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Nepal, unser Leben in Kathmandu

Wir brauchten etwa eine Woche um uns gesellschaftlich zu aklimatisieren und um die innere Bereitschaft zu haben uns auf das Abenteuer Kathmandu einzulassen.

Kathmandu ist mit etwa 2,5 Millionen Einwohnern nicht einmal eine der großen asiatischen Metropolen und liegt nicht im Fokus der Verkehrs- und Wirtschaftsströme der globalen Welt wie etwa Delhi oder Bangkog. Kathmandu konnte sich dadurch viel von seiner ursprünglichen Tradition im alltäglichen Leben der Menschen bewahren und das ist der Reiz dieser Stadt.

Wir kamen auf dem etwas schäbig wirkenden Flughafen Kathmandus an und wurden direkt von unseren zwei Nepalis, Dev und Pradip mit großem Schild: ‚Franziska’s Family‘ empfangen. Hatte es also doch geklappt: Unsere Tochter war schon zwei Mal in Nepal zu Besuch und hatte ihre nepalesischen Freunde als treusorgende Führer in dieser für uns anderen Welt engagiert. Pradip ist der Taxifahrer. Er hat Familie, eine Tochter von 12 Jahren und einen neunjährigen Sohn. Mit seinem kleinen Suzuki Made by Maruti in India der schon etwas in den Jahren ist kutschiert er Touristen durch Kathmandu und verdient so das Geld für seine Familie inklusive Schulgeld für die Kinder. Hat man ein Anliegen so kommt von Pradip oder Dev, wie von allen Nepali, die Antwort: ‚No Problem, No Problem. I call you‘. Es wird das soziale Netzwerk mit Handy, was hier Cell Phone heißt, kontaktiert und dann werden Absprachen ausgehandelt. Wir fühlten uns umsorgt, wie die kleinen Elefantenbabys. Wollten wir dann einmal hervorheben, wie außergewöhnlich wir ihr Engagement empfanden, guckten uns die Nepali nur ganz erstaunt an und sagten: ‚You are Family‘.

Dev war der eigentliche Organisator für uns. Er ist 22 Jahre alt, kommt aus dem Süden Nepals und ist wie Pradip Teil einer höheren Hindu Kaste. Dies sei nur am Rande erwähnt, denn Kasten in Nepal sind seit der Staatsumwandlung in eine paralamentarische Republik 2006 offiziell abgeschafft. Dev managed an der Rezeption eines Hotels die Touristen und spricht sehr gut English wie viele Nepali mit höherer sozialen Stellung. Er hat ein äußerst angenehmes Wesen. Er arbeitet um die Studiengebühren für sein Bachelor Studium in Kathmandu aufbringen zu können.

In Kathmandu trauten wir uns die ersten Tage nicht aus dem Haus, da wir Angst hatten, uns zu verlaufen. Die Straßen sind verwinkelt und voller Menschen, die Waren anbieten oder nur von A nach B gehen wollen. In Thamel, dem zentralen Stadtteil Kathmandus in dem fast alle Touristen wohnen, in Shops gehen, Touren planen und Restaurants besuchen, wohnten auch wir. Dev hatte uns das Hotel besorgt und gleich einen guten Preis ausgehandelt. Die winkligen Gassen sehen eine wie die andere aus. Holpriges Pflaster, überall Leitungen für Strom oder Telefon oder Daten – genau weiss das sicher niemand – in vier Metern Höhe. Werbefähnchen verdunkeln den schmalen Sonneneinlaß der Gässchen von oben. Jeder Händler, jeder Laden preist seine Produkte an – akustisch wie auch visuell und manchmal indem man auf der Straße den Kunden direkt angeht.

Dabei haben wir das Werben von Kunden durch die Händler nicht als aufdringlich empfunden. Nach ein paar Tagen hat man sich daran gewöhnt. Es ist normaler Umgang der Menschen untereinander und man wundert sich, wenn man an einem hohen nepalesischen Feiertag nicht angegangen wird um Kleinkram oder eine Taxidienstleistung zu kaufen.

Überhaupt fühlten wir uns in Kathmandu wie auch in Chitwan im Süden absolut sicher. Klar, die Menschen sind arm und wir im Verhältnis zu ihnen reich. Trotzdem gehen sie mit uns freundlich und respektvoll um.

