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Namibia in 14 Tagen

Die Entscheidung fiel schon vor einem Jahr: Im Herbst 2016 fahren wir in den Süden Afrikas, nach Namibia und Botswana. Dabei ist ´wir´ die ganze Familie und die besteht aus uns Eltern, Claudia und Friedrich, den beiden Söhnen Sebastian und Christian und unserer Tochter Franziska.

So war der Plan doch es kommt dann doch immer anders. Das moderne Leben in Beruf oder Ausbildung nimmt dem Menschen die Hoheit über die Zeit. Claudia konnte nur in den Herbstferien verreisen, Franziska wegen anstehender Prüfungen im September/Oktober gar nicht und Christian musste Mitte Oktober zum Studium wieder in Deutschland sein. Sebastian wollte sich, beruflich bedingt, höchstens für zwei Wochen aus Deutschland verabschieden. Zu guter Letzt entschloss sich Sebastians Freundin Olga mitzureisen und Franziskas Platz einzunehmen. Also planten wir – Friedrich, Sebastian, Christian und Olga – zuerst zu viert zwei Wochen durch Namibia zu reisen und dass ich dann mit Claudia für weitere zwei Wochen durch Botswana fahre.

Die Planung der beiden Reisen wurde mir übertragen. Nicht wegen meiner Afrika Kenntnisse sondern einfach weil ich als Pensionär genügend Zeit habe. Namibia hatten wir schon vor fünf Jahren für vier Wochen bereist. Wir waren damals total begeistert von einer überwältigenden Landschaft, den Menschen in Afrika und der afrikanischen Tierwelt (siehe auch hier). Ich hatte also schon, die damaligen Bilder vor Augen, eine grobe Vorstellung, wie die Namibia Tour ablaufen könnte. Trotzdem wollte ich, besonders mit Blick auf die anschließende Botswana Reise, den Rat eines erfahrenen Afrikafahrers einholen. Also besuchten wir Volker und Gisela.

Volker hatte mit seinem alten Toyota LandCruiser mehrmals Afrika durchquert und viel Zeit in Afrikas Süden verbracht. Kennen gelernt hatten wir ihn und seine Frau in Swakopmund. Spontan planten wir damals zusammen eine offroad Tour im Damaraland von Namibia, zum Messum Krater, zu machen.

Namibia ist flächenmäßig mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat nur etwa 2,3 Millionen Einwohner und das Klima dort ist trocken subtropisch-kontinental. Es kennt eine Trockenzeit im lokalen Winter und eine Regenzeit im Sommer. Die Temperaturen liegen im September/Oktober meist weit über 30 Grad. In dieser Zeit, am Ende der Trockenzeit, wirkt das Land wie ausgedörrt. Überall liegt von starken Winden aufgewirbelter Staub in der Luft. Alles wartet auf die ersten Regentropfen, die meist erst Anfang November fallen.

Die erste Entscheidung, die wir deshalb wegen der Größe Namibias treffen mussten, war ob wir in der kurzen Reisezeit in den Norden oder Süden fahren möchten. Aus Deutschland mit dem Flugzeug kommend landet man in der Hauptstadt Windhoek, genau in der Mitte des Landes und beide Teile, den Süden und Norden zu bereisen, ist in zwei Wochen nicht machbar. Für den Norden spricht besonders der Etosha Nationalpark mit seiner einzigartigen Möglichkeit die afrikanische Tierwelt zu beobachten, für den Süden der eindrucksvolle Fish River Canyon mit aufregenden und einsamen Wanderwegen. Unser Namibia Reisequartett entscheidet sich für den Norden.

Also arbeite ich mit Volkers Hilfe eine machbare Reiseroute aus. Sie führt von Windhoek über den Spreetshoogte Pass in die Naukluft Berge und die Namib Sandwüste mit dem landschaftlichen Höhepunkt des Sossusvlei. Dann zur einsamen Blutkuppe mit ihren herrlich gelegenen Campingplätzen. Anschließend nach Swakopmund an die Küste und ins Damaraland zum Brandbergmassiv in dem der höchste Berg des Landes, der 2.573 Meter hohe Königsberg, liegt. Dort am Fusse des Brandbergs auf dem Campingplatz der Brandberg White Lady Lodge in einem ausgetrockneten, breiten Flussbett unter riesigen Bäumen wollen wir übernachten und nach den seltenen Wüstenelefanten Ausschau halten sowie eine geführte Wanderung zur White Lady Felszeichnung machen. Dann soll es natürlich in die Etosha Pfanne zur Tierbeobachtung gehen und auf der Rückfahrt wollen wir bei Roy’s Rest Camp vorbei schauen und an einer Bushman Tour teilnehmen. Die 560 Kilometer Rückreise zur Airport Jagd- und Gästefarm der Familie Trümper ganz in der Nähe des Flughafens von Windhoek ist am Ende hart zu fahren aber das werden wir auch noch schaffen. So ist der Plan.

