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In den Osterferien auf Korsika

Abflug Köln-Bonn 21:00Uhr, Ankunft Bastia 22:50Uhr. In weniger als zwei Stunden erreicht man in einem modernen Germanwings Airbus A319 vom Rheinland die französische Mittelmeerinsel Korsika.

Die Hafenstadt Bastia liegt im Nordosten der Insel und der Flughafen im Süden 20 Kilometer außerhalb der Stadt. Wir passieren nach der Landung den Zoll, holen unseren bei ADA gebuchten, kleinen Renault Twingo ab und folgen unserem Navi-Gerät, das uns sicher in das in Deutschland gebuchte Hotel Port Toga im Zentrum Bastias lotst.

Am nächsten Morgen, beim Frühstück erkennen wir die zentrale Lage unserer Unterkunft. Der mit farbigen Gemälden nett dekorierte Frühstücksraum im Obergeschoss mit umlaufenden Fenstern und sonniger Dachterrasse bietet einen weiten Ausblick auf Bastias großen Fährhafen, die umliegenden Berge und die Altstadt im Süden.

Wir wollen uns am ersten Tag auf Korsika vom Auto aus erst einmal die korsische Landschaft anschauen. Also quälen wir uns mit dem Twingo die steile und enge Ausfahrt aus der Tiefgarage des Hotels hinauf ins Freie und biegen auf der D80 Richtung Norden ab, zum Cap Corse.

Korsika ist mit etwa 8.600 km² die viertgrößte Insel im Mittelmeer und mit etwa 330.000 Korsen eine, für europäische Verhältnisse eher dünn besiedelte Region. Man kann die Insel von Macinaggio ganz im Norden bis Bonifacio im Süden an einem Tag mit dem Auto queren. Korsika misst schließlich nur etwa 185 Kilometer längs und etwa 85 Kilometer quer.

Korsika ist eigentlich ein Gebirgsmassiv, das hoch aus dem Mittelmeer ragt, mit 50 Berggipfeln, die die zweitausender Höhenmarke überragen, wobei der Monte Cinto im Nordwesten mit 2.706 Metern die höchste Erhebung der Insel ist. Eigentlich ist die Insel eine von Schiefer und Granit im Westen geprägte Gebirgslandschaft mit Steilküsten im Nordwesten, vielen sandigen Badestränden mit türkisgrünem Meer im Südwesten und Osten. Nur der Osten der Insel ist dabei flach und kann landwirtschaftlich genutzt werden.

Für Wanderer ist Korsika ein Juwel. Viele ausgewiesene Wanderwege durchziehen die Insel längs und quer und jeder Besucher sollte auf jeden Fall Wanderschuhe im Reisegepäck mitnehmen. Der berühmteste und in Frankreich anspruchsvollste Wanderweg ist der GR20 auf Korika. Man sollte schwindelfrei und körperlich fit sein will man den GR20 in 15 Tagesetappen in den Sommermonaten erwandern. Man wird eine karge Hochgebirgslandschaft aus schroffem Granit mit vielen Bergseen erleben, geprägt durch starke Vergletscherung in der letzten Eiszeit. Wer den GR20 in Teilen oder ganz wandern möchte findet genaue GPS Trackinformationen auf der Webseite von fernwege.de und eine gute Beschreibung mit Bildern auf gps-tour.info.

Cap Corse ist der nördlichste Zipfel der Insel. Von Bastia aus kann man mit dem Auto die Ostküste entlang Richtung Norden bis Macinaggio fahren und dann die westliche Küstenstraße zurück nach Bastia. Für die etwa 150 Kilometer sollte man, mit vielen Stops und Pausen einen Tag einplanen. Wir erfreuen uns an dem angehmen, mediterranen Klima und der gut 20° Lufttemperatur, den kleinen Küstendörfern mit Fischereihafen und der blühenden, farbigen Frühlingslandschaft und dem betörenden Duft des gelben Ginsters, der fast allgegenwärtig ist. Die westliche Küstenstraße ist schmal und extrem kurvenreich und heute am Sonntag ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer, die möglichst am Limit durch die Kurven heizen. Aber wir haben Zeit, fahren vorsichtig und besuchen jeden Aussichtspunkt um die tolle Küstenlandschaft zu genießen.