Wollen wir etwas von Kathmandu und der Umgebung sehen so besprechen wir es meistens zuerst mit Dev. Zum Beispiel ist eine Fahrt nach Bhaktapur zu den alten Hindu Tempelanlagen im Osten außerhalb Kathmandus mit Besichtigung der alten, die Tempel umgebenden Stadt Bhaktapur empfehlenswert. Außerdem möchten wir einen Stadtteil Kathmandus besuchen in dem keine Touristen verkehren. Dev ruft Pradip an, wir machen einen Termin aus und ab geht es im kleinen Maruti-Suzuki hupend die schmalen Gassen hinaus Richtung Flughafen und weiter, die vierspurige, von Japanern gebaute Straße bis Bhaktapur.

Hatten wir in Namibia und Dubai wenig bis keinen Kontakt zur Bevölkerung so fühlen wir uns hier mitten drin. Wir bekommen mit, wie die Menschen mit sich und Fremden umgehen und welches Leben sie in Kathmandu führen. Wir erleben, dass die Menschen mit ihrem Hindu und/oder Buddha Glauben sehr verbunden sind und eine große Glaubenstoleranz gegen die jeweils andere Religion pflegen. Wir sehen, dass sehr viele Menschen mit der Erzeugung landwirtschaftlicher und handwerklicher Produkte beschäftigt sind; industrielle Fertigung wie bei uns gibt es gar nicht. Wir erfahren auch und das am eigenen Leib, dass der Handel im kleinen Stil, direkt auf der Straße oder in kleinen Läden dominiert. Kleine Supermärkte gibt es nur dort wo Touristen anzutreffen sind. Wir sehen aber auch, dass die Stadt am Verkehr und am Plastikmüll der Petroindustrie zu ersticken droht. Manchmal würden wir uns aus Deutschland eine nett eingerichtete Fußgängerzone wünschen und einen Müllwagen gleich mit dazu mit zupackenden Müllmännern um den ganzen Abfall abzuräumen.

Kann man aus allem jetzt etwas Lernen? Ich glaube nicht. Wir leben anders, in einem regulierten Staatswesen, in dem Infrastruktur gebaut und unterhalten wird und die Müllabfuhr termingerecht kommt. Wir beschäftigen uns damit, unseren zerkauten, winzigen Kaugummi vernünftig zu entsorgen und zur gleichen Zeit werfen die Nepali im Bus eine Reihe vor uns ihre leere Chipstüte aus dem Fenster und die Plastikflasche gleich hinterher. Die Nepali sehen sich als autonom handelnde Individuen, die keinen großen Plan haben, keinen Staat oder Regeln im Miteinander des Lebens benötigen. Sie suchen friedfertig zusammen nach pragmatischen Lösungen – so haben wir es empfunden.

Die Bilder, die ich am Ende dieses Artikels angehängt habe, zeigen ein paar Aufnahmen vom, wie unsere Nepali sagen: Munkey Tempel oder korrekt Swayambhunath. Außerdem zeige ich Bilder aus Boudhanath, Patan und dem großen Hindu Tempel Pashupatinath mit den öffentlichen Totenverbrennungen. Leichen werden überall in Nepal verbrannt. Friedhöfe gibt es nicht. Die meisten Bilder widme ich aber den Menschen in Nepal in ihrem täglichen Alltagsleben. Auch der chaotische Verkehr und die kleinen Gassen von Kathmandu sollen nicht unterschlagen werden. Ich zeige keine Müllberge oder Menschen, die darin nach letztem Verwertbaren suchen, da ich denke, dass das ein falsches Bild dieser Stadt und dieses Landes vermittelt und auch die Würde dieser Menschen nicht respektiert. Pradip hat uns in Stadtteile und kleine Dörfer geführt, die auf uns wirkten als ob wir ins Mittelalter gebeamt worden wären und dies ohne Scham. Er erklärte wie selbstverständlich, was die Menschen gerade bearbeiteten, wozu die erzeugten Güter benutzt werden oder den kulturelle und religiöse Hintergrung.

Wir waren zufällig zum Dasain Festival Ende September, Anfang Oktober in Nepal. Dieses Fest geht über mehrere Tage, Büros sind geschlossen und viele Nepali fahren nach Hause zu ihren Familien. Von den Hindus werden in den Tempeln in rituellen Zeremonien Ziegen und Büffel geopfert, das Blut bekommen die Götter, den Rest isst man auf. Eine andere Sitte ist es, Drachen oder Keits fliegen zu lassen und das Mitten in der Großstadt Kathmandu von den Dächern der Häuser aus. Einige Bilder zeigen diesen Brauch und den Spaß, den Groß und Klein dabei hat.

