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Neuseeland, Fazit und Tipps

Etwa sieben Wochen bereisten wir das Land der Kiwis in unserem kleinen, engen Toyota Campervan und legten dabei ca. 8.000 Kilometer auf den beiden Hauptinseln zurück. Viel haben wir über dieses Land am anderen Ende der Welt tief unten im Süd-Pazifik gelernt.

Neuseeland ist das perfekte Reiseland für moderne Individualtouristen, die sich in ein Auto oder besser noch in ein Wohnmobil setzen und komfortabel durch das Land reisen. Das großartige Landschaftstheater zieht bedächtig an den staunenden Reisenden vorbei und dabei hat Neuseeland viel, sehr viel Landschaft zu bieten: Tolle Felsküsten mit sichelförmigen, malerisch eingelagerten Sandstränden, Vulkane und heiße Quellen, herrliche alpine Landschaften, die Fjorde im norwegischen Miniformat und ganz im Norden Kilometer lange Sandstrände mit riesigen Sanddünen aus feinstem, weissen Sand. Dazu kommt eine einzigartige Flora und Fauna, die uns als Reisende immer wieder schwer beeindruckt hat.

In Neuseeland kommen nicht nur die Besucher auf ihre Kosten, die mit riesigen Wohnmobilen durch das Land reisen und alle Aktivitäten mitbuchen, am besten Helikoper Flüge und Bootstouren der obersten Preisklasse. Man kann auch im ganz normalen Auto das Land bereisen und in den zahllosen Motels, Hotels und bei Bead&Breakfast übernachten. Noch einfacher geht es mit Auto und Zelt. Alle Campingplätze und besonders die Top10 Campingplätze, die wir häufig für die Nacht aufgesucht haben, sind sehr sauber und ordentlich und fast so komfortabel ausgerüstet wie so manche Ferienwohnung in Deutschland. Die Gemeinschaftsräume, Facilities genannt, umfassen Fernseh- und sogar manchmal Konferenzräume, eine Laundry mit Waschmaschinen und Trocknern für wenig Geld, einen Internetraum mit PCs und kostenpflichtigem Internetzugang, eine große, sehr große Küche mit Abwaschbecken, Kochstellen, Tischen und Stühlen, Toaster und Boiler. Eine Grillstelle mit mehreren großen Elektro- oder Holzgrills mit einer netten Sitzecke ist auch häufig dabei. Und das alles gibt es für etwa 25-30€, wenn man im Campervan mit 2 Erwachsenen und einem 14 jährigen Jugendlichen inklusive Stromanschluß übernachtet!

In Neuseeland war früher das freie Übernachten auf einem öffentlichen Parkplatz mit einem Wohnmobil meistens erlaubt. Das ist seit kurzem anders gesetzlich geregelt: Im Prinzip darf man nirgendwo auf öffentlichen Stellplätzen übernachten ausgenommen es ist ausdrücklich erlaubt. Wir fanden solche ausgewiesenen Plätze zum Übernachten im Wohnmobil an der Westküste der Südinsel, auf dem Weg zum Milford Sound und auch ganz im Norden der Nordinsel. Wir persönlich zogen aber immer einen Campingplatz vor. Er bietet reichhaltige Facilities und ist auch eine nette Informationszentrale und Kontaktbörse mit anderen Reisenden.

