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Namibia von Swakopmund aus auf einsamen Wegen

Die Strecke von Sossusvlei bis zur Atlantikküste bei Swakopmund bedeutet fast 350KM Schotterstraße fahren und ist richtig harte Arbeit. Kommt ein Fahrzeug entgegen bedeutet das: Fenster schließen, langsam und ganz links fahren damit man keinen Steinschlag in der Windschutzscheibe einfängt. Trotzdem wird man mächtig eingestaubt, für kurze Zeit ist alle Sicht genommen.

Kurz vor Walfish Bay wechselte die Straße am Flughafen plötzlich von Schotter auf Teer. Wir hatten es geschafft. Die Landschaft hatte sich mittlerweile in eine Dünenlandschaft ohne viel Bewuchs verändert. Wolken sind am Himmel aufgezogen und die Temperatur lag in den erträglichen Zwanzigern. Walfish Bay erschien uns als eine Art Boomtown von Namibia. Man baute intensiv Häuser und Straßen, viele Baufahrzeuge passierten uns. Wir fuhren den nächsten Campingplatz, der auf unserem Navi verzeichnet war, an: Long Beach (GPS: S22 48.637 E14 32.710), gelegen zwischen Walfish Bay und Swakopmund fast direkt am Meer. Alles war groß ausgelegt. Der Platz bot vielen Campern ein Plätzchen zum Übernachten. Die Sanitäranlagen hinterliessen baulich einen großzügigen Eindruck, waren aber sehr herabgewirtschaftet, allerdings mit zwei Badewannen im Waschhaus. Wir würden nie ein Bedürfnis verspüren auf einem Campingplatz in eine Wanne zu steigen – aber andere Länder andere Sitten. Nachteil des Platzes: Er war fast ganz leer. Nur wir und ein paar schwarze Wanderarbeiter wollten hier übernachten. Zur Zeit ist eben keine Badesaison an der namibischen Atlantikküste. Wir hatten schon bezahlt und uns auf den zugewiesenen Platz begeben aber langsam fühlten wir uns unwohl. Als einzige Weiße auf einem riesigen, fast unbesetzten und ungesicherten Campingplatz. Das ließ eine schlaflose Nacht erwarten. Wir packten kurzerhand unsere Sachen, fuhren durchs Tor und visierten den südlichsten Campingplatz an der Stadtgrenze von Swakopmund an. Der gepflegte Platz mit Lodges hieß ‚Alte Brücke‘ (GPS: S22 41.183 E14 31.515) und war nur 15 Minuten Fußmarsch vom Städtchen Swakopmund entfernt. Hier fühlten wir uns – ob begründet oder nicht – wirklich sicher und wohl.

Am Strand schlenderten wir am nächsten Tag bis zur Landungsbrücke von Swakopmund und dann in die Stadt hinein. Swakopmund wirkt sehr deutsch. Deutsche Buchläden, deutsche Apotheke und deutsche Restaurants. Man spricht fließend Deutsch. Die Stadt macht einen sauberen Eindruck und lädt zum Schlendern durch die Fußgängerzone ein um vor diversen Läden stehen zu bleiben und vielleicht auch einmal hinein zu schauen und auch um Andenken zu kaufen. Der deutsche Buchladen in der Fußgängerzone führt die gängige deutsche Literatur, zeitgenössische und klassische, vergleichbar mit Thalia in Bonn. In den Souvenirläden fällt auf, dass kein Kitsch Made in China verkauft wird sondern richtige handgefertigte und sehr kreative afrikanische Kunst.

Wir besuchten das Swakopmund Museum am Leuchtturm mit einer interessanten und zu empfehlenden Ausstellung der weißen Besiedlung Namibias, dem täglichen Leben der ersten Farmer, ihrem Handwerkszeug und anderer Gebrauchsgegenstände. Auch das tägliche Leben der scharzen Bevölkerung ist liebevoll dokumentiert.

Als wir abends wieder zur ‚Alten Brücke‘ zurückkehrten fiel Christian ein safarifarbener Toyota Land Cruiser Geländewagen mit einer Afrikakarte an der Seite und deutschen Kennzeichen auf. Mit den Eigentümern Volker und Gisela kamen wir schnell ins Gespräch. Sie kamen aus Krefeld und Volker hatte den Toyota nach Namibia verschifft und bei einem Farmer in der Nähe des Windhoeker Flughafens übers Jahr abgestellt um jederzeit bei seinen häufigen Besuchen in Namibia mobil zu sein. Einmal im Jahr muß er mit dem Auto nach Zimbabwe ausreisen um das Zoll Carnet zu erneuern. Beide sind Ruheständler. Volker ist mit dem Toyota einige Male von Europa aus quer durch Afrika nach Namibia und zurück gefahren. Auch seine Reise Mitte der 70er Jahre im VW Bus bis nach Nepal, Indien und Sri Lanka klang sehr abenteuerlich und wir hörten gerne und interessiert zu.

Es kam wie es kommen mußte: Volker und Gisela suchten für eine Offroad Tour zum Messum Krater (GPS: S21 23.880 E14 12.397) und dann weiter über das Ugab Base Camp (GPS: S20 57.771 E14 07.947) das Tal des ausgetrockneten Ugab Flusses hinauf bis nach Twyvelfontein (GPS: S20 32.920 E14 24.035) Mitreisende in einem zweiten offroad fähigen Fahrzeug. Beide wollten dann weiter auf einsamen Wegen ins Land der Himba an die angolanische Grenze fahren. Sie hatten in ihrem Toyota alles was man in dieser Einsamkeit benötigt, insbesondere ein Satellitentelefon mit prepaid Karte und Kontakt zu einer Werkstatt in Henties Bay an der Atlantikküste, die die Beiden im Notfall aus der Wüste retten würden.