Im April ging unsere Reiseplanung in den aktiven Modus über. Es stand fest, dass wir weder eine individuelle Tour bei einem Reiseunternehmen, vielleicht sogar mit individuellem Fahrer und Übernachtungen in Lodges, buchen wollten noch eine Safari Gruppentour. Wir wollten in Namibia als sogenannte self drives also Selbstfahrer in angemietetem Auto ganz auf uns gestellt unterwegs sein. Als erstes buchten wir die Flüge mit Air Namibia über das Reisebüro STA Travel in Bonn. Air Namibia fliegt die Strecke Frankfurt-Windhoek täglich nonstop mit modernen Airbus A330-200 Maschinen. Als die Flüge bestätigt waren mieteten wir von Deutschland aus per Internet bei Value Car Rental Namibia ein geländegängiges Fahrzeug, einen Toyota HiLux 2.5TD Double Cab 4×4 Modell 2013 mit zwei Dachzelten und Campingausrüstung. Value Car Rental Namibia ist nur eine Autovermietung; die eigentliche technische Aufbereitung und Ausgabe der Fahrzeuge geschieht bei der Firma Asco Car Hire in Windhoek. Eigentlich reicht für Namibia auch ein viel billigeres, konventionelles Kompaktauto. Nur wenige Strecken, wie manche Zufahrten zu entlegenen Farmen oder die Tiefsandschleife bei Sossusvlei erfordern ein richtig geländegängiges Fahrzeug. Aber ein Toyota HiLux ist nicht nur geländegängig sondern auch hinreichend groß. Er bietet genügend Platz, das ganze Campingequipment und auch die persönlichen Sachen von uns vier Reisenden zu transportieren und mit den Dachzelten sind wir außerdem unabhängig von Übernachtungen in teuren aber auch luxuriösen Lodges.

Als letztes tätigten wir Reservierungen für einige Campsites von denen wir wussten, dass freie Plätze gegebenfalls Mangelware sein könnten. Das ist besonders dann ratsam, wenn man längere Strecken (so 250-300 Kilometer) mit dem Auto auf Schotter mit 60-80 KM/h fährt, häufig anhält und auch mal kleine Strecken zu Fuss geht. Dann möchte man Abends auf einem reservierten, freien Platz stehen und nicht abgewiesen werden. Wir tätigten Campingplatz Reservierungen für Sossusvlei (Campingplatz bei Sesriem) und Etosha (an den Orten Okaukuejo, Halali und Namutoni) durch die Agentur Namibia Wildlife Resort, für Swakopmund bei Alte Brücke und für die Farm Düsternbrook 20 Kilometer nördlich von Windhoek. Ein Sonderfall ist der Campingplatz der Blutkuppe. Das Permit für diesen Platz kann man z.Bsp. in Windhoek im Central Reservations Office der Namibia Wildlife Resorts buchen (Wegepunkt in der Wegepunkt Datei am Ende des Artikels) oder auch im Büro des NWR in Swakopmund. Ggf. ist eine Buchung aber auch im Campingplatz Office von Sesriem möglich.

Als allerletztes sollte man sich gutes Kartenmaterial besorgen. Das ist besonders dann wichtig, wenn man auch abgelegene, selten genutzte Namibia Pads fahren will. Wir kauften für Namibia und Botswana von Tracks4Africa Papierkarten und die äquivalenten elektronischen Karten für unser Garmin Nüvi 2599 und das Garmin Outdoor Gerät Oregon 600. Alle elektronischen Karten von Tracks4Africa sind routingfähig und sehr nützlich, denn sie beantworten unter anderem die wichtige Frage wie weit es noch bis zum Ziel ist.

