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Ein Tag in Dubai-Stadt

Nach vier Wochen in Namibia war die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen. Etwas wehmütig bestiegen wir den South African Airlines Flieger von Windhoek nach Johannesburg, denn der Abschied von Namibia fiel uns sehr schwer.

Nach einigen Stunden Wartezeit in Johannesburg ging es mit dem Emirates Nachtflieger weiter nach Dubai. Wir flogen komfortabel in einer Boeing 777 Maschine mit Hightech Multimedia Touchbildschirm an jedem Sitz und vorzüglicher kulinarischer Versorgung. Nach dem servierten Dinner wurde das Licht gedimmt und auf die Decke ein künstlicher Sternenhimmel projiziert. Es war Zeit für ein Schläfchen in der Erwartung, dass die Landung und die Einreise am frühen Morgen noch viel Kraft von uns abverlangen würde.

Verläßt man das Flugzeug nach der Landung ist der erste Weg immer direkt zur Einreisekontrolle. Es wird meistens das Handgepäck noch einmal durchleuchtet, man selbst muß eine Sicherheitsschleuse mit Metalldetektoren passieren und dann geht es zum formalen Teil: Ausfüllen des Einreiseformulars und zur Passkontrolle. In Dubai-Stadt werden alle Dienstleistungen, soweit wir es gesehen haben, nicht von Emiratis in ihrer weißen Kleidung, der Thawb oder Dischdascha, die auf uns wie ein weiter, luftiger Überwurf wirkt, getätigt sondern dazu hat man Zeitarbeiter aus Indien, China, Nepal und anderen Ländern einreisen lassen. Bei der Passkontrolle war das nicht so. Es gab viele Schalter mit vielen jungen Emiratis in ihren strahlend weißen Gewändern. Nur wenige Einreiseschalter waren allerdings wirklich geöffnet und die Arbeit der Einreisebeamten ging langsam und bedächtig voran. Ein Schwätzchen hier, kurz mal weggehen um Wasser zu trinken alles kein Problem selbst wenn die Schlange der Einreisewilligen stetig wuchs. Am Schalter angekommen mußte man in eine kleine Kamera gucken, es wurde ein Bild geschossen, der Pass elektronisch geprüft, gestempelt und irgendetwas geschrieben und dann durfte man Dubai endlich betreten und zur Gepäckannahme gehen, wo die Rucksäcke und Koffer sich schon unendlich lange im Kreis drehten.

Dubai ist eines der Emirate, das zu den Vereinigten Arabischen Emiraten VAE am Persischen Golf gehört. Obwohl die Hauptstadt der VAE Abu Dhabi ist so ist Dubai-Stadt das Wirtschaftszentrum dieses Staates. Schon der internationale Flughafen von Dubai-Stadt ist gigantisch und wird stetig ausgebaut. Er liegt sehr zentrumsnah sodass wir mit unserem Mietwagen nur 2-3 Kilometer zu fahren hatten ehe wir uns in unser in Windhoek per Internet gebuchtes Novotel Hotel einchecken konnten um uns erst einmal für ein paar Stunden auszuruhen.

Wir hatten einen kurzen Aufenthalt in Dubai-Stadt erwogen, weil der Flughafen von Dubai heutzutage eines der wichtigsten Drehkreuze im Luftverkehr nach Asien ist und wir auf unserem Weg von Namibia nach Nepal sowieso in Dubai hätten landen müssen. Ein kurzer Besuch in einem arabischen Land bot sich daher an.

Es fällt in Dubai sofort auf, dass es Emiratis und Nicht-Emiratis gibt. Nur die Emirati Männer tragen die weiße Thawb, die traditionellen Frauen sind verschleiert und tragen die schwarze Burka. Die Frauen trugen nicht ausschließlich Burkas mit Sehschlitz sondern manchmal war das Gesicht auch unverdeckt. Dubai ist ein für arabische Verhältniss recht toleranter Staat zumindest gegenüber den Nichtmuslimen. Die tragen in der Stadt ihre europäisch geprägte Kleidung, viele Verkäufer in den hochpreisigen Läden tragen westliche Anzüge mit Krawatte. Man läuft durch die Stadt und ihre voll klimatisierten Glitzermalls nicht in kurzen Hosen oder durchsichtigen T-Shirts. Das verbietet schon die Achtung vor den Sitten und der Moralvorstellung des Gastlandes.

