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Besuch im Bunker des Ausweichsitzes NRW

Der Kalte Krieg ist schon seit über 20 Jahren Geschichte. Spuren dieser Zeit muss man heute suchen, der Kalte Krieg ist nicht mehr ein allgegenwärtiger Teil des Lebens der Deutschen. Der Bunker des Ausweichsitzes NRW in der Eifel führt einen hinab in die Denkwelt der damaligen Zeit.

Der Zweite Weltkrieg war seit gut 10 Jahren Vergangenheit, die damaligen Siegermächte hatten sich schnell auseinander gelebt. Mit der Berlin Blockade und dem Korea Krieg mündeten diese Auseinandersetzungen der ehemaligen Sieger in den Kalten Krieg mit der Frontlinie mitten durch Deutschland. Die Waffen hatten sich enorm entwickelt. Atomwaffen erzeugten ein immer größeres Vernichtungspotenzial wobei sie durch den windabhängigen, radioaktiven Fallout enorme, tödliche Nachwirkungen in Gegenden erzeugten, die von der Explosion nicht unmittelbar betroffen waren. Mitte der 50er Jahre kam die Aufrüstung. Die Bundeswehr wurde gegründet und in die Nato integriert. Der militärische Apparat der Nato hatte sich auf alle denkbaren Kriegsszenarien eingestellt und entsprechende Planungen und regelmäßige große Militärmanöver in West-Deutschland abgehalten. Den zivilen deutschen Organisationen oblag damals in diesen Kriegsspielen die Reparatur und Aufrechterhaltung der Infrastruktur und die Versorgung und Lenkung der Flüchtlingsströme sodass militärische Bewegungen nicht behindert wurden. Zu diesem Zweck der Aufrechterhaltung einer gewissen staatlichen Ordnung mussten Kommandobunker, abgesichert gegen atomare Schläge des Feindes, geplant und gebaut werden. Der Bund baute seinen Bunker in Bad Neuanahr/Ahrweiler unter einem Weinberg ca. 50 KM vom damaligen Regierungssitz Bonn entfernt. Die 10 alten Bundesländer waren ebenso verpflichtet, Kommandobunker zum Managen des atomaren, militärischen Infernos zu planen und zu bauen.

Der Ausweichbunker NRW, wie der Kommandobunker des Landes Nordrhein Westfalen wohl offiziell heißt, liegt versteckt in dem kleinen, beschaulichen Eifeldörfchen Urft. Ein monströses Bauwerk von über 1.500qm Büro- und Wohnfläche auf 3 unterirdischen Stockwerken verteilt sollte 200 Führungsbeamte aus Düsseldorf im Notfall für bis zu 30 Tage aufnehmen, vollkommen von der Aussenwelt isoliert, eingemauert unter 3m dicken Stahlbetonwänden und tief vergraben in einem Berg der Eifel. Von hier aus wollte man das zivile Leben der etwa 15 Millionen NRW Bürger im Krisenfall organisieren.

Das Bunkerprojekt in der Eifel war natürlich streng geheim. Vor dem Bunkereingang baute man ein unauffälliges Mietshaus und der eigentliche Eingang war gut getarnt hinter einer hässlichen Doppelgarage versteckt. Der Eintritt in den eigentlichen Bunkerkomplex führt durch eine Luftschleuse mit zwei Stahltüren, die dem enormen Druck einer nahen Atombombenexplosion standzuhalten hatten. Das Innere der Anlage ist sehr funktional gestaltet und wirkt kalt, kein Ort zum Wohlfühlen. Die Wände gelblich gestrichen, beleuchtet mit alten, weißen Neonröhren, der Boden mit steril wirkenden Linoleumplatten ausgelegt, ein strapazierfähiger und leicht pflegbarer Bodenbelag aus den 50er und 60er Jahren.