Wir landen in Windhoek an einem Sonntag nach ca. 10 Stunden Nachtflug morgens um 6:30 Uhr. Die Sonne geht gerade über der östlichen Kalahari auf, die Luft ist klar und es ist recht frisch. Wie bei vielen anderen Fluggesellschaften packt auch Air Namibia möglichst viele Fluggäste in die Economy Klasse. Wir konnten in der Nacht nicht wirklich schlafen und fühlen uns unausgeruht und übernächtigt. Ein Jetlag wie bei anderen Kontinentalflügen bleibt uns wenigstens erspart. Namibia und Deutschland aber auch Botswana liegen im Sommer in der gleichen Zeitzone. Die obligatorischen Einreiseformalitäten sind recht schnell erledigt und das 90 Tage Jahresvisum für Namibia vom Immigration Officer in unseren Pass gestempelt. Der Hosea Kutako Internationale Flughafen Windhoek ist klein und wirkt etwas verschlafen aber er glänzt durch kurze Wege und Überschaubarkeit; das Gepäck erscheint schnell auf dem Gepäckband, und wir können zügig den Transitbereich verlassen. Bevor uns der bereits wartende Fahrer der Firma Asco zu seinem kleinen Bus mit Gepäckanhänger bringt tauschen wir am Flughafen €-Bargeld in namibische Dollar N$ und sind jetzt endlich für den Namibia Urlaub gut gerüstet.

Nach der Übernahme des Autos fühlen wir uns endlich mobil und unabhängig. Alles hat geklappt. Das Fahrzeug stand fertig in der Halle, die Technik des Schaltens in den 4×4 Modus wurde uns erklärt, die Campingausrüstung geprüft und ein Dachzelt probeweise auf- und wieder abgebaut. Unsere erste Fahrt mit dem Toyota HiLux führte in die Wernhill Shopping Mall von Windhoek um Lebensmittel für die nächsten Tage zu kaufen und im Auto zu verstauen. Um 12:30 ist auch das geschafft. Es drängt uns jetzt einfach loszufahren, weg von der Stadt, hinein in Namibias wunderschöne Landschaften.

Wir verlassen Windhoek und fahren auf der C26 in südwestlicher Richtung. Wir passieren nach 10 Kilometern den obligatorischen Kontrollposten der Polizei und bald wechselt der Straßenbelag von Teer zu Schotter. Eine große, graue Staubfahne zieht unser Auto von jetzt an wie eine Schleppe hinter sich her. Zukünftig wird Staub und Sand unser ständiger Begleiter auf den unbefestigten Pads sein. Er setzt sich in die Kleidung, das Kochgeschirr, Haare, Augen, Nase und Mund. Auch meine Kamera wurde nicht verschont. Nach dem Urlaub war sie so mitgenommen, dass ich sie zum Nikon Service Point in Köln bringen mußte, der mir im Kostenvoranschlag unter anderem zurückschrieb: ‚Gerät ist/war innen/außen stark verschmutz (verstaubt)‘.

Nach 170 Kilometer Autofahrt gegen 16 Uhr erreichen wir unser erstes Übernachtungsziel, die Farm Namib Grens und fahren durch das wuchtige Eingangsportal auf das Farmhaus zu, um einzuchecken. Natürlich werden wir in keiner der tollen Lodges, die auf der Webseite Villen heißen, übernachten sondern suchen uns den Weg zum abgelegenen und großzügig angelegten Gebirgscamp. Die Namib Grens Farm liegt auf der Grenze zwischen der Kalahari Savanne im Osten und der Namib mit dem stark erodierten Naukluft Gebirge im Westen auf etwa 1.800 Metern Höhe. Unser Übernachtungsplatz bietet großzügig Platz und ist liebevoll in die rotbraune Steinlandschaft eingepasst. Wir sind, trotz der Reisestrapazen, zufrieden. Deutschland ist unendlich weit weg, wir sind in Afrika angekommen.

