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Fidschi, auf der Insel Malolo

Die Boeing 737-800 der „Air Pacific“, heute Fiji Airways, hatte schon bei der Landung in Auckland, Neuseeland Verspätung als sie vom einzigen internationalen Flughafen Nadi des südpazifischen Inselarchipels der Fidschi Inseln eingeflogen kam.

Eine Woche zuvor, kurz vor Weihnachten, hatten wir unsere Weiterreise geplant. Wir besuchten in Auckland ein Reisebüro der neuseeländischen Flight Centre Kette und ließen uns beraten. Wir wollten unbedingt auf eine der Inseln im Südpazifik und da boten sich die Fidschi Inseln etwa drei Flugstunden von Neuseeland entfernt, geradezu an.

Obwohl im Januar die Reisezeit in diese tropischen Gegenden der Erde nicht ideal ist, mußte sich die junge Dame im Reisebüro doch intensiv bemühen, um noch drei freie Plätze in einem Resort und die gewünschten Flüge zu bekommen. Neuseeland und Australien haben jetzt Sommerferien und nach Weihnachten erstirbt in diesen Ländern fast das öffentliche Leben, wie wir es in unseren Breiten von den Sommermonaten Juli und August kennen. Viele Firmen sind geschlossen oder stellen auf eingeschränkten Betrieb um. In den Urlaubsgegenden Neuseelands und Australiens ist es jetzt voll und viele Erholungssuchende fliegen auf eine der vielen Inselresorts im Südpazifik, zu den Fidschis, den Cook Islands, Samoa oder den Tonga Islands.

Hatten wir in Auckland die letzten drei neuseeländischen Tage einen warmen, heftigen Dauerregen eines tropischen Tiefdruckgebietes, das aus dem Nordosten Australiens hinüber nach Neuseeland gedriftet kam, genossen, so waren die Aussichten für die Fidschis auch nicht richtig ermunternd. Wir trafen einen neuseeländischen Arzt, der uns warnte: Nein zu den Inseln im Südpazifik kann man eigentlich nur im Winter, den Monaten Juli und August, fliegen. Dann ist es dort trocken, man erlebt einen azurblauen Himmel, die Temperaturen liegen angenehm in den unteren 20ern und besonders die Luftfeuchtigkeit ist niedrig und es schrecken den Besucher keine heranziehenden Zyklone. Dann ist diese Gegend der Erde ein Paradies für Segler und Taucher in den Korallenbänken der südpazifischen Inseln oder für Leute, die einfach nur die Seele baumeln lassen wollen und sich an den weißen, feinen Strand legen um sich zu erholen. Trotzdem hatten wir keine andere Wahl: Jetzt in den Südpazifik oder nie. Wir waren 18.000 Kilometer von Deutschland entfernt ganz am anderen Ende der Erdkugel hatten 12 Zeitzonen Differenz zur Heimat und damit keinen Zeitunterschied zu den Fidschi Inseln, die nur etwa 2.000 Kilometer von Auckland Richtung Norden liegen. Unser Entschluss stand daher fest: Wir fliegen hin.

Das Flugzeug, das uns zu den Fidschi nach Nadi bringen sollte war mit etwas mehr als 150 Passagieren ausgebucht. Viele neuseeländische Familien mit Kindern waren an Bord. Manche Eltern hatten mit den krabbelnden Kleinkindern in der Beengtheit der Economy Sitzreihen ihre Probleme und kamen sichtlich ins Schwitzen. Der Flugkapitän meldete sich über die Bordlautsprecher, gab einige Details der Flugroute durch und entschuldigte sich für die Verspätung. Man habe einen neuen Videostreamer einbauen wollen, konnte ihn aber nicht zum Laufen bringen. Man entschied sich dann, keine weitere Verspätung zu riskieren und die Videoanlage für die Bordfilme für die Passagiere abgeschaltet zu lassen. Diese Unpässlichkeit bat der Flugkapitän im Namen seiner Fluglinie zu entschuldigen. Nun, die vielen Eltern mit Kindern interessierte das sowieso nicht. Sie hatten mit anderen Problemen zu kämpfen.

Nach der Landung auf der Hauptinsel Viti Levu und dem Erledigen der Einreise- und Zollformalitäten suchten wir im Flughafengebäude das Büro der Bootsagentur auf, um unseren Bootstransfer auf die kleine Nachbarinsel Malolo-Lailai zum gebuchten FerienresortPlantation Island Resort anzutreten. Unser Erstaunen war groß, als uns eine kleine, nette, untersetzte Polynesierin mit breitem Lächeln mitteilte, dass das letzte Boot nach Malolo für heute in zehn Minuten ablegt, wir aber in dieser Zeit nicht mehr rechtzeitig zum Hafen kommen können. Der nächste mögliche Bootstransfer wäre am nächsten Morgen um 7:30 Uhr.

In einer solchen Situation fällt man immer wieder in Verhaltensmuster zurück, die gegründet sind in den lebenslangen Erfahrungen aus Deutschland: Keiner wird zuständig sein. Weder das Reisebüro, das den zu knappen Zeitplan des Bustransfers vom Flughafen zum Hafen nicht bedacht hatte, nicht die Fluglinie, die sagen würde, dass man das Boot auch bei pünktlichem Flug eigentlich nicht erreichen kann und die Bootsagentur sowieso nicht. Wir sahen uns schon ein Taxi organisieren, zu einem Hotel in die nächstgelegene Stadt Nadi fahren und auf eigene Kosten dort zu übernachten.

Nicht so auf den Fidschi!

