich noch niemand gedacht.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Lüderitz ist heute eine Industriestadt mit Fischereihafen und Fischindustrie. Wir sind weniger an der Stadt Lüderitz interessiert sondern möchten die Geisterstadt Kolmanskuppe, 15 Kilometer vor Lüderitz, besuchen. In der Umgebung von Kolmanskuppe wurden 1908 zufällig die ersten Diamanten der südlichen Namib gefunden und es setzte ein regelrechter Run ein. Diamantenschürfer aber auch Techniker und andere Dienstleister kamen mit ihren Familien und es entstand mitten in der abweisenden Wüste eine Siedlung: Kolmanskuppe. Bis zu 400 Personen lebten hier zur Blütezeit; es entstand eine kleine, rein deutsche Stadt mit allem was man so braucht: Schule und Krankenhaus, Kneipe mit Kegelbahn und Theater und ein Swimminpool auf dem Berg. Kolonialwarenhändler, Schlachter und Bäcker. Kirche mit Pfarrhaus und ein Bahnanschluss zur Lüderitzbahn. Die Diamanten in der Umgebung waren in den 1930er Jahren alle eingesammelt und die Schürfer zogen weiter in den Süden und mit ihnen ihre Familien. Es wurde einsam um Kolmanskuppe. Irgendwann in den 1950er Jahren wurde Kolmanskuppe gänzlich aufgegeben. Die Häuser verfielen langsam, und der Namibwind wehte rötlichen Sand in die Stuben. Heute ist Kolmanskuppe eine kleine Geisterstadt und ein Freiland Museum, das man besichtigen kann. Die Siedlung gibt einen guten Einblick in die Pionierzeit der Diamantensucher und das harte Leben der damaligen Zeit. Im ehemaligen Kolonialwarenladen liegen Dokumente von Zeitzeugen aus, die in Kolmanskuppe lebten und ihre Zeit dort beschrieben haben. Alles in Deutsch und sehr interessant, zum Teil auch ergreifend.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir sind klar auf dem Rückweg. In drei Tagen, abends geht unser Eurowings Flieger zurück nach Deutschland. Von Aus brechen wir auf und fahren auf der C13 gen Norden. Nach 60 Kilometern biegen wir links in die Schotterstraße D707, landschaftlich eine Traumstraße Namibias. Wir fahren entlang der Großen Randstufe und sehen links die Sanddünen der Namib Wüste und rechts die Tirasberge. Wir biegen nach weiteren 65 Kilometern rechts ab und folgen dem Hinweisschild: ‚Ranch Koiimasis‚. Auf Koiimasis übernachten wir auf einem der abseits gelegenen Campingplätze, genießen aber vorher noch einen herrlichen Sonnenuntergang und das Zusammenspiel von roter Wüste und grauen, mächtigen Gewitterwolken.

Am nächsten Tag geht es weiter über den Ort Maltahöhe nach Büllsport und dort fahren wir in den Namib-Naukluft Nationalpark ein um gleich hinter dem Parkeingang auf dem Campingplatz zu übernachten. Wir machen eine kurze Wanderung entlang des Flussbetts des Naukluft Flusses und hier erwischt uns endlich der Regen, der sonst immer an uns vorbei gezogen ist, sodass wir umkehren und uns ins trockene Dachzelt verkriechen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Uns war bei der Übernahme unseres Mietautos schon klar, dass es arg benutzt war und die Reifen schon bessere Tage gesehen hatten. Auf allen Wegen sind wir vorsichtig und mit angemessener Geschwindigkeit gefahren, denn unser Ziel ist es natürlich, das Auto dem Vermieter unbeschädigt zurück zu geben. Trotzdem ließ es sich nicht verhindern: 150 Kilometer vor Windhoek, beim Durchfahren eines trockenen Flussbetts zerriss es den hinteren, linken Reifen. Also mußten wir den Reifen wechseln. Wir suchten alle erforderlichen Werkzeuge im Auto zusammen, lösten die sechs Radmuttern am defekten Rad und montierten den High Jack genannten riesigen outdoor Wagenheber. Dann wurde das Auto vorsichtig hoch gehebelt, bis die beiden Reifen der linken Seite frei in der Luft hingen. Nun mußten wir den Wagen auf Böcke setzen, den High Jack entfernen, das Rad wechseln, den High Jack wieder ansetzen, das Auto ein Stück hoch hebeln, Böcke wieder entfernen, High Jack ablassen und abbauen, Radmuttern festziehen und Luftdruck korrigieren. Alles bei Temperaturen von über 30 Grad. Nach etwa einer Stunde schweißtreibender Arbeit war es geschafft. Wir konnten alles wieder einräumen und weiter ging es zur Hakos Gästefarm.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auf der Hakos Gästefarm verbringen wir die letzte Nacht unseres Namibiaurlaubs. Wie uns die (deutsche) Eigentümerin der Farm bei einer Tasse Kaffee und Kuchen nett erklärte, hat sich diese Farm auf Touristen spezialisiert, die nachts Himmelsbeobachtungen machen möchten. Große Fernrohre sind uns schon im Eingangsflur der Farm aufgefallen. Wir erfahren von der Frau an diesem Nachmittag viel über ihre weitverzweigte Familie in Deutschland und hier in Namibia. Sie erklärt uns wie schwierig die Tierhaltung in diesem trockenen Land ist und dass ihr Vater zeitweise die Farm aufgeben mußte. Wir hören gespannt zu. Irgendwann kommen ihre Kinder aus Windhoek zurück und sie zeigt uns noch den Weg zum abgelegenen Campingplatz und wir machen uns auf zu unserer letzten Nacht im Dachzelt unter Namibias grenzenlosem Himmel.

Vom Campingplatz der Farm hat man einen weiten Blick über die hügelige Landschaft und erkennt am Horizont den kleinen und großen, 2.500 Meter hohen Gamsberg. Von Südwesten zieht ein heftiges Gewitter auf, das sich rund um die Gamsberge entlädt mit heftigen Blitzen und Donner. Wir sind froh, dass es bei uns trocken bleibt und wir nur Zuschauer dieses Himmelsspektakels sind.

Eurowings meint es gut mit uns. Der geplante Flug Freitagabend fällt wegen technischer Probleme aus. Eine Ersatzmaschine kommt erst Samstagmorgen in Windhoek an und wird gegen 9 Uhr zum Rückflug starten. Wir dürfen eine Nacht auf Eurowings Kosten im noblen Hilton-Windhoek übernachten und werden ins erstklassige Hiltonrestaurant eingeladen. Das fanden wir sehr anständig von Eurowings und es war, dank Eurowings, ein ungeplanter, netter Abschluss einer rundum gelungenen Namibiareise.


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Unsere etwa 2.500 Kilometer lange Tour durch den Süden Namibias in 11 Tagen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Fjordland Reise in Norwegen https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2017/09/fjordland-reise-in-norwegen/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2017/09/fjordland-reise-in-norwegen/#comments Wed, 13 Sep 2017 21:22:30 +0000 http://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=4505 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir waren mit Norwegen noch nicht fertig. Im letzten Jahr sind wir über Finnland zu den Vesterålen und den Lofoten mit Auto und Dachzelt gefahren, und wir waren von dieser harten, schroffen Landschaft begeistert. Der Küstenabschnitt von Tromsø im Norden bis fast runter nach Trondheim mit vielen windungsreichen, kleinen Küstenstraßen und so mancher Fährfahrt in einer spektakulären Landschaft ist ein besonderes Reiseerlebnis. Wir ließen uns damals viel Zeit und beschlossen, den Süden Norwegens, insbesondere Fjordland, später in einer zweiten Norwegenreise zu besuchen. Und das sollte dann im Sommer 2017 sein.
[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wohnt man im Rheinland ist die Anfahrt nach Norwegen sehr lang und ermüdend und nur in einer Gewalttour ohne Zwischenstopps machbar. Wir lassen uns Zeit, fahren über Hamburg nach Eckernförde in Schleswig-Holstein, bleiben dort zwei Tage bei herrlichem Sommerwetter und ziehen dann weiter an die Nordküste Dänemarks. Auf einem Campingplatz in Tversted in der Nähe des Fährhafens von Hirtshals schlagen wir unser kleines zu Hause, ein Dachzelt auf unserem Auto, für weitere zwei Tage auf. In Norwegen erwarten wir im Süden eine felsige Schärenlandschaft, hier im südlichen Skagerrak an der Nordküste Jütlands erstreckt sich eine weite Dünenlandschaft. Man kann gut radeln, wandern und entspannen. Wir schauen uns Skagen an und reihen uns an einem Sonntag in die lange Schlange der Ausflugstouristen ein, die partout bis zum äußersten nord-östlichen Zipfel Dänemarks, einer unscheinbaren Sandbank, laufen wollen. Eine Nordseerobbe wird auf der Sandbank von einer großen Menschenmenge staunend umringt. Die Robbe will hier sicher nur ruhen und sich sonnen und schaut ganz verwirrt in die Gesichter der Touristen, die sich über sie beugen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der dänische Fährhafen Hirtshals ist das Tor Dänemarks zu Norwegen und Island. Täglich verlassen Schiffe den Hafen in Richtung Norwegen; nach Larvik, Kristiansand und Bergen. Wir buchen kurz entschlossen per Internet die Route nach Kristiansand auf einem Schiff der Color Line. Die Querung des Skagerraks in nordwestlicher Richtung dauert etwa drei Stunden sodass wir am späten Nachmittag mit dem Auto in Norwegen einreisen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Südküste Norwegens ist im Sommer ein beliebtes Urlaubsziel der Norweger. Oslo und Stavanger als norwegische Metropolen liegen nicht weit entfernt, die Küste ist felsig aber nicht schroff – es ist eben eine typische Schärenlandschaft, wie man sie auch an der Westküste Schwedens antrifft. Hier im Süden Norwegens bauen die Bauern sogar Getreide an; es muss also eindeutig viel trockener und milder sein als in anderen Landesteilen im Norden. Wir blättern in unserem Norwegen Reiseführer und folgen seinem Ratschlag, uns von Kristianstadt aus östlich zu halten und ins kleine, ehemalige Fischerdörfchen Lillesand zu fahren.

Lillesand ist ein ruhiger, kleiner Ort. Wir sind erstaunt, denn keine parkenden Autos verstopfen den öffentlichen Straßenraum. Straßen und Plätze gehören den Fußgängern und den kleinen Restaurants und Cafes, die ihre Stühle nach draußen stellen. Die meisten Besucher kommen mit Booten über den Hafen in die Stadt, denn sie wohnen meist in Ferienhäusern am Wasser mit Bootsanleger und Boot inklusive. Hier herrscht ein reges kommen und gehen, ab- und anlegen. Wir wollen dem Treiben aus einem der am Hafen gelegenen Bars zuschauen und setzen uns an einen freien Tisch. Ich will mir ein Bier bestellen und werfe einen Blick auf die Getränkekarte. Ein Glas Bier für umgerechnet 7-10€ je nach Marke! Das läßt uns sofort aufspringen und die Bar fluchtartig verlassen. Da ist der Geiz einfach mächtiger als der Durst. Trotzdem geben wir nicht auf. Ich beschließe, mir eine Flasche Bier in einem nahegelegenen Lebensmittelgeschäft zu kaufen, und dann können wir uns auf eine Bank am Hafen setzen, gleich neben die Bar. Ich gehe also in den Laden, nehme eine Flasche aus dem Regal und gehe zur Kasse und will bezahlen. Der Kassierer nimmt mir die Flasche aus der Hand und stellt sie weg. Kein Verkauf von Alkohol mehr erklärt er mir auf Englisch. Ab 20 Uhr ist in Norwegen der Verkauf alkoholischer Getränke in Lebensmittelläden verboten. Na gut dann nicht. Ich habe wieder etwas gelernt. Norwegen ist eben in vielen, kleinen Dingen anders.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Von Lillesand aus fahren wir am nächsten Morgen weiter Richtung Westen, machen einen Zwischenstopp im kleinen Örtchen Brekkestø auf der Insel Justøya, fahren über Kristiansand hinaus bis nach Lindesnes Fyr, dem Leuchtturm von Lindesnes. Im Örtchen Lillehavn finden wir einen kleinen Campingplatz, richten uns häuslich ein, besteigen die mitgenommenen Fahrräder und fahren zum Südkap Norwegens, dem Leuchtturm von Lindesnes. Die Anlage des Leuchtturms ist in Privatbesitz und man muss Eintritt zahlen – aber der Besuch lohnt sich. Der Leuchtturm diente früher den Schiffen als Orientierungshilfe um sicher in dieser Schärenlandschaft navigieren zu können und er markiert den südlichsten Festlandspunkt Norwegens, das Südkap. Ausgehend vom Parkplatz am Leuchtturm kann man zu Wanderungen auf ausgeschilderten und gut unterhaltenen Wanderwegen entlang der Küste aufbrechen. Natürlich muss man wetterfeste Regenkleidung und festes Schuhwerk immer dabei haben.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] In der Nacht hatte es heftig geregnet und es zog Sturm auf. Der Wind zerrte mächtig an unserem Dach- und dem Vorzelt, in dem wir Tisch und Stühle zu einem kleinen Ess- und Wohnzimmer aufgebaut hatten. Tiefere Teile des Campingplatzes hatten sich zu großen, flachen Seen mit Wasser gefüllt. Wir kamen noch glimpflich davon. Neben uns, zwei junge Frauen in ihrem Bodenzelt, zelteten plötzlich mitten im See. Sie bauten in Windeseile ihr Zelt ab, packten alles ob trocken oder nass ins Auto und fuhren überstürzt ab.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auch wir packen unsere Sachen und fahren weiter. Der nächste Leuchtturm, Lysta fyr ist nur ein paar Kilometer entfernt und auch ihn besuchen wir, um dann weiter entlang der Küste bis Sogndalstrand zu fahren. Sogndalstrand liegt an der Mündung des Flüsschens Sokno. Sicher war auch dieser Ort früher ein verschlafenes Fischerdorf mit vielen kleinen Fischerbooten im Hafen. Dann kam die industrielle Hochseefischerei und die Überfischung der Nordsee und die lokalen Fischer hatten keine Chance mehr ein auskömmliches Verdienst mit ihren Fängen zu erzielen. Die Dörfer siechten dahin, bis der Tourismus und Künstler die dörfliche Idylle mit Hafen entdeckten. Es wurde renoviert und restauriert, ehemalige Fischerhäuser als Ferienwohnungen vermietet und Kunsthandwerk und Gastronomie fand ihren Platz im Ort. Diese positive Entwicklung kann man an vielen Orten an der Südküste Norwegens erkennen aber besonders ist uns das im kleinen Ort Sogndalstrand aufgefallen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] In Egersund kaufen wir noch einmal ein und verlassen dann die Küste und fahren ins Landesinnere. Zuerst geht es auf der vielbefahrenen E39 Richtung Oslo, dann biegen wir links ab auf die Rv42 in das Gyadal. Die Straße schlängelt sich am Ufer eines Flusses in einem tiefen Tal stetig bergauf. Der Verkehr hat deutlich abgenommen und nur noch vereinzelt treffen wir auf einfache Bauernhöfe. Wir passieren Seen, kommen durch jetzt im Sommer fast ausgestorbene norwegische Skiressorts und erreichen endlich das Städtchen Tonstad. Dort am Ortsausgang biegen wir in die Rv468 und später in die Rv975 ein, die sich über die wilde, grandiose Sirdal Hocheben schlängelt und uns weiter in Richtung Lysefjord führt. Die Sirdal Ebene wurde geprägt durch die letzte Eiszeit als ein kilometerdicker Eispanzer auf dem Kaledonischen Grundgebirge Norwegens lastete und den blanken Granit und Gneis herausarbeitete und das harte Urgestein rund hobelte. In vielen Senken bildeten sich kleine und große Seen. Wo sich Lösboden sammelte wächst satt grünes Gras. Ein idealer Ort für erholsame Wanderungen im Sommer oder Skilanglauf im Winter. Dazu kann man z.Bsp. in Svartevatn Ferienhäuser mieten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Vorbei am Øygårdsstøl Kjerag Panoramic Restaurant fahren wir die vielen, engen Serpentinen und einen langen Tunnel 1.000 Höhenmeter hinunter auf Meeresspiegel zum Lysefjord und übernachten direkt am Fjord in Lysebotn. Es ist regnerisch und ungemütlich. Wir haben es uns trotzdem gemütlich in unserem Vorzelt eingerichtet und ein kleiner Heizlüfter sorgt für angenehme, kuschelige Wärme.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Tag fahren wir wieder die vielen Serpentinen hinauf zum Parkplatz am Øygårdsstøl Kjerag Panoramic Restaurant. Wir wollen zum Kjeragbolten wandern. Der Kjeragbolten ist neben dem Preikestolen die herausragende touristische Attraktion am Lysefjord. Der Parkplatz ist deshalb riesig und ganze Busladungen neugieriger Touristen werden angefahren. Dabei geht es nur um einen monolithischen Granitblock, der zwischen zwei Felswänden fest eingekeilt ist und der spektakulär hoch über dem Tal des Lysefjords schwebt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir reihen uns ein in die Reihe der vielen Touristen aus aller Herren Länder um zum Kjeragbolten zu wandern. Viele Asiaten, ob Japaner oder Chinesen, das ist für uns schwer zu unterscheiden, sind unterwegs. Das Sprachgewirr reicht von Russisch bis Spanisch. Alle Nationen sind vertreten. Es ist Alt und Jung auf Achse; in kurzen Hosen mit leichten Schuhen bis zu Wanderern mit professionellen Wanderschuhen und wetterfester Ausrüstung. Wir zählten sechs Hunde, fünf kleine Kinder, Babys, die auf dem Rücken getragen wurden und ein Mann der es auf Krücken versuchte. Die Wanderung selbst ist dabei nicht einfach ein Spaziergang. Es geht steil auf und ab und manchmal dienen am Fels eingeschlagene Ketten als Kletterhilfen und zu allem Überfluß ist das Wetter unberechenbar. Wir kamen zwar trocken bis zum Kjeragbolten aber der Rückweg war komplett verregnet und manchmal auch stürmisch. Wir sind etwas frustriert. Zwar ist die 5-6 Kilometer Wanderung spektakulär in toller Landschaft aber irgendwie kommt man in diesem Gewusel nicht zur Ruhe und man kann sich den Natureindrücken nicht wirklich hingeben. Irgendwie bleibt deshalb etwas Frust zurück.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Tag nehmen wir die Fähre von Lysebotn nach Lauwik am Ausgang des Fjords. Wir sehen den Kjeragbolten und auch die Kanzel des Preikestolen (Übersetzung wäre Priesterstuhl) vom Schiff aus und erkennen, wie klein diese so gepriesenen Touristenattraktionen doch sind – an sich unscheinbar und unbedeutend in dieser gigantischen Landschaft.