Am nächsten Morgen brechen wir gut ausgeschlafen auf, um über den Spreetshoogte Pass in die Namib zu fahren. Die Namib ist, neben der Atakama in Südamerika, die einzige Küstenwüste der Erde. Sie ist eine der trockensten und lebensfeindlichsten Gegenden unseres Planeten und zieht sich an der Küste Afrikas vom Norden Südafrikas bis in den Süden Angolas. Touristen werden vom kleinen Ort Sesriem aus 65 Kilometer im trockenen, breiten Flussbett des Tsauchab fahren, um zu den großen Sanddünen zu gelangen. Der Tsauchab leitet alle paar Jahre Wasser aus dem Naukluft Gebirge in die Namib bis ins Sossusvlei, wo es dann in der Wüste verdunstet. Man sollte die Strecke ins Sossusvlei unbedingt am frühen Morgen und späten Abend fahren. Gerade wenn die Sonne tief am Horizont steht erlebt man ein unvergessliches Farbspektakel. Die mächtigen Dünen verfärben sich in tiefes Rot und die vielen abgestorbenen Bäume ergeben stimmungsvolle, tolle Fotos. Man sollte auch einige der mächtigen Dünen hinaufkrabbeln um zu erfahren wie anstrengend das ist und zu erleben wieviel Sand der Wind über die Jahrmillionen von der Küste in diese Gegend verfrachtet hat.

Die 65 Kilometer lange Straße von Sesriem bis zum Endpunkt im Sossusvlei ist geteert und gut zu befahren. Dort befindet sich ein Parkplatz auf dem man sein Fahrzeug abstellen kann, wenn man nicht die Tiefsandstrecke zum Deadvlei oder der großen Sossusvlei Düne mit dem eigenen Fahrzeug fahren will oder kann. Dann sollte man den Shuttle Service des NWR nutzen, um zu den Sehenswürdigkeiten dieser einzigartigen Landschaft aus Sand gefahren zu werden. Die Temperaturen in der Namib liegen häufig über 40° Celsius und die Luft ist extrem trocken. Zusätzlich muss man mit starkem Wind rechnen, der über die Kuppe der Dünen fegt und viel Sand transportiert. Es ist daher wichtig, immer genügend Trinkwasser mitzunehmen!

Wir bleiben ein paar Tage in Sesriem und im Sossusvlei und fahren dann zwischen der Naukluft Bergkette im Osten und den Wüstendünen der Namib im Westen immer weiter Richtung Norden. Die Straße ist eine breite, gut befahrbare Schotterpiste und sie führt uns durch die Badlands des Kuiseb Flusses, der in der Mitte Namibias entspringt und auf der Höhe von Walfis Bay in den Südatlantik mündet – falls er nicht vorher in dieser brütenden Hitze verdunstet ist. Auch wir sehen Ende September im weit zerklüfteten Flussbett des Kuiseb kein Wasser. Trotzdem ist diese Landschaft bizarr. Über die Jahrmillionen hat der Kuiseb im Quarzit Gestein und schwarzen Schiefer eine extrem zerklüftete Landschaft geformt. Sie steht, in ihrer trostlosen, grauschwarzen Gesteinsverfärbung in starkem Kontrast zur sonst rotbraunen Landschaft rund um das Naukluft Gebirge und die Namib Wüste.

Gegen Abend erreichen wir unser Ziel, die Blutkuppe. Die meisten Touristen, die von Windhoek nach Swakopmund fahren, werden diesen unscheinbaren, kleinen, rostroten Granithügel, der etwas abseits liegt, gar nicht wahrnehmen und einfach vorbei fahren. Zu erreichen ist die Blutkuppe von der Hauptstraße aus nur über einen 10 Kilometer langen Schotterweg. Fantastisch gelegen sind alle Campingplätze rund um den Hügel, meistens nett in Felsschluchten versteckt. Morgens und Abends muss man unbedingt hoch auf den Felsen steigen und den einzigartigen, weiten Rundblick in die typisch afrikanische Landschaft genießen. Dort werden auch tolle Fotos vom Sonnenuntergang und Aufgang gelingen. Bei aller Aktivität sollte man sich aber auch Zeit nehmen und sich dort oben einfach hinsetzen, den Blick in die Weite schweifen lassen und gedankenverloren vor sich hinmeditieren. Dieser Ort ist dafür wie geschaffen.

Wir fahren weiter nach Swakopmund zum Resort ´Alte Brücke´. Eigentlich wollen wir in Swakopmund nur übernachten, nach ein paar Souvenirs schauen, in einem der Supermärkte Proviant nachkaufen und die Doppeltanks des Autos an einer Tankstelle mit Diesel auffüllen. Swakopmund, durch seine gepflegte, deutsche Vergangenheit ist aber immer einen Zwischenstop wert. Zur deutschen Kolonialzeit diente die Stadt, neben Lüderitz, als zentraler Verschiffungshafen zur Versorgung des Landes und viele weisse Aussiedler betraten mit all ihrem Hab und Gut in Swakopmund das erste Mal afrikanischen Boden. Auch eine Bahnlinie verband Swakopmund mit dem damaligen Verwaltungszentrum in Windhoek. Schon früh versandete der Hafen von Swakopmund allerdings und heute ist Walfis Bay der einzige Tiefseehafen Namibia.