Es fällt sofort auf, dass nur Nicht Emiratis die Arbeit in den Wollworth, Mc Donalds und allen ander Läden leisten. Als Verkäufer haben wir keinen weiß gekleideten Emirati gesehen. Im Cafe sitz aber durchaus eine Frau in Burka am Nebentisch und arbeitet am Laptop, da hat die moderne Zeit dann doch Einzug gehalten.

Dubai-Stadt ist erst in den letzten ca. 20 Jahren förmlich explodiert. War es ursprünglich ein kleines Fischerdorf am Rande der arabischen Sandwüste so ist es heute eine moderne Millionenstadt, die den Anspruch erhebt es mit amerikanischen Vorbildern aufzunehmen. Alles wirkt sehr großzügig, vom Feinsten und Besten, eingekauft für viele, viele und noch viel mehr Petrodollars. Dubai boomt an allen Ecken und Enden. Achtspurige Straßen werden durch die wachsende Metropole gezogen, gigantische Autobahnkreuze mitten in Dubai sind die Folge. Die Beschilderung kommt häufig nicht richtig hinterher sodass man, folgt man den Schildern, durchaus im Nirwana landen kann und auch das Navi gibt sich manchmal geschlagen weil die jetzige Straße vor kurzem noch Wüste war und die Navikarte vom eingezogenen Fortschritt noch nichts mitbekommen hat.

Wolkenkratzer bestimmen das Stadtbild. Fertige und viele unfertige mit festmontierten Baukränen an den Fassaden. Es scheint, als ob die Realität manchmal die eurphorischen Baupläne der Bauherren schneller eingeholt hat als das Gebäude fertig wurde.

Alles wirkt auf den kurzen Besucher planlos. Man hat viel Geld und macht viel. Action ist Trumpf. Eine wirkliche Stadtplanung scheint es nicht zu geben. Ortsteile mit vielstöckigen Gebäuden werden einfach in die Wüste am Rande der Stadt gebaut; Platz hat man ja. Dabei bleibt scheinbar einiges unvollendet für die Ewigkeit stehen neben fertigen, beziehbaren Wohnblöcken. Kleine Läden oder Supermärkte zur Versorgung mit dem Alltäglichen haben wir in diesen urbanen Vierteln nicht gesehen. Man steigt stattdessen in das vollklimatisierte, großräumige Auto und fährt kilometerweit zur nächsten Einkaufsmeile oder gleich rein nach Dubai-Stadt. Auch Spielplätze für Kinder im Wohnviertel konnten wir nicht entdecken. Aber das ist wohl auch den ständig sehr hohen Temperaturen und der drückenden Luftfeuchtigkeit in diesem Lande geschuldet.

Wir besuchten die Dubai Mall direkt am Burj Khalifa, dem seit 2008 größten Bauwerk der Welt. In der voll klimatisierten, energie fressenden Einkaufsmeile trifft man sich in Dubai um einzukaufen und um zu flanieren, besonders am heutigen Freitag, dem Sonntag der Muslime. Die Emiratis kamen mit ihren Familien, die Männer zeigten dabei stolz ihren Nachwuchs indem sie ihn auf dem Arm trugen oder im Kinderwagen schoben. Viele westliche Handels- und Boutiquenketten sind in dem Einkaufszentrum präsent; Lafayette, Woolworth, H+M und unzählige andere. Wir suchten nur einen Buchladen europäischen Zuschnitts hier vergebens um einen Stadtplan zu kaufen. Kultur schien uns nicht oben auf der Must-Do Liste der Emiratis zu stehen.

Wir nahmen, bevor wir zum internationalen Flughafen fuhren um neue Ziele in der Welt anzusteuern, die Möglichkeit wahr, uns mit einem Expressfahrstuhl auf die im 127. Stock des Burj Khalifa Hochhauses gelegene Aussichtsplattform in über 850 Meter Höhe beamen zu lassen. Es war 21:00 Uhr und schon weit nach Sonnenuntergang. Von hier oben bot sich uns ein toller, weiter Blick auf die erleuchtete Stadt unter uns. Wir waren schwer beeindruckt.

Wieder unten angekommen erwarteten uns Wasserspiele zu orientalischer Musik. Endlich spürten wir einen Hauch von Kultur und konnten damit doch in Frieden diesen Ort zwischen hartem Business und arabischer Tradition verlassen.


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  1. Kathrin Zarfl’s Avatar

    Das sieht wirklich unglaublich aus! Schön dass es Euch gut geht! Euer Töchterchen erwartet Euch 🙂 Lieben Gruß aus dem einwöchigen sommerlichen (28 Grad!!!) Wesseling
    Eure Kathrin

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