Neuseeland machte auf uns einen äußerst sauberen und gepflegten Eindruck. Nirgends lag Müll herum. Die vielen Grünanlagen waren gepflegt, das Gras geschnitten. In jeder Stadt und vielen Rest Areas, Parkplätzen am Rande der Straßen, gab es saubere Toiletten, die alle kostenlos sind. Parkplätze, die zu Sehenswürdigkeiten gehören, sind ebenfalls kostenlos. Als europäischer Tourist fühlt man sich hier richtig wohl und fast wie im Paradies, bedenkt man das Ausnehmen der Touristen in vielen europäischen Ländern. Auch die genaue Mülltrennung überall in Glas-, Plastik-, Metall- und Restmüll haben wir im Blut und fällt uns daher nicht schwer. Bettlern in den Städten sind wir nirgendwo begegnet; wir wurden niemals auf der Straße angesprochen, Dinge zu kaufen. Überrascht hat uns, dass Schulen in den Gemeinden, seien sie auch noch so klein, freundlich, offen und sauber aussahen, mit gepflegten Rasenanlagen für Sport, Tennisanlagen und manchmal einem tollen Kinderspielplatz und einem Swimmingpool gleich dabei. Warum ist das in dem viel wohlhabenderen Deutschland nicht auch möglich haben wir uns oft gefragt.

Das Klima ist jedem Nordeuropäer nicht fremd – außer, dass es um 6 Monate versetzt ist. In den von uns bereisten Monaten November und Dezember war es angenehm warm so um die 20-25°. Sonne, Wolken sind der Standard aber auch mit einem gelegentlichen, heftigen Regenschauer muß man immer rechnen. Es kann auch mal drei Tage durchregnen bei angenehmen Temperaturen, wie in unseren letzten Tagen in Neuseeland. Viel Wind haben wir erlebt bis hin zu Sturm und Orkan. Im Osten beider Inseln ist es allgemein wärmer und deutlich trockener; im Westen der Südinsel ist es eher nass und regnerisch. Am Franz-Josef Gletscher, der vom Bergmassiv des 3.000 Meter hohen Mt. Cook gespeist wird und der im Westen der Südinsel liegt regnet es an etwa 220 Tagen des Jahres. Da kann man schon von Glück sagen, wenn man die fantastische Gletschertour auf dem Eis trocken wie wir übersteht und dabei noch ein Stück blauen Himmels zu Gesicht bekommt.

Die Straßen Neuseelands sind der Bevölkerungsdichte angepasst meist zweispurig mit Überholabschnitten und sind häufig kurvenreich angelegt. Als Tourist, der nicht unter Termindruck steht, ist es im neuseeländischen Linksverkehr ein angenehmes Fahren. Durch die starke Bodenerosion in Neuseeland sind Straßenschäden durch Absenkungen der Fahrbahndecke und Erdrutsche nach starken Regenfällen an der Tagesordnung. Es wird daher an vielen Stellen ausgebessert und geflickt.

Neuseeland berherbergt jedes Jahr viele Touristen aus aller Herren Länder. Das zieht natürlich, wie sollte es anders sein, auch Diebe an. Auf allen Campingplätzen und an allen Parkplätzen findet man Schilder mit der Aufschrift: ‚Lock it or lose it‘. Dies heißt: Auto abschließen oder die Wertsachen sind weg. Seine Sachen zu sichern und Wertsachen nicht offen sichtbar liegen zu lassen gehört aber sowieso zum Pflichtprogramm eines jeden Reisenden. Am besten aber ist, man befolgt ‚Lock it or lose it‘ immer.

Neuseeland hat viele Naturschutzgebiete, das sind National Parks, Conversation Areas, Scenic Resorts und Regional Parks ausgewiesen und diese werden vom Department of Conservation gepflegt und mit vielen Info Tafeln und angelegten Wegen dem Besucher angeboten. All dies ist frei, ohne irgendeine Gebühr zu erheben. Um viele Parks herum bieten private Dienstleister ihre Activities an. Diese Angebote können z.Bsp. geführte Wander-, Kayak-, Gletscher und Whale Watching Touren sein aber auch Bootsfahrten und Helikopterflüge. Natürlich hat all dies seinen Preis und der ist meistens recht ordentlich. Man kann das machen, braucht es aber nicht. Jemand, der auf all diese Aktivitäten verzichtet und stattdessen den Milford- und Kepler Track erwandert, im Tongariro National Park mehrtägige Rucksacktouren macht oder am Cape Reinga ganz am nördlichsten Punkt Neuseelands, der wird für wenig Geld viel, viel erleben. Ein Geheimtipp für jeden Neuseelandreisenden, der Mühen und Strapazen nicht scheut und Freude am mehrtägigen Wandern hat, dem seien die neun Great Walks , die vom Department of Conservation angelegt wurden und die teilweise eine vorherige Buchung erfordern um die Übernachtungen in Hütten zu sichern, ans Herz gelegt.