Am nächsten Tag geht es entlang der Küstenstraße weiter bis Henties Bay, dann fahren wir 120 Kilometer ins Landesinnere zum Brandbergmassiv. Kurz vor Uis biegen wir von der Hauptstraße ab und fahren auf die Berge am westlichen Horizont zu. Unser Ziel ist die White Lady Lodge am Fusse des Brandbergs, wo wir uns im angeschlossenen Campingplatz einbuchen. Der Campingplatz liegt im trockenen Flussbett des Ugab Flusses, der, mit vielen Nebenflüssen, im Brandberg entspringt und nicht in Richtung Atlantik fließt sondern ins Landesinnere und dann irgendwo versiegt.

Jeder einzelne Campingplatz hier hat als Schattenspender einen riesigen Baum und viel Platz. Abends bei Dunkelheit leuchten gespenstisch die Feuer in den Donkey Naturduschen und die Lichter der Taschenlampen anderer Campingfreunde und über allem spannt sich die Milchstraße und der ganze Sternenhimmel. Der Brandberg und seine Umgebung ist heute wieder Heimat für etwa 50 Wüstenelefanten, die in den Tälern des Brandbergs leben aber nach Futter und Wasser auch weite Teile der Umgebung durchstreifen. In der zweiten Nacht auf dem White Lady Platz wurden wir aus dem Schlaf gerissen. Es polterte und stampfte. Beim Blick aus unserem Dachzelt sahen wir einen jungen Wüstenelefanten, der gerade in ein paar Metern Entfernung die Mülltonne unseres Platzes zerlegte um Essbares oder Trinkbares zu finden. Einen netten Bericht mit dem Titel ´Wüstenelefanten muss man suchen´ über die Wüstenelefanten in dieser Gegend habe ich im Archiv der Wochenzeitung ´Die Zeit´ gefunden; empfehlenswert für all jene die mehr über diese Tiere und die Gegend wissen möchten.

Den ersten Wüstenelefanten sahen wir aber am Vortag, als wir mit Stella als einheimischem Guide eine geführte Tour das Tsiseb Flussbett hinauf zur White Lady Felsmalerei machten. Stella kannte die offenen Wasserstellen in dieser Gegend und sie führte uns ganz vorsichtig den Flusslauf hinauf und machte uns auf einen Wüstenelefanten aufmerksam, der in einiger Entfernung versteckt hinter hohen Büschen stand. Wüstenelefanten sind unberechenbar erzählte sie uns. In ihrem Dorf suchen sie bei extremer Trockenheit durchaus auch ihr Dorf heim und können dann auf der Suche nach Wasser Einrichtungen zerstören. Wir schaudern und schleichen mit unserer Führerin vorsichtig in gehörigem Abstand am Elefanten vorbei zu den White Lady Felsmalereien.

White Lady ist eine zwei bis viertausend Jahre alte Felsmalerei, die wohl eine Jagdszene mit Tieren und Kriegern zeigt. Ganz sicher ist man sich über die dargestellte Szene auch heute nicht. In der Mitte ist ein weisser Krieger oder vielleicht Schamane dargestellt, der fälschlicherweise von weissen Entdeckern als eine Weisse Dame erkannt wurde. Die Malereien, die heute als UNESCO Weltkulturerbe streng geschützt sind, wurden in den ersten Jahren nach ihrer Entdeckung von vielen Besuchern immer wieder berührt und die Konturen nachgezeichnet, was zu einer erheblichen Zerstörung führte. Heute sind diese Artefakte natürlich streng geschützt und das ist auch gut so.

Wir fahren weiter. Über Outjo kommen wir zum Etosha Nationalpark. Wir fahren durch das östliche Gate in den Park ein, registrieren uns und unser Fahrzeug im Logbuch und entrichten das obligatorische Eintrittsgeld. Dann geht es weiter nach Okaukuejo wo wir uns am Campingplatz anmelden. Hier in Okaukuejo und dann in Halali und schließlich in Namutoni werden wir in den nächsten 3 Nächten übernachten und so den Etosha Nationalpark von West nach Ost durchfahren. Jetzt zum Ende der Trockenzeit scharen sich alle Tiere um die raren Wasserlöcher. Wir fahren viele der Wasserstellen an und sehen Zebras, Elefanten, Löwen, diverse Antilopenarten, Strauße, Giraffen, Gnus, Nashörner und auch ein Dikdik, eine Art Zwergenantilope in großer Zahl.