Wir fahren weiter. Durch Stavanger durch, an der Küste entlang Richtung Norden. Es regnet stark und wir beschließen, uns etwas Komfort zu gönnen und uns ins Radisson Blu in Haugesund, etwa 60 Kilometer nördlich von Stavanger, einzubuchen. Unser Reiseführer sagte uns nämlich, dass viele Hotels in Stavanger und Umgebung im Sommer große Überkapazitäten an Zimmern haben und diese für recht wenig Geld an Touristen vermieten. So kamen wir für etwa 70-80€ in den Genuß eines komfortablen Hotelzimmers mit ausgezeichnetem Frühstück am nächsten Morgen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auch am nächsten Tag ist das Wetter schlecht. Wir fahren weiter gen Norden und schließlich am nördlichen Ufer des Hardangerfjords entlang. Unser Ziel ist eigentlich Eidfjord ganz am Ende des Hardangerfjords, denn hier ist ein guter Einstieg in eine der wohl wildesten Landschaften Norwegens, das Hardangervidda. Wir verbringen die Nacht auf dem von Deutschen geführten Campingplatz in Norheimsund. Es ist ungemütlich, die ganze Nacht fällt starker Regen und auch am nächsten Morgen hängen tiefe Regenwolken über dem Fjord. Wir beschließen unsere Planung zu ändern und zur Küste zurückzukehren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Kurz hinter Norheimsund legen wir am Steinsdalsfossen (Fossen heißt Wasserfall) einen kurzen Stopp ein. Der viele Regen in diesem Sommer hat die Wasserfälle in Norwegen enorm anschwellen lassen und das ist wenigsten ein kleiner Trost für uns. Der Steinsdalsfossen liegt gleich neben der Rv7 und führt enorm viel Wasser, das von einer 50 Meter hohen Felswand ins Tal stürzt. Auf gut ausgebauten Wegen kann man hinter den Wasserfall gehen und sich das Ganze sozusagen von hinten anschauen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser Weg führt uns weiter auf die Rv7 in Richtung Bergen und dann auf die viel befahrene E39. Die Landschaft hier ist nicht wirklich spektakulär aber doch nett anzuschauen. Irgendwann treffen wir auf das südliche Ufer des Sognefjord und setzen mit der Fähre über. Der Sognefjord ist der mit 200 Kilometern längste und 1.300 Metern tiefste Fjord Europas. Zum Meer hin ist er sehr breit und wirkt fast wie ein Binnenmeer, im Landesinneren verästelt er in kleine Seitenarme wie den Lustrafjord oder den Nærøyfjord. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] In Vadheim biegen wir in die Rv55 ein, die dem Sognefjord fast in ganzer Länge am nördlichen Ufer folgt. Auffällig in dieser Gegend sind die vielen sorgfältig gepflegten Obstplantagen. Das läßt auf ein mildes Klima schließen. Wir fahren bis Balestrand. Balestrand ist ein beliebter Urlaubsort mit wunderbar in Stand gehaltenen Häusern, die vermuten lassen, dass hier wohlhabende Norweger Eigentum besitzen. Und vor über 100 Jahren ankerte auch des öfteren die Yacht „Hohenzollern“ vom deutschen Kaiser Wilhelm II. vor Balestrand.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Balestrand ist ein guter Ausgangspunkt um in das Gaularfjell zu reisen. Man folgt der Fv13 die sich vom Snogefjord hoch windet, hinauf zum Gaularfjell. Hier folgt sie dem unter Naturschutz stehenden Gaularvassdraget, einem naturbelassenen norwegischen Wildwasserfluß. Am Fluss entlang führt ein Wanderweg und man kann Stromschnellen, Seen und Wasserfälle in einsamer Natur erwandern. Aber auch die wenig befahrene Straße folgt dem Flusslauf und man kann sich den Likholefossen, der eher eine Stromschnelle als ein Wasserfall ist, anschauen und einen Blick auf diese schöne Landschaft werfen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser Weg führt uns weiter über das Städtchen Førde hin zu Norwegens westlichster Stadt, Florø. Florø liegt auf einer kleinen Insel und ist ein 11.000 Einwohner zählendes Provinzstädtchen. Wir finden einen zentrumsnahen Campingplatz und fahren mit den Rädern durch das Städtchen. Der Hafen sieht sehr verlassen aus; nichts ist mehr zu sehen von den vielen kleinen Fischerbooten, die hier früher ihren Fang anlandeten. Etwas abseits liegt der Industriehafen, in dem gerade eine Ölplattform zur Wartung und Reparatur angedockt hat. Nichts ist abgesperrt, sodass wir uns eine solche Plattform mal von der Nähe aus anschauen können. Groß ist sie jedenfalls nicht und ob dort das Bedienungspersonal drauf wohnen kann oder ob diese eiserne Insel mannlos arbeitet?

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter Richtung Norden. Die Küste ist wilder und einsamer als im Abschnitt südlich von Bergen. Unser erstes Ziel ist der Kannesteinen bei Oppedalen. Auch ihn hat man sicher schon auf Hochglanzseiten in Prospekten verschiedener Outdoorausrüster gesehen. Es ist ein mächtiger Stein, der mich an Steven Spielbergs E.T. im Film ‚Die Außerirdischen‘ von 1982 erinnert. Das Meer und sicher viel Geröll haben diese Formation aus dem harten Granit mit den Jahrmillionen herausgeschliffen: Einen schmalen Hals mit einem runden Kopf oben drauf.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Und weiter geht es auf der schmalen Küstenstraße. Wir übernachten in dem verschlafenen 3.000 Einwohner Städtchen Selje, schwingen uns auf die Räder und radeln abends ins Zentrum und den Hafen. Am nächsten Morgen geht es über einen Pass mit tollem Ausblick auf die zerklüftete Küstenlinie auf die andere Seite der kleinen Halbinsel Stadlandet. Die Straße führt durch die Ortschaft Leikanger, bis wir auf ein Schild ‚Vestkapp‘ stoßen. Auf einer schmalen Straße durch baumloses Schafland geht es bis an das äußerste, westliche Zipfelchen Norwegens, das Vestkapp. Als wir dort ankommen regnet es stark und wir sind komplett in Wolkennebel eingehüllt. Ähnlich wie am Nordkap steht auch hier eine Weltkugel auf einem steinernen Sockel und ein großes, schon etwas verwittertes Schild soll dem Besucher klar machen, wo er ist nämlich ganz im Westen Norwegens.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auf der Rückfahrt biegen wir in die Straße zur Ervik Kyrkje (Ervik Kirche) ein. Die Kirche mit einem sie umgebenden Friedhof liegt direkt am Meer, daneben ein toller Sandstrand, der bei Surfern für seine hohen, lang auslaufenden Wellen beliebt ist. Auf dem Friedhof sieht man einige Gräber mit einfachen, schon angerosteten Eisenkreuzen. Sie erinnern an den 30. September 1943, als das für Hurtigruten fahrende, zivile Postschiff im 2. Weltkrieg von britischen Bombern angegriffen und versenkt wurde. In einer dramatischen Rettungsaktion konnten viele Schiffbrüchige gerettet werden, die etwa 40 Toten, die geborgen wurden, fanden auf dem Friedhof in dieser außergewöhnlichen Lage ihre letzte Ruhe.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser nächstes Ziel, die Insel Runde ist nicht weit. Auf herrlichen Küstenstraßen und über weit geschwungene Brücken geht es auf die kleine, von Ornithologen geschätzte Insel. Ganz am nordöstlichen Ende, direkt am Meer liegt der kleine, familiäre Goksøyr Campingplatz, der von einer norwegischen Familie, die fest auf Runde wohnt, betrieben wird. Runde ist bekannt für seine an den Klippen der Westküste brütende Tölpel und für die Puffins, auch Papageitaucher genannt. Diese auf dem Meer im Nordatlantik und Nordmeer lebenden Vögel kommen von Mitte Mai bis Anfang August an Land um in dieser Zeit Eier zu legen und die Jungen in großen Vogelkolonien aufzuziehen. Die Puffins auf Runde, so haben wir uns sagen lassen, sind nicht scheu und man kann sich ihnen gut nähern und aus unmittelbarer Nähe beobachten. Leider haben wir Pech, denn kein Puffin ist jetzt Mitte August zu sehen – aber trotzdem, die Landschaft auf der Insel ist traumhaft. Sehr schöne Wanderwege führen zu Stellen mit großartigem Ausblick auf die Küstenlinie und ganz im Norden geht es steil hinab zum kleinen Leuchtturm der Insel. Wir meinen, Runde ist auf jeden Fall zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Wir fahren in zwei Tagen zurück nach Bergen. Unser jüngster Sohn kommt nachgereist und landet auf dem kleinen Provinzflughafen von Bergen. Im bewährten Team zu Dritt wollen wir uns die Stadt anschauen und dann über die Fjells und Hochebenen Norwegens zurück nach Deutschland reisen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Das erste, was man über Bergen wissen sollte: Es ist die regenreichste Großstadt Europas. Es regnet hier viermal soviel wie in Berlin sagt unser Reiseführer. Also sollte man sich ohne Regenkleidung nicht in die Stadt wagen. Die Stadt ist umringt von Bergen und war daher in früheren Jahren vom Hinterland Norwegens schwer erreichbar. Die Bedeutung der Stadt entwuchs dem Handel. Im Mittelalter war der Handel mit Stockfisch von den Lofoten und Getreide, Bier und Wein von den Handelshäusern der Hanse die wirtschaftliche Triebfeder der Stadt. Bergen wurde im Mittelalter mit ca. 40.000 Einwohnern die bedeutenste Stadt Nordeuropas; heute sind es etwa 270.000. In Bergen hatte die Hanse, besonders die mächtige Hansestadt Lübeck ein bedeutendes Handelskontor. Direkt am Naturhafen Vågen, an der Tyske Brygge (Deutsche Landungsbrücke) bauten die Kaufleute der Deutschen Hanse ihre Kontore und Lagerhäuser zum Lagern und Umschlagen ihrer Handelsgüter. Diese farbenprächtigen Holzhäuser an der nördlichen Kaimauer des alten Naturhafens sind heute das Wahrzeichen der Stadt und sie werden natürlich touristisch extensiv vermarktet. Ganze Busladungen und Reisende der Kreuzfahrtschiff überfluten den Hafen und die umliegenden, museumsartig restaurierten Lager- und Kontorhäuser. Man ist hier wahrlich nicht allein. Wir schauen uns das alles an, gehen auf den Fischmarkt Torget am Ende des Hafenbeckens Vågen, in die alte Festungsanlage Bergenshus, die berühmte Marienkirche und schlendern auch noch ein bisschen ziellos in der Innenstadt umher. Dann ist es auch genug denn das Wetter ist gerade am zweiten Tag sehr schlecht und wir sind doch ganz froh zurück zu unserem Campingplatz etwas ausserhalb Bergens zu kommen und dort im Trockenen zu sein.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Tag fahren wir weiter. Auf der E16 verlassen wir Bergen. Unser Ziel ist der Nærøyfjord. Der Nærøyfjord ist ein schmaler, spektakulärer Seitenarm des Sognefjord. Er ist seit 2005 in die Liste des Weltnaturerbes der UNESCO aufgenommen worden. Wir schaffen es in Gudvangen noch so gerade auf die 4 Uhr Fähre zu kommen, die uns durch den Nærøyfjord nach Kaupanger bringt. Die 50 Kilometer Fährfahrt ist selbst bei Regen beeindruckend. Immer wieder haben wir Bilder aus Neuseeland vor Augen, wo wir auf der Südinsel auch mit dem Schiff durch das dortige Fjordland gefahren sind. Aber Norwegen ist viel mächtiger, größer und beeindruckender.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] In Kaupanger übernachten wir auf einer Wiese direkt am Fjordufer und fahren am nächsten Morgen auf der Rv55 immer am nördlichen Ufer des Sognefjord entlang bis wir in Gaupne in die Rv604 einbiegen. Diese schmale Straße bringt uns nach etwa 40 Kilometern an den Fuß des Nigardsbreen. Der Nigardsbreen oder Nigardsgletscher ist touristisch mit großem Parkplatz und Besucherzentrum gut erschlossen. Natürlich ist man deshalb hier auch nicht alleine sondern teilt diese schöne Landschaft mit vielen anderen Touristen. Eine kurze Wanderung führt vom Parkplatz direkt zum Fuss des Gletschers und man kann sich dort in eine lange Schlange stellen, wenn man den Gletscher besteigen möchte. Der Nigardsbreen ist ein kleiner Seitengletscher des riesigen Jostedalsbreen, der der größte Gletscher auf dem europäischen Festland ist.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren zurück auf die Rv55 und fahren am Ausgang des Sognefjord, bei Skjolden auf einer engen, nicht enden wollenden Serpentinenstraße hoch in den Jotunheimen. Hier oben kommt man in einer rauen, harschen Gebirgslandschaft an. Überall sieht man Schneefelder, kleine Seen und der Wind bläst stark durch das Hochtal und peitscht einem den Regen ins Gesicht. Man fährt in Blickweite des Galdhøpiggen, des mit 2469 Metern höchsten Berges Skandinaviens weiter und erreicht an der Sognefjellhytta den mit 1440 Metern höchsten Punkt der Passstaße. Überall kommt man an Wanderhütten vorbei und wer wetterfeste Kleidung und etwas Mut hat kann hier oben unvergessliche Wandertouren machen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am Rande des Jotunheimen Nationalparks fahren wir die Rv55 weiter und dann in die Rv15, in den Breheimen Nationalpark. Eine tolle Seitenstraße ist die Abzweigung in die Rv258. Auch sie führt hinauf in eine raue Gebirgslandschaft der norwegischen Fjells mit Granitfelsen, Schneefeldern und Seen; Sturm und Regen gibt es noch umsonst dazu. Fährt man die Rv15/Rv63 weiter erreicht man den berühmten Geiranger Fjord. Er ist nur noch ein paar Kilometer entfernt aber wir wollen trotzdem nicht dort hin. Uns sind solche touristisch stark beworbenen Sehenswürdigkeiten zu überlaufen. Stattdessen besuchen wir die Ortschaft Lom und die alte Stabskirche und fahren dann an der südöstlichen Grenze des Jotunheimen Nationalparks auf der Rv51 Richtung Lillehammer.