Die Kiwis sind, nach unserer Einschätzung, Meister im Marketing und Vertrieb von Aktivitäten für Touristen. Jedes i-site bzw. Info Punkt, jeder Campingplatz und jedes Visitor Centre verkauft und vermittelt Aktivitäten und macht auch gerne auf Verlangen jede Reservierung irgendwo im Lande, die der Tourist erbittet. Man wird mit vielen Discount Karten eingedeckt, die einen Rabatt versprechen, wenn man z.Bsp. als Besucher des Campingplatzes in ein bestimmtes Restaurant des Ortes geht. Wir kauften und benutzten als Discountkarte die Top10 Mitgliedskarte bis wir sie im Kerikeri Campingplatz im Norden liegen ließen. Sie bietet 10% Rabatt auf den Plätzen der Campingplatzkette sowie 10% bei der Überfahrt zwischen den Hauptinseln mit Interislander Fähren und bei Gletscher und Besichtigungstouren. Wir können diese Mitgliedskarte, die 40 NZ$ (ca. 25€) kostet, empfehlen. Die Kosten für die Karte hat man schnell wieder raus.

Wir haben die Kiwis als praktisch denkende, zupackende, freundliche Menschen erlebt, die nach getaner Arbeit auch durchaus das Freizeitangebot ihres Landes annehmen und angeln, joggen, surfen oder biken. Bedenkt man, dass nur 4,4 Millionen Menschen auf einer Fläche leben, die etwa 3/4 so groß wie Deutschland ist, so ahnt man, dass genügend Platz zum Austoben vorhanden ist. Die vielen, einzigartigen Küsten, die von den Ballungsräumen Auckland, Wellington oder Christchurch und Dunedin auf kurzem Wege zu erreichen sind laden dazu förmlich ein. All dies führt auch dazu, dass sich ein normaler Kiwi eher geistig mit seiner Rugbymannschaft oder dem Hochseefischen auseinandersetzt als sich kulturellen Genüssen, wie wir sie kennen, hinzugeben.

Und Negatives gibt es auch zu berichten: Bis etwa ins 12. Jahrhundert lebten keine Menschen auf den neuseeländischen Inseln, dann kamen die Maori aus Polynesien und am Ende des 18. Jahrhunderts die Europäer. Schon die Maori hatten die ursprüngliche, über tausende von Jahren in Isolation gewachsene Flora und Fauna verändert aber den großen Rest erledigten die Europäer. Sie holzten beispielsweise den Urwald besonders auf der Nordinsel und im Osten der Südinsel radikal ab um Wiesen für Schafe anzulegen. Heutzutage sind Schafe und deren Wolle vielleicht nicht mehr so gefragt, denn viele Landbesitzer pflanzen hässliche Kiefernwälder an und halten Herden von Rehen und Hirschen auf ihren Ländereien um deren Fleisch vielleicht bei Aldi in Deutschland mit gutem Gewinn verkaufen zu können. Leider verschandelt dies die Landschaftsharmonie und uns als Touristen ist dies häufig sehr negativ aufgefallen. Aber man muß natürlich auch verstehen: Auch ein Kiwi will ein angenehmes Leben führen.

Am Schluß des Artikels gibt es unsere Fahrwege auf der Nord- und Südinsel als GPS Track Files zum Download. Die Nordinsel:

  NZNordinsel (1,3 MiB, 501 hits)


und die Südinsel:

  NZ Suedinsel (1,9 MiB, 471 hits)

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