Der Etosha Nationalpark ist immer wieder ein großes Erlebnis. Wie ein Abenteurer fährt man die Wasserlöcher an und ist immer wieder überrascht, welche Tiere man gerade antrifft. Diesmal waren abends viele Nashörner an der beleuchteten Wasserstelle in der Okaukuejo Lodge und auch viele Elefantengruppen mit Jungtieren konnten wir beobachten. Aber die Etosha bietet noch mehr: Einsame Seitenwege in die weite Savanne mit Namen wie ´Dik Dik Drive´ oder ´Eland Drive´ fahren wir ab und starren aus dem Autofenster, um entdeckte Wildtiere den anderen sofort mitzuteilen. Wir erleben auch, dass ein mächtiger Elefantenbulle plötzlich den Weg versperrt und auf uns zu kommt. All das sind Erlebnisse, die einem kein Zoo dieser Welt bieten kann.

Wir sind jetzt eindeutig auf der Rückreise. Über Grootefontain, wo wir noch einmal Geld eintauschen, Lebensmittel einkaufen und tanken, fahren wir zu Roy’s Rest Camp. Eigentlich ist dieser Campingplatz ein idealer Übernachtungsplatz für Touristen, die vom Caprivi Zipfel zurück nach Windhoek fahren. Volker hatte hier häufig übernachtet und für uns geplant, dass wir von hier aus zu einer Bushman Tour aufbrechen. An der Rezeption, die gleichzeitig Bartheke ist, erkundige ich mich, wie das mit der Bushman Tour geht. Da müsste ich 80 Kilometer über Schotter nach Tsintabis fahren, erfahre ich und natürlich wieder zurück. Das ist eine schlechte Nachricht. 160 Kilometer Staub und Rüttelei wobei wir dachten, dass wir das hinter uns haben und nun nur noch Teerstraßen bis Windhoek vor uns liegen. Nein, das wollten wir nicht mehr. Also entscheiden wir um und fahren am nächsten Tag zum Waterberg.

Der Waterberg liegt günstig für Touristen, die von Windhoek Richtung Etosha oder Caprivi fahren möchten. Etwa 3 Stunden fährt man von Windhoek oder dem Etosha Nationalpark bis hierher und das meist auf einer soliden Teerstraße, die z.Zt. kurz vor Windhoek auch noch erneuert und verbreitert wird. Wir brauchen 3½ Stunden von Roy’s Rest Camp bis zum Waterberg Plateau Campsite. Im kleinen Dörfchen Rietfontain, das man leicht übersieht, verlassen wir, von Grootefontain kommend, die geteerte Hauptstraße B8 und biegen in die D2804 ein. Es ist wieder eine typische Schotterstraße, breit mit viel Staub, rostrotem Sand und nur wenigen groben Bodenwellen. Sie führt mitten durch Farmland was für uns immer bedeutet: Tiergatter auf, Tiergatter zu. Wir fahren von Nordosten kommend fast das ganze Waterberg Plateau entlang und biegen irgendwann ab in das trockene Flussbett eines Nebenflüsschens des ´Klein Omatako´. In einem tiefen, breiten Einschnitt liegen am Ende des Tals die Waterberg Wilderness Lodge und davor die Waterberg Plateau Lodge. Wir können und wollen die etwa 80-90€ pro Person und Nacht in einer dieser tollen Unterkünfte nicht bezahlen und melden uns für einen der Waterberg Campingplätze in freier Natur für 11€ pro Person und Nacht an.

Die Waterberg Plateau Lodge liegt am Hang des Waterbergs, hat eine fantastische Panoramaterrasse mit weitem Blick über die östliche Kalahari. Wer es sich leisten kann sollte in einer der Hanglodges übernachten. Schaut man im Buchungsportal Tripadvisor nach so sind die Bewertungen dieser Unterkünfte voll des Lobes. Die Waterberg Wilderness Lodge dagegen liegt ganz am Ende des Tals. Man erreicht sie über eine Schotterstraße oder zu Fuss über einen Wanderweg, den gut ausgeschilderten Anderson Trail. Die Wilderness Lodge hat eine nette Cafeteria mit schattigem Freigelände und man kann von hier Wanderungen starten oder an Game Drives, geführten Tierbeobachtungen, teilnehmen.