Auf der Leeseite des Skandinavischen Gebirges ist es viel trockener. Wir sehen kaum noch Schneefelder, die Vegetation ist recht spärlich, viel gelb-braunes Gras, ein paar Birken. Die Landschaft wirkt offener und weiter. Auch hier treffen wir auf markierte Wanderwege, die sich in der Weite der Ebene irgendwann verlieren. Mich erinnert diese Landschaft etwas an Patagonien im Süden Argentiniens.

Unsere Reise ist nun fast beendet. Wir fahren über Lillehammer auf der E6 Richtung Oslo, verbringen dort noch einen Tag und treten dann über Schweden die Rückreise nach Deutschland an. Wie immer verlassen wir Skandinavien mit dem Schiff, der TT-Line, die uns in Travemünde wieder auf deutschem Boden absetzt.


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Unsere etwa 5.300 Kilometer lange Tour durch Süd-Norwegen als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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Botswana in 14 Tagen https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2016/12/botswana-in-14-tagen/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2016/12/botswana-in-14-tagen/#comments Tue, 13 Dec 2016 20:50:55 +0000 http://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=3901 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Botswana war für uns ein unbekanntes Land. Selbst als wir vor fünf Jahren das erste Mal Namibia besuchten, kannten wir das Nachbarland kaum. Das änderte sich erst, als wir das erste Mal zu Besuch bei Volker und Gisela waren und Volker uns spannende Geschichten von seinen Afrikareisen erzählte und das alles mit exzellenten Bildern untermalte.
Vom Okawango Delta in Botswana war unter anderem die Rede, Tiefsand fahren zu Third Bridge, Xakanaxa, Khwai River und Savuti, Elefanten auf dem Campingplatz und Löwen, die neben dem Sandweg unter Büschen liegen. Dazu ein viel intensiverer Kontakt zur einheimischen Bevölkerung als in Namibia, weil es gerade im Norden Botswanas viel weniger von Weißen geleitete Farmen gibt mit angeschlossenen Lodges und Campingplätzen. Kurzum: In Botswana steckt viel mehr Afrika als in Namibia.

Die letzte Nacht auf der Trümper Farm am Flughafen von Windhoek war kalt wie keine vorher. Man merkt, dass der Winter in Namibia noch nicht ganz vorbei ist. Es ist früh am Morgen als wir uns auf den Weg zum Flughafenterminal machen. Wir, das ist das Namibia Team. Sebastian, Christian, Olga und ich. Die Stimmung ist gedrückt, da die Jungs und Olga nun nach zwei gemeinsamen Wochen zurück nach Deutschland fliegen werden und Claudia ankommt, um mit mir zwei Wochen durch den nördlichen Teil Botswanas zu reisen. Am liebsten würden wir alle zusammen immer weiter dieses freie, unbeschwerte Abenteuerleben in diesem Teil Afrikas genießen aber es geht eben nicht. Die Trennung fällt allen sehr schwer aber sie ist alternativlos.

Wir fahren vom Flughafen zuerst 40 Kilometer zurück nach Windhoek, kaufen Proviant in der Wernhill Shopping Mall und lassen in der Werkstatt von Asco Car Hire ein Dachzelt, das wir nun nicht mehr brauchen, demontieren, die Gasflaschen auffüllen und geben einen defekten Campingstuhl zurück. Dann sind wir bereit für die Fahrt zur Grenze nach Botswana.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Auf der gut befahrbaren Teerstraße B6 sind es 300 Kilometer bis zur Zelda Farm, wo wir übernachten wollen. Die Zelda Farm liegt 20 Kilometer vor der Grenze zu Botswana und ist eine dieser üblichen grünen Oasen in der Buschsavanne der Kalahari, wie wir sie schon sehr häufig erlebt und schätzen gelernt haben. Die Zelda Campingplätze sind großzügig gestaltet mit einem Stück grünen Rasen, das Haupthaus besitzt eine große Eingangshalle mit wuchtigen, vielleicht aus der Kolonialzeit stammenden Sitzmöbeln, es gibt flüssiges Internet und eine Bar für die Erfrischungen. Wir könnten eine der üblichen Game Drives mitmachen bei der man durch großzügige Wildgehege gefahren wird und bei der Fütterung von Leoparden, Geparden und Straußen zuschauen kann aber wir entscheiden uns für ein gut zubereitetes Abendessen in der Farm und gehen dann früh ins Dachzelt um auszuschlafen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und fahren zur Grenzstation bei Buitepos/Namibia bzw. Mamuno/Botswana. Zuerst müssen wir auf der Namibiaseite das Ausreiseformular ausfüllen und uns abmelden, was von den Immigration Officer durch Abstempeln des Passes dokumentiert wird. Dann passieren wir die Grenze, fahren ein Stück durch Niemandsland und füllen im Immigration Office ein Einreiseformular für Botswana aus und bekommen ein Visum in den Pass gestempelt. Dann müssen wir unser Auto in das bereitliegende Logbuch eintragen und eine Straßenbenutzungsgebühr und eine Zusatzversicherung für Botswana abschließen. Dann geht der Schlagbaum hoch und wir dürfen nach Botswana einreisen.

Botswana ist von der Fläche her etwa 1½ mal so groß wie Deutschland, es leben dort aber nur gut 2 Millionen Menschen davon etwa 2% Weisse (zum Vergleich in Namibia sind es 5%). Das Land liegt in der zentralen Kalahari ohne Zugang zum Meer. Geschichtlich blieb Botswana eine Kolonialisierung wie es sie andere afrikanische Regionen erfahren mussten, erspart. Es gehörte nach der Kongokonferenz 1894 in Berlin, als die europäischen Mächte Afrika in Interessensgebiete aufteilten, zum Einflussgebiet Großbritaniens, das jedoch wenig Interesse an Botswana zeigte. Das Land war arm und ohne Aussicht auf eine für die Kolonialmacht profitable Bewirtschaftung. Also überließ man es weitestgehend den dort herrschenden Stammesfürsten, richtete in Botswana ein britisches Protektorat ein und schloss Schutzverträge mit den mächtigsten Stammesfürsten. Konflikte gab es jedoch um Botswana immer wieder mit der Burenrepublik im Süden und dem späteren Apartheitstaat Südafrika. Erst 1966 erlangte die Republik Botswana ihre Souveränität von Großbritanien und 1967, nur ein Jahr später, wurden in der Kalahari ertragreiche Diamantenfelder entdeckt, die das Land zu einem der Reichsten Afrikas machte – aber davon ist bei der Landbevölkerung, soweit wir das beurteilen konnten, nicht viel angekommen.

Die Hauptstraße A2, die von der Grenze bis zur Hauptstadt Gaborone im Süden Botswanas führt, ist geteert und gut befahrbar – trotzdem ist aufmerksames fahren geboten. Anders als in Namibia halten viele einheimische Batswana kleine Viehherden und lassen sie auf dem Seitenstreifen der Hauptstraße die spärlich wachsenden Pflanzen abgrasen. Fährt man mit dem Auto, muss man sehr gut aufpassen, dass man weder Esel noch Rinder oder Ziegen übersieht, die sich vom graugelben Sand der Kalahari nur schwer farblich absetzen. Unsere Fahrt führt weiter, erst auf der A2, dann über Ghanzi, einem kleinen Verwaltungsstädtchen, auf der A8 bis zum Hinweisschild ´Grassland Bushman Lodge´. Hier biegen wir rechts ab.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Schon die Anfahrt zur Grassland Bushman Lodge war für uns eine echte Herausforderung. Es ging das erste Mal durch Tiefsand. 60 Kilometer schlingert der Toyota HiLux in den tiefen Spurrillen hin und her. Teilweise fahren wir nur 20 KM/h, um nicht die Gewalt über das Fahrzeug zu verlieren und nicht in einen der Zäune zu fahren oder gegen den Stamm eines Kalaharibaums zu prallen. 16 Viehgatter müssen wir öffnen und wieder sorgfältig schließen. Wir sind hier mitten in der Kalahari Savanne, es ist staubig und sehr heiß. Kein Fahrzeug kommt uns entgegen oder will überholen. Nur kleine Hinweisschilder, die an Weggabelungen unauffällig stehen und leicht zu übersehen sind und unser Garmin Navi zeigen uns den richtigen Weg und geben uns die Hoffnung, irgendwann bei der Lodge anzukommen. Zwei Stunden später ist sie dann plötzlich da. Unauffällig sind die mit Natursteinen und Grasdach gebauten Häuschen in diesem eintönigen Nichts. Nur die schattige Empfangshalle mit üppiger Bar, der Swimmingpool und der satt grüne Rasen mitten in der Ödnis deutet auf ein entspanntes Leben für wohlhabende Touristen hin.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Es empfängt uns der Manager der Anlage, ein kräftiger, weisser Holländer. Wir buchen zwei Übernachtungen auf dem Campingplatz, der einige Kilometer entfernt im Busch liegt. Wir fragen nach einer Bushman Tour, für die auf der Webseite der Lodge geworben wird. Er sagt, er schaut was er machen kann und verspricht Val am nächsten Tag um 6 Uhr abends am Campingplatz vorbei zu schicken. Außerdem könnten wir ausnahmsweise, da derzeit keine Gäste in den Lodges gebucht haben, den Pool und die Liegewiese benutzen. Nun sind wir neugierig geworden und fragen ihn was eine Übernachtung in einer Lodge kostet. 350 US$ sagt er, von uns würde er aber nur 250 US$ verlangen. Pro Person und Nacht natürlich. Wir sind beeindruckt, lehnen aber dankend ab. Uns reicht ein Plätzchen in der großen Kalahari auf dem Dach eines Toyota HiLux mit Donkey Dusche für ca. 30€ pro Person vollkommen aus.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir verbringen den nächsten Tag vollkommen entspannt am Pool, auf der Liegewiese oder an der Bar der Lodge im Schatten. Es ist sehr heiß und die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Gegen Abend fahren wir zurück zum Campingplatz und warten auf Val. Val heißt eigentlich Valentin Grüner. Er ist Deutscher und managed das Modisa Wildlife Project. Das Modisa Wildlife Project ist praktisch der Lodge angeschlossen, gehört zum gleichen, reichen Besitzer, Willie de Graaff. Er stammt aus einer alten weissen Farmerfamilie und hat riesige Teile seines umliegenden Landes zum Schutzgebiet für Wildtiere der Kalahari erklärt. Das Management dieses Farmlands für Wildtiere hat er Valentin Grüner übertragen, der mit Volunteers aus aller Welt und einigen Bushman dieses Projekt am Leben erhält. Die Volunteers müssen insbesondere die weitläufigen Aussenzäune in Stand halten und Findeltiere mit der Flasche groß ziehen und unterstützen mit ihrer finanziellen Gebühr von ca. 800 US$ pro Woche das Projekt finanziell. Valentin leitet Modisa schon seit über sieben Jahren, lebte früher in Kanada und Namibia, hat aber hier im Busch sein Lebensglück gefunden. Er hat Löwen groß gezogen, die Klicksprache der Bushman vom Stamme der San gelernt, schläft nur bescheiden im Zelt und will nicht wieder zurück in die Wohlstandsgesellschaft wie wir sie kennen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Val bringt vier Volunteers mit, die zusammen mit uns auf eine Gruppe Bushman der San treffen sollen. Die Bushman werden uns alte, überlieferte Überlebensrieten zeigen. Irgendwo sollen sie aus dem Busch auftauchen meint Val aber wir sehen niemanden. Val läuft nervös hin und her, ruft in einer eigenartigen Klicksprache und plötzlich, wie aus dem Nichts erscheint im Busch eine Gruppe San. Die San sind eine Volksgruppe, die seit vielen tausend Jahren im Süden Afrikas als Jäger und Sammler lebt. Waren es früher einmal 300-400.000 Menschen so wurden die San von weissen Kolonisten gejagt, getötet und versklavt. Heute besteht das Volk der San, die insbesondere in Botswana, Namibia und Südafrika leben noch aus etwa 100.000 Menschen. Die San sind von relativ kleinem Wuchs von bis zu 1,60m Körpergröße, wirken zierlich und haben eine helle, schokoladenbraune Hautfarbe. Der Älteste der kleinen Gruppe unterhält sich in ihrer Klicksprache mit Val, der übersetzt, dass man uns zeigen wird, wie in der Kalahariwüste bestimmte Pflanzen als Wasserspender genutzt werden können. Schnell hat der San die Pflanze gefunden, gräbt mit den Händen ihre Wurzeln aus und hebt eine kürbisgroße Frucht in die Höhe, schneidet sie an und gibt jedem einen Schluck der heraustropfenden Flüssigkeit zu trinken. Na gut, denke ich, jemand der fast verdurstet wird dieses Getränk ja köstlich finden aber für mich ist das nix. Es ist einfach zu bitter und schmeckt erdig-fad. Ähnlich ist es mit einer aus dem sandigen Wüstenboden ausgegrabenen, nahrhaften Pflanzenwurzel. Auch sie mag zwar sehr nahrhaft sein, schmeckt aber nicht. Wir bekommen den Bau einer kleinen Vogelfalle gezeigt und natürlich braucht man danach ein Feuerchen, um das tote Tier gut zuzubereiten. Durch geschicktes Reiben zweier Hölzer beginnt es nach einer Weile tatsächlich zu qualmen und die Bushmänner schaffen es, aus dem Nichts ein Feuer zu entzünden. Nun fordern sie uns auf, es auch einmal zu versuchen. Wir scheitern kläglich. Schon das Reiben eines Stabes zwischen den Handflächen erfordert Geschick, das wir nicht haben. Das Fazit ist ganz klar: In der Kalahari, nur auf uns gestellt, könnten wir nicht überleben.