Kathmandu und die Menschen dieser Stadt sind uns wirklich ans Herz gewachsen.


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  1. Herbert Gans’s Avatar

    Hallo Friedrich!
    Jetzt nach fast 4 Jahren sind Deine Aufnahmen schon historisch! Schrecklich, dass durch das starke Erdbeben 2015 fast alles zerstört wurde!
    Dank für Deine Ansichten, wie es einmal war……….!

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  2. Didi Bartels’s Avatar

    Hallo Friedrich,
    tolle Bilder,
    toller Reisebericht,
    tolle Handwerker, Drachenpiloten, „Wuseler“ undundund <3 !!!

    Einfach unglaublich beeindruckend!

    Vielen, vielen Dank!

    P.S. Muss Nepal wohl in meinem Leben einmal sehen!

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  3. Gunilla’s Avatar

    Soooo viele Bilder habe ich noch nicht auf meine Reisen gesammelt. Aber es werden jedes jahr mehr. Schöne informative Seite hier. Gruß aus Frankfurt.

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  4. Johann’s Avatar

    Gute Bilder. Ich bin beeindruckt von der Vielfalt. Sehr gute Perspektiven und Bildausschnitte.

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  5. Ronny’s Avatar

    Die Fotos von Nepal sind der Hammer. Noch habe ich es nicht dorthin geschafft. Ich sollte meinen nächsten Trip wohl endlich mal dorhin planen. Die Landschaft, das Licht. Ich fotgrafiere mit einer Canon 5D Mark II. Da ist zwar dann eine Menge an Gewicht zu schleppen (L-Objektive), aber es wird sich bestimmt lohnen. Weiter so mit den schönen Bildern.

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  6. Ralf’s Avatar

    Ich kann mich Caludia nur anschließen. ich fotoigrafiere auch auf unseren Reisen. Aber so viel Mühe und „Auge“ bringe ich dann doch nicht auf. Vielleicht nehme ihc mir nicht genug Zeit zum fotografieren.

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  7. Claudia’s Avatar

    Wirklich wunderschöne Bilder. Klasse

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  8. callgirls’s Avatar

    Hi, Neat post. There’s a problem along with your web site in web explorer, could test this? IE nonetheless is the market leader and a big element of other people will pass over your excellent writing due to this problem.

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  9. Bhusan’s Avatar

    „Die Nepali sehen sich als autonom handelnde Individuen, die keinen großen Plan haben, keinen Staat oder Regeln im Miteinander des Lebens benötigen. Sie suchen friedfertig zusammen nach pragmatischen Lösungen“ – sehr gut beschrieben.

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  10. Kerstin Bültena’s Avatar

    Hallo Friedrich,
    fantastische Fotos und wie farbenfroh sie sind. Es macht Spaß deine Reiseberichte zu lesen, da bekommen wir auch gleich Fernweh. Liebe Grüsse von den 4 Bültenas

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  11. Franziska Glasenapp’s Avatar

    wirklich ganz beeindruckende Bilder. Da bekomme ich direkt wieder Fernweh nach Nepal!
    Viele Grüße auch vom Opa. Wir sitzen hier gerade in Sechtem und haben uns bei einer Tasse Tee den Bericht durchgelesen. Das Haus steht noch!
    Wir wünschen euch einen schönen Trek im Annapurna!!

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  12. Dagmar Schmidt’s Avatar

    Hallo Friedrich,
    von deinen Bildern aus Nepal bin ich schwer begeistert. Die Fotos aus Namibia und Dubai fand ich auch schon sehr gelungen. Es ist halt sehr viel Landschaft und Stadt. Wie du schon in deinem Bericht schreibst, die Menschen fehlen etwas. Aber hier in Nepoal ist es dir gelungen die Menschen in ihrem Alltagsumfeld einzufangen und liebevoll zu porträtieren. Herzlichen Glückwunsch zu diesen Fotos.
    Dagmar

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  13. Herbert Gans (FFC)’s Avatar

    Hallo in die Ferne!
    Es freut mich, dass Ihr in guter „Obhut“ von Einheimischen seid, jetzt wirklich unter vielen Menschen! Das sind dann auch Deine besonderen Fotos! – Thailand wird z.Zt. mit Hochwasser überschwemmt, auch Bangkok soll betroffen werden! Hoffe Ihr habt noch besseres Wetter.
    Liebe Grüsse aus Köln

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