Der Waterberg hat auch eine Schattenseite. Er war Schauplatz des Völkermords der deutschen Schutztruppe an dem Volk der Herero. Im Jahre 1904 versammelten sich unterhalb des heutigen Campingplatzes in einer weiten Ebene über 10.000 Hereros: Krieger mit ihren Familien, Frauen, Kindern, Alte und Junge. Man war das Dasein als rechtlose Untermenschen leid, denen Land und Frauen von weissen Kolonialisten nach belieben genommen wurden. Die Schlacht endete mit keinem klaren Sieg. Die Herero beschlossen, die Kampfhandlungen einzustellen und sich in die östliche Kalahari zurückzuziehen. Der damalige Kommandant der Schutztruppe, Lothar von Trotha, ließ die Hereo verfolgen und alle Wasserlöcher vergiften oder besetzen. Sein Ziel war es, das Volk der Herero auszulöschen durch Verhungern oder Verdursten. Dieses Ziel hatte er nicht ganz erreicht. Mittlerweile brauchten die eingewanderten, weissen Farmer viele Arbeitskräfte und so stoppte man den Völkermord und die überlebenden Herero wurden als Arbeitssklaven gehalten.

Heute führt ein historischer Fussweg über das ehemalige Schlachtfeld. Es ist nicht viel zu sehen außer eine Menge Einschusslöcher in dem roten Felsgestein. Auch wurde von der Regierung in Namibia kein Denkmahl oder nationales Mahnmal an dieser denkwürdigen Stelle errichtet wie wir das von unseren eropäischen Nationalstaaten kennen. Afrika ist eben anders.

Unsere Reise ist nun fast beendet. Es bleiben noch zwei Übernachtungen. Die erste 20 Kilometer vor Windhoek in der Düsterbrook Farm, die letze bei Familie Trümper genau am Flughafen von Windhoek.

Das Team, mit dem ich gereist bin, wollte unbedingt auch noch einen Leoparden sehen. Wir fuhren in der Etosha viele abseits gelegene Staubstraßen, guckten in die Bäume hoch oder auch darunter aber einen wild lebenden Leoparden hatten wir nicht finden können. Ich wußte, dass Düsterbrook nicht nur einen Leoparden in gesichertem Gehege hält sondern auch zwei Geparden. Gegen eine Gebühr konnten wir zur Fütterung mitfahren und gegen 16Uhr ging es dann tatsächlich los. Die Fahrt im offenen Safariwagen durch offenes Gelände war sehr holperig. Der Fahrer mußte mehrmals Sicherungstore auf- und wieder abschließen und nach einiger Zeit erreichten wir das Gehege der Geparden. Wir fuhren hinein und hatten die Katzen jetzt direkt neben uns. Sie warteten schon auf die Fütterung und kannten auch Kameras und Smartphones neugieriger Touristen. Die Geparden oder Chitas, wie sie im englischen heißen, hatten nur gierige Augen für den Fahrer und das neben ihm liegende Futter. Der Fahrer erzählte uns viel über die Tiergattung der Geparden, stieg aus dem Wagen und zelebrierte die Gepardfütterung als ein richtiges Event. Dabei staunten wir, dass die Geparden ihn nicht mit dem Fleischhappen verwechselten und er nach einiger Zeit heil in den Wagen stieg und wir zum Leopardengehege fahren konnten.

In Büschen versteckt wartete auch der Leopard auf sein Futter. Unser Fahrer war nun viel vorsichtiger, warf das Futter weit vom Auto weg und versuchte so, den Leoparden auf Distanz zu halten. Der Fahrer erzählte uns, dass der Körper eines Leoparden nur aus starken Muskeln besteht und sie richtige Kampfmaschinen sind denen man nicht trauen darf. Dieser Leopard vor uns nahm gleich das erste große Fleischstück und kletterte auf den nächsten Baum. Der Fahrer mußte ihn locken, dass er wieder auf den Boden sprang und die Fütterung hier unten fortgesetzt werden konnte. Nachdem das Tier wohl satt war und die Touristen nur noch gelangweilt auf die Auslöser ihrer Smartphones drückten, fuhren wir zurück zur Farm.