Zurück im Port Toga Hotel in Bastia schlendern wir zum alten Hafen der Stadt, der mitten im Stadtzentrum liegt. Lagen hier früher Fischerboote und Lastschiffe an der Mole so sind es heute reiche Freizeitkapitäne, die mit Motor- und Segelbooten den Hafen füllen. Wir suchen uns ein nettes Restaurant am Hafen und lassen den ersten Korsikatag bei Fischsuppe und Calamrisringen ausklingen.

Am nächsten Morgen genießen wir noch einmal das Hotelfrühstück und den tollen Ausblick von der Dachterrasse des Hotels auf die Stadt Bastia, dann bezahlen wir die Hotelrechnung, packen den Twingo und quälen ihn die steile Ausfahrt hoch aus der Tiefgarage des Hotels auf Straßenniveau. Heute wollen wir die Insel von Ost nach West durchqueren, von Bastia nach Ajaccio. Zuerst fahren wir die T11 wieder Richtung Flughafen, dann biegen wir im Örtchen Casamozza rechts ab und fahren auf die T20 immer den Schildern Ajaccio nach.

Zuerst geht es durch eine grüne Hügellandschaft leicht bergauf. Zusammen mit der einspurigen Bahntrasse zwischen Bastia und Ajaccio folgt die Straße dem Ufer des Golo Flusses. Nach etwa 40 Kilometern erreichen wir die Ruine der Brücke von Novu (Ponte Novu). An dieser Brücke, ursprünglich von den Genuesen erbaut, endete am 9. Mai 1769 die Republik Korsika nach nur 14 Jahren in der Schlacht am Ponte Novu und seitdem ist Korsika Teil Frankreichs. Davor hatten Griechen und Römer Handelsposten auf der Insel und im Mittelalter bemächtigten sich die benachbarten italienischen Handelsstädte Korsikas. Zuerst Pisa und dann Genua. Die Republik Genua betrachtete Korsika als Kolonie oder Protektorat in strategisch bedeutender Lage vor ihrem Hafen. Man gründete Städte an der Küste und kooperierte mit korsischen Familienclans im Innern der Insel. Als der Reichtum, die Wirtschaftskraft und die Bedeutung Genuas zu Anfang der Neuzeit langsam nachließen wurde es für die Stadt immer schwerer, Söldner anzuwerben und zu bezahlen und die über 150 Wachtürme (Genuesentürme, Tour Génoise) an der Küste zur Abwehr feindlicher Schiffe und Piraten zu unterhalten. Man verpfändete Korsika erst an Banken und im 18. Jahrhundert an Frankreich, das den Inselschutz komplett übernehmen sollte bis man die ausgehandelten Schutzgelder bezahlen konnte, was aber nie geschah sodass Frankreich sich berechtigt fühlte, Korsika 1768 einfach in sein Königreich einzugliedern und das ist bis heute so geblieben.

Wir fahren weiter, passieren Corte, die ehemalige Hauptstadt der Republik Korsika, heute Universitätsstädtchen und Ausgangspunkt vieler Wanderungen ins korsische Gebirge und fahren zum 1163 Meter hohen Bergpass Col de Vizzavona. Von hier an geht es im Tal der Gravona bergab bis wir am späten Nachmittag Ajaccio erreichen. Wir fahren durch das Städtchen, die Küstenstraße entlang, bis wir das Hotel Stella Di Mare erreichen, in dem wir in Bastia über eines der online Buchungsportale ein Zimmer gebucht hatten.

