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Spanien im Winter

Üblich ist es nach Spanien im Sommer zu fahren, um in der Sonne zu liegen und den Urlaub zu genießen. Auf einer spanischen Vater-und-Sohn Wintertour tourten wir 10 Tage Mitte Februar durch den Südwesten Spaniens.

Gestartet sind wir in Madrid am Montag Morgen wobei wir durch das Straßenlabyrinth der 3 Millionen Einwohner Metropole Spaniens Richtung Segovia fuhren. Der Weg mit dem Auto führt über die Autobahn A6 in Richtung der Sierra de Guadarrama, eine Gebirgskette die Teil des Iberischen Scheidegebirges ist und das ca. 40KM nordwestlich von Madrid liegt und mit seinen leuchtend weißen 2.500m hohen Schneekuppen schon von weitem sichtbar ist. Es ist sehr empfehlenswert, die A6 vor der ersten, kostenpflichtigen Mautstation zu verlassen und die parallel geführte N-IV zu befahren. War es im 650m hoch gelegenen Madrid 12° warm so hatten wir auf dem Paß in 1.700m Höhe Frost von -5°. Strenger Frost in der Nacht bei klarem Himmel und rapide steigende Temperaturen durch die hoch am Horizont stehende südliche Sonne führen am Morgen zu einem Reifpanzer auf Pflanzen und anderen Gegenständen wie die Bilder zeigen.

Es geht nach Segovia. Das Städtchen gehört neben der alten spanischen Hauptstadt Toledo und Avila zu den drei historischen Metropolen des Mittelalters. Besonders sehenswert sind die Kathedrale wie in jeder alten spanischen Stadt, der Alcázar aus der arabischen Siedlungszeit und der einzigartige römische Aquäduct.

Von Segovia aus fuhren wir weiter Richtung Süden nach Ávila, der mittelalterlichen Stadt mit komplett erhaltener Stadtmauer.

Die Stadtmauer kann man abschnittsweise begehen mit schönen, weiten Ausblicken in das umliegende Land. Ávila ist in ganz Spanien bekannt durch die Heilige Teresa von Ávila die dort den Orden der ‚Unbeschuhten Karmelitinnen‘ im 16. Jahrhundert gründete und durch ihre gläubige Lebensweise und ihre religiösen Schriften über ihren Orden hinaus bekannt wurde.

Von Ávila aus fuhren wir am nächsten Tag auf der N-110 bei viel Schneefall über den Pass der Sierra de Gredos in Richtung Südwesten in die Extremadura. Die Extremadura ist wohl der am dünnsten besiedelte Teil Spaniens, gelegen im Südwesten an der Grenze zu Portugal. Man fährt kilometerweit durch Olivenhaine und Weideflächen, die mit Korkeichen als Schattenspender bepflanzt sind. Auf den Weiden stehen Pferde, Stiere und Schweine, die den köstlichen Schinken dieser Gegend liefern. Ist es im Sommer glühend heiß in dieser Gegend hatten wir jetzt moderate 10° bei bewölktem Himmel. Alles grünte und blühte, große Seen bildeten sich von den starken Regenfälle der letzten Tage in der Landschaft. Viele Störche wateten durch das Nass auf der Suche nach Futter, manchmal flossen Flüsse durch die grüne Landschaft, die in keiner Karte verzeichnet sind und in ein paar Tagen oder Wochen nicht mehr existieren.

Uns führte die vierspurige Autobahn A66 am späten Abend nach Cáceres einer nicht sehr attraktiven Stadt in der Nähe zur portugiesischen Grenze. Hier hatte ein Hotelbesitzer diese Brutplätze für Störche eingerichtet die von den Tieren als Schlafplätze komplett belegt waren. Am nächsten Tag ging es weiter zum Parque National de Monfragüe. Man kann von der Landstraße EX-208 eine Schotterpiste hinauf zum Bergkamm und dort zu einer alten Emeritage fahren. Von hier aus bietet sich ein herrlicher Ausblick über die Landschaft. Die eigentliche Attraktion dieses Nationalparks sind aber die Geier. Sie wurden, nachdem sie fast ausgerottet waren, hier wieder angesiedelt und stehen heute unter strengem Naturschutz. Die Tiere haben sich stark vermehrt, sind eine touristische Attraktion und werden außerhalb des Parks gefüttert – wie uns ein Parkaufseher umfassend erklärte. Er gab uns auch Tipps, wo Kraniche ihr Winterquartier bezogen haben. Natürlich fuhren wir hin. Die etwa 100 Tiere waren nicht zu überhören; sie standen dicht zusammen neben einer Landstraße auf einer freien Feuchtwiese. Einen Monat später sind sie alle weg, zurück in ihren Sommerresidenzen in Europas Norden.