Direkt hinter der Rollbahn des internationalen Flughafens von Windhoek liegt die Farm der Familie Trümper. Sie ist 10.000 Hektar groß, hat etwa 700 Rinder und ist gesichert wie ein Hochsicherheitstrakt. Eine solche Sicherung, die viele Farmen in Namibia rund um ihre Gebäude errichtet haben, bestehen aus hohen Zäunen mit einer Hochspannungssicherung. Damit sollen Kühe, wilde Tiere und auch ungebetene Besucher von den Wohngebäuden abgehalten werden. Wir klingeln am Haupttor, melden uns mit der Gegensprechanlage an und werden von Frau Trümper eingelassen. Sie führt uns zum einzigen, etwas abgelegenen Campingplatz, erklärt uns die Bedienung des Donkeyofens und lädt uns zum Kaffee ein. Wir erfahren in der Kaffeerunde im Esszimmer des Wohnhauses viel über die Geschichte der Trümper, das Leben in Namibia und die Stellung der von Weissen geführten Farmen im Land. Wir wissen nun, dass Trümper Rindfleisch auch nach Deutschland, insbesondere die Europapassage in Hamburg, verkauft und man es am Herstellercode erkennen könnte, wenn man auf ihn achtet.

Als es schon recht spät ist verabschieden wir uns. Entlang diverser Zäune und durch ein paar Gatter suchen wir den Weg zum Zeltplatz. Als es dunkel wird krabbeln wir das letzte mal in die Dachzelte. Die Nacht wird kalt und frostig, so wie wir es vorher nicht erlebt haben. Namibia ist vorbei und Deutschland kündigt sich an.



Unsere etwa 3.000 Kilometer lange Tour durch Namibia als gpx-Track findet sich zum Download hier:

  Track_Namibia_2016 (819,5 KiB, 10 hits)


und einige Wegepunkte, die wir im Artikel erwähnt haben, finden sich im gpx Format hier:

  Wegepunkte_Namibia_2016 (2,6 KiB, 7 hits)


Schlagworte:

  1. Friedrich Glasenapp’s Avatar

    Karin und Karl hatten wir am Campingplatz Ihaha am Eingangsgate zum Chobe Nationalpark in Botswana kennen gelernt. Damals verhandelten wir zusammen mit der Verwaltung um einen Campingplatz den wir dann auch ergatterten und uns zusammen drauf stellen durften. Beide sind auf Weltreise und beschreiben sie auf ihrem Blog.

    Anne und Walter trafen wir an der Rezeption zum Senyati Campingplatz an der Grenze zu Zimbabwe. Beide konnten keinen Stellpaltz für die Nacht bekommen, da eine Reisegruppe von 30 Franzosen mit 15 Wohnmobilen den Platz fast komplett belegt hatten. Mit Karin und Karl hatten wir gerade ‚zusammen‘ übernachtet und so boten wir das spontan auch Anne und Walter an. Beide sind sehr reiseerfahren und erzählten von Australiendurchquerungen und Afrikareisen. Außerdem verwöhnte uns Walter mit lecker zubereitetem Wildfleisch.

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  2. Karin und Karl’s Avatar

    Hallo, ihr beiden,
    gerne erinnern wir uns an den netten Abend am Feuer, den wir im Halali-Camp im Chobe gemeinsam verbracht haben. Haben gerade eure Traum-Fotos vom Namibia-Urlaub bewundert und freuen uns schon auf den Botswana-Bericht, um Erinnerungen aufleben zu lassen.
    Liebe Grüße,
    Karin und Karl

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    1. Karin und Karl’s Avatar

      Unsinn, meinten natürlich „Ihaha“-Camp. Reisen bildet nicht nur, bei manchen lässt es auch die grauen Zellen schrumpfen. Karin

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    2. Anne A.’s Avatar

      Hi Friedrich, hab mich an dem etwas trüben, ab und zu blitzt die Sonne durch die Wolken, Sonntagmittag an deinem Namibia-Reisebericht erfreut….wann geht der nächste Flieger?……sehr schön, gefällt mir sehr gut. Du schreibst sehr unterhaltsam und mit Hintergrundwissen.
      Jetzt müssen unsere Gelenke bewegt werden, ein Spaziergang durch unser Viertel….
      Euch noch einen schönen Sonntag, liebe Grüße aus MUC,
      Anne

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