Nun gut, wir sagten zu bis nach Twyfelfontein im Damaraland mitzufahren. Dort gibt es berühmte Felsgravuren zu besichtigen. Twyvelfontein wurde 2007 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt und war für uns daher ein lohnendes Ziel, dort vorbei zu schauen. Danach sollten sich aber unsere Wege trennen, da wir nicht weiter in den Norden sondern über den Etosha Nationalpark nach Windhoek zurück fahren wollten.

Am nächsten Morgen fuhren wir zuerst nach Cape Cross oder das Kreuzkap (GPS: S21 45.583 E13 58.080). Hier landete der Portugiese Diogo Cão 1486 als erster Europäer an der namibischen Küste und errichtete ein Kreuz als Zeichen der Einnahme des Landes für Portugal. Aber das führte uns nicht hierher sondern die große Kolonie an Zwergpeltz Robben an dieser Küstenstelle und die Möglichkeit auf Laufstegen praktisch durch und über die Tierkolonie hinwegzulaufen. Das sollte man sich anschauen trotz des Lärms den die Tiere machen und des intensiven Gestanks nach Fäkalien. Während wir in Cape Cross Robben besichtigten besorgten Volker und Gisela in Swakopmund neue, wüstentaugliche Breitreifen für ihr Fahrzeug. Abends trafen wir uns auf dem Campingplatz von Henties Bay. Wir besprachen die Route bis zum Messum Crater und glichen unsere Navis ab. Volker hatte noch eine grobe, handschriftliche Wegezeichnung eines Farmers, die wir aber nicht so richtig auf unsere elektronischen Navigationsgeräte übertragen konnten aber die Route war uns klar.

Die Fahrt bis zum Messum Krater und dann am nächste Tag weiter nach Twyvelfontein war schon sehr abenteuerlich. Meistens fährt man ausgetrocknete Flusstäler, die hier Riviere heißen bergauf. Die abgelagerten Sedimente mit scharfen Steinen versetzt macht einen erheblich zu schaffen. Der Wagen wird hin und her geschüttelt und die Reifen schwer beansprucht. Bei den Reifen brechen leicht Teile der Stollen auf der Lauffläche aus; besonders gefährdet sind aber die Reifenflanken. Leicht schlitzt ein scharfer Stein die weiche Flanke auf und dann ist es um den Reifen geschehen. So ist es uns mit dem linken Vorderreifen passiert: Schaden 150€. Gott sei Dank hatten wir zwei Reservereifen dabei sodass wir ohne uns weiter Sorgen um den Schaden zu machen weiter fahren konnten.

Jeder der solche Offroad Touren plant: Es kommt tagelang niemand vorbei und man ist extremen Witterungen ausgesetzt. Um sich nicht zu gefährden, muß das Auto geländegängig sein, Allradantrieb haben, breite neue Reifen sollten aufgezogen sein, und 2 Reifen an Bord sind Pflicht. Ganz wichtig ist: Nicht alleine fahren und ein Satellitentelefon dabei haben, wobei man außerdem noch eine Werkstattadresse sich besorgen sollte, die einem im Notfall aus der Wüste wieder rausholen.

Nun zur Landschaft: Typische weite afrikanische Täler erwarteten uns auf dieser Fahrt, Einsamkeit und ein unbeschreiblicher Sternenhimmel in der Nacht. Morgens stand Nebel im Tal – was wir gar nicht erwartet hatten. Es war insgesamt ein tolles Erlebis; wir fühlten uns wie auf einer Expeditionstour. Der Krater übrigens war etwas enttäuschend, da er vor langer Zeit aus einer Lavaexplosion entstanden ist jetzt nach mehreren Millionen Jahren aber schon so verwittert war, dass wir die Caldera kaum noch erkennen konnten – aber das war uns nicht mehr wichtig. Der Weg war das Ziel – im wörtlichen Sinne.



Wer unsere Namibia Route weiterhin am GPS verfolgen möchte lade den unten bereitgestellten GPS Track File herunter und importiere ihn in Google Earth oder in sein GPS. Anleitungen findet man beim Googeln.

  NamibiaSwakopmundOffroad (215,0 KiB, 421 hits)

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  1. Matthias Kostka & Stefanie Bieber’s Avatar

    Hallo Ihr Lieben,
    tolle Fotos! Wir denken an Euch, sind ein bisschen neidisch, gönnen Euch aber diese fantastischen Erlebnisse von Herzen!
    Sind gespannt auf weitere Nachrichten von Euch und freuen uns auf ein Wiedersehen!
    Liebe Grüße
    Steffi und Matthias

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  2. Franziska Glasenapp’s Avatar

    sehr schoene Bilder! Hoffe euch gefaellt Nepal genauso gut!! Freue mich auf euch

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  3. Kathrin Zarfl’s Avatar

    Hallo an alle Glasenapps!
    Tolle Stories, atemberaubende Fotos und schön zu sehen/wissen dass es Euch gut geht 🙂
    Bitte weiter so!
    Liebe Grüße aus dem nochmal „sommerlichen“ Wesseling

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