Am nächsten Morgen brechen wir auf, öffnen und schließen die 16 Tiergatter auf der Sandpiste entlang der vielen Zäune und fahren zurück zur geteerten Hauptstraße in Richtung Maun.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Maun liegt am südlichen Rand des großen Okawango Deltas. Vom Süden Angolas bringt der Okawango in der Regenzeit enorme Wassermengen in die Kalahari. In einem gewaltigen Delta verdunstet das Wasser und es bleiben nur wenige wasserführende Flussarme und viele Wasserpools in der Trockenzeit übrig. Eine einzigartige afrikanische Tierwelt muß sich diesen ständigen periodischen Änderungen ihres Biotops anpassen. In der Trockenzeit wird man viele Tiere auf engem Raum an den Wasserstellen beobachten können, während in der Regenzeit große Tierherden in der weiten, ergrünten Landschaft stehen. Das Städtchen Maun ist Ausgangspunkt aller touristischen Aktivitäten in dieser Gegend. Von hier aus kann man spektakuläre Flüge über das Delta machen oder auch mehrtägige Safaris aller Preisklassen. Wir werden aber keine dieser verlockenden Angebote wahrnehmen sondern mit unserem Toyota HiLux nach Norden weiterfahren und uns dem Abenteuer Afrika auf Sandpisten hingeben. Maun dient uns nur als Verpflegungsstelle. Im großen, örtlichen Spar Supermarkt ergänzen wir unsere Lebensmittelvorräte und füllen die Dieseltanks. Zwischen Maun und Kasane am äußersten nordöstlichen Ende Botswanas an der Grenze zu Zimbabwe und Sambia gibt es weder Lebensmittelläden noch Tankstellen. Auf über 400 Kilometer Tiefsandpiste sind wir vollkommen auf uns allein gestellt. Die Sandpisten, die wir ab jetzt fahren werden, beanspruchen das Fahrzeug und den Fahrer enorm und man muss mit sehr hohem Spritverbrauch rechnen. Deshalb werfe man ständig ein wachsames Auge auf die Tankanzeige ob der Kraftstoff auch wirklich ausreicht. Besonders, wenn man viele Seitenpisten fahren möchte.

Maun ist aber auch die letzte Chance, fehlende Übernachtungen in einem der großen Natinalparks Moremi im Westen und Chobe im Norden zu buchen. Dazu fährt man am besten zum Booking Office des Department of Wildlife & National Parks (siehe Wegepunkte im Anhang). Will man nämlich mehr als einen Tag in einem der Nationalparks verbringen, benötigt man an den Parkeingängen ein Permit, das man nur bekommt, wenn man Übernachtungen nachweisen kann. Im Büro des DWNP in Maun ist man sehr behilflich. Man kennt alle Firmen, die Konzessionen für Campingplätze haben und kann den Besucher gezielt zu den Büros dieser Agenturen in Maun schicken. Eine Webseite, die gute Tipps zum Buchen von Campsites in den Nationalparks Botswanas gibt, findet man hier.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren aus Maun hinaus in Richtung Norden und überqueren den Thamalakane Fluss. Es geht noch etwa 20 Kilometer weiter auf einer Teerstraße, dann wechselt der Straßenbelag plötzlich und wir fahren in den nächsten Tagen nur noch auf Schotter oder im Tiefsand. Unser Ziel ist der Campingplatz der Mankwe Bush Lodge. Ihn hatten wir schon von Deutschland aus gebucht. Er liegt an der Strecke, die wir weiter in nördlicher Richtung zum Savuti im Chobe Nationalpark fahren wollen und er liegt auch an der östlichen Grenze des Moremi Nationalparks, dem Kern des Okavango Deltas.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] In der Mankwe Bush Lodge buchen wir eine Safari Tour mit einem jungen Einheimischen, der sich Junior nennt. Morgens um 9 Uhr geht es los, um 3 am Nachmittag sind wir wieder zurück. Zum Khwai River, einem der vielen Nebenflüsse im Okawango Delta, wird es mit dem offenen Safarijeep stromauf gehen bis zu den Hippo Pools. Die Fahrt ist staubig, sandig und sehr rau. Junior kennt sich aus in der Gegend und kann viel über die Tiere erzählen. Er weiss, dass Elefanten 18 Stunden am Tag fressen müssen, da sie schlechte Nahrungsverwerter sind, er kennt alle Antilopenarten auf der Strecke und weist auf Tiere hin, die wir klar übersehen hätten. So gelingt es uns, einen Leoparden in freier Wildbahn zu entdecken und viele bunte afrikanische Vögel, die wir nie vorher gesehen hatten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Tag geht es weiter. Unser Ziel ist das Savuti Camp im Chobe Nationalpark. Nachdem wir das Eingangsgate zum Nationalpark in Mababe passiert haben, müssen wir uns entscheiden: Entweder wir fahren durch die sandige Savannenpiste Sandridge oder durch die Savuti Marsh. Unser Tagesziel, das Savuti Camp ist ein Campingplatz am Savuti Kanal, einem Nebenfluss des Kwando. Der Kwando (oder Cuando) ist ein über 1.500 Kilometer langer Fluss, der in Angola entspringt, im Caprivi Zipfel zum Grenzfluss zwischen Namibia und Botswana wird, seinen Namen wechselt in Linyanti und später als Chobe River oberhalb der Viktoria Fälle in den Sambesi mündet. Der Savuti Kanal ist meistens, bis auf einige Wasserstellen, trocken. Kommt das Wasser in der Regenzeit durch das ganze Flusssystem bis hierher, so ergießt es sich in die Savuti Marsh (Savuti Sumpf), einer riesigen Ebene im nördlichen Teil der Kalahari. Wir entscheiden uns, die Savuti Marsh Route zu fahren. Es ist trocken und heiß und so rechnen wir nur mit viel Sand und festem Lehm auf der Piste aber sicherheitshalber erkundigen wir uns doch am Mababe Gate über den Zustand der Strecke.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Das Savuti Campsite ist bekannt dafür, dass Wildtiere furchtlos durch das Camp streifen. Auch wir erleben Elefanten, die über den Platz stapfen, direkt neben unserem Auto stehen bleiben und mit dem Rüssel die Windschutzscheibe entlangtasten um zu erfahren ob hier irgendwo Wasser gebunkert ist. Wir flüchten in das Auto und hören wie ein Stoßzahn an der Seitenscheibe entlangstreift. Doch der Elefant ist nicht an uns interessiert und trottet nach einer Weile langsam und gemächlich weiter.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Nachts hören wir Löwen brüllen, Elefanten trompeten und Hyänen heulen. Als wir am nächsten Tag an der Wasserstelle am Camp vorbei fuhren sahen wir, dass eine Löwenfamilie in der Nacht ein Gnu gerissen hat und nun die Beute verspeist. Wie so oft kann man die Wildtiere auch hier aus nächster Nähe beobachten solange man im Auto bleibt, den Moror abstellt und sich ganz ruhig verhält. Kein Löwe hat sich für uns interessiert.

Savuti bietet viele ambitionierte offroad Strecken sowohl in die weite Senke der Savuti Marsh als auch in eine Sanddünenlandschaft, die von einem ehemaligen Binnensee übriggeblieben ist. Außerdem gibt es nur ein paar Kilometer weiter Felsenhügel, die man besteigen kann und die einen fantastischen Rundblick in die flache Savanne erlauben und an etlichen glatten Felswänden sieht man prähistorische Felsmalerein, die man ganz aus der Nähe besichtigen darf.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir verlassen Savuti und fahren die schwierige Tiefsandpiste in Richtung Kasane ganz im Nordosten Botswanas. Am Ghoha North Gate verlassen wir erst einmal den Chobe Nationalpark und dazu müssen wir uns aus dem Parkregister austragen. An diesem Checkpoint spricht uns Sambo an. Er arbeitet in der Ghoha Savuti Lodge in der Nähe, hat zur Zeit ein paar Tage frei und bat uns, ihn nach Kasane mitzunehmen. Wir erklären ihm, dass wir heute wohl nicht ganz bis Kasane fahren werden aber für ihn ist es einfach wichtig, ein ganzes Stück seinem Ziel näher zu kommen. Also nehmen wir ihn mit. Sambo ist ein professioneller Safari Fahrer dieser Gegend. Er leitet uns gleich auf eine Nebenstrecke, weil er meint die läßt sich besser fahren und gibt mir viele Tipps wie man besser im Tiefsand fährt. Trotzdem passiert es mir beim Hinauffahren auf eine Sanddüne, dass ich mich festfahre. Sofort graben sich die Räder in den lockeren Sand und das Fahrzeug liegt auf. In der Hitze müssen wir mit einer Schaufel das Fahrzeug ausgraben – eine sehr schweisstreibende Arbeit. In einem Low-Gear Gang kommen wir endlich nach einigen vergeblichen Versuchen frei. Knapp 100 Kilometer weiter wechselt der Straßenbelag plötzlich zu Teer und am Ngoma Gate fahren wir wieder in den Chobe Nationalpark ein. Hier verläßt uns auch Sambo, denn er will auf der gut ausgebauten, geteerten, fast schnurgeraden Straße nach Kasane eine neue Mitfahrgelegenheit finden und nicht mit uns hinunter zum Chobe Riverside fahren.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Chobe River ist Grenzfluss zwischen Botswana im Süden und Namibia im Norden. Botswana hat das weite Ufer des Chobe zum Nationalpark erklärt. Es ist, im Vergleich zur trockenen Savanne, die wir bislang durchfahren haben, eine grüne Oase mit vielen afrikanischen Wildtieren. Man kann entlang des Riverside fahren, also direkt entlang des Fussufers oder aber abseits auf Sanddünen oberhalb der Uferböschung. Wir fahren viele kleine Pisten im Uferbereich und können eine Unmenge Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Egal ob man im Chobe Riverside eine Safari von Kasane aus bucht oder mit dem eigenen Fahrzeug durch den Nationalpark fährt: Es ist ein unvergeßliches Erlebnis!

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Hier sehen wir Flusspferde (Hippos), Löwen bei der Jagd, Geier und Marabus, die einen toten Elefanten ausweiden. Elefanten in großen Familiengruppen trifft man reichlich, genauso wie Zebras, Antilopen und Wasserbüffel. Wir übernachten direkt am Chobe River im Ihaha Camp. Erst nach intensiven Diskussionen an der Rezeption des Campingplatzes ist es uns gelungen, zusammen mit Karin und Karl einen Platz zu ergattern, auf dem wir zu viert stehen konnten. Karin und Karl, zwei Österreicher, sind auf Weltreise. Sie haben den Kilimanscharo bestiegen, wollen noch in Ruanda zu den Berggorillas und in Peru zur Inkastadt Machu Picchu. Zusammen mit einer Pavianfamilie, auf die wir immer ein wachsames Auge werfen, verbringen wir den schönen Sonnenuntergang im Westen und erleben, wie der Vollmond im Osten aufgeht und die Landschaft in ein fahles Dämmerlicht hüllt.

Unsere Fahrt geht am nächsten Morgen weiter Richtung Kasane. Kasane ist eine botswanische Grenzstadt zu Zimbabwe. Lange LKW Schlangen mit Handelsgütern insbesondere aus Südafrika warten an der Grenze auf eine Passage mit der Kazungula Fähre über den Sambesi Fluss, um ihre Waren weiter bis in die Länder Zentralafrikas zu liefern. Wir schlängeln uns vorbei an den parkenden Schwerfahrzeugen, denn unser Ziel ist das Senyati Safari Camp ein paar Kilometer weiter südlich.