Im Krisenfall wurde in diesem Bunker die Führungsebene des Landes NRW also Minister gegebenenfalls auch der Ministerpräsident und deren Stellvertreter sowie ausgewählte Fachbeamte aus den diversen Düsseldorfer Ministerien einquartiert – ohne Familien. Wie in einer guten Verwaltung üblich waren die Fachbeamte in ca. 10 Referate organisiert. Jedes Fachreferat hatte einen Arbeitsraum für sich. Die Referatsleiter trafen sich in anderen Konferenzräumen mit der Führungsebene um Lageberichte abzugeben und vom Bundesbunker, der Nato Kommandozentrale und anderen Ausweichsitzen der Länder Anweisungen entgegen zu nehmen. Auffälligstes Arbeitsgerät in diesen Räumen und vital zur Aufrechterhaltung der Verbindung mit der Außenwelt ist die Kommunikationstechnik. Eine damals hochmoderne Telefon und Telefax Vermittlungsanlage war eingebaut und ist heute noch funktionsfähig. Man konnte sich über Wahltelefone ins normale, öffentliche Telefonnetz aber auch in private Netze wie z.Bsp. der Deutschen Bundesbahn einwählen. Standleitungen zu wichtigen Verbindungsstellen wie z.Bsp. dem Bundesbunker waren geschaltet. Natürlich waren die Außenverbindungen zur Sicherheit redundant ausgelegt. Der Bevölkerung konnte man über Rundfunk wichtige Mitteilungen vermitteln. Im Bunker ist ein voll funktionsfähiges Studio eingerichtet. Hier erlebt man längst ausgestorbene Technik bevor Computer massenhaft Eingang in unser tägliches Leben gefunden haben.

Der Bunker war natürlich nur dann mit seinen Bewohnern überlebens- und funktionsfähig wenn die Versorgung mit Wasser, Luft und Strom jederzeit gesichert war. Hochspannung wurde über zwei Erdkabel eingespeist und mit Transformatoren auf die nötige Netzspannung transformiert. Falls Strom von außen nicht mehr zur Verfügung stand sorgten zwei Dieselaggregate als Notstromsysteme für elektrische Energie, eines davon ist noch heute voll funktionsfähig. Zur Versorgung der Diesel ist ein 40.000 Liter Dieseltank unter dem Bunker eingebaut. Für den äußersten Notfall gab es Batterien vor Ort, die eine Notbeleuchtung sicherten sodass Mechaniker notfalls einen der Diesel reparieren konnten. Luft wurde von außen angesaugt, über große Sandfilter von atomar kontaminiertem Staub gereinigt, Luftfeuchtigkeit und Temperatur reguliert und große Aktivkohlefilter sollten vor einem Giftgasangriff schützen. Die Klimaanlage, die alle Räume mit Frischluft versorgt, ist ebenfalls ausfallsicher ausgelegt – na klar. Klappt dass alles nicht so steht für den äußersten Notfall eine Handkurbel zur Verfügung mit der man eine minimale Luftzirkulation im Bunker kurzzeitig aufrecht erhalten konnte. Jeder Beamte musste dann 10 Minuten kurbeln, mehr schafft man nicht, dann kam der nächste dran. Wenn das alles nicht reichte musste man raus, nach draußen zu all den anderen mehr oder weniger verstrahlten. Im Bunker würde man langsam und qualvoll ersticken.

Nach der Wiedervereinigung 1990 hatte der Bunker vollständig seinen Sinn verloren. Die Technik war veraltet, der Feind abhanden gekommen, die Demarkationsgrenze zwischen Ost und West war nur noch eine Grenze zwischen Bundesländern. Das Land NRW wollte den teuren Bunker los werden, hob die streng geheime Einstufung der Anlage auf und veräußerte schließlich den Komplex an einen Privatmann, der ihn eigentlich für eine Firma nutzen wollte, was sich aber zerschlug. Heute steht die Anlage seit ein paar Jahren zur Besichtigung durch die Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Führung, die wir erlebt haben, war sehr empfehlenswert. Sie war mit vielen geschichtlichen und technischen Erläuterungen der damaligen Zeit angereichert und so konnte man sich sehr gut in die Denkweise der damaligen Zeit zurück versetzen. Es werden allgemeine Führungen, Führungen für Fotografen und auch Schulklassen angeboten – ich kann einen Besuch des Bunkers nur wärmstens emfehlen. Eines sollte man aber beachten: Der Bunker wird nicht mehr auf permanente 19° Celsius geheizt; die Innentemperatur beträgt mäßige 7°. Das bedeutet: Warme Kleidung anziehen!

Zum Fotoshooting Termin, zu dem wir im Bunker waren, bekommt man zuerst einen intensiven Rundgang geboten, dann gibt es eine Verpflegung und dann stehen alle Räume zum Fotografieren zur Verfügung. Die Fotografen kommen von weit her: Aus Wesel, Oberhausen, Soest und Hessen. Zu empfehlen ist ein Stativ, und Makro Objektiv sowie ein Ultraweitwinkel. Ansonsten viel Spaß und schöne Bilder.



Ach ja, übrigens hier findet man den Eingang zum Bunker versteckt in einer Doppelgarage:

Ausweichsitz NRW auf einer größeren Karte anzeigen

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  1. Friedrich Glasenapp’s Avatar

    … weitere Infos findet man nur auf der Webseite oder per Telefon: 02441 775171 oder mal googeln.

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