Die Frau in der Bootsagentur hörte sich unseren Bericht an, sah sich die Daten auf dem Flugticket an und entschied, dass die Fluggesellschaft wegen der Verspätung der Schuldige ist. Sie meldete sich bei ihrer Chefin ab, bat uns unser Gepäck im Büro der Bootsagentur zu verstauen und ihr zu folgen. Ihr Weg führte zu einem Schalter von Air Pacific und zu einer Frau, die sie offensichtlich gut kannte. Der Fall war mit wenigen Worten erklärt und die Frau hinter dem Air Pacific Schalter sagte uns eine Übernachtung in Nadi zu. Selbstverständlich zwei Zimmer inklusive Dinner. Sie griff zum Telefonhörer und gab mit bestimmender Stimme Anweisungen, die keine Einwände zuließen.

Auf diese Weise kamen wir zu einer kostenlosen Übernachtung in zwei komfortablen Hotel Suiten mit Dinner, das wir im Resort hätten selbst bezahlen müssen und das alles in einer weitläufigen Hotelanlage, in der auch die Piloten und die Crews von Air Pacific übernachten.

Wir haben immer wieder sehr nette und hilfsbereite Einheimische auf unseren Reisen angetroffen, sei es in Indien als wir Samstag Mittag im Transitbereich des Flughafens von Neu Delhi festsaßen, weil unser Reisebüro in Deutschland den Weiterflug nicht richtig gebucht hatte oder hier auf den Fidschis. Diese Menschen tragen nicht eine aufgesetzte, unverbindliche Freundlichkeit zur Schau wie wir es häufig in den Ländern westlicher Kultur erfahren sondern sind freundlich und finden Wege um anderen aus der Klemme zu helfen, wenn man zupackende Hände vor Ort braucht. Es gibt in diesen Ländern nicht das durchorganisierte Chaos auf verteilten Datenbanken, wo immer derjenige, den man gerade anspricht nicht die Vollmacht oder den Autoritätslevel hat, um Dinge einzusehen geschweige denn zu regeln. Die Menschen in Nepal oder Fidschi regeln Probleme ganz einfach indem sie miteinander sprechen und handeln.

Das FerienresortPlantation Island Resort liegt in einer geschützten Lagune an einem langen, weißen Sandstrand auf der kleinen Insel Malolo-Lailai. Nette Bungalows beherbergen die Gäste, das Essen, Frühstück und Mittag- sowie Abendessen werden in einem zum Strand offenen Restaurant serviert. Die fleißigen Fidschi, die dem Urlauber das Leben so leicht und schwerelos machen, sind unaufdringlich aber trotzdem sehr freundlich und nett. Das Wasser in der Lagune ist warm und ganz klar und lädt zum Baden, das vorgelagerte Korallenriff zum ausdauernden Schnorcheln ein. Alles perfekt – für stressgeplagte Berufstätige, die dem Alltagsgehetze mal richtig entfliehen möchten.

Für uns nomadisierende Touristen war es doch recht langweilig. Es gab nur diese eine Bucht auf Malolo-Lailai, für erforschende Wanderungen ist die Insel einfach zu klein und das ständige Schnorcheln hat auch seine Tücken, da das Meerwasser in der Lagune sehr salzhaltig ist. Bei der intensiven Sonne in diesen Breiten und dem klaren Wasser bekommt man leicht einen erheblichen Sonnenbrand und merkt es erst Abends wenn es zu spät ist. Deshalb badeten und schnorchelten viele Urlauber nur im T-Shirt – eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme. Die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit waren hoch – Tag und Nacht. Deshalb ratterten Nachts im Bungalow die Ventilatoren und eine kleine Klimaanlage kämpfte lärmend gegen die tropische Hitze an. Waren die ersten drei Tage im Fidschi Inselparadies nur heiß und sehr schwül öffneten sich an den nächsten zwei Tagen alle Himmelsschleusen und es regnete ohne Pause. Es fühlte sich an als ob man unter einer gigantischen Duschbrause mit sattem Strahl warmen Wassers stünde. Dieses Wetter zwang uns, zwei Tage im Bungalow zu sitzen. Bedauerlicherweise brach in dieser Situation auch das Internet zusammen – ein Unglück kommt eben selten allein. Im Haldunkel unseres kleinen zu Hauses mußten wir immer wieder an unseren neuseeländischen Arzt denken: Eigentlich hatte er recht. Auf die Fidschis sollte man nur im Winter reisen.

Trotzdem: Wir sprachen mit einem Australier aus Sydney. Er kommt mit seiner Familie schon seit 15 Jahren ununterbrochen im Hochsommer in dieses Resort und wohnt immer im gleichen Bungalow direkt am Strand. Obwohl er auf der Insel schon mehrere Zyklone überlebt hat, fühlt er sich hier pudelwohl, genießt das umsorgte Leben, das ihm zu einem Bruchteil der Kosten verglichen zu ähnlichen Resorts in seinem Heimatland geboten wird und hat schon ein ganzes Netzwerk von Plantation Island Resort Enthusiasten gesponnen, die sich alle im Sommer hier treffen.

So findet jeder sein eigenes, ganz persönliches kleines Paradies auf das er schwört und in dem er sich wohl fühlt und das ist auch gut so.


Und wer nicht weiss, wo Malolo liegt, hier die Google Maps Seite:


Größere Kartenansicht

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  1. Herbert Gans (FFC)’s Avatar

    Hallo Ihr Weltreisenden!
    Mit Spannung erwartete ich Euren Fidschi Inselbericht! Die Ruhetage bei warmen Regen habt Ihr Euch verdient, aber Friedrich liefert bei jedem Wetter die Superbilder! – Hier haben wir auch noch keinen Winter.
    Weiterhin schönen „Jahresurlaub!“

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