An der Rezeption lernten wir Anne und Walter aus München kennen. Sie hatten gerade verzweifelt versucht, einen Übernachtungsplatz im Camp zu ergattern. Aber sie hatten Pech: Eine Gruppe Franzosen auf organisierter Tour durch Botswana hatte mit 15 Motorhomes das Camp fast komplett ausgebucht. Glücklicherweise hatten wir schon aus Deutschland reserviert und unseren Platz sicher. Spontan boten wir unsere Hilfe an und Anne und Walter wurden für zwei Nächte sozusagen unsere Untermieter. Afrika-, ähnlich wie Skandinavienfahrer, sind Überzeugungstäter. Sie wollen nicht den komfortablen Trip, nur irgendwo in der Sonne am Pool liegen, um sich zu bräunen und vielleicht mal auf organisierter Verkaufstour in die nächste Stadt fahren. Nein, Afrikafahrer kennen das Land, genießen Hitze und Staub – und haben viel zu erzählen. Wir hatten Glück denn auch Anne und Walter sind eingefleischte Abenteurer mit viel Afrikaerfahrung. Walter liebte es ausserdem zu kochen. Auch mit wenigen Zutaten zauberte er für vier Personen leckere Wildsteaks zum Dinner und er hatte auch gleich den passenden Rotwein dabei. So wurde es ein sehr angenehmer Abend, an dem wir viel über Afrika, den Oman und Australien erfuhren uns aber auch über persönliche Dinge des Lebens austauschten. Ähnlich wie vorher Karin und Karl reisen die zwei Münchner mit einem bescheidenen Ford Ecosport, gemietet in Johannesburg, durch das Land und übernachten in einem kleinen Bodenzelt. Das hielten wir für gewagt. In der Nacht hörte man Elefanten laut trompeten und durch das Camp stapfen. Nicht auszudenken, wenn ein solches Tier ein kleines Bodenzelt übersieht.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Das Senyati Camp ist ein guter Ausgangspunkt für Tagesfahrten zu den Victoria Fällen in Zimbabwe. Wir fahren am nächsten Morgen um 7 Uhr mit all den 30 Franzosen in drei Toyota Bussen von Ben Mogotsi’s 'wild cars & guides' (e-mail carsandguides@gmail.com) vom Campingplatz zur Grenze, lassen die Pässe Aus- und wieder Einstempeln und dann geht es noch weitere 75 Kilometer bis zum Eingang des Nationalparks. An dieser Stelle fällt der Sambesi senkrecht in eine 110 Meter tiefe aber nur ca. 50 Meter breite Erdspalte. Die Gischt der enormen, abstürzenden Wasserwand ist schon bei der Anfahrt kilometerweit zu sehen. Auf der Zimbabwe Seite sieht man über die Schlucht hinweg direkt auf die stürzende Wasserwand, die schon in Sambia liegt. Ein angenehm zu gehender Weg führt an der Abbruchkante entlang mit vielen, spektakulären Ausblicken auf den in die Tiefe stürzenden Sambesi.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Uns bleibt genug Zeit auch noch das 'Victoria Falls Hotel' ganz in der Nähe zu besuchen. Dieses Hotel wurde zur Hochzeit des Britischen Empire 1904 erbaut und strahlt auch heute noch etwas von imperialer Größe aus. Das Hotel verfügt über einen Bahnhof gleich vis-à-vis. King George VI, Vater von Queen Elisabeth II, entstieg hier begleitet von seiner Familie dem königlichen Eisenbahnzug und residierte in den späten 1940er Jahren mehrmals im Victoria Falls Hotel.

Wir brauchen unbedingt eine Pause. Der lange Fussmarsch und die enorme Hitze setzen uns zu. Wir gehen durch die Empfangshalle des Hotels, an den Wänden große Bilder der ehemaligen königlich, britischen Herrscherfamilie unter Georg VI und setzen uns in die Bar und genießen ein volles, kaltes Bier und warten auf die Ben Mogotosi’s Busse, um zurück ins Senyati Camp gefahren zu werden.

Am nächsten Morgen brechen wir vom Senyati Camp auf. Wir sind auf der Rückfahrt und fahren über Kasane, queren auf der Ngoma Brücke den Chobe und die Grenze nach Namibia und dann geht es den Caprivi Zipfel gen Westen. Nach 300 Kilometern und vier Stunden Autofahrt überqueren wir den Okawango Fluss, fahren eine Weile an seinem westlichen Ufer entlang und passieren wieder die Grenze und sind zurück in Botswana. Unser Ziel sind die Tsodilo Hills.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Mystische, über 400 Millionen Jahre alte Felshügel in isolierter Lage mitten in der Buschsavanne der nördlichen Kalahari, das sind die Tsodilo Hills. Wir erreichen sie als wir auf der A35 von Norden kommend etwa 50 Kilometer hinter der Grenze zu Namibia nach Westen abbiegen und auf einer breiten, gut befahrbaren Schotterstraße noch einmal gut 35 Kilometer bis zum Eingangstor des Parks fahren. Die Tsodilo Hills sind ein UNESCO Weltkulturerbe und bieten dem Besucher neben einsamen Wanderwegen über 4.000 Felszeichnungen, die von prähistorischen Bewohnern an den Felswänden angefertigt wurden. Wir Übernachten auf dem einsamen, weitläufigen Campingplatz und fahren am nächsten Tag zum Besucherzentrum und buchen dort einen Führer, der uns fachkundig zu vielen Felsmalereien führt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Khanae ist 64 Jahre alt und Bushman vom Stamme der San. Er lebt heute mit seiner weitläufigen Familie in ein paar Hütten im Dörfchen Basarwa ganz in der Nähe. Er führt uns zwischen den Felsen zu vielen Felsmalereien, erklärt ihre Bedeutung und ihre Maltechnik. Wir erfahren, dass seine Großeltern noch in diesen heiligen Felshügeln lebten und die Tiere der umgebenden Savanne jagden um die Familien zu ernähren. Wir sehen mit Khanaes Hilfe an vielen Felswänden rot ausgemalte Tiere der afrikanischen Wildnis aber auch Menschen in zeremoniellen Ritualen. Es ist sehr beeindruckend was wir zu sehen bekommen und was uns Khanae über sein Volk und seine Vorfahren erzählt. Zum Abschluss dürfen wir Khanae in seinem Dorf besuchen. Klar, es ist auch eine kleine Verkaufsveranstaltung in seinem Dorf aber das stört uns nicht. Wir brauchen sowieso noch ein paar Souvenirs für die Lieben zu Hause und hier werden wir fündig.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir erleben eine letzte, unruhige Nach in Botswana. Ein Buschfeuer in der Nähe wird immer wieder durch den starken Wind angefacht und bereitet uns Sorgen. Der Himmel Richtung Westen ist hellrot erleuchtet aber der Wind scheint günstig zu wehen und das Feuer sollte sich von uns weg bewegen.

Der Rest unserer Reise ist schnell erzählt. Wir fahren zurück auf die geteerte A35, folgen ihr bis Ghanzi und dann weiter bis zur Grenze nach Namibia. Wir passieren dabei Veterinär Checkpoints, wo uns tierische Produkte abgenommen und vernichtet werden. Dies dient der Sicherheit der Rinderfarmen im Süden wird uns gesagt. Es soll die Verbreitung von Tierseuchen verhindern, die von Wildtieren auf Nutztiere übertragen werden können. Kurz hinter der Grenze übernachten wir noch einmal in der Zelda Farm und am nächsten Tag auf einem Camping Platz der Ondekaremba Farm in der Nähe des Internationalen Flughafens von Windhoek. Im Restaurant der Farm gehen wir Abends zum Dinner. Nette Leute treffen wir auch hier. Ilka und Ulrich und worum drehten sich die Gespräche beim Essen – natürlich Afrika.


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Unsere etwa 2.000 Kilometer lange Tour durch Botswana als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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und einige Wegepunkte, die wir im Artikel erwähnt haben, finden sich im gpx Format hier:
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https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2016/12/botswana-in-14-tagen/feed/ 1
Namibia in 14 Tagen https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2016/11/namibia-in-14-tagen/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2016/11/namibia-in-14-tagen/#comments Tue, 15 Nov 2016 15:55:22 +0000 http://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=3893 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Entscheidung fiel schon vor einem Jahr: Im Herbst 2016 fahren wir in den Süden Afrikas, nach Namibia und Botswana. Dabei ist ´wir´ die ganze Familie und die besteht aus uns Eltern, Claudia und Friedrich, den beiden Söhnen Sebastian und Christian und unserer Tochter Franziska.

So war der Plan doch es kommt dann doch immer anders. Das moderne Leben in Beruf oder Ausbildung nimmt dem Menschen die Hoheit über die Zeit. Claudia konnte nur in den Herbstferien verreisen, Franziska wegen anstehender Prüfungen im September/Oktober gar nicht und Christian musste Mitte Oktober zum Studium wieder in Deutschland sein. Sebastian wollte sich, beruflich bedingt, höchstens für zwei Wochen aus Deutschland verabschieden. Zu guter Letzt entschloss sich Sebastians Freundin Olga mitzureisen und Franziskas Platz einzunehmen. Also planten wir – Friedrich, Sebastian, Christian und Olga – zuerst zu viert zwei Wochen durch Namibia zu reisen und dass ich dann mit Claudia für weitere zwei Wochen durch Botswana fahre.

Die Planung der beiden Reisen wurde mir übertragen. Nicht wegen meiner Afrika Kenntnisse sondern einfach weil ich als Pensionär genügend Zeit habe. Namibia hatten wir schon vor fünf Jahren für vier Wochen bereist. Wir waren damals total begeistert von einer überwältigenden Landschaft, den Menschen in Afrika und der afrikanischen Tierwelt (siehe auch hier). Ich hatte also schon, die damaligen Bilder vor Augen, eine grobe Vorstellung, wie die Namibia Tour ablaufen könnte. Trotzdem wollte ich, besonders mit Blick auf die anschließende Botswana Reise, den Rat eines erfahrenen Afrikafahrers einholen. Also besuchten wir Volker und Gisela.

Volker hatte mit seinem alten Toyota LandCruiser mehrmals Afrika durchquert und viel Zeit in Afrikas Süden verbracht. Kennen gelernt hatten wir ihn und seine Frau in Swakopmund. Spontan planten wir damals zusammen eine offroad Tour im Damaraland von Namibia, zum Messum Krater, zu machen.

Namibia ist flächenmäßig mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat nur etwa 2,3 Millionen Einwohner und das Klima dort ist trocken subtropisch-kontinental. Es kennt eine Trockenzeit im lokalen Winter und eine Regenzeit im Sommer. Die Temperaturen liegen im September/Oktober meist weit über 30 Grad. In dieser Zeit, am Ende der Trockenzeit, wirkt das Land wie ausgedörrt. Überall liegt von starken Winden aufgewirbelter Staub in der Luft. Alles wartet auf die ersten Regentropfen, die meist erst Anfang November fallen.

Die erste Entscheidung, die wir deshalb wegen der Größe Namibias treffen mussten, war ob wir in der kurzen Reisezeit in den Norden oder Süden fahren möchten. Aus Deutschland mit dem Flugzeug kommend landet man in der Hauptstadt Windhoek, genau in der Mitte des Landes und beide Teile, den Süden und Norden zu bereisen, ist in zwei Wochen nicht machbar. Für den Norden spricht besonders der Etosha Nationalpark mit seiner einzigartigen Möglichkeit die afrikanische Tierwelt zu beobachten, für den Süden der eindrucksvolle Fish River Canyon mit aufregenden und einsamen Wanderwegen. Unser Namibia Reisequartett entscheidet sich für den Norden.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Also arbeite ich mit Volkers Hilfe eine machbare Reiseroute aus. Sie führt von Windhoek über den Spreetshoogte Pass in die Naukluft Berge und die Namib Sandwüste mit dem landschaftlichen Höhepunkt des Sossusvlei. Dann zur einsamen Blutkuppe mit ihren herrlich gelegenen Campingplätzen. Anschließend nach Swakopmund an die Küste und ins Damaraland zum Brandbergmassiv in dem der höchste Berg des Landes, der 2.573 Meter hohe Königsberg, liegt. Dort am Fusse des Brandbergs auf dem Campingplatz der Brandberg White Lady Lodge in einem ausgetrockneten, breiten Flussbett unter riesigen Bäumen wollen wir übernachten und nach den seltenen Wüstenelefanten Ausschau halten sowie eine geführte Wanderung zur White Lady Felszeichnung machen. Dann soll es natürlich in die Etosha Pfanne zur Tierbeobachtung gehen und auf der Rückfahrt wollen wir bei Roy’s Rest Camp vorbei schauen und an einer Bushman Tour teilnehmen. Die 560 Kilometer Rückreise zur Airport Jagd- und Gästefarm der Familie Trümper ganz in der Nähe des Flughafens von Windhoek ist am Ende hart zu fahren aber das werden wir auch noch schaffen. So ist der Plan.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Im April ging unsere Reiseplanung in den aktiven Modus über. Es stand fest, dass wir weder eine individuelle Tour bei einem Reiseunternehmen, vielleicht sogar mit individuellem Fahrer und Übernachtungen in Lodges, buchen wollten noch eine Safari Gruppentour. Wir wollten in Namibia als sogenannte self drives also Selbstfahrer in angemietetem Auto ganz auf uns gestellt unterwegs sein. Als erstes buchten wir die Flüge mit Air Namibia über das Reisebüro STA Travel in Bonn. Air Namibia fliegt die Strecke Frankfurt-Windhoek täglich nonstop mit modernen Airbus A330-200 Maschinen. Als die Flüge bestätigt waren mieteten wir von Deutschland aus per Internet bei Value Car Rental Namibia ein geländegängiges Fahrzeug, einen Toyota HiLux 2.5TD Double Cab 4×4 Modell 2013 mit zwei Dachzelten und Campingausrüstung. Value Car Rental Namibia ist nur eine Autovermietung; die eigentliche technische Aufbereitung und Ausgabe der Fahrzeuge geschieht bei der Firma Asco Car Hire in Windhoek. Eigentlich reicht für Namibia auch ein viel billigeres, konventionelles Kompaktauto. Nur wenige Strecken, wie manche Zufahrten zu entlegenen Farmen oder die Tiefsandschleife bei Sossusvlei erfordern ein richtig geländegängiges Fahrzeug. Aber ein Toyota HiLux ist nicht nur geländegängig sondern auch hinreichend groß. Er bietet genügend Platz, das ganze Campingequipment und auch die persönlichen Sachen von uns vier Reisenden zu transportieren und mit den Dachzelten sind wir außerdem unabhängig von Übernachtungen in teuren aber auch luxuriösen Lodges.