Etwas südlich von Cáceres liegt die Hauptstadt der autonomen spanischen Provinz Extremadura: Mérida. Mérida ist, genauso wie Segovia, für unsere Verhältnisse mit ihren 50.000 Einwohnern eine kleine Provinzstadt – aber mit ganz alter Geschichte. In der Römerzeit war diese Stadt die Hauptstadt der römischen Provinz Lusitania. Aus dieser Zeit sind mitten in der Stadt römische Theateranlagen, wie auf diesem Bild zu sehen, und ein Amphitheater für die Gladiatorenkämpfe zu besichtigen. Dass die Stadt auch einen Aquädukt und eine alte römische Brücke in bestem Zustand beherbergt sei hier nur so nebenbei erwähnt.

Weiter gings nach Andalusien. Wir wollten nicht in eine der Metropolen Sevilla, Granada oder Cordoba sondern es zog uns ans Meer. Wir entschieden uns für Cádiz. Cádiz ist eine große Hafenstadt Spaniens an der atlantischen Küste. Aber auch in dieser spanischen Großstadt hat der Kern der Altstadt mit der großen Kathedrale und den verwinkelten Gassen sein mittelalterliches Flai bewahrt. Wir kamen Mitte Februar an, zur Zeit des Karnevals: Die Straßen waren geschmückt mit beleuchteten Lichterketten, die über die Gassen gespannt waren; nachts zogen Prozessionen durch die Straßen mit Musik, Kostümen und Gesichtsmasken. Wir haben es bei frühlingshaftem, warmen Wetter genossen.

Der Abschluß unserer Reise war die Rückfahrt nach Madrid. Wir fuhren in Jaén von der Autobahn ab und hinauf zum Parador. Das ist einfach ein Pflichtstopp. Von hier aus hat man einen phantastischen Überblick über die Stadt Jaén, die um diesen Einzelfelsen gebaut wurde aber auch einen weiten Blick in die Ebene der La Mancha.

Natürlich fährt man nicht direkt weiter von Jaén nach Madrid sondern übernachtet in Toledo, der alten spanischen Hauptstadt, die erst Phillip II. Ende des 16. Jahrhunderts in das damals unbedeutende Madrid verlegte.

Toledo liegt an der Nordseite des tief in die Ebene eingeschnittene Tal des Tajo. Die Stadt hat, ähnlich wie die Schwestern Segovia und Ávila, eine lange Geschichte, die von den Keltiberern, Römern, Westgoten über die Mauren bis ins heutige Spanien reicht, als die Stadt Ende des 11. Jahrhunderts von Alfons VI in der Reconquista von den Arabern zurückerobert wurde. Auch hier muß man unbedingt den Parador auf dem Südufer des Tajo anfahren. Dieser Parador hat eine großere Terrasse mit tollem Blick auf das alte Toledo.

Für Madrid hatten wir nicht sehr viel Zeit reserviert. Ohne Fotoausrüstung waren wir Abends in der Altstadt und besonders am Sonntag im Prado. Für mich ist es sehr beeindruckend vor einem Originalbild von Dürer, Goya, Velasques, Rembrandt, Rubens und vielen anderen großen Malern zu stehen. Noch imposanter ist, dass man z.Bsp. bei Goya die Entwicklung des Malers von kirchlichen Motiven bis zu sehr sozialkritischen Themen um die Zeit der spanischen Befreiungskriege von Napoleon anschauen kann. Wir waren im Prado den ganzen Nachmittag. Als wir Mittags am Eingang anstanden mußten wir nur relativ kurze Zeit warten, als wir den Prado verließen gab es eine lange Schlange komplett entlang der Längsseite des Museums. Im Sommer bei großer Hitze muß es furchtbar sein.

Am Ende dieses Artikels noch ein paar erwähnenswerte Fakten: Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet 35-50€. Im Winter muß man mit Kälte rechnen denn Heizungen gibt es meistens nicht. Das Auto sollte man in Parkhäusern parken, da das Parken in Parkbuchten an der Straße in den Innenstädten häufig nur für Einheimische erlaubt ist. Kosten maximal 15-25€. Leider sind in Spanien viele Nationalstraßen durch Autobahnen ersetzt worden weshalb man häufig nicht einfach anhalten kann. Spaniens Infrastruktur ist überhaupt in Provinzen wie Extremadura super entwickelt. Vielleicht haben hier die EU Subventionen doch etwas zuviel des Guten bewirkt. Aber den Spaniern sei es gegönnt.



Und für all diejenigen, die nicht genau wissen, wo wir überall in Spanien waren, es aber gerne wüßten, helfe ich hier mit Google Maps aus:


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