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Namibia, vom Waterberg zu den Raubkatzen

Wir hatten nur noch fünf Tage bis zum Abflug aus Namibia und mußten langsam an die Rückfahrt nach Windhoek denken. Das Auto mußte zurückgegeben und unsere Sachen flugfertig gepackt werden. Das brauchte Zeit.

Vom Etosha Nationalpark im Norden Namibias bis Windhoek sind es etwa 550 Kilometer. Wir beschlossen auf dem Rückweg am Hoba Meteoriten (GPS S19 35.586 E17 56.068) vorbeizuschauen, zum Waterberg Nationalpark zu fahren und dann noch mal kurz vor Windhoek in einer Farm zu übernachten ehe wir richtig nach Windhoek hinein fahren und Namibia abschliessen wollten.

Wir verließen den Etosha Park und fuhren bis zum Campingplatz Lala Panzi (GPS S19 35.418 E18 02.864) etwas außerhalb von Grootfontein. Der Platz hatte neue Lodges und einen neuen Swimmingpool bekommen, alles sah sehr seriös aus. Das Anwesen schien nicht benutzt zu sein, auf dem Campingplatz gab es allerdings noch ein aufgebautes Zelt. Kurz vor Sonnenuntergang kam ein Pickup mit 5-6 schwarzen Arbeitern in ausgelassener Stimmung vorbei. Sie wollten nach einer harten Arbeitswoche am nächsten Morgen nach Windhoek zu ihren Familien fahren so erzählten sie uns. Aus dem Zelt kamen plötzlich zwei weisse Männer heraus, luden die Hälfte der Schwarzen auf den Pickup und weg ging es in die einbrechende Dunkelheit. Die anderen der Gruppe machten die Schlafstellen fertig, machten Feuer und sorgten für die gute Küche. Nach etwa zwei Stunden kamen die Schwarzen, die weggefahren waren, alleine im Pickup zurück, man hörte noch einige Zeit Stimmen und Unterhaltung in Afrikaans, dann war es still auf dem Platz.

Am nächsten Morgen waren unsere Mitbewohner schon früh auf den Beinen, packten all ihre Sachen und fuhren ab. Wir sind da langsamer aber irgendwann hatten auch wir es geschafft und waren abfahrbereit. Wie immer gingen wir über unseren Platz und dessen Nähe um zu schauen ob wir etwas hinterlassen würden und sei es nur Müll. Unser Erstaunen war groß als wir aufgerissene, leere Präservativschachteln entdeckten. Jetzt wußten wir warum die Stimmung der Arbeiter so ausgelassen war.

Wir fuhren zum Hoba Meteoriten, dem größten Eisenmeteoriten der Welt, der ohne zu zerbrechen vor einigen 10.000 Jahren auf die Erde aufgeschlagen ist und den man jetzt ausgegraben hat. Man setzt sich drauf, bestaunt den Koloss und weiter geht es an verschiedenen Farmen vorbei, durch Viehgatter, die die Farmen trennen, zum Waterberg.

Der Waterberg ist in Namibia neben einem wunderschönen Naturpark auch ein tragisches Symbol der deutschen Kolonisierung zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Verschiedene schwarze Stämme aber besonders die Herero, die zuerst mit den Weißen kooperierten, dann aber durch die Landnahme der Weißen in ihrer traditionellen Lebensart stark gefährdet waren und daraufhin den Weißen den Krieg erklärten. Nach Verstärkung der Deutschen Schutztruppe durch Soldaten aus Deutschland kam es am Waterberg zur Entscheidungsschlacht die für die Herero vernichtend endete.

Eigentlich muß man vom Waterberg Plateau sprechen. Über einer weiten Ebene, die in die Kalahari mündet erstreckt sich ein Tafelbergplateau. An der Kante gibt es private und vom NWR (Namibia Wildlife Resorts) geleitete Unterkünfte. Man kann dort luxuriös in den Lodges der privaten Farm Waterberg Wilderness Lodge (GPS S20 28.822 E17 16.776) für über 100€ pro Person übernachten. Dann ist aber auch ein grandioser östlich gerichteter Blick über die weite Ebene der Kalahari gesichert. Auf dem Campingplatz der Lodge bekommt man für viel, viel weniger Geld einen Platz mitten im Busch zugewiesen – inklusive einem kleinen, kreisrunden Busch Swimmingpool mit klarstem Quellwasser in den man sich ermattet reinlegen kann. Ein kurzer Weg durch die Wildnis führt zur Farm selbst mit Bar, Restaurants und einigen weiteren Lodges. Wasser gibt es in dieser Gegend zur genüge. Es regnet zwar selten oben auf dem Plateau, das Wasser sammelt sich aber dann und wird aus den V-förmigen Riviere Tälern aus dem Gestein weiter unten ausgepresst und steht den Menschen üppig zur Verfügung.

Das Campingleben in der Wilderness Lodge war uns dann doch etwas zu wild, denn eine Tür im gemeinsamen Mann/Frau Toilettenbereich wäre schon ganz erstrebenswert – unsere letzten Intimitäten preisgeben wollten wir nun auch nicht. Also verlagerten wir zum NWR Campingplatz Waterberg Park (GPS S20 30.863 E17 14.749). Sehr schön gelegen und sehr lehr – hauptsächlich wegen des höheren Preises und der Park Eintrittsgebühr. Wir genossen den Tag hier und ließen alle Namibia Eindrücke noch einmal auf uns einwirken, denn am nächsten Tag war die Rückfahrt bis kurz vor Windhoek angesetzt.

Wir suchten vor Windhoek einen Campingplatz. 300€ für eine luxuriöse Lodge in einer der Farmen war uns einfach zu viel Geld und wir genossen auch mittlerweile das freie Leben draußen und das Schlafen in den Dachzelten.

Durch Vermittlung einer Farmerin landeten wir in der Düsternbrook Farm (GPS S22 16.167 E16 54.024) zur letzten Übernachtung in Namibias freier Natur. Sie erreicht man nur mit Allradfahrzeug und wenn die zu querenden Flüsse nicht zu viel Wasser führen (vorher in der Farm anfragen!). Die Farm ist etwa 20 Kilometer von der Hauptstraße nach Windhoek entfernt. Hier halten sie unter anderem Leoparden und Gebharden. Auch drei Nilpferde, die an sich in Namibia nicht heimisch sind, leben hier in einem großen Pool. Man muß aus Sicherheitsgründen auf einem umzäunten Campingplatz übernachten, direkt an einem vorbeifließenden Fluss. Hatten wir vorher Hunde und Hähne und in der Etosha Löwen und Hyänen und bei Twyvelfontein Kamele, die unsere Nachtruhe störten so waren es hier Frösche oder Kröten. Irgendwann in der Nacht waren auch diese Müde und es kehrte die Ruhe der Wüste ein.

Die Düsternbrook Farm bietet auch Fütterungssafaris für die Raubtiere in ihren Wildgehegen an. Da wir jetzt schon alles gesehen hatten, Raubtiere aber viel schwieriger zu Gesicht zu bekommen sind haben wir uns für die Safari entschieden. Raubtiere von einem offenen, kleinen Safariwagen aus in 2-3 Metern anzuschauen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Schöne Raubkatzenbilder waren krönender Abschluß unserer ersten unvergesslichen Namibia Reise.



Wer unsere Namibia Route weiterhin am GPS verfolgen möchte lade den unten bereitgestellten GPS Track File herunter und importiere ihn in Google Earth oder in sein GPS. Anleitungen findet man beim Googeln.

  NamibiaWaterberg.zip (118,4 KiB, 439 hits)

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