Als letztes tätigten wir Reservierungen für einige Campsites von denen wir wussten, dass freie Plätze gegebenfalls Mangelware sein könnten. Das ist besonders dann ratsam, wenn man längere Strecken (so 250-300 Kilometer) mit dem Auto auf Schotter mit 60-80 KM/h fährt, häufig anhält und auch mal kleine Strecken zu Fuss geht. Dann möchte man Abends auf einem reservierten, freien Platz stehen und nicht abgewiesen werden. Wir tätigten Campingplatz Reservierungen für Sossusvlei (Campingplatz bei Sesriem) und Etosha (an den Orten Okaukuejo, Halali und Namutoni) durch die Agentur Namibia Wildlife Resort, für Swakopmund bei Alte Brücke und für die Farm Düsternbrook 20 Kilometer nördlich von Windhoek. Ein Sonderfall ist der Campingplatz der Blutkuppe. Das Permit für diesen Platz kann man z.Bsp. in Windhoek im Central Reservations Office der Namibia Wildlife Resorts buchen (Wegepunkt in der Wegepunkt Datei am Ende des Artikels) oder auch im Büro des NWR in Swakopmund. Ggf. ist eine Buchung aber auch im Campingplatz Office von Sesriem möglich.

Als allerletztes sollte man sich gutes Kartenmaterial besorgen. Das ist besonders dann wichtig, wenn man auch abgelegene, selten genutzte Namibia Pads fahren will. Wir kauften für Namibia und Botswana von Tracks4Africa Papierkarten und die äquivalenten elektronischen Karten für unser Garmin Nüvi 2599 und das Garmin Outdoor Gerät Oregon 600. Alle elektronischen Karten von Tracks4Africa sind routingfähig und sehr nützlich, denn sie beantworten unter anderem die wichtige Frage wie weit es noch bis zum Ziel ist.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir landen in Windhoek an einem Sonntag nach ca. 10 Stunden Nachtflug morgens um 6:30 Uhr. Die Sonne geht gerade über der östlichen Kalahari auf, die Luft ist klar und es ist recht frisch. Wie bei vielen anderen Fluggesellschaften packt auch Air Namibia möglichst viele Fluggäste in die Economy Klasse. Wir konnten in der Nacht nicht wirklich schlafen und fühlen uns unausgeruht und übernächtigt. Ein Jetlag wie bei anderen Kontinentalflügen bleibt uns wenigstens erspart. Namibia und Deutschland aber auch Botswana liegen im Sommer in der gleichen Zeitzone. Die obligatorischen Einreiseformalitäten sind recht schnell erledigt und das 90 Tage Jahresvisum für Namibia vom Immigration Officer in unseren Pass gestempelt. Der Hosea Kutako Internationale Flughafen Windhoek ist klein und wirkt etwas verschlafen aber er glänzt durch kurze Wege und Überschaubarkeit; das Gepäck erscheint schnell auf dem Gepäckband, und wir können zügig den Transitbereich verlassen. Bevor uns der bereits wartende Fahrer der Firma Asco zu seinem kleinen Bus mit Gepäckanhänger bringt tauschen wir am Flughafen €-Bargeld in namibische Dollar N$ und sind jetzt endlich für den Namibia Urlaub gut gerüstet.

Nach der Übernahme des Autos fühlen wir uns endlich mobil und unabhängig. Alles hat geklappt. Das Fahrzeug stand fertig in der Halle, die Technik des Schaltens in den 4×4 Modus wurde uns erklärt, die Campingausrüstung geprüft und ein Dachzelt probeweise auf- und wieder abgebaut. Unsere erste Fahrt mit dem Toyota HiLux führte in die Wernhill Shopping Mall von Windhoek um Lebensmittel für die nächsten Tage zu kaufen und im Auto zu verstauen. Um 12:30 ist auch das geschafft. Es drängt uns jetzt einfach loszufahren, weg von der Stadt, hinein in Namibias wunderschöne Landschaften.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir verlassen Windhoek und fahren auf der C26 in südwestlicher Richtung. Wir passieren nach 10 Kilometern den obligatorischen Kontrollposten der Polizei und bald wechselt der Straßenbelag von Teer zu Schotter. Eine große, graue Staubfahne zieht unser Auto von jetzt an wie eine Schleppe hinter sich her. Zukünftig wird Staub und Sand unser ständiger Begleiter auf den unbefestigten Pads sein. Er setzt sich in die Kleidung, das Kochgeschirr, Haare, Augen, Nase und Mund. Auch meine Kamera wurde nicht verschont. Nach dem Urlaub war sie so mitgenommen, dass ich sie zum Nikon Service Point in Köln bringen mußte, der mir im Kostenvoranschlag unter anderem zurückschrieb: ‚Gerät ist/war innen/außen stark verschmutz (verstaubt)‘.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Nach 170 Kilometer Autofahrt gegen 16 Uhr erreichen wir unser erstes Übernachtungsziel, die Farm Namib Grens und fahren durch das wuchtige Eingangsportal auf das Farmhaus zu, um einzuchecken. Natürlich werden wir in keiner der tollen Lodges, die auf der Webseite Villen heißen, übernachten sondern suchen uns den Weg zum abgelegenen und großzügig angelegten Gebirgscamp. Die Namib Grens Farm liegt auf der Grenze zwischen der Kalahari Savanne im Osten und der Namib mit dem stark erodierten Naukluft Gebirge im Westen auf etwa 1.800 Metern Höhe. Unser Übernachtungsplatz bietet großzügig Platz und ist liebevoll in die rotbraune Steinlandschaft eingepasst. Wir sind, trotz der Reisestrapazen, zufrieden. Deutschland ist unendlich weit weg, wir sind in Afrika angekommen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Morgen brechen wir gut ausgeschlafen auf, um über den Spreetshoogte Pass in die Namib zu fahren. Die Namib ist, neben der Atakama in Südamerika, die einzige Küstenwüste der Erde. Sie ist eine der trockensten und lebensfeindlichsten Gegenden unseres Planeten und zieht sich an der Küste Afrikas vom Norden Südafrikas bis in den Süden Angolas. Touristen werden vom kleinen Ort Sesriem aus 65 Kilometer im trockenen, breiten Flussbett des Tsauchab fahren, um zu den großen Sanddünen zu gelangen. Der Tsauchab leitet alle paar Jahre Wasser aus dem Naukluft Gebirge in die Namib bis ins Sossusvlei, wo es dann in der Wüste verdunstet. Man sollte die Strecke ins Sossusvlei unbedingt am frühen Morgen und späten Abend fahren. Gerade wenn die Sonne tief am Horizont steht erlebt man ein unvergessliches Farbspektakel. Die mächtigen Dünen verfärben sich in tiefes Rot und die vielen abgestorbenen Bäume ergeben stimmungsvolle, tolle Fotos. Man sollte auch einige der mächtigen Dünen hinaufkrabbeln um zu erfahren wie anstrengend das ist und zu erleben wieviel Sand der Wind über die Jahrmillionen von der Küste in diese Gegend verfrachtet hat.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die 65 Kilometer lange Straße von Sesriem bis zum Endpunkt im Sossusvlei ist geteert und gut zu befahren. Dort befindet sich ein Parkplatz auf dem man sein Fahrzeug abstellen kann, wenn man nicht die Tiefsandstrecke zum Deadvlei oder der großen Sossusvlei Düne mit dem eigenen Fahrzeug fahren will oder kann. Dann sollte man den Shuttle Service des NWR nutzen, um zu den Sehenswürdigkeiten dieser einzigartigen Landschaft aus Sand gefahren zu werden. Die Temperaturen in der Namib liegen häufig über 40° Celsius und die Luft ist extrem trocken. Zusätzlich muss man mit starkem Wind rechnen, der über die Kuppe der Dünen fegt und viel Sand transportiert. Es ist daher wichtig, immer genügend Trinkwasser mitzunehmen!

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir bleiben ein paar Tage in Sesriem und im Sossusvlei und fahren dann zwischen der Naukluft Bergkette im Osten und den Wüstendünen der Namib im Westen immer weiter Richtung Norden. Die Straße ist eine breite, gut befahrbare Schotterpiste und sie führt uns durch die Badlands des Kuiseb Flusses, der in der Mitte Namibias entspringt und auf der Höhe von Walfis Bay in den Südatlantik mündet – falls er nicht vorher in dieser brütenden Hitze verdunstet ist. Auch wir sehen Ende September im weit zerklüfteten Flussbett des Kuiseb kein Wasser. Trotzdem ist diese Landschaft bizarr. Über die Jahrmillionen hat der Kuiseb im Quarzit Gestein und schwarzen Schiefer eine extrem zerklüftete Landschaft geformt. Sie steht, in ihrer trostlosen, grauschwarzen Gesteinsverfärbung in starkem Kontrast zur sonst rotbraunen Landschaft rund um das Naukluft Gebirge und die Namib Wüste.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Gegen Abend erreichen wir unser Ziel, die Blutkuppe. Die meisten Touristen, die von Windhoek nach Swakopmund fahren, werden diesen unscheinbaren, kleinen, rostroten Granithügel, der etwas abseits liegt, gar nicht wahrnehmen und einfach vorbei fahren. Zu erreichen ist die Blutkuppe von der Hauptstraße aus nur über einen 10 Kilometer langen Schotterweg. Fantastisch gelegen sind alle Campingplätze rund um den Hügel, meistens nett in Felsschluchten versteckt. Morgens und Abends muss man unbedingt hoch auf den Felsen steigen und den einzigartigen, weiten Rundblick in die typisch afrikanische Landschaft genießen. Dort werden auch tolle Fotos vom Sonnenuntergang und Aufgang gelingen. Bei aller Aktivität sollte man sich aber auch Zeit nehmen und sich dort oben einfach hinsetzen, den Blick in die Weite schweifen lassen und gedankenverloren vor sich hinmeditieren. Dieser Ort ist dafür wie geschaffen.

Wir fahren weiter nach Swakopmund zum Resort ´Alte Brücke´. Eigentlich wollen wir in Swakopmund nur übernachten, nach ein paar Souvenirs schauen, in einem der Supermärkte Proviant nachkaufen und die Doppeltanks des Autos an einer Tankstelle mit Diesel auffüllen. Swakopmund, durch seine gepflegte, deutsche Vergangenheit ist aber immer einen Zwischenstop wert. Zur deutschen Kolonialzeit diente die Stadt, neben Lüderitz, als zentraler Verschiffungshafen zur Versorgung des Landes und viele weisse Aussiedler betraten mit all ihrem Hab und Gut in Swakopmund das erste Mal afrikanischen Boden. Auch eine Bahnlinie verband Swakopmund mit dem damaligen Verwaltungszentrum in Windhoek. Schon früh versandete der Hafen von Swakopmund allerdings und heute ist Walfis Bay der einzige Tiefseehafen Namibia.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Tag geht es entlang der Küstenstraße weiter bis Henties Bay, dann fahren wir 120 Kilometer ins Landesinnere zum Brandbergmassiv. Kurz vor Uis biegen wir von der Hauptstraße ab und fahren auf die Berge am westlichen Horizont zu. Unser Ziel ist die White Lady Lodge am Fusse des Brandbergs, wo wir uns im angeschlossenen Campingplatz einbuchen. Der Campingplatz liegt im trockenen Flussbett des Ugab Flusses, der, mit vielen Nebenflüssen, im Brandberg entspringt und nicht in Richtung Atlantik fließt sondern ins Landesinnere und dann irgendwo versiegt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Jeder einzelne Campingplatz hier hat als Schattenspender einen riesigen Baum und viel Platz. Abends bei Dunkelheit leuchten gespenstisch die Feuer in den Donkey Naturduschen und die Lichter der Taschenlampen anderer Campingfreunde und über allem spannt sich die Milchstraße und der ganze Sternenhimmel. Der Brandberg und seine Umgebung ist heute wieder Heimat für etwa 50 Wüstenelefanten, die in den Tälern des Brandbergs leben aber nach Futter und Wasser auch weite Teile der Umgebung durchstreifen. In der zweiten Nacht auf dem White Lady Platz wurden wir aus dem Schlaf gerissen. Es polterte und stampfte. Beim Blick aus unserem Dachzelt sahen wir einen jungen Wüstenelefanten, der gerade in ein paar Metern Entfernung die Mülltonne unseres Platzes zerlegte um Essbares oder Trinkbares zu finden. Einen netten Bericht mit dem Titel ´Wüstenelefanten muss man suchen´ über die Wüstenelefanten in dieser Gegend habe ich im Archiv der Wochenzeitung ´Die Zeit´ gefunden; empfehlenswert für all jene die mehr über diese Tiere und die Gegend wissen möchten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Den ersten Wüstenelefanten sahen wir aber am Vortag, als wir mit Stella als einheimischem Guide eine geführte Tour das Tsiseb Flussbett hinauf zur White Lady Felsmalerei machten. Stella kannte die offenen Wasserstellen in dieser Gegend und sie führte uns ganz vorsichtig den Flusslauf hinauf und machte uns auf einen Wüstenelefanten aufmerksam, der in einiger Entfernung versteckt hinter hohen Büschen stand. Wüstenelefanten sind unberechenbar erzählte sie uns. In ihrem Dorf suchen sie bei extremer Trockenheit durchaus auch ihr Dorf heim und können dann auf der Suche nach Wasser Einrichtungen zerstören. Wir schaudern und schleichen mit unserer Führerin vorsichtig in gehörigem Abstand am Elefanten vorbei zu den White Lady Felsmalereien.

White Lady ist eine zwei bis viertausend Jahre alte Felsmalerei, die wohl eine Jagdszene mit Tieren und Kriegern zeigt. Ganz sicher ist man sich über die dargestellte Szene auch heute nicht. In der Mitte ist ein weisser Krieger oder vielleicht Schamane dargestellt, der fälschlicherweise von weissen Entdeckern als eine Weisse Dame erkannt wurde. Die Malereien, die heute als UNESCO Weltkulturerbe streng geschützt sind, wurden in den ersten Jahren nach ihrer Entdeckung von vielen Besuchern immer wieder berührt und die Konturen nachgezeichnet, was zu einer erheblichen Zerstörung führte. Heute sind diese Artefakte natürlich streng geschützt und das ist auch gut so.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir fahren weiter. Über Outjo kommen wir zum Etosha Nationalpark. Wir fahren durch das östliche Gate in den Park ein, registrieren uns und unser Fahrzeug im Logbuch und entrichten das obligatorische Eintrittsgeld. Dann geht es weiter nach Okaukuejo wo wir uns am Campingplatz anmelden. Hier in Okaukuejo und dann in Halali und schließlich in Namutoni werden wir in den nächsten 3 Nächten übernachten und so den Etosha Nationalpark von West nach Ost durchfahren. Jetzt zum Ende der Trockenzeit scharen sich alle Tiere um die raren Wasserlöcher. Wir fahren viele der Wasserstellen an und sehen Zebras, Elefanten, Löwen, diverse Antilopenarten, Strauße, Giraffen, Gnus, Nashörner und auch ein Dikdik, eine Art Zwergenantilope in großer Zahl.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Etosha Nationalpark ist immer wieder ein großes Erlebnis. Wie ein Abenteurer fährt man die Wasserlöcher an und ist immer wieder überrascht, welche Tiere man gerade antrifft. Diesmal waren abends viele Nashörner an der beleuchteten Wasserstelle in der Okaukuejo Lodge und auch viele Elefantengruppen mit Jungtieren konnten wir beobachten. Aber die Etosha bietet noch mehr: Einsame Seitenwege in die weite Savanne mit Namen wie ´Dik Dik Drive´ oder ´Eland Drive´ fahren wir ab und starren aus dem Autofenster, um entdeckte Wildtiere den anderen sofort mitzuteilen. Wir erleben auch, dass ein mächtiger Elefantenbulle plötzlich den Weg versperrt und auf uns zu kommt. All das sind Erlebnisse, die einem kein Zoo dieser Welt bieten kann.