Das Stella Di Mare ist ein typisches Urlaubsresort wie es entlang der Nordküste Ajaccios vielfach zu finden ist. Kleine Wohneinheiten und zentrale Gebäude wie Restaurant, Frühstückslobby, zentraler Platz mit Liegen, Kiosk und ein tiefblauer Swimmingpool direkt mit Blick auf das Meer. Vor dem Resort, an der Küstenstraße hält der Bus der Linie 5, der Gäste in etwa 20 Minuten für einen Euro nach Ajaccio fährt oder in die andere Richtung zum Genuesenturm Tour Génoise de la Parata mit tollen Wandermöglichkeiten an der Küste entlang.

Am nächsten Tag soll es regnen. Wir verlängern unser Zimmer im Stella Di Mare um eine Nacht und planen einen Ausflug ins südlich von Ajaccio gelegene Prunelli Tal. Wir fahren mit unserem kleinen Twingo durch Ajaccio auf der T40 Richtung Süden, am Flughafen vorbei und dann links ab in die D3 Richtung Bastelica. Die D3 führt bergauf immer parallel zum Prunelli Fluss, der in das Granitgebirge in vielen Millionen Jahren eine enge Schlucht gegraben hat. Die Straße ist eng, kurvenreich und hat steile Flanken. Man muß vorsichtig und immer weit rechts fahren um auch große Reisebusse passieren zu lassen. Wir fahren durch kleine, korsische Dörfer wie Ocana, Bastelica und Cauro und sehen auf den Tolla Stausee (Lac de Tolla) hinunter, der Ajaccio mit Trinkwasser versorgt. In Bastelica endet die D3. Von hier aus geht es nur zu Fuss am Prunelli weiter hinauf bis zu seiner Quelle am 2.255 Meter hohen Punta alla Vetta.

Zurück in Ajaccio schlendern wir durch das Städtchen. Ajaccio ist Hauptstadt der Region Korsika und mit etwa 70.000 Einwohnern größte Stadt Korsikas (Bastia ist mit 45.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Insel). Napoleon Bonaparte ist in Ajaccio auf Korsika am 15. August 1769 geboren worden. Sein Geburtshaus in der Rue Saint-Charles kann besichtigt werden und beherbergt in der Altstadt ein kleines Museum. Überhaupt kann man Napoleon in Ajaccio und auf ganz Korsika kaum entkommen. Überall gibt es Straßennahmen, Büsten und große, heroische Denkmäler wie zum Beispiel das Napoleon Monument am Ende des Cours de Général Leclerc in Ajaccio.

Ajaccio hat einen langen, sichelförmigen Strand, einen Hafen für große Fähren und Kreuzfahrtschiffe und einen kleineren für Sport- und Fischerboote unterhalb der alten Zitadelle. Wie Bastia ist Ajaccio ein wichtiger Anlegehafen für Fähren nach Frankreich und Italien und wird immer von Kreuzfahrtschiffen angefahren, die auf einem Mittelmeerturn sind. Wie Bastia auch wird Ajaccio vom Individualverkehr beherrscht. Man fährt als Korse Auto, Vespa oder Motorrad und verstopft damit schon im April die schmalen Straßen der Stadt, die an den Seiten auch noch die geparkte Blechlawine aufnehmen müssen. Radwege gibt es praktisch nicht und damit kaum Pedelecs oder e-Roller wie in großen Metropolen auf dem Kontinent. Zur Urlaubszeit im Sommer, sagt unser Reiseführer, bricht der Verkehr in Ajaccio häufig komplett zusammen, wenn es Korsen und Touristen gleichzeitig durch die Stadt drängt.

Wir wollen die Insel nicht nur mit dem Auto auf Straßen erkunden sondern auch in der schönen Landschaft wandern. Unser Reiseführer (Marcus X. Schmid, Korsika im Michael Müller Verlag) schlägt 8 Tageswanderungen vor, die immer etwa 3-4 Stunden dauern. Wir suchen drei Touren aus: Durch den Wald von Chiavari, entlang der Küstenpfade bei Campomoro und von Bonifacio zum Leuchtturm von Pertusato.

