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Essen – Weltkulturerbe Zeche Zollverein

Ich stieg die Metallrost Treppe hinauf, wie sie in Industrieanlagen üblicherweise bis heute verbaut werden, dann durch eine Metalltür hinaus auf ein kleines Podest – und es stieg mir der Duft von Frittenfett in die Nase.

Wie kann das sein? Um mich herum und besonders unter mir ein düsterer Raum voll mit Maschinenanlagen. Anlagen ohne Steuerungen und LCD Panels, die vermitteln, dass der Computer Herr aller Dinge und Abläufe ist. Keine Datenkabel sauber verlegt, nur angerostetes Eisen und Stahl, Zahnräder wie in einem gigantischen Uhrwerk, Manometer zur Druckmessung die korrekt 0 bar Druck anzeigen. Und doch: Frittenfett passt schon. Die Zeche Zollverein ist ein riesiges Industriemuseum, Weltkulturerbe der UNESCO wie der Kölner Dom, einzige große Zeche auf der Welt, die nach der Stilllegung 1986 nicht abgerissen wurde sondern die man zu einem Museum und Freizeit- und Eventpark umbaute, inklusive Restauration und Schnellimbiss.

Zeche Zollverein, ein Name der so gar nicht zu einer Kohlenzeche passt. 1847 wurde die Zeche gegründet vom Industrietycoon Franz Haniel, der ein ergiebiges Kohlefeld für die Stahlerzeugung suchte und hier bei Essen-Katernberg auf das neu erschlossene Flöz Zollverein, benannt nach dem 1934 gegründeten Deutschen Zollverein, stieß. Die rapide Industriealisierung und die Militarisierung der Nationalstaaten zum 1. Weltkrieg hin ließen die Nachfrage nach Stahl explodieren und parallel dazu auch die Nachfrage nach Kohle und Veredelungsprodukte wie Koks. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Kohle gebraucht um den Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland und das Wirtschaftswunder in den 50er und 60er Jahren zu ermöglichen. Ohne diese Industriegiganten wie die Zeche Zollverein gäbe es kein Industrieland Deutschland, das ist wohl Fakt. Giganten sind aber nicht unsterblich: Durch den aufstrebenden Welthandel wurde Importkohle verfügbar, die oft viel billiger gefördert werden konnte. Alternative, billige Energien wie Erdöl und Gas leiteten dann das endgültige Aus der heimischen Kohleindustrie ein. Trotz aller Rationalisierungsanstrengungen kam das Ende am 23. Dezember 1986. Zeche Zollverein wurde stillgelegt.

Klugerweise kaufte das Bundesland NRW die Zeche auf und stellte sie unter Denkmalschutz. Es folgten Umbauten, es zogen auch Gewerbe der heutigen Wirtschaftsszene wie Design- und Architekturbüros ein. Vorträge und Kulturereignisse finden hier in historischer Kulisse statt. Die ehemals verbotene Industriestadt in der Stadt Essen ist ein frei zugänglicher Park, der die Besucher in größeren Massen anzieht.

Leider konnte ich keine Führung mitmachen um mir alles genau erklären zu lassen. Spontan geht das nicht man muß sich längerfristig anmelden. Aber der Eindruck, der vermittelt wird, wenn man Zeche Zollverein mit den imposanten Industriebauten in der schnörkellosen Backsteinarchitektur der 30er Jahre über sich kommen läßt und das düstere Innenleben auf sich einwirken läßt, läßt nur den einen Schluß zu: Dies Weltkulturerbe der anderen Art war den Besuch wert. Bilder findet man am Schluß dieses Artikels.

Wer Zeche Zollverein, hier der Link zu Wikipedia, selbst besuchen möchte, der findet sie hier:


Größere Kartenansicht

Die Bilder meines Besuches am Karfreitag 2010 können angeklickt oder als Diashow angeschaut werden. Wer sich über das Foto mit der kleinen Pflanze, die sich aus dem Betonblock herauswagt, wundert: Sie fiel mir auf und steht symbolisch für die ganze Anlage. Irgendwo etwas abseits lag dieser Quader aus 1x1x1m³ häßlichen, grauen Waschbetons. Auf der Oberfläche waren Bohrungen angebracht, die sich über die Jahre mit Erde gefüllt haben. Aus einem dieser Löcher sproß dieses Pflänzchen in sattem Grün. Aus Altem entsteht etwas Neues, genau wie die Zeche Zollverein als Ganzes diesen Wandel durchläuft.


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