Wir sind jetzt eindeutig auf der Rückreise. Über Grootefontain, wo wir noch einmal Geld eintauschen, Lebensmittel einkaufen und tanken, fahren wir zu Roy’s Rest Camp. Eigentlich ist dieser Campingplatz ein idealer Übernachtungsplatz für Touristen, die vom Caprivi Zipfel zurück nach Windhoek fahren. Volker hatte hier häufig übernachtet und für uns geplant, dass wir von hier aus zu einer Bushman Tour aufbrechen. An der Rezeption, die gleichzeitig Bartheke ist, erkundige ich mich, wie das mit der Bushman Tour geht. Da müsste ich 80 Kilometer über Schotter nach Tsintabis fahren, erfahre ich und natürlich wieder zurück. Das ist eine schlechte Nachricht. 160 Kilometer Staub und Rüttelei wobei wir dachten, dass wir das hinter uns haben und nun nur noch Teerstraßen bis Windhoek vor uns liegen. Nein, das wollten wir nicht mehr. Also entscheiden wir um und fahren am nächsten Tag zum Waterberg.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Waterberg liegt günstig für Touristen, die von Windhoek Richtung Etosha oder Caprivi fahren möchten. Etwa 3 Stunden fährt man von Windhoek oder dem Etosha Nationalpark bis hierher und das meist auf einer soliden Teerstraße, die z.Zt. kurz vor Windhoek auch noch erneuert und verbreitert wird. Wir brauchen 3½ Stunden von Roy’s Rest Camp bis zum Waterberg Plateau Campsite. Im kleinen Dörfchen Rietfontain, das man leicht übersieht, verlassen wir, von Grootefontain kommend, die geteerte Hauptstraße B8 und biegen in die D2804 ein. Es ist wieder eine typische Schotterstraße, breit mit viel Staub, rostrotem Sand und nur wenigen groben Bodenwellen. Sie führt mitten durch Farmland was für uns immer bedeutet: Tiergatter auf, Tiergatter zu. Wir fahren von Nordosten kommend fast das ganze Waterberg Plateau entlang und biegen irgendwann ab in das trockene Flussbett eines Nebenflüsschens des ´Klein Omatako´. In einem tiefen, breiten Einschnitt liegen am Ende des Tals die Waterberg Wilderness Lodge und davor die Waterberg Plateau Lodge. Wir können und wollen die etwa 80-90€ pro Person und Nacht in einer dieser tollen Unterkünfte nicht bezahlen und melden uns für einen der Waterberg Campingplätze in freier Natur für 11€ pro Person und Nacht an.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Waterberg Plateau Lodge liegt am Hang des Waterbergs, hat eine fantastische Panoramaterrasse mit weitem Blick über die östliche Kalahari. Wer es sich leisten kann sollte in einer der Hanglodges übernachten. Schaut man im Buchungsportal Tripadvisor nach so sind die Bewertungen dieser Unterkünfte voll des Lobes. Die Waterberg Wilderness Lodge dagegen liegt ganz am Ende des Tals. Man erreicht sie über eine Schotterstraße oder zu Fuss über einen Wanderweg, den gut ausgeschilderten Anderson Trail. Die Wilderness Lodge hat eine nette Cafeteria mit schattigem Freigelände und man kann von hier Wanderungen starten oder an Game Drives, geführten Tierbeobachtungen, teilnehmen.

Der Waterberg hat auch eine Schattenseite. Er war Schauplatz des Völkermords der deutschen Schutztruppe an dem Volk der Herero. Im Jahre 1904 versammelten sich unterhalb des heutigen Campingplatzes in einer weiten Ebene über 10.000 Hereros: Krieger mit ihren Familien, Frauen, Kindern, Alte und Junge. Man war das Dasein als rechtlose Untermenschen leid, denen Land und Frauen von weissen Kolonialisten nach belieben genommen wurden. Die Schlacht endete mit keinem klaren Sieg. Die Herero beschlossen, die Kampfhandlungen einzustellen und sich in die östliche Kalahari zurückzuziehen. Der damalige Kommandant der Schutztruppe, Lothar von Trotha, ließ die Hereo verfolgen und alle Wasserlöcher vergiften oder besetzen. Sein Ziel war es, das Volk der Herero auszulöschen durch Verhungern oder Verdursten. Dieses Ziel hatte er nicht ganz erreicht. Mittlerweile brauchten die eingewanderten, weissen Farmer viele Arbeitskräfte und so stoppte man den Völkermord und die überlebenden Herero wurden als Arbeitssklaven gehalten.

Heute führt ein historischer Fussweg über das ehemalige Schlachtfeld. Es ist nicht viel zu sehen außer eine Menge Einschusslöcher in dem roten Felsgestein. Auch wurde von der Regierung in Namibia kein Denkmahl oder nationales Mahnmal an dieser denkwürdigen Stelle errichtet wie wir das von unseren eropäischen Nationalstaaten kennen. Afrika ist eben anders.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unsere Reise ist nun fast beendet. Es bleiben noch zwei Übernachtungen. Die erste 20 Kilometer vor Windhoek in der Düsterbrook Farm, die letze bei Familie Trümper genau am Flughafen von Windhoek.

Das Team, mit dem ich gereist bin, wollte unbedingt auch noch einen Leoparden sehen. Wir fuhren in der Etosha viele abseits gelegene Staubstraßen, guckten in die Bäume hoch oder auch darunter aber einen wild lebenden Leoparden hatten wir nicht finden können. Ich wußte, dass Düsterbrook nicht nur einen Leoparden in gesichertem Gehege hält sondern auch zwei Geparden. Gegen eine Gebühr konnten wir zur Fütterung mitfahren und gegen 16Uhr ging es dann tatsächlich los. Die Fahrt im offenen Safariwagen durch offenes Gelände war sehr holperig. Der Fahrer mußte mehrmals Sicherungstore auf- und wieder abschließen und nach einiger Zeit erreichten wir das Gehege der Geparden. Wir fuhren hinein und hatten die Katzen jetzt direkt neben uns. Sie warteten schon auf die Fütterung und kannten auch Kameras und Smartphones neugieriger Touristen. Die Geparden oder Chitas, wie sie im englischen heißen, hatten nur gierige Augen für den Fahrer und das neben ihm liegende Futter. Der Fahrer erzählte uns viel über die Tiergattung der Geparden, stieg aus dem Wagen und zelebrierte die Gepardfütterung als ein richtiges Event. Dabei staunten wir, dass die Geparden ihn nicht mit dem Fleischhappen verwechselten und er nach einiger Zeit heil in den Wagen stieg und wir zum Leopardengehege fahren konnten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] In Büschen versteckt wartete auch der Leopard auf sein Futter. Unser Fahrer war nun viel vorsichtiger, warf das Futter weit vom Auto weg und versuchte so, den Leoparden auf Distanz zu halten. Der Fahrer erzählte uns, dass der Körper eines Leoparden nur aus starken Muskeln besteht und sie richtige Kampfmaschinen sind denen man nicht trauen darf. Dieser Leopard vor uns nahm gleich das erste große Fleischstück und kletterte auf den nächsten Baum. Der Fahrer mußte ihn locken, dass er wieder auf den Boden sprang und die Fütterung hier unten fortgesetzt werden konnte. Nachdem das Tier wohl satt war und die Touristen nur noch gelangweilt auf die Auslöser ihrer Smartphones drückten, fuhren wir zurück zur Farm.

Direkt hinter der Rollbahn des internationalen Flughafens von Windhoek liegt die Farm der Familie Trümper. Sie ist 10.000 Hektar groß, hat etwa 700 Rinder und ist gesichert wie ein Hochsicherheitstrakt. Eine solche Sicherung, die viele Farmen in Namibia rund um ihre Gebäude errichtet haben, bestehen aus hohen Zäunen mit einer Hochspannungssicherung. Damit sollen Kühe, wilde Tiere und auch ungebetene Besucher von den Wohngebäuden abgehalten werden. Wir klingeln am Haupttor, melden uns mit der Gegensprechanlage an und werden von Frau Trümper eingelassen. Sie führt uns zum einzigen, etwas abgelegenen Campingplatz, erklärt uns die Bedienung des Donkeyofens und lädt uns zum Kaffee ein. Wir erfahren in der Kaffeerunde im Esszimmer des Wohnhauses viel über die Geschichte der Trümper, das Leben in Namibia und die Stellung der von Weissen geführten Farmen im Land. Wir wissen nun, dass Trümper Rindfleisch auch nach Deutschland, insbesondere die Europapassage in Hamburg, verkauft und man es am Herstellercode erkennen könnte, wenn man auf ihn achtet.

Als es schon recht spät ist verabschieden wir uns. Entlang diverser Zäune und durch ein paar Gatter suchen wir den Weg zum Zeltplatz. Als es dunkel wird krabbeln wir das letzte mal in die Dachzelte. Die Nacht wird kalt und frostig, so wie wir es vorher nicht erlebt haben. Namibia ist vorbei und Deutschland kündigt sich an.


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Unsere etwa 3.000 Kilometer lange Tour durch Namibia als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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und einige Wegepunkte, die wir im Artikel erwähnt haben, finden sich im gpx Format hier:
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Vesterålen, Lofoten und einiges mehr https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2016/09/vesterlen-lofoten-und-einiges-mehr/ https://www.Friedrich-Glasenapp.de/2016/09/vesterlen-lofoten-und-einiges-mehr/#comments Sun, 11 Sep 2016 16:59:00 +0000 http://www.Friedrich-Glasenapp.de/?p=3673 [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir stehen in der Wartespur zur Torghatten-Nord Fähre in Gryllefjord auf der Insel Senja, bereit zur Überfahrt nach Andenes. Strahlender Sonnenschein, herrliches, warmes Sonnenlicht und angenehme Temperaturen sorgen für beste Stimmung. Es wird voll, alle Wartespuren sind belegt mit Freizeitfahrzeugen aller Art.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Natürlich warten einige Fussgänger, die in Andenes wohl mit dem Bus weiterfahren möchten und Radler mit hoch bepackten Tourenrädern und Motorradfahrer aber am auffälligsten sind die Reisenden in ihren großen und professionell ausgerüsteten Wohnmobilen. Meist sind es pensionierte Ehepaare, die anscheinend die ausgezahlte Lebensversicherung in ein mobiles Häuschen investiert haben. Die Idee ist sicher nicht schlecht und gerade hier in Norwegen mit den spektakulären Landschaften ist es eine gute Idee, wenn man durch die Windschutzscheibe wie durch ein Panoramafenster die Fjorde an sich vorbei fliegen sieht und trotzdem Wohn- und Schlafzimmer gleich hinter dem Fahrersitz liegen und man Sonntags den Tatort im Ersten dank automatischer Satellitenanlage auch nicht verpasst.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Es ist unsere erste Fährfahrt in Norwegen. Die Schiffe sind richtig groß. Wir sind erstaunt, dass doch alle in den fünf Wartespuren aufgereihten Fahrzeuge in den Bauch der Fähre mit Namen Skutvik passen. Und einen gewissen Komfort an Bord gibt es auch. Bei Regenwetter kann man sich in den großen Aufenthaltsraum des Schiffes setzen und durch die Fenster auf die Berge und das Meer schauen, vielleicht bei einem heißen Kaffee, der an einer improvisierten Bar ausgeschenkt wird. Wir gehen aber auf das Sonnendeck und genießen den Blick zurück in den Gryllefjord und nach vorn, auf die weite Wasserfläche wo man ganz klein am Horizont Andenes auf den Vesterålen schon erkennen kann.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Es dauert 1¾ Stunden, dann legt die Skutvik gegen 17 Uhr in Andenes an. Andenes ist ein kleines Fischerdorf, das heute auch von den Touristen lebt, die jedes Jahr im Sommer hier vorbeiziehen. Im Ort gibt es Agenturen, die Whale Watching, Hochseeangeln, Seekajak und anderen Wassersport anbieten. Wir fahren jedoch durch das kleine, verschlafene Zentrum des Ortes auf der Suche nach einem Supermarkt für ein paar Einkäufe und dann weiter zum Andenes Campingplatz einige Kilometer ausserhalb und suchen dort einen passenden Stellplatz für die Übernachtung.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Lage des Campingplatzes direkt am Meer ist natürlich fantastisch und der große Sandstrand und die Dünen laden zu einem ausgedehnten Spaziergang ein. Nachts um 24 Uhr schauen wir, wie viele andere auch, gebannt hinaus Richtung Norden, aufs Meer: Hier auf nördlicher Breite von 70° soll heute, am 21. Juli die Sonne beim Untergehen den Horizont berühren und gleich wieder zum neuen Tag aufsteigen. Das ist die Theorie. In der Praxis zog es die Sonne vor, sich mit ein paar Wolken dezent zu verhüllen und uns nicht all ihre Geheimnisse zu präsentieren. Schade eigentlich. Es hätte sicher schöne Fotos gegeben.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Vesterålen schließen sich nordöstlich an die Lofoten an und bestehen aus mehreren Inseln, deren Küstenlinie durch Fjorde stark zerklüftet ist. Allein hier könnte man einen ganzen Urlaub verbringen. Wir fahren von Andenes, das auf der Insel Andøya liegt, nach Süden, immer an der westlichen Küstenlinie entlang. Ein Fjord und eine Meeresbucht scheint schöner zu sein als die andere. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Durch 24 Stunden Sonnenlicht und die milden Temperaturen für diese geografische Breite gibt es eine üppige Vegetation. Alles ist grün und ganze Blumenwiesen leuchten in violetten bis blauen Farben. Das Europäische Nordmeer, an dessen Küste wir entlang fahren, ist glasklar, kalt und sehr artenreich. Auf dem Meeregrund wachsen üppige Algenteppiche, Korallen und man kann kleinen Fischen beim Gründeln zuschauen.