Die erste Wanderung beginnt 20 Kilometer südlich von Ajaccio und führt in 300-400 Metern Höhe in den Wald von Chiavari. Man wandert durch die korsische Macchia, dem typischen korsischen Buschwald, der große Teile der Hügel- und Bergwelt der Insel bedeckt. Zu dieser Jahreszeit im April wandern wir durch blühende, duftende Landschaften aus Lavendel, Ginster, Zistrose und Baumheide, die viele Falter und summende Insekten anziehen. Wir streifen durch Kork- und Steineichenwälder und werden manchmal fast von der üppigen Buschvegetation verschlungen. Es ist ein netter, nicht anstrengender vierstündiger Spaziergang mit einigen schönen Aussichtspunkten hinab in die Bucht von Ajaccio und die gleichnamige Stadt.

Unsere zweite Wanderung beginnt weiter südlich im Örtchen Campomoro am Golf von Valinco. Wir finden noch gerade einen freien Parkplatz für unseren Twingo, packen den Tagesrucksack, schnüren die Wanderstiefel und los gehts durch den Ort und eine kleine Villensiedlung und dann durch den dichten, korsischen Buschwald zum Genuesenturm von Campomoro (Tour de Campomoro). Dieser stattliche, sorgfältig renovierte Genuesenturm von 1586 steht an exponierter Stelle an der Küste und erlaubt einen weiten, freien Blick auf das offene, türkisblaue Mittelmeer. Vom Turm aus führt der Rundwanderweg an der Felsküste entlang mit bizarr erodiertem Granit zu einer kleinen, sandigen Badebucht ehe man wieder in die Buschlandschaft des Macchia eintaucht und zum Ausgangspunkt zurück gelangt.

Unser letztes Ziel und südlichster Punkt der Reise ist die wunderschöne Hafenstadt Bonifacio. Die Altstadt mit einer Festungsmauer liegt hoch oben auf Felsklippen, gebaut am Abgrund. Weiter gen Süden geht es nur mit dem Boot. Sardinien, in 15 Kilometer Entfernung, scheint zum Greifen nahe. Wir parken das Auto auf dem großen Parkplatz am Hafen in der Unterstadt und steigen die Steintreppen hoch zur Klippe. Hier führt ein Wanderweg entlang, der immer wieder zu Aussichtspunkten mit tollem Ausblick auf die Oberstadt von Bonifacio bietet.

Der etwa 10 Kilometer lange Weg entlang der Kalksteinklippen ist einfach zu gehen und ist eher ein gemütlicher Spaziergang. Die Landschaft wirkt wie ein gut komponiertes Gemälde: Der pastell-blaue Himmel, die weißen Kreidefelsen mit grünbraunem Buschwerk und unten das klare, türkisgrüne Meer und in der Ferne die mittelalterlichen Häuser der Altstadt von Bonifacio. Toll, einfach toll.

Der Rest unserer Reise ist schnell erzählt. Wir übernachten die letzte Nacht auf Korsika in einem dieser vielen Resorts südlich von Porto Vecchio, im Santa Giulia Palace. Da unser Rückflug erst um 23:30Uhr in Bastia startet haben wir genug Zeit, vorher auf der Rückfahrt einen Abstecher über eine der schönsten Passstraßen Korsikas, der D268 von Porto Vecchio über Zonza nach Sari-Solenzara zu machen. Oben auf dem Gebirgspass, dem Col de Bavella in 1268 Meter Höhe parken wir den Twingo auf dem großen, fast leeren Parkplatz. Diese fotogene Gebirgslandschaft mit schönem Ausblick auf das Bavella Massiv zieht uns noch einmal in ihren Bann und wir träumen wehmütig davon, unsere Wandersachen zu packen und doch – wenigsten ein kleines Stück – des hier kreuzenden GR20 zu laufen. Nur bis zur nächsten Kurve, das würde ja schon reichen …



Unsere etwa 1.100 Kilometer lange Tour auf Korsika als gpx-Track befindet sich zum Download hier:

  TrackCorse.zip (1,0 MiB, 33 hits)

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