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Bei Hannes und Gerdi in der Toscana

Die Adresse von Hannes und Gerdi hatten wir aus dem Toscana Reiseführer den wir auf Reisen in die Toscana immer zur Hand haben. Da stand was drin von freundlichen Gastgebern, alternativ und Deutschen, die es aus Leidenschaft nach Italien gezogen hatte. Da wollten wir hin.

Der Flug mit Germanwings von Köln nach Treviso ca. 30KM vor Venedig gelegen ist mit gut einer Stunde sehr kurz verglichen mit einer zermürbenden Autofahrt über den Brenner. Die Nähe zu Venedig verleitet förmlich zu einem Besuch in dieser berühmten Stadt. Die Anfahrt mit dem Auto führt über einen 4KM langen Damm auf die Insel auf der Venedig errichtet wurde. Am Ende der Straße gibt es große Parkhäuser in denen man das Auto für viel Geld und häufig nur gleich für 24 Stunden abstellen kann. Besucht man Venedig zu Ostern wie wir es taten, so muss man mit vielen Gleichgesinnten rechnen. Zum Glück steuerten wir das Parkhaus schon vor 10 Uhr Vormittags an. Am späten Nachmittag, als wir wieder abfuhren, hatte sich stadteinwärts eine lange Autoschlange gebildet. Aber auch in der Stadt war es extrem voll. Über den Markusplatz und die Rialto Brücke schob man sich mit allen anderen Touristen vorwärts; am Canale Grande, der sich durch Venedig schlängelt, findet man überall Touristenläden, die die üblichen Souvenirs anbieten, die man gar nicht so dringend braucht. Etwas mehr Ruhe findet man nur abseits der Hauptwege in einer dieser unzähligen kleinen Seitengässchen, die immer wieder von kleineren Kanälen begleitet oder unterbrochen werden. Venedig ist schon eine eigene Welt – kein Zweifel.

Nun aber direkt weiter zu Hannes und Gerdi. Wie schon erwähnt stießen wir auf die Beiden auf Seite 467 im Toscana Reiseführer von Michael Müller. Beide haben Anfang der 90er Jahre ihre Zelte in Deutschland abgebrochen sprich Job gekündigt und die Wohnung aufgegeben und sind in die Toscana gezogen. Ihr persönliches, verwunschenes Anwesen ist die alte, kleine toscanische Podere ‚Santa Lucia‘ etwa 20KM nördlich von Arezzo. Hannes und Gerdi sind ausgewiesene Kenner der italienischen Lebensart, kochen perfekt italienisch, kennen sich mit den Kräutern der Toscana bestens aus und können jede Wurst- und Käsescheibe genau erklären, wie sie hergestellt wurde und welche Verwurzelung sie in dieser Gegend hat. Besonders Hannes gibt gerne gute Tipps, wo man versteckte Sehenswürdigkeiten findet, wo heiße Quellen zum Entspannen sind und wie man sich am besten Arezzo nähert und einen kostenlosen Parkplatz findet. Hannes war in seinem früheren Leben Hundeausbilder bei der bayrischen Polizei und so kann es nicht verwundern, dass zu Santa Lucia auch Ballou gehört, ein schwarzer, mittelgroßer Hund einer Rasse deren Name mir leider entfallen ist. Ballou ist der besterzogenste Hund, den ich kenne, liebenswürdig und intelligent. Er versteht die Sprache der Menschen (kein Scherz) und gehorcht seinem Herrchen aufs Wort. Dabei ist er nicht devot oder unterwürfig sondern passt sich mit viel Selbstvertrauen der Menschengruppe an und akzeptiert auf seine freundliche Art auch, dass die Gäste mit zu dieser kleinen Gruppe gehören.

Bei Hannes und Gerdi begann unser Tag Morgens mit einem Früstück, das uns Hannes auf die Terrasse unseres kleinen Häuschens brachte.

Nachdem er kurz die kulinarischen Beilagen erklärt hat kommt das Gespräch schnell auf unsere Pläne für den Rest des Tages. Egal ob man nach Arezzo, Florenz, die Crete oder Siena fahren will Hannes hat gute Tipps parat. Ist das alles abgestimmt und Hannes gegangen macht Ballou seinen Antrittsbesuch. Er guckt ob alle noch da sind und will gestreichelt werden. Ist dann am späten Vormittag das Frühstück abgeschlossen geht man runter zu Hannes und Gerdis Haus und bringt das Frühstücksgeschirr zurück. Man spricht mit Beiden ab ob sie Abends für uns kochen sollen und begibt sich dann mit dem Auto über einige Kilometer Schotterstraße zur Hauptstraße nach Arezzo und dann weiter wohin es auch immer in der Toscana gehen soll. Kultur und Landschaft hat diese Gegend im Überfluss.

Abends nähert man sich Santa Lucia wieder ganz vorsichtig über die Schotterstraße und zum Schluss geht es noch mal ganz steil den Hügel hoch und dann scharf rechts bis wir vor unserem Häuschen zum stehen kommen. Klar, Ballou kommt schon mal vorbei und checkt ob alle angekommen sind. Wir packen aus und gehen ins Souterrain unseres Hauses – und da steht ein Tischfußball Kicker. Sport muss sein und so werden die Kickerstangen flink gedreht. Manchmal kommt Hannes dazu und mischt fleißig mit. Am frühen Abend geht es dann zu Hannes und Gerdi ins Wohnzimmer. Bei köstlichem italienischen Wein und einem zart zubereiteten Osterlamm oder Spagetti mit Meeresfrüchten schweifen die Gespräche ab über Deutschland und zur Frage „Wie kamt ihr hier eigentlich her“, zu italienischer Lebensart, Schule und Bildungssystem bis Kernkraftwerk Nein Danke. Da beide Aussteiger sehr reserviert den modernen Internet Techniken gegenüber stehen kann man allein darüber schon abendfüllend debattieren. Der Abend wird länger und länger, der Wein wird häufig nachgeschenkt man dringt immer tiefer in die Welt der Auswanderer ein. Man erfährt wie die Beiden Santa Lucia auf abenteuerliche Art erworben hatten, wie Hannes sich mit einer Kettensäge am Arm schwer verletzte und die italienischen Ärzte in Arezzo alles wieder zusammen geflickt haben. Nun ja, weit nach Mitternacht wird man müde und geht glücklich und zufrieden nach einem erfüllten Tag zurück in ’sein‘ privates kleines Santa Lucia ins Bett in Erwartung eines neuen ereignisreichen Tages in der Toscana.



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