Wir setzen von Andøya über auf die Nachbarinsel Hinnøya und dann weiter nach Langøya und Hadseløya. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. war ein großer Norwegenliebhaber. Mit seiner persönlichen Yacht „SMY Hohenzollern“ und ausgewählten Begleitern aus Hochadel und Militär bereiste er bis 1914 23 Mal die Fjordlandschaften Norwegens. Am südlichsten Punkt von Hinnøya, bei Digermulen, setzte die Entourage des Kaisers an Land und stieg zum fast 400 Meter hohen Digermulkollen auf. Am nahen Keiservarden erinnert noch heute eine Informationstafel an dieses Ereignis. Besteigt man den Digermulkollen, hat man – bei gutem Wetter – einen spektakulären Blick nach Nordosten in den Raftsund, die Wasserstraße, die die Lofoten und die Versterålen trennt und nach Westen in den Vestfjord bis zur Bergkette der Lofoten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Lofoten. Spektakuläre Landschaft Norwegens nördlich des Polarkreises. Wie ein langer Dorn ragt diese Bergkette der 80 Inseln in das Europäische Nordmeer hinein. Die Berge der Lofoten erheben sich unvermittelt steil aus dem blauen Meer; die gelb, weiss, blau oder roten Häuschen in den malerischen Fischerdörfchen scheinen sich in die engen Fjordtäler zu ducken um Schutz gegen das häufig extreme Wetter zu suchen. Das manchmal blaue, manchmal türkisgrüne Meerwasser und die üppige, grüne Vegetation und die schroffen Felswände, der manchmal blaue Himmel mit weissen Wolken oder die tiefhängenden, dicken Regenwolken, das alles sind die Lofoten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir nehmen die Fähre von Melbu nach Fiskebøl bei strahlendem Sonnenschein. 20:20 Uhr legen wir ab und 20 Minuten später kommen wir auf den Lofoten an. Diese 20 Minuten auf dem Schiff sind spektakulär. Malerische Wolken am tiefblauen Himmel, Berge, die unvermittelt aus dem Meer ragen mit weissen Schneefeldern. Welch ein Erlebnis.

Zum Übernachten fahren wir auf der Europastraße E10, die die Lofoten als verkehrstechnisches Rückgrad von Osten nach Westen durchzieht, ein paar Kilometer weiter bis zum Campingplatz Sildpollnes Sjøcamp. Am nächsten Tag geht es erst wieder zurück zum Fährhafen von Fiskebøl, um auf der Nebenstraße 888 an der Nordseite der Lofotenbergkette am Ufer entlang zu fahren. Keine gute Idee. Wir landen plötzlich im dichten, kalten Nebel. Zurück auf der Südseite: Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Ein krasses Wetterphänomen, das uns lehrt, besser die Nordseite der Lofotenkette zu meiden.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die viel befahrene Europastraße E10 muss man benutzen, wenn man die Lofoten durchfährt aber in jede Sackgasse, die zu einem versteckten Ort an einem Fjord führt, sollte man abbiegen und bis zum Ende durchfahren. Nur so kommt man nach Kabelvåg, Henningsvær, in den Nusfjord oder findet den Kunstschmied von Sund mit seinen vielen alten Schiffsmotoren, die im Museum vor sich hin rattern und seinen Nils Holgersson Gänsen, die er dem zahlungswilligen Kunden gleich vor Ort in seiner Schmiede aus glühendem Eisen durch gezielte Hammerschläge schmiedet. Erwähnen muss ich aber auch noch Svolvær, mit 4.500 Einwohnern der größte Ort auf den Lofoten. Svolvær ist Ausgangspunkt vieler Fähren zum Festland und auch die Hurtigruten Schiffe legen einen Zwischenstop ein. Man kann Svolvær aber außerdem als Ausgangspunkt für ausgedehnte, spektakuläre Wanderungen in die Bergwelt nördlich der Stadt nutzen. Wer sich für Tageswanderungen auf den Lofoten interessiert, der findet übrigens auf dieser Webseite, die sich The Globetrotter nennt, sechs Routen mit detailierten Beschreibungen und Bildern.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Die Zeit drängt etwas, denn der Wetterbericht prophezeit das Ende der Hochdruckzone, die sich in den letzten Tagen über den Lofoten eingerichtet hatte. Wir buchen zwei Übernachtungen auf dem Moskenes Campingplatz. Er liegt am äußersten, westlichen Ende der Lofoten, vielleicht 100 Meter vom Anleger der Festlandfähre nach Bodø entfernt. Von anderen Lofotenfahrern hatten wir den Tipp bekommen, unbedingt den Reinebringen zu besteigen. Es ist der etwa 700 Meter hohe Hausberg des Ortes Reine. Wenn man von Moskenes kommt biegt man von der E10 hinter dem Tunnel nach Reine ab und fährt sofort links auf den Parkplatz. Hier macht man sich wanderfertig. Besonders festes Schuhwerk und Trinkwasser ist wichtig. Man geht dann entlang der alten, oberirdischen E10 zurück Richtung Moskenes und folgt den weißen Pfeilen am Boden. Nach gut 600 Metern geht es dann ins Gebüsch, den Berg hoch. Den Berg hoch heißt den Berg steil hoch. Es ist sehr unwegsames Gelände; nur ein ausgetretener, erodierter, manchmal schlammiger und immer steiler Fußweg führt hinauf. Nicht zu empfehlen bei Regen oder nassen Bodenverhältnissen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Kommt man dann oben an führt der Weg auf eine steil abfallende Klippe zu und plötzlich sieht man hinunter nach Reine und die ganze Lofotenkette entlang in östliche Richtung. Dieser Blick hinunter ist überwältigend und unbeschreiblich großartig. Ist man schwindelfrei und gut zu Fuß kann man auf die beiden Berggipfel rechts und links steigen um die Landschaft aus noch ein paar zusätzlichen Höhenmetern zu bestaunen. Wir hatten uns jeder Kaffee in einer Thermostasse und belegte Brote mitgenommen um vor diesem Panoramafenster mit Blick in die schöne Natur eine zünftige Brotzeit abzuhalten.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Am nächsten Tag nehmen wir die frühe sechs Uhr Fähre von Moskenes nach Bodø. Es regnet wie uns der Wetterbericht prophezeit hatte. Wir fahren auf der E6 durch bis hinter Mo i Rana. Dort fahren wir auf den nächsten Campingplatz Yttervik Camping mit direktem Blick auf den Ranfjord. Wir nehmen uns die Zeit und diskutieren, wohin wir weiter fahren wollen. Schnell die E6 gen Süden nach Trondheim und zu den Gletschern und Fjells des Jostedalen und weiter nach Bergen und dann ins Hardangervidda und nach Oslo und zwischendurch all die weltbekannten Fjorde vom Geiranger bis Hardangerfjord – nein das wollten wir nicht mehr. Diese Ziele sollen einer der nächsten Reisen vorbehalten sein. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Wir hatten in diesen wenigen Tagen schon viel gesehen und erlebt, sind viel gefahren und unser Hunger nach Neuem und Spektakulärem war gesättigt. Wir folgten dem Rat unseres Reiseführers, die schönste Küstenstraße der Welt oder wenigstens Norwegens, die Küstenstraße oder Fylkesvei 17 zu befahren, am Torghatten und der Insel Leka vorbei zu schauen und dann über Schweden zurück nach Deutschland. Am nächsten Tag ging es bei schlechtem Wetter schnell auf der E6 bis Vefsn, dort im Zentrum bogen wir nach rechts ab auf die Landstraße 78 und fuhren am Ufer des Vefsnfjords entlang bis wir in Leira auf die Küstenstraße 17 stießen. [See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Weiter geht es über die über 1.000 Meter lange Helgelandsbrua (Helgeland Brücke) auf die Insel Alsten. Nun sieht man linker Hand die Gipfelkette der Sieben Schwestern. 1.000 Meter etwa sind sie hoch und wirken, von Meeresniveau aus betrachtet, imposanter als es scheinen mag. Zwei Mal müssen wir mit der Fähre übersetzen und in Brønnøysund noch 11 Kilometer auf einer schmalen Teerstraße fahren bis wir am Torghatten Campingplatz auf der Insel Torget ankommen.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Der Torghatten ist ein riesiger Felsmonolith mit einem etwa 35 Meter großen und 160 Meter langen Loch. Eine alte, norwegische Sage erklärt das Loch im Berg so: Der Sohn des Königs Vågekallen hatte sich unsterblich in die schöne Lekamøya verliebt. Sie verschmähte ihn aber und floh. Daraufhin schoss er einen Pfeil auf Lekamøya ab. Ihr Vater, der König des Sømnafjellet sah dies und warf seinen Hut dazwischen. Der Pfeil durchbohrte den Hut und es entstand ein Loch. Dann ging die Sonne auf und alle wurden zu Stein. Eine fantastische Geschichte für wahr. Die moderne Geologie ist da viel nüchterner: Während der letzten Eiszeit erodierten Eis und Wasser die weicheren Gesteine des Berges und es blieb ein Loch, das sich heute, nach Abschmelzen des Eises und Hebung des Grundgesteins, weit über dem Meeresspiegel befindet.

Sei es wie es sei. Es ist eine schöne Wanderung durch das Loch im Torghatten mit tollem Ausblick in die Umgebung. Auch der Campingplatz machte auf uns einen sehr einladenden Eindruck. Großzügig angelegt mit einer kleinen Sandbucht. Hier kann man mehr als ein paar Tage Urlaub verbringen.

Wir verlassen Torghatten, fahren zurück bis Brønnøysund und folgen dann wieder der Küstenstraße 17. Den Bindalsfjord queren wir zwischen Vennesund und Holm auf einer Fähre, fahren die 17 noch ein Stück und folgen dann den Hinweisschildern nach Leka. Die schmale Teerstraße endet abrupt am Fähranleger. Kein Städtchen, kein Dorf, keine Häuser nur der Anleger, ein Regenunterstand und eine Toilette. Wir warten auf das Fährschiff, das wir als kleinen Punkt auf dem Wasser erkennen können wie es gerade den Fährhafen von Leka verlässt und auf uns zukommt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Leka, eine recht kleine Insel, hat viel Freizeitwert. Man kann Fahrrad fahren und auf geologischen Pfaden wandern und Hochseeangeln. Unter Anglern ist Leka ein Paradies. Gibt man das Wort Leka in eine Suchmaschine wird man überflutet mit YouTube Filmen von Anglern, die Dorsch und Heilbutt aus dem Meer ziehen. Guter und beliebter Ausgangspunkt für solche ganztägigen, anstrengenden Fischfangtouren ist der Leka Campingplatz. Im nahen Yachthafen kann man sich Boote mit Seekarten und Echolot mieten und dann hinaus fahren zu den Fischgründen, in denen Heilbutt und Dorsch leben. Zwei Zentner Heilbutt zu erlegen ist keine Seltenheit aber harte Arbeit. Der Fisch wird sofort filettiert und dann an Land eingefroren. Der Campingplatz hält dafür extra große Kühltruhen bereit. Nach norwegischem Recht darf man für den Eigenbedarf 15 Kilogramm Fisch pro Person legal nach Deutschland ausführen. Das einzige Problem der Angler scheint dabei zu sein, den tiefgefrorenen Fisch im Auto in 72 Stunden von Leka nach Deutschland zu bekommen. Aber auch das ist wohl machbar.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Leka ist ein Juwel für Geologen. Man findet hier an der Oberfläche Gestein, das normalerweise nicht so offen zu Tage liegt. Um das zu verstehen, muss ich versuchen, in kurzen Worten die erdgeschichtliche Entstehung des Norwegischen Randgebirges zu erklären. Kontinente bestehen aus Platten, die sich bewegen. Manchmal zerbrechen sie und driften auseinander, vom Äquator zu den Polen, manchmal kollidieren sie und es bilden sich mächtige Faltengebirge wie heutzutage die Alpen oder der Himalaya und es entstehen ganz neue Kontinente. Vor weit über 400 Millionen Jahren, im Erdzeitalter des Silur, löste sich die Baltische Platte, die heute ein Teil Europas ist und etwa Skandinavien, Russland bis zum Ural und die Ukraine umfasst, vom südlichen Riesenkontinent und driftete Richtung Norden auf die Uramerikanische Platte Laurentia (etwa Nordamerika plus Grönland) zu. Dabei wurde der Iapetus Ozean, ein Urahn des Nordatlantiks langsam geschlossen und Laurentia und Baltica kollidierten wie heute Asien und Indien. Es bildete sich ein riesiges Faltengebirge, den Prozess dieser Gebirgsbildung nennt man kaledonische Orogenese. Nicht nur die skandinavischen Gebirge sondern auch Faltungsgebirge in Schottland, Irland, Grönland bis zu den nordamerikanischen Appalachen entstanden. Viele Millionen Jahre später drifteten die Platten Laurentia und Baltica wieder auseinander, die Auffaltung hörte auf und viel später öffnete sich der Nordatlantik. Mit den Jahrmillionen erodiert das riesige norwegische Gebirge durch den Einfluss von Wind und Wasser zur heutigen Form und die letzten Eiszeiten formten die uns heute so faszinierende Fjordlandschaft.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Bei der Kollision zweier Erdplatten wird kontinentale Erdkruste aufeinander geschoben und die Deckgesteine, die schließlich zu Tage treten sind Gneis und Granit. Wird dabei ein Ozeanbecken wie das des Iapetus geschlossen und zerquetscht, so kann viel dünnere ozeanische Erdkruste in das Faltengebirge mit eingelagert werden. In extremen, seltenen Fällen wird sogar Material aus dem Erdmantel mit angehoben und schließlich freigelegt. Genau das ist auf der Insel Leka geschehen. Harzburgit ist so ein Mantelgestein, das im nördlichen Teil der Insel aufgeschlossen ist und diesen Teil von Leka prägt.

[See image gallery at www.friedrich-glasenapp.de] Unser Rückweg nach Deutschland führt über Schweden. In Gäddede direkt am Kvambergsvattnet See in der Provinz Jämtland übernachten wir bei strömendem Regen auf dem Gäddede Campingplatz. Am nächsten Morgen fahren wir einige Kilometer Schotterstraße zum Hällingsafallet Wasserfall und dann weiter zum Siljan wo wir auf dem Sollerö Campingplatz übernachten. Wir haben unsere Skandinavientour mit einer der großen Ostseefähren am Skandinavienkai von Travemünde begonnen und so soll sie auch enden. Die Nils Holgersson der TT-Line bringt uns vom schwedischen Trelleborg zurück zu Travemündes Skandinavienkai, genau zu dem Punkt wo alles begann.


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Unsere fast 7.200 Kilometer lange Skandinavientour als gpx-Track findet sich zum Download hier:
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und einige Wegepunkte, die wir im Artikel erwähnt haben, finden sich im